15. September 2017

Ich verstehe mich einfach selbst nicht. Die letzten Tage liefen gut. Für meine Verhältnisse sogar sehr gut. Ich habe mich schnell an die Schule gewöhnt, habe sogar sofort Anschluss gefunden. Ich bin sicher dass ich den Stoff bewältigen kann, in einigen Fächern bin ich, wie meine Hausärztin schon zu mir sagte, tatsächlich unterfordert. Englisch z.B. Ich dachte heute wirklich ich würde einschlafen. Und ich finde es unglaublich schwer da ein gutes Maß zu finden. Einerseits möchte ich mitarbeiten/mich beteiligen, aber andererseits weiß ich nicht wie oft ich was sagen/mich melden „darf“ ohne dass es blöd rüberkommt, ich will das ja nicht raushängen lassen…naja, wenigstens muss ich mir da keine Sorgen um Noten machen, das krieg ich hin. Und ich habe Angst dass man mir ansieht dass ich mich langweile. Genau wie in Fachrechnen, das war gestern für mich wirklich anstrengend, aber ich habe die Hoffnung dass es etwas besser wird wenn wir mal Kalkulationen etc. machen. Aber wenn man Mathe an der Uni hatte ist das schon echt hart wenn man Umrechnungen macht und sich dann noch Erklärungen anhören muss warum 1000*1000 nicht 2000 ist. Und dann fühle ich mich arrogant und hasse mich dafür. Zu Recht.

Also alles in allem lief es gut. Und trotzdem komme ich heute heim und alles ist einfach nur schrecklich. Ich bin depressiv, lebensmüde, möchte mich nur noch in der Ecke verkriechen, weinen und schreien. Keine positiven Gedanken möglich, in meinem Kopf nur schlimme Gedanken und Hoffnungslosigkeit. Der unerfüllbare Wunsch nach einem baldigen Ende der sich anfühlt als würde sich in mir Säure ausbreiten.

Ich habe die letzte halbe Stunde damit verbracht intensiv zu analysieren was das ausgelöst haben könnte. Der Wegfall von Stress jetzt wo das Wochenende da ist? Liegt es einfach daran dass ich jetzt „Zeit“ dafür habe und mein Unterbewusstsein nur darauf gewartet hat? Oder liegt es vielleicht auch daran dass mir heute in Laborkunde wieder hart und schmerzlich bewusst wurde dass ich bald auffliegen werde. Noch denken alle ich wäre normal. Bald werden sie meine Narben sehen. Ich wünschte ich könnte das verhindern. Ich wünschte ich könnte sie einfach verschwinden lassen. Der Selbsthass frisst sich durch meine Gedanken. Und ich kann noch nicht mal einschätzen wie lange diese Gnadenfrist noch anhält. Wir haben keinen Zeitplan bekommen, ich weiß nicht wann wir mit Blutdruck und Puls messen anfangen. Nächste Woche wird einem von uns Blut abgenommen für Laborkunde, mein Glück ist nur dass das mit Sicherheit auf freiwilliger Basis sein wird. D.h. ich werde es ganz bestimmt nicht werden. Es fühlt sich an als würde ich darauf warten müssen mich irgendwann vor der Klasse komplett ausziehen müssen. Irgendwie logisch, denn rein emotional gesehen stehe ich ohne meine langen Ärmel ja schon irgendwie „nackt“ vor ihnen. Wenn ich jetzt daran denke bereue ich schon wieder alles und will nur noch weglaufen.

Zu allem dazu kommt noch dass ich die letzten Wochen wieder zugenommen habe. Ich weiß nicht wie viel, auf die Waage traue ich mich einfach nicht. Aber ich kann es sehen. Und meine Oma hat diesbezüglich auch schon einen Kommentar abgegeben (auch wenn sie es lustig und nicht böse gemeint hat, es hat alles bestätigt). D.h. ich muss jetzt wieder richtig aufpassen. Alles auf den Schulalltag ausrichten. Das viele sitzen macht es verdammt schwer und ich bin es nicht mehr gewohnt. Werde teilweise richtig unruhig weil ich mich nicht bewegen kann…Erwische mich wieder dabei wie ich ständig mit den Beinen wippe bzw. „zittere“. So extrem hatte ich das schon lange nicht mehr, ich glaube sogar das letzte Mal war noch in der Klinik, und auch da war es nicht so extrem wie jetzt. Es nervt. Ich kann es nicht abstellen und habe sehr starke Angst dass andere es mitkriegen und dass es sie stört….danke ehemalige Mitpatientin dass du mich damals aus dem nichts deswegen so zickig und gemein angefahren hast dass ich deswegen danach noch über ne Stunde Weinkrämpfe und ein schlechte Gewissen (weil ich dich genervt/gestört habe) hatte. Naja, muss einfach versuchen achtsamer zu sein. Kontrolle heißt, wie immer in meinem Leben, auch hier das Zauberwort. Naja, ändert nichts an der Tatsache dass ich abnehmen muss. Dringend. Morgen und übermorgen ist schon mal extremes Kalorien-Einsparen angesagt. Morgen Abend muss ich ne Pizza essen, will Oma nicht verletzen, sie hat da irgendwie ne Art Ritual draus gemacht wenn meine Eltern nicht da sind. Aber sonst esse ich halt nichts. Für die Schule muss ich mir noch ne gute Strategie überlegen. Ganz ohne ist dumm und unrealistisch.

Wieder einmal versuche ich mich mit schreiben abzulenken. Den Zusammenbruch so lange wie möglich rauszuzögern. Oma kommt heute Abend noch mal kurz, irgendwas trinken und Gute Nacht sagen. Auch ein Ritual seit Opa nicht mehr da ist. Und vorher darf ich nicht weinen.

Die ganze Erbschafts-Geschichte hat die Vergangenheit wieder sehr stark in den Fokus meines Unterbewusstseins gerückt. Alpträume (eigentlich jede Nacht), Flashbacks alles ist wieder an der Tagesordnung. Ich habe Panik davor dass es mal in der Schule passiert. Besser gesagt habe ich Angst mal in eine Panikattacke zu rutschen. Dann könnte ich sofort meinem Leben ein Ende setzen, denn das würde ich nicht ertragen. Es macht mich so unfassbar wütend, wie sehr es sich schon wieder in mein Leben gedrängt hat. Nach der Klinik hatte ich es wirklich gut im Griff. Klar, es war nicht perfekt, aber wesentlich besser. Und jetzt ist alles wieder wie vorher. Nein, es ist schlimmer. Immer wieder sein Name, ich will ihn nicht hören. Ich will nichts von ihm wissen. Will seine bloße Existenz verdrängen. Vergessen. Und nicht auch noch zusätzliche Informationen erhalten wie etwa die Tatsache dass er heiratet. Das alles führt dazu dass er wieder ständige Präsenz in meinem Kopf hat. Und das geht gar nicht….Ich hoffe dieser Alptraum hat bald ein Ende, ich ertrage es langsam nicht mehr….

Es ist schon ironisch. Ich hasse mich für die Narben und was ich mir dadurch selbst angetan habe, den ganzen Stress den sie verursachen, und trotzdem schreit alles in mir nach ein paar tiefen, blutenden Schnitten. Nach der Beruhigung, der Betäubung. Wie schön wäre es dadurch mal wieder richtig „aufatmen“ zu können…..Wieso bin ich so?! Warum schaffe ich es nicht von diesen Gedanken, dieser Sehnsucht weg? Warum kann ich nicht einfach wie andere sein? Was habe ich aus mir und meinem Leben nur gemacht….es ist erbärmlich…ich bin erbärmlich.

 

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11. September 2017

Morgen gehts los. Alles wieder mal auf Anfang. Um 9 Uhr muss ich in der Schule sein. Nichts kann das Gefühlschaos in mir beschreiben. Oder die Angst. Diese riesige, fette Angst, die mich schon seit über einer Woche nicht mehr „erholsam“ schlafen lässt. Von der ständigen Nervosität habe ich sehr oft Magenschmerzen oder mir ist schlecht. Von der ständigen Anspannung Schmerzen im Rücken. Gerade habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Ich hasse mich dafür ausgerechnet diesen Zeitpunkt gewählt zu haben um meinen Eltern in diesem Wunsch nachzugeben. Aber klar, was tut man nicht alles um sie glücklich zu machen.

Ich habe mein bestes versucht wütend zu sein. Sie für alles zu hassen. Aber ich kann es nicht. Also mache ich weiter wie zuvor. Maske aufsetzen, lächeln, niemandem zu zeigen wie gefährlich weit ich schon über dem Abgrund hänge. Die Bulimie versucht sich Schritt für Schritt wieder in mein Leben zu schleichen. Zu oft habe ich in den letzten Wochen diesbezüglich die Kontrolle verloren. Darf so auf keinen Fall weitergehen. Aber ich habe nichts anderes. So oft war ich kurz davor einfach aufzugeben, zu schneiden, ne Überdosis Medis zu schlucken, nur um einen kurzen Moment der Ruhe, der Erlösung zu haben. Ich habe es nicht getan. Und ein immer größer werdender Teil von mir hasst mich dafür. Ich halte es einfach aus. Immer weitermachen. Egal wie. Egal zu welchem Preis. Ich merke wie ich immer depressiver werde. Kaum etwas macht mir noch Freude, ich bin eigentlich nur noch müde. Tagsüber bin ich manchmal so erschöpft, dass ich nur noch den Kopf ablegen und die Augen schließen kann. Schlaf finde ich trotzdem nicht. Zu laut sind die Gedanken in meinem Kopf. Zu erdrückend die Angst in mir.  Ich weine kaum noch. Entweder habe ich kaum noch Tränen übrig, oder mein Unterbewusstsein hat kapiert dass es eh nichts bringt. Aber ich bin froh dass wenigstens das kaum noch ein Problem darstellt. Es wäre nur eine zusätzliche Anstrengung, und von denen habe ich auch so schon mehr als genug. Der Wunsch alles zu beenden, nicht mehr da zu sein, nie wieder etwas fühlen zu müssen, nicht mehr in diesem Leben gefangen zu sein, ist manchmal so überwältigend groß. Und es ist zerschmetternd dass es Wunschdenken ist und bleiben muss. Dass ich diese Erlösung nicht bekommen werde. Vermutlich habe ich es auch gar nicht verdient. Vermutlich verdiene ich das alles was ich jetzt habe. Den Schmerz, die Angst, die Traurigkeit, die Leere, die Scham, die Einsamkeit. Das ist alles was ich verdiene.

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Der Familienstreit hat noch kein Ende gefunden. Meine Oma ist, jetzt nachdem sie erfahren hat dass der geschätzte Wert ihres Hauses um einiges höher ist als erwartet, nur noch mehr Sorgen. An ihrem Geburtstag letzte Woche waren meine Tante und ihr Mann da. Ich kann nur dankbar sein dass sich alle zusammengerissen haben solange sie noch da war. Als sie nachhause gegangen war ging die Diskussion zwischen meinen Eltern und ihnen wieder in eine neue Runde. Ich ertrage es nicht mehr. Ich kann es nicht mehr hören. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist alles so doch schon schlimm genug….Und meine Tante und ihr Mann….die nerven mich so dermaßen dass ich sie teilweise nur anschreien möchte. Mit ihrer Sturheit, ihren Ansichten, ihrer Überheblichkeit. Ich hoffe eine weitere Zusammenkunft kann bis November vermieden werden.

Ich glaube das Schlimmste an dem Abend war als mein Vater gesagt hat, dass er ja vermutlich sowieso als erster von allen sterben wird und es bei ihm alles ganz anders laufen wird (in Bezug auf Beerdiung etc.) Danach war die Nacht gelaufen. Das hat meine Verlustängste die ich tief in mir versuche wegzuschließen komplett frei gelassen. Ich habe die Nacht kein Auge zugekriegt. Und seit langem wieder geweint.

Und gerade hat meine Mutter ihren Bruder unten sitzen. Da halt ich mich jetzt weit weit fern von. Heute bin ich fertig genug, da brauch ich nicht noch mehr von diesem Zirkus.

Ich weiß nicht was ich noch schreiben soll. In meine Kopf überschlägt sich alles. Ich will krampfhaft schreiben, denn es fordert meine Konzentration weit genug um noch als Ablenkung durchzugehen. Mir ist so schlecht, dass ich durchgehend das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, aber natürlich ist das nicht wirklich so. Es ist die Angst, die Nervosität vor morgen. Die Panik. Ich weiß jetzt schon dass die Nacht heute eine totale Katastrophe wird, und morgen muss ich um 5 Uhr aufstehen. Super Voraussetzungen für den Tag. Wenn ich daran denke, dass ich ab morgen wieder 5 Tage die Woche das Haus verlassen muss, unter Menschen sein muss, noch mehr funktionieren muss, dann wird mir schwindlig. Ich bin gespannt wie viele Panikattacken die nächste Zeit und insbesondere der morgige Tag für mich bereithält. Ja, das wird alles super.

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Ich fühle mich so unglaublich allein. Ich habe niemanden. Niemanden der mir helfen kann. Niemanden der mich sehen darf. Immer bin ich die starke, normale, gesunde, fröhliche. Keiner weiß wer ich wirklich bin. Ich blicke in die Vergangenheit, es ist traurig was aus dem lächelnden Grundschulkind von damals geworden ist. Eine einsame, kaputte 23-Jährige, ohne Freunde, verletzt, unnahbar, verbittert, schwach. Ja, es ist sogar verdammt traurig.

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26. Juli 2017

Ich glaube ich stehe unter Schock. Alles fühlt sich unwirklich an. Atmen fällt schwer. Nebel vor meinen Augen, meine Hände zittern beinahe unkontrollierbar.

Meine Eltern sind nicht da. Meine Mutter hat heute einen Brief von ihrem Bruder bekommen. In der Anahme dass ich ihn, wie die andere Korrespondenz mit ihren Geschwistern auch, würde lesen dürfen habe ich ihn gelesen. Und ich kann nicht mehr. Sie wissen es. Sie hat ihnen das privateste, intimste Geheimnis meines Lebens verraten. Wie vielen hat sie noch davon erzählt? Ich kann nicht mehr. Wie konnte sie mir das antun? Ich bin so unendlich verletzt. Enttäuscht. Wütend. Bin nicht in der Lage das auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Ich will sie nie wieder ansehen müssen. Nie wieder mit ihr reden. Wie soll ich heute, wenn sie nach Hause kommen und dann mit Oma auf ihren Namenstag anstoßen, auch nur halbwegs eine gute Miene hinbekommen?

Ich will schreien, ich will bluten, will den Schmerz rauslassen, will vergessen und verschwinden. Mir fehlen die Worte. Ich hätte nicht erwartet, dass es mir tatsächlich noch schlechter gehen könnte als jemals zuvor. Ich habe mich getäuscht. Genauso wie ich mich in meinen Eltern getäuscht habe. Ich wurde verraten. Verletzt. Gedemütigt. Nie wieder werde ich ihnen irgendetwas von mir preisgeben. Im Moment hasse ich sie. Alle. Jeden Menschen auf dieser Welt. Man kann Menschen nicht vertrauen. Das wusste ich. Aber das? Übertrifft alles bisher da gewesene. Meine Anspannung explodiert gerade. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich spüre meinen Puls in meinen Ohren. Jeder Atemzug ist ein Kampf. Sie haben es nicht verdient, dass ich für sie lebe. Dass ich für sie kämpfe. Nur noch Oma ist da. Also weitermachen – für sie. Alle anderen können mich mal. Ich hab genug. Es ist alles nur zum kotzen. Kotzen? Eine gute Idee. Könnte bisschen Druck wegnehmen…aber es ist vermutlich nie genug Erlösung. Kann es die überhaupt noch geben?

20. Juli 2017

Alles pendelt sich ein, findet seinen Rhythmus. Es ist nichts gutes daran, aber das erwarte ich auch nicht mehr. Nachts schlafe ich gar nicht mehr, vormittags lege ich mich dann noch für 2-4 Stunden hin, und das ist auch eher „nur mal kurz ausruhen und Augen zu machen“.  Ausreichend ist es schon lange nicht mehr. „Richtigen“ Schlaf hatte ich jetzt wann das letzte Mal? Ich weiß es gar nicht mehr. Dementsprechend fühle ich mich. Meine Augen tun weh, sind oft rot und extrem empfindlich. Manchmal sind sie so erschöpft dass ich kaum noch lesen kann, ich muss gefühlt dreifach so häufig blinzeln wie normal, und auch das tut weh. Ich bin schwach, mein Rücken tut weh weil ich ihn kaum noch entspannen kann. Aber das alles ist ok…ich kann damit leben.

Ich bin leer. Da sind keine Emotionen mehr die mir das Leben noch schwerer machen. Da ist einfach nur ein großes Nichts. Das macht alles ein bisschen einfacher.

Ich bin eigentlich nur noch in meinem Zimmer. Nur zum Abendessen oder wenn meine Oma da ist oder zum Gassi gehen verlasse ich es (vom rauchen gehen mal abgesehen, aber da hab ich zum Glück nie Gesellschaft). Es tut so gut. Keine Maske den ganzen Tag lang. Einfach nur allein vor sich hin existieren. Vergraben in Büchern und Geschichten. Weg von allem, weg von der Welt, weg von mir selbst. Ich schwebe hier in einer Art Blase, abgeschirmt und taub. Emotionslos, kalt, alles ist ein bisschen unwirklich. Und trotzdem ist alles noch zu viel. Zu viel Leben, zu viel Ich. Zu viel existieren. Aber ich befinde mich da in einer Einbahnstraße, es gibt keinen Ausweg, und ein zurück gibt es schon gar nicht. Natürlich gäbe es immer die Möglichkeit zu sterben. Es wäre so leicht. Aber diese Türe hab ich für mich verschlossen. Ich weigere mich meiner Familie diesen Schmerz zuzufügen. Ich werde weiterleben, bis sie weg sind. Dann darf ich auch gehen. Bis dahin mache ich weiter. Egal zu welchem Preis.

In meinem Bullet Journal habe ich für jeden Tag eine To-Do-Liste. Und bei jedem Tag befindet sich das Wort „überleben“. 

14. Juli 2017

Ich sitze in der S-Bahn. Klammere mich fast panisch ana Handy. Gar nicht so einfach zu tippen wenn man so verkrampft ist. Meine Anspannung kracht bald durch die Decke. Ich habe Angst. Richtig heftige Angst. Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in dieser großen Stadt. Und ich will auch nicht. Aber da ich ab September wieder 5 Tage die Woche dorthin muss kann ich auch gleich schon damit anfangen mich wieder daran zu gewöhnen. Wie hab ich das all die Jahre einigermaßen problemlos hinbekommen? Wenigstens hab ich die Gewissheit nicht von diesem Bahnhof aus zu fahren. Denn den hasse ich. Zu viele potentielle Gefahren die meine ohnehin existente Angst verfünffachen.

Ich freue mich K. mal wieder „so richtig“ zu treffen, mich mit ihr unterhalten zu können. Aber das macht das alles nicht leichter. Es ist lediglich der Grund mich zwingen zu können. Und irgendwie… ich habe die Hoffnung mich vielleicht überwinden zu können ihr auch nur einen ganz kleinen, winzigen Teil der Wahrheit anvertrauen zu können. Ich weiß dass ich ihr Vertrauen kann, aber ich weiß nicht inwiefern ich mich zwingen kann mal wieder was von dem ganzen scheiß aussprechen zu können. Das konnte ich ja noch nie gut, aber es ist schon sehr sehr lange her dass ich es auch überhaupt mal versucht hätte. 1,5 Jahre schätze ich mal. Mindestens.  Vielleicht hilft ein bisschen Alkohol mir ja auch ein bisschen. Denn wenn ich mich schon zu dieser ganzen Altion überwinde, werd ich es mir zumindest mit ein zwei Cocktails erleichtern.

Ich habe vorhin mit ziemlich großer Überraschung festgestellt, dass ich tatsächlich wieder in eine alte Hose passe. Ich meine klar, die Waage zeigt mir inzwischen über 10 Kilo weniger an, aber man sieht es nicht. Oder sehe nur ich es nicht? Ich hätte diese Hose vermutlich nie in Erwägung gezogen, wenn ich die anderen 2 Alternativen gefunden hätte… Keine Ahnung. Eigentlich ändert es eh nichts. Es ändert nichts daran dass ich nach wie vor fett bin und es ändert nichts daran dass noch weitere 20 Kilo runter müssen. Mindestens… oh man, wie soll ich nachher auch nur einen Bissen runterbringen? Ich hätte das mit essen gehen nicht bejahen sollen…. naja muss ja irgendwie klappen. Aber essen in der Öffentlichkeit? Absolut nicht meine Stärke…. schon gar nicht mit der angstbedingten Übelkeit…obwohl gute Übung für morgen. Essen gehen mit Familie. Das war Mamas brilliante Idee. Oma auf andere Gedanken bringen – ok. Aber musste es gleich essen gehen sein? Was besonderes bestellen hätte doch auch schon gereicht. Und vor allem in einem Restaurant in dem man Gefahr läuft auch noch von Leuten gesehen zu werden die einen kennen? Ne, da bevorzuge ich definitiv die Anonymität in der großen Stadt…

Es ist wirklich extrem nervend wie lange es dauert diesen simplen Text zu schreiben. Nicht nur das erschwerte tippen durch die Anspannung, auch meine Konzentration lässt enorm zu wünschen übrig…. vielleicht verständlich, wenn man bedenkt dass ich vorletzte Nacht überhaupt nicht, und letzte Nacht nur 5 Stunden geschlafen habe. Der Schlafmangel der letzten Zeit macht sich bemerkbar. Meine Augen sind gerötet, und ich bin blasser als sonst schon. Aber es ist wenigstens niemandem aufgefallen. Aber ich bin müde… ich würde so gerne schlafen, aber wer weiß wann ich heute nachhause bzw. ins Bett komme. Und morgen heißt es wieder vergleichsweise früh aufstehen. Und übermorgen dass noch früher. Und in die Kirche. Wegen Opa. Da komm ich also nicht drum rum, obwohl ich wirklich absolut nicht die geringste Lust verspüre eine Kirche zu betreten und so zu tun als würde ich das alles „gutheißen“. Mit fällt kein besseres Wort dafür ein… aber ich habe mit dem ganzen Kram einfach nichts am Hut. Und ich habe Angst vor dem Grab. Ich war seit der Beerdigung nur ein mal, und das auch eher unfreiwillig. Es macht es einfach zu real….ok, schnell die Musik lauter und an was anderes denken. Sonst fange ich wirklich noch an in aller Öffentlichkeit zu heulen….

Edit: und kaum ausm Zug raus weiß ich wieder warum ich es so hasse in dieser Stadt mit diesen vielen Menschen rumzulaufen. Zum Beispiel wegen diesen Jungen Kerlen die in Gruppen rumlaufen und random „I like you whore“ alle paar Meter brüllen….

12. Juli 2017

Ich liege in meinem Zimmer auf dem Sofa, lausche dem Regen der mit wundervoller, beruhigender Wirkung auf das Dachfenster trommelt. Durch das offene Fenster kommt klare, kühle Luft mit diesem typischen Geruch von Regen. Es könnte alles schön sein, wäre da nicht ich. Ich mit den Dämonen in meinem Kopf, überfüllt von negativen Gedanken und Gefühlen. 

Ich hatte heute schon eine kleine bzw. kurze, aber für unsere Verhältnisse heftige Auseinandersetzung mit Mama. Da ich zwar früh aufwache aber meistens noch Stunden im Bett liege, frühstücke ich ja dementsprechend spät. Und was macht sie als erstes als sie gegen halb drei von der Arbeit kommt? Meckern weil mein Geschirr noch rumstand. Ja entschuldigung, das räum ich halt erst weg nachdem ich fertig bin, und nicht schon während ich noch meinen Kaffee trinke. In solchen Momenten kocht die Wut in mir so hoch. Und danach? Da hasse ich mich dann noch mehr. Es ist unfair von mir. Sie kann nicht wissen wie schlimm ich mich fühle. Wie schwer mir alles so schon fällt, ohne ihre Vorwürfe solch „simplere“ Sachen betreffend. Es ist nicht richtig von mir sie dann anzufauchen und kalt zu behandeln. Heute war die Sehnsucht nach Bestrafung wieder enorm hoch. Aber geht ja nicht. Erst lag ich auf meinem Bett, leer und ausgelaugt. Dann hat mich etwas gepackt, dass ich schon von früher von mir kenne. Totaler Rückzug. Alles was noch von mir unten im Wohnzimmer lag gepackt, mein Zimmer aufgeräumt. Und da bin ich nun, die ganze Zeit. Nur zum essen oder rauchen gehe ich runter. Diese Überwindung die es kostet auch nur daran zu denken diesen Raum zu verlassen. Ja, das kenne ich von früher, aber so heftig kam es schon lange nicht mehr vor. Mal sehen ob es ihnen überhaupt auffallen wird. Ich vermute (und hoffe) eher nicht. 

Am Freitag treffe ich mich mit K. Erst in der Stadt und abends ins Kino. Ich will absolut nicht, allein der Gedanke daran löst absolute Panik in mir aus. Aber ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht ihr schon wieder nen Korb zu geben. Ich weiß dass sie sowas traurig macht. Also werde ich es irgendwie hinter mich bringen…

Ich darf da jetzt nicht weiter drüber nachdenken. Eigentlich darf ich gar nicht denken. Sonst endet das am Ende wieder mit Tränen, und das geht nicht solange ich meinen Eltern nochmal begegnen könnte. Vielleicht „gönne“ ich mir das heute vorm einschlafen. Vielleicht verschafft es eine kurze Erleichterung, ein bisschen mehr Ruhe in mir. Obwohl ich das ja eher bezweifle, denn das ist eher selten der Fall…

11. Juli 2017

Es gibt Träume, die sind für mich schlimmer als jeder Albtraum nur sein könnte. Letzte Nacht hatte ich wieder so einen. In diesen Träumen erscheinen die Dinge, die ich tief in mir vergraben habe. Die ich mir in wachem Zustand niemals eingestehen will. Hoffnung, Wünsche, Sehnsucht. Und ziemlich erbärmliche noch dazu. Das war wieder so ein Traum. Voller Trost, Verständnis, dem Gefühl nicht allein zu sein, gesehen zu werden, akzeptiert zu werden, die Wahrheit rauslassen zu können. Das Gefühl beim aufwachen ist einfach nur schrecklich. Überwältigt von Verzweiflung, Wut, Traurigkeit, Scham und absoluter Enttäuschung. Eigentlich ist es nicht mit Worten zu beschreiben. Und jetzt sitze ich im Bett, Lichter an, Musik in den Ohren, und mit noch größerer Angst vorm schlafen als ich sie ohnehin schon habe. 

Mein Kopf schmerzt seit Tagen. In Zeiten wie diesen bekomme ich immer Kopfschmerzen. Ist auch irgendwie verständlich wenn man bedenkt, dass ich gar keine Ruhepausen habe. Solange ich wach bin vergrabe ich mich in Büchern und Geschichten, lese eigentlich durchgehend, mit Ausnahme von gemeinsamen Mahlzeiten. Alles bloß nicht nachdenken. Denn dann zerbreche ich in tausend Teile, und im Moment habe ich weder die Kraft noch den Willen mich dann wieder zusammenzusetzen. Kann nicht weiter schreiben. Denn alles kommt hoch, als würde irgendein Monster in mir die Gelegenheit nutzen wollen. Schnell wieder zum Buch greifen. Es liegt hier schon neben mir. Ein Freund der Hilfe verspricht. Mich fliehen lässt. Zumindest ein bisschen. Mal sehen wie lange ich es heute schaffe mich gegen dieErschöpfung  meines Körpers zu wehren. Ich will nicht schlafen. Wenn ich an letzte Nacht denke wird mir schlecht, und ich wäre fast schon so weit mir stattdessen ein paar Albträume zu wünschen. Aber nur fast. Eigentlich wünsche ich mir nur mal eine Nacht ohne irgendeinen Traum. Nur eine. Aber wie heißt dieses dämliche Sprichwort oder was auch immer das ist? Das Leben ist kein Wunschkonzert. Klingt bescheuert, aber könnte nicht mehr Wahrheit enthalten…

7. Juli 2017

Alles ist eine ewige Katastrophe. Wie eine lange Straße auf der ich gezwungen bin zu laufen. Eine schreckliche Straße, in tiefste Dunkelheit gehüllt, und mit Alpträumen und Monstern zu beiden Seiten. Und diese Straße hat kein Ende.

Die Sache mit dem Testament spitzt sich zu. Mir hätte klar sein müssen dass er seinen Titel als größtes Arschloch verteidigen würde und sofort auf seinen Pflichtteil besteht, aber vermutlich wollte ich es verdrängen. Dadurch ist alles wieder allgegenwärtig. Flashbacks die mich innerlich so zerreißen, dass ich mich danach oft wundere wieso mein Körper noch ganz ist. Dissoziationen die mich komplett aus dem hier und jetzt reißen. Und in mir ein tobender, nicht zu bändigender Hass. Auf die Leute, die mich damals gezwungen haben es meinen Eltern zu sagen. Die schamlos meine Schwäche und ihre Machtposition ausgenutzt haben, als ich am Boden lag, eingesperrt war und nur da raus wollte, und zu schwach war um diesen hohen Preis dafür nicht zu zahlen. Obwohl dass nicht ganz stimmt, ich wollte ja nicht, aber klein, in die Ecke gedrängt und ohne jede Hilfe, ich konnte ohnehin nur verlieren. Und damit wurde die Mauer zwischen mir und meinen Eltern errichtet. Ich bezweilfe dass die je wieder weggehen wird. Und die spüre ich jetzt deutlicher denn je.

Der Schmerz frisst mich auf. Ich schlage mir die Nächte um die Ohren, versuche mich in Büchern und Spielen zu verlieren bis mein Körper nicht mehr kann und ich erschöpft in einen fürchterlichen Schlaf falle. Dabei bräuchte ich den Schlaf dringend zur Erholung. Meine Maske sitzt in der Regel recht gut, aber von Zeit zu Zeit bekommt sie Risse. Meist kämpfe ich dann damit, versuche meine wahren Gefühle mit dem Anschein schlechter Laune zu verstecken. Ich bin zu dem Schluss gekommen dass es so am einfachsten auszusitzen ist. Bis ich die Maske wieder „repariert“ bekommen habe. Lieber ein bisschen rummaulen als ihnen die Wahrheit zu offenbaren.

Und ich bin ja auch wütend. Das ist ja nicht mal gelogen.  Auf die Welt in der wir leben, auf meine Familie, und am allermeisten auf mich selbst. Verstärkt wird das vermutlich im Moment dadurch, dass wir uns wieder mal an dem Zeitpunkt im Monat befinden, in dem mein Körper und ich uns hoffnungslos bekriegen. Naja, zumindest noch schlimmer als sonst jedenfalls. Ich finde keine Worte, die meinen Selbsthass adequat beschreiben könnten.

In nicht mal mehr einer Stunde kommt A. Wir haben uns seit der Beerdigung nicht mehr gesehen. Ich würde mir einen netten Abend mit einer Freundin vielleicht sogar wünschen, aber ich sehe darin nur Anstrengung. Eigentlich würde ich mich viel lieber wieder in meinem Zimmer verkriechen und verzweifelt versuchen in einem Buch zu entkommen…..mir und dem Rest der Welt.

Edit: In dem Moment, in dem ich mit schreiben fertig war, kamen meine Eltern nachhause. Die waren aufm Sommerfest von Mamas Schule. Und meinen dann noch seelenruhig wir können noch ne Runde mit den Hunden gehen. Ich wurde so so wütend. Sie weiß dass ich Besuch bekomme, sie weiß dass ich so früh nicht mit den Hunden gehen möchte. Aber nein, spielt ja keine Rolle. Und dann rummeckern wegen meiner schlechten Laune. Und ich bin noch wütender. Mitgegangen. Völlig sinnlos weil wir eh scnell wieder umkehren mussten. Dafür hab ich das Haus verlassen und wurde von vielen Leuten gesehen. Und ich hätte jedes Mal losheulen können. Aber klar, Töchterchen funktioniert. Das ist alles was sie sehen. Das ist alles worüber sie sich Gedanken machen. Jedes Mal wenn meine Mutter sich wieder beschwert dass ich nur lese oder spiele oder sonst was, möchts ich sie anschreien. Ihr die Alternativen aufzählen und sie fragen ob ihr das lieber wäre. Aber ich schweige nur. Am Ende.

18. Juni 2017

Ich sitze im Bett. Hellwach. Neben mir liegen noch 2 Pralinen. Aber ich brauchte irgendwas. Was mich nur für einen kurzen Moment tröstet. Der Tag war unspektakulär. Alles wie immer. Ich unfähig as hell, Stimmung im aboluten Tief, aber alles in allem eher leer. Nur ein paar Momente in denen mit Tränen gekämpft werden mussten. Heute Abend ging der Streit in die nächste Runde. Mit ner langen E-Mail von meiner Tante an Mama. Es nimmt so langsam richtig abartige Ausmaße an. Sowas nennt man dann wohl Erbstreit. Was sowohl mich als auch meinen Vater am meisten ärgert: Sie tut grad so als wäre Oma auch tot. Das alles gehört ihr. Und sie lebt. Dass sich die Frau nicht schämt. Dieser ganze Streit begann, da war Opa noch nicht mal richtig beerdigt. Ich habe so langsam jeglichen Respekt vor ihr verloren. Ich hoffe nur dass meine Mutter sich beherrschen kann. Und das tut was Papa gesagt hat. Nämlich nichts. Sie ignorieren. Alles andere würde es nur noch mehr verschlimmern. Dieser ganze Streit. Als gäbe es nichts Schlimmeres auf der Welt. 

Ich schaffe jeden Tag weniger. Nicht klappt mehr. Ich rutsche immer tiefer und tiefer in das dunkle Loch. Und mit jedem Tag macht es mir weniger aus. Ich verliere die Lust weiterzukämpfen. Ich bin müde. Ich bin es leid. Lasse viel einfach nur noch an mir vorbeiziehen. Die beste Leistung des Tages: Duschen gewesen. Super. Mir doch egal. Es bemerkt sowieso keiner wie es mir geht. Ob ich was mache oder nicht. Einfach vor dem Laptop parken und abschalten. So tun als ob man was macht/anschaut. Sie checken es eh nicht. Das ist sowieso das einzige was wirklich noch zählt. Dass niemand merkt wie schlimm es wird. Solange das noch funktioniert…..

17. Juni 2017

Endlich im Bett. Eingewickelt in die Decke. Seit über einer Stunde bin ich wieder „im warmem“, aber mein Körper weigert sich mit frieren und zittern aufzuhören. Ich bin erschöpft, müde. Will nur noch die Augen zumachen und ins Nichts fallen. Mein Kopf will nicht aufhören weh zu tun. Hätte vielleicht doch noch ne Tablette nehmen sollen. Naja, muss ich halt damit klar kommen.

Grillen war sehr anstrengend. Zum Glück musste ich nicht viel reden, nur an den passenden Stellen mal lachen und zwischendurch antworten usw. Es gab einen kurzen sehr unangenehmen Moment, als meine Großcousine mich fragte ob ich diese Klopf-Methode aus der Therapie kennen würde. Unangenehm berührt habe ich ja gesagt (was ja auch stimmt). Sie ist dann kurz noch näher darauf eingegangen weil sie meinem Großcousin ein Buch darüber schenken will (zum rauchen aufhören xD ). Es ging ja gar nicht um mich, aber wenn ich auf Therapie etc. angesprochen werde fühle ich mich immer so unwohl…Das gehört zu den Themen die ich in der Regel um jeden Preis wegschiebe, und schon gar nicht will ich darüber reden. So tun als wäre nie etwas gewesen, alles soll normal und „gut“ sein. Auch dass sie explizit Trauma-Therapie erwähnte hat mich für einen kurzen Moment ziemlich aus der Fassung gebracht (innerlich). Ich weiß bis heute nicht was genau bzw. wie viel sie von Mama weiß und es treibt mich in den Wahnsinn….Ich war so froh als meine Mutter meinte wir würden gehen. Endlich. Es war nicht besonders ereignisreich. Aber mir war es trotzdem noch zu viel. Zu viel soziale Interaktion. Zu viel Konzentration auf die Maske, ohne Rückzugsmöglichkeit. (Vom Essen ganz zu schweigen)  (Und am Ende meinten alle auch noch dass wir sowas eigentlich öfter machen sollten….ähm, nein, lieber nicht.) Mir fehlt im Moment wirklich die Kraft für solche Sachen. Die brauche ich für andere Dinge. Atmen zum Beispiel. 

Jetzt will ich nur noch schlafen. Und das bitte bitte bitte bevor meine Gedanken wieder so richtig loslegen können.