14. Juni 2017

Ich sitze im Garten auf der Terasse. In meinen Ohren dröhnt die Musik mit maximaler Lautstärke, aber immer noch nicht laut genug um die Gedanken zu übertönen. Nichts will heute helfen. Serien, YouTube, lesen, ich finde keine Ablenkung. Gerade die Küche aufgeräumt, ich hätte noch so viele andere Dinge zu tun, aber ich finde weder Energie noch Motivation dafür. Möchte durchgehend weinen, aber tagsüber darf ich das nicht. Bereits eine „große“ und eine „kleine“ Panikattacke hinter mir heute. Es ist so erschöpfend. Anspannung auf höchstem Level, ohne Aussicht auf Erleichterung. 

Ich habe noch genauf anderthalb Stunden Zeit den Kurs zu bestätigen. Ich schaffe es nicht. Beim Gedanken daran bekomme ich ein Ziehen im Magen, meine Finger fangen an zu zittern und mein ohnehin komplett verspannter Körper krampft sich noch mehr zusammen. Also werde ich es lassen. Ich wähle zwischen zwei Übeln, und ich wähle das (hoffentlich) kleinere. Und hasse mich dafür so sehr, dass ich große Kraft aufbringen muss mich nicht sofort zu schlagen. 

Ich bin so müde. Ich habe so schlecht geschlafen, ich hätte es auch ganz sein lassen können. Dementsprechend fühlen sich meine Augen und mein Kopf. In meiner linken Schläfe pocht ein Schmerz als hätte ich mir etwas sehr schweres dagegen geschlagen.  

Ich versage. Jeden Tag wieder. In allem und ohne Ausnahme. In ca. einem Monat muss ich zu meiner Hausärztin. Sie muss bestätigen dass ich aus medizinischer Sicht die Ausbildung machen kann. Ich muss anfangen mich darauf vorzubereiten. Auf die Fragen die kommen werden. Ich wurde seit einer Ewigkeit nicht mehr ernsthaft gefragt wie es mir geht. Ich muss vollkommen überzeugend sein (und das ist bei dieser Frau alles andere als leicht). Ich hoffe sie fragt nicht näher nach, auch wegen Tabletten und so. Ich bezweifle dass sie begeistert ist wenn sie hört dass ich nichts mehr nehme. Ich bin so froh wenn ich das auch hinter mir habe. Aber bis dahin muss noch viel Zeit vergehen. Die ich vollkommen unbeschadet überstehen muss. 

Bis zum 24. Juni muss ich ein Geburtstagsgeschenk für K. finden. Stress-Level 1000. Ich kann sowas einfach nicht. Ich bin nicht kreativ und nichts. Und bei allem habe ich Angst dass es ihr nicht gefallen könnte. Ich schenke Menschen gerne etwas, gebe auch gerne mal etwas mehr Geld aus, freue mich darüber wenn sie sich freuen, aber ich muss zu 100% wissen, sonst ist es ne Katastrophe. Wieder etwas worin ich scheiße bin. Aber naja, gibt ja auch nichts wo ich das nicht wäre.

Heute Nacht will ich schlafen. Tief und nach Möglichkeit traumlos. Heute Abend kann ich auch was dafür nehmen. Morgen früh sind meine Eltern wieder da und ich muss nicht aufstehen, also ist alles drin. Aber vorher muss ich noch viel schaffen. Mit den Hunden raus, nach dem gemeinsamen Abendessen mit Oma besagtes Essen auch drinbehalten, und im Bestfall noch Bad aufräumen und meinen Kleiderschrank ausmisten (falls ich das nicht schaffe darf ich mir von Mama wieder fein was anhören von wegen ich hab dich vor 5 Tagen drum gebeten dass du das in der Zeit machst usw. , und sie hat ja Recht, gerade den Schrank schiebe ich schon seit Ewigkeiten vor mir her….)

Auf die Waage trau ich mich schon seit ner Woche nicht mehr. Ich denke die gestiegene Zahl würde ich im Moment nicht verkraften. Die nächsten Tage muss ich mal schauen dass ich wieder unter 500 kcal bleibe, und Sport machen egal ob das Bein noch weh tut. Ist schon eine Schande wie ich aussehe. 

Meine Cousine stand heute völlig unerwartet mitsamt Kind vor der Tür. Bin froh dass Oma mit ihr zu sich rüber gegangen ist. Ich habe weder die Kraft noch die Nerven für derartigen sozialen Kontakt. Außerdem bin ich wütend auf sie. Sie meldet sich nie bei uns, und nicht mal zu Opas Beerdigung ist sie gekommen weil sie „niemanden fürs Kind gefunden hat“ (Ausrede, ihrem eigenen Vater traut sie nicht zu mal 2 Stunden auf nen 3 Jährigen aufzupassen und der Familie von ihrem Mann war alles andere wichtiger, aber auf hoch christlich machen immer inklusive Bibel-Sprüchen und allem ne -.- und bei Oma hat sie sich erst gemeldet nachdem meine Mutter meiner Tante das beim großen Streit vorgeworfen hat als sie behauptet hat wir würden sie alle nicht mögen. Sorry aber ich habe kein Verständnis dafür. 

Außerdem reden sie vielleicht über Opa. Und ich hasse es. Ich komm damit nicht klar, will die Geschichte nicht zum 100. Mal neu aufrollen. Es ist schwer genug zu ertragen wenn Oma von ihm redet. Ich will nicht darüber nachdenken, will den Schmerz nicht fühlen müssen. 

Ich sollte jetzt meinen fetten Arsch hochbekommen und was tun. Aber ich finde keinerlei Energie in mir. Aber ich muss. Irgendwie. Funktionieren. Das Wort das meinen Lebensinhalt, meinen Lebenszweck beschreibt. 

Gerade rauscht „We Won’t Stop Dreaming“ in meine Ohren. Das Lied könnte nicht weniger passen. Ich habe schon vor sehr langer Zeit aufgehört wirklich zu träumen. 

Edit: haha dachte ich könnte noch versuchen mich mit meinem Bullet-Journal abzulenken. Aber nein, ich kann weder richtig schreiben noch zeichnen weil meine Hände zu stark zittern. Ganz toll…

13. Juni 2017

Ich sitze im Bett. Nachdem ich 2 Stunden brauchte um das Weinen unter Kontrolle zu bringen. Nachdem ich mich nach 2 Stunden vom Boden lösen konnte, wacklig aufstehen konnte. Ich sehe schlimm aus. Die Augen rot und geschwollen und brennen. Verschnupft. Halsschmerzen vom kotzen und weinen. Kopfschmerzen. Der ganze Körper schmerzt. Vor allem der Rücken. Von der Anspannung, dem verkrampft auf dem harten Boden liegen. Total am Ende. Jetzt bin ich leer. Als wäre nichts mehr in mir übrig. Irgendwie auch geistig  nur so halb anwesend. Allein.

Die letzte Nacht kaum geschlafen. Den Tag über funktioniert. Geduscht. Geschirr gewaschen, Blumen gegossen. Hunde versorgt und mit ihnen rausgegangen. Mehr hab ich nicht geschafft. Sollte mein Bad aufräumen, Schrank aussortieren und und und. Kriegs nicht hin. Bin so wütend auf mich. Das muss heute besser werden.

Habe mich überwunden und mal ins Uni-Email-Postfach geschaut. Muss bis 14.06. um 18 Uhr ne E-Mail schicken um für den einen Kurs die Teilnahme zu bestätigen. Bin ratlos. Alles in mir schreit „Nein!“. Ich will nicht. Ich kann nicht. Aber wie sollte ich das erklären? Das gäbe nur Streit. Ich habe keine Argumente zu bieten. Ich kann ja schlecht sagen dass ich nicht mehr kann. Darf die Maske gegenüber der Familie nicht verlieren.

Es ist so schwer immer stark sein zu müssen. Immer lügen zu müssen. Immer gut drauf, gesund und „normal“ wirken zu müssen. Das verstärkt das Gefühl komplett allein zu sein. Mit niemandem reden können. Niemanden der zuhört. Vielleicht sogar ein bisschen versteht. Der mir das Gefühl gibt nicht völlig alleine dazustehen. Mit all dem Schmerz, der Realität, der Angst und Verzweiflung. Da wünscht man sich sogar ein paar gut gemeinte Lügen. Jemanden der mir z.B. sagt dass es ok ist dass ich für meine Familie eine gewaltige Enttäuschung bin. Dass es ok ist dass sie nie auf meiner Hochzeit tanzen werden. Nie Enkelkinder haben werden. Dass ich in meinem Leben nichts erreiche.

Ein Teil in mir ist so verzweifelt dass er sich sogar die Tabletten zurückwünscht. In der verzweifelten Hoffnung dass es leichter würde. Aber das ist unmöglich. Also verwerfe ich das am besten gleich wieder.

Ich habe Angst das Licht auszumachen. Das Hörbuch zu pausieren und Kopfhörer, Handy und Laptop wegzulegen. Angst vor den Gedanken die dann wieder auf mich einströmen, gegen die ich machtlos bin. Die harten Fakten die mir ohne Ablenkung pausenlos durch den Kopf gehen. Angst vor den Tränen die dann wieder kommen. Ich will nur schlafen. Traumlos und ruhig. Zu viel verlangt? Anscheinend.

11. Juni 2017

Ich rutsche ab. Immer tiefer in den Abgrund hinein.  Verliere jeglichen Halt. Immer tiefer in den Strudel aus Depression, Angst und Schmerz.

Mein Leben verläuft nicht so wie es sollte. Nun ja, keine Neuigkeit. Aber in den letzten Wochen drifte ich immer weiter weg. Weg vom Leben, der Realität, der Gegenwart und Zukunft. Weg von mir selbst.

Die meisten Tage vergehen mit einem ähnlichen Muster, einem Rhythmus ähnlich. Ich stehe auf, schaue in den Spiegel, hasse mich. Der Tag vergeht, ich bin traurig, hoffnungslos und innerlich leer. Schwankend zwischen „ich muss mich bewegen“ und „schnell irgendwo hinsetzen und irgendwie der Realität entfliehen“. Einsam, mit zu viel Angst davor etwas zu unternehmen um das zu ändern (und wenn es nur ein Whatsapp-Gespräch wäre.) Immer dafür sorgen dass die Familie denkt es wäre alles ok. Abends in den Spiegel schauen und mich hassen. Mich danach in den Schlaf weinen.  Innerlich total am Ende mit allem, aber alles halb so schlimm, man gewöhnt sich irgendwann daran. Und mal ehrlich, was anderes hab ich so oder so nicht verdient.

Und dann gibt es Tage wie heute. Sie sind vergleichsweise selten, aber es gibt sie. Tage, an denen ich die Nerven verliere. Vollkommen aus dem Gleichgewicht und dem einstudierten Rhythmus falle. Voller Wut und Verzweiflung und Ratlosigkeit. An sich ja nicht schlimm, wenn ich es wenigstens an mir auslassen könnte. Aber nein, ich lass es an meinem Umfeld aus. Um mich hinterher nur noch mehr zu hassen, noch wütender zu sein. Noch ratloser. Auch diese Tage gibt es. Doch der heutige Tag übertraf alles der letzten Monate. Ich bin allein zuhause. Ich bin überfordert damit. Hab die 2 Hunde die ich natürlich optimal versorgen soll. Und genau das kann ich nicht. Füttern usw. Kein Problem. Aber mit ihnen rausgehen? Keine Chance. Ich habs versucht. Wollte es wirklich probieren. Die beiden sind verständlicherweise ausgeflippt (vor Vorfreude). Und ich war überfordert. Zu viele Geräusche, zu wenig Platz, zu viel Angst vor dem was kommen wird, und gleichezeitig funktionieren (Leine anlegen, alles zusperren etc.) Aber auch das gemeistert. Und kaum dort angekommen wo wir immer gehen – überall Menschen (+mehrere Hunde). Klar bei dem Wetter geht alle Welt erst um 8 Uhr abends raus. Und das war zu viel. Zu viel Stress, zu viel Angst ZU VIEL von allem. Wieder umgedreht und nachhause. Zuhause waren die 2 verständlicherweise komplett unter Strom (wie sollen sie das auch verstehen?) Viel gebellt usw. Hab geschrien, ein Kissen nach ihnen geworfen. Null Selbstbeherrschung. Hab ihnen Futter gegeben, gestreichelt und geschmust, versucht es wieder gut zu machen. Von ihrer Seite aus ist vermutlich jetzt alles längst wieder gut, aber ich bin innerlich am durchdrehen.

Ich will weinen, aber es geht nicht. Ich will mir weh tun, mich bestrafen, aber es geht nicht. Die Schläge haben nichts bewirkt. Ich habe Klingen und will sie benutzen. Aber ich darf nicht. Will mir Alkohol und Tabletten reinwerfen, mich für ein paar Stunden lahmlegen, aber ich darf nicht. Es gibt keine Worte, die nur annähernd beschreiben könnten wie ich mich fühle. Den Hass, die Verzweiflung, die Traurigkeit. Beim Gedanken daran, morgen wieder aufstehen zu müssen, wieder einen weiteren Tag kämpfen zu müssen, wird mir schlecht und ich möchte am liebsten kotzen. Noch schlimmer, weitere 3 Tage allein zuhause, weitere 3 Tage funktionieren und nicht komplett zusammenzubrechen. Ich habe das Gefühl jetzt, wo ich allein bin, wo es unwahrscheinlicher ist dass es jemand mitbekommt, will alles in mir aufgestaute raus. Und das ist so unglaublich viel. Muss es drinhalten, in mir verstecken. Stark sein. Aber ich weiß nicht wie. In ca. 2 Stunden kommt meine Oma nochmal rüber. Noch mal kurz quatschen und Gute Nacht sagen. Wie soll ich es schaffen zu reden, zu lachen und normal zu wirken? Ich weiß es wirklich nicht.

Objektiv betrachtet habe ich vor Wochen bereits meine eigene Grenze überschritten. Ich habe keine Ahnung wie lange ich es noch aushalte. Wie lange ich es noch schaffe stark zu sein. Am 20. Juni muss ich wieder in die Uni. Und alles in mir weigert sich. Ich kann nicht. Ich will nicht. Und ich habe zu viel Angst das zu sagen. Traue mich nicht mal zu sagen dass ich keine Lust habe. Angst vor Streit deswegen. Also werde ich gehen. Immer und immer weiter über die Grenzen hinaus.  In ein paar Monaten werde ich täglich aus dem Haus müssen. Ständig unter Leuten. Noch mehr funktionieren. Lernen. Leistung bringen. Der Gedanke ist schmerzhaft. Zu wissen wie es weitergehen wird. Tag für Tag für Tag. Noch schwerer und schlimmer als jetzt. Immer weiter und weiter. Gefangen in diesem Leben. Ohne Ausweg. Ohne Hilfsmittel. Ohne Freude. Ohne Hoffnung. Gefangen im „hier sein müssen“. Gefangen im „funktionieren müssen“.  Aber es ist die einzige Option.

Zwischendurch hatte ich die Hoffnung mich an alles zu gewöhnen, zu lernen damit „normal“ zu leben, aber ich krieg es nicht hin. Zu dumm, zu unfähig und zu schwach. Ich habe neulich ein Foto von mir gesehen. Von der Zeit meines 1. Aufenthalts in der KJP. Ich bin zuerst erschrocken. Über den Ausdruck auf meinem Gesicht. Den Ausdruck meiner Augen. Und dann ist mir aufgefallen, dass es derselbe ist den ich auch jetzt trage wenn ich ohne Maske in den Spiegel schaue. Kalt, leer, traurig, leblos. Vielleicht ist er jetzt noch schlimmer, keine Ahnung. Eine traurige Bilanz. Aber das kann man von meinem ganzen Leben behaupten. Von meiner Existenz. Wertlos, zu nichts zu gebrauchen, enttäuschend, peinlich, verachtenswert, hässlich, fett, dumm, kaputt.

Ich kann heute Abend nicht mal Tabletten zum schlafen nehmen, obwohl ich sie so dringend benötige. Denn dann werde ich morgen nicht früh genug wach, und ich muss schließlich gut für die Hunde sorgen. Morgen Abend werde ich gegen halb zehn mit ihnen Gassi gehen. Und es ist mir egal wie ich mich dazu zwinge. Oder welchen Preis ich währenddessen/anschließend dafür zahle.

Wie viel schlimmer kann es ohnehin noch werden? Mein Leben ist farblos, alles ist grau. Mein Leben ist Schmerz, Trauer, Verbitterung, Verzweiflung, Angst. Mein Leben ist kein Leben. Was kann da noch kommen, dass es schlimmer wäre?

22. Mai 2017

Mir geht es nicht gut. Und wenn man es genauer betrachtet befinde ich mich immer noch in einer Abwärtsspirale. Komme nicht raus. Fühle mich hilflos. Schwach. Versage. Immer.

Abnehmen läuft. Sehr langsam, (zu langsam für meinen Geschmack), aber wenigstens trete ich nicht immer noch auf der Stelle. Ich habe Kontrolle. Keine FA oder ähnliches. Aber trotzdem ist essen furchtbar geworden. Ich hasse jeden Bissen. Und fühle mich danach schlecht. Obwohl ich mit einem durchschnittlichen Maximum von 900 kcal eigentlich gut im Rahmen liege. Die meiste Zeit liege ich ja eher drunter. Ich bin immer noch unbeschreiblich fett.

Das wurde mir heute wieder richtig ins Gesicht geklatscht. Klamotten kaufen mit Mama und Oma. Es war eine Katastrophe wie ich davor bereits befürchtet hatte. Auf dem Heimweg im Auto nur noch mit den Tränen gekämpft. Da hat auch die neue Michael Kors Tasche nicht mehr getröstet.  Habe jetzt 2 alte Kleider ausm Kleiderschrank gewühlt die noch so einigermaßen passen. Denn am Samstag heiratet mein Großcousin. Und ich bin jetzt schon am verzweifeln. Fast einen ganzen Tag lang einen auf „ist das Leben nicht super“ machen. Und dann deren ganze Freunde. Kenne nur wenige und die sind garantiert nicht meine Wahl wenn ich entscheiden müsste mit wem ich Zeit verbringen würde. Null meine Wellenlänge und eher die Sorte die immer über andere lästert. Ich weiß jetzt schon dass ich jede Sekunde dieses Tages hassen werde. Früher in der Therapie meinte Frau Thera immer ich müsste lernen mich solchen Situationen zu entziehen die mich stressen oder mir nicht gut tun. Tja, hab ich in all den Jahren immer noch nicht gelernt.  Dazu kommt dass ich meinen Cardigan zuhause liegen gelassen hatte. Die Blicke waren….naja, sagen wir sehr unangenehm. Ich finde es ja immer wieder interessant dass vor allem die jungen Leute starren und reden. Man könnte meinen die wären aufgeklärter oder so. Aber die sind immer die schlimmsten.

Ich war die ganzen letzten Tage schon mies drauf, aber nach heute ist es nochmal schlimmer. Das Schlimme ist dass ich nichts tun kann. Ich kann mich nicht selbst bestrafen, ich kann nicht Frustfressen. Ich habe keine Möglichkeit zu kompensieren. Und das führt leider dazu dass ich immer wieder (wenn alles wieder einen Höhepunkt erreicht) alles an meinem Umfeld auslasse. Das ist unfair und danach hasse ich mich noch mehr, aber ich kann es nicht abstellen.

Heute sollte ich eigentlich noch Sport machen. Aber durch das einkaufen und den Frust bin ich mental wie körperlich komplett erschöpft. Würde am liebsten jetzt schon ins Bett aber dann macht Oma sich Sorgen und das will ich nicht. Also noch irgendwie Zeit totschlagen. Ist nur schwer weil ich so schlecht drauf bin dass nichts mich irgendwie ablenkt. Eigentlich nervt mich nur alles…

09. Mai 2017

Alltag ist in den letzten Wochen zuhause eingekehrt. Aber nichts ist mehr wie zuvor. Oma ist jetzt sehr oft bei uns. Am Wochenende gibt es gemeinsames Frühstück und Mittagessen, unter der Woche Kaffeetrinken, Abendessen, und nochmal spätabends zusammensitzen. Ich lasse keine Sekunde davon aus. Ich bereue nicht früher die Wichtigkeit von diesen Dingen erkannt zu haben. Ich habe noch stärkere Verlustängste als früher….Der ganze Papierkram, und jetzt das Aussortieren von seinen Sachen….das ist sehr schmerzhaft. Ich habe ein paar T-Shirts und seinen Vereins-Trainingsanzug bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Sachen anzuhaben. Ein Stück von ihm bei mir zu haben. Er hat 2 so Sammelalben für mich geführt. Mit Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern. Als Oma mir die gegeben hat….es hat so unglaublich weh getan. Ich konnte nur noch heulen. Ich weiß noch wie ich meiner Mutter gesagt habe dass ich das nicht will, dass ich ihn wiederhaben will. Mittlerweile kann ich es zumindest ansehen. Aber er fehlt. Wenn wir bei Oma am Tisch sitzen, ist der Platz rechts von mir leer. Seit ich mich erinnern kann saß er immer da neben mir. Und jetzt nicht mehr. Oft habe ich immer noch das Gefühl dass er gleich wiederkommt. Wenn Oma abends bei uns ist und ich sehe beim rauchen drüben in ihrem Wohnzimmer Licht brennen, fühlt es sich einen Moment so an als wäre er dort. Bis mir wieder einfällt dass er nie wieder dort in seinem Sessel sitzen wird…Er fehlt mir so sehr. Aber nichts davon dringt mehr durch meine Maske. Ich bin die glückliche Tochter um die sich niemand Sorgen zu machen braucht. Die haben auch so schon genug um die Ohren da brauchen sie nicht auch noch mich die rumheult.

Ich schaffe es seit ca. einer Woche mich nicht mehr in den Schlaf weinen zu müssen. Das ist wenigstens etwas. Und auch sonst hab ich alles im Griff. Wortwörtlich. Es hat vielleicht 2 Tage gedauert nachdem ich beschlossen habe das Abnehmen an erste Priorität zu setzen. 2 Tage bevor ich komplett zurückgefallen bin in die alten Verhaltensmuster. Alles wird gewogen, alles wird schriftlich festgehalten. Viel Bewegung, 6 Tage die Woche täglich ein kleines Sportprogramm. Es fällt mir nicht im gerinstens schwer. Kontrolle und hungern hat das Trost-Essen als Kompensation komplett ersetzt.  Und auch sonst wird alles geplant. Das Witzige ist dass meine Eltern das früher komplett gehasst haben wenn ich Kalorien Fett etc. gezählt und dokumentiert habe. Jetzt findet meine Mutter es gut und hilft mir sogar beim abwiegen. Find ich gut, das macht es mir sehr viel leichter. Nichts davon heimlich machen zu müssen ist sehr entspannt. Klar, ne fette hässliche Tochter zu haben ist scheiße. Früher war ich wenigstens nur hässlich.  Hoffentlich muss sie sich in ein paar Monaten nicht mehr für mich schämen….

Wenn ich mich nicht gerade bewege oder mein Essen abwiege, läuft ständig irgendetwas. Ablenkung ist wichtig. Ruhe und Stille kann ich nicht ertragen. Alles, bloß nicht mit mir und meinen Gedanken allein sein.

Mittlerweile bin ich was „rausgehen“ betrifft wohl in der schlimmsten Phase meines Lebens angekommen. Ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus wenn es nicht unbedint sein muss. Mit den Hunden rausgehen ist die pure Folter. Die Bewegung an sich finde ich super, aber dass ich dafür das Haus verlassen muss, von Menschen gesehen werden könnte, das ist reinste Qual. Menschliche Interaktion außerhalb meiner Familie? Findet fast gar nicht mehr statt. Vielleicht beim Französisch-Treffen alle paar Wochen, bei ner minimalen Whatsapp Unterhaltung ein Mal die Woche, oder gezwungenermaßen wenn irgendwas beim Verein ist. Ansonsten nichts. Und mich überfordert das schon im Moment. Vor allem direkt, also wenn mich Menschen sehen können. Das ist wahnsinnig anstrengend. Ich kriege jetzt schon Panik wenn ich daran denke dass ich im Juni mindestens 1 Mal die Woche in die Uni muss. Angst.Angst.Angst.

Es gibt kaum noch Momente in denen ich mich „gut“ fühle. Oder wenigstens ok. Eigentlich ist alles nur grau, kalt und leer. Ich existiere von einem Tag zum nächsten. Schlafe so lange wie möglich damit der Tag schneller vorbei ist. Wenn ich objektiv und ehrlich zu mir selbst bin (das fällt verdammt schwer) muss ich zugeben dass ich stark depressiv bin. Sterben will ich nicht mehr. Der Tod ist mein Feind geworden. Er bringt nichts als Schmerz für die die zurückbleiben. Aber das ist auch schon alles….

Ich muss das bis September irgendwie wieder auf die Reihe kriegen. Funktionieren und Listen und Vorsätze abarbeiten ist schön und gut, aber Depression, Angst und Panik sind keine guten Begleiter für den Start der Ausbildung. Das muss besser werden. Leider habe ich keine Ahnung wie ich das anstellen soll….

Es ist einfach nur zum heulen.

Gestern war Opas Beerdigung. Es war grausam. Es war traurig. Und es war schön. Es hätte ihm gefallen. Seine Jagdhornbläser habe viele Lieder für ihn gespielt. Das war sein Leben. 30 Jahre lang. Es gab viele schöne Worte über ihn. Alle haben gesagt wie besonders diese Beerdiung war. Und es waren so viele Leute da. Klar, alle haben ihn gemocht, aber mit so vielen Leuten hatte glaube ich dann doch keiner von uns gerechnet. Ich habe mich auf dem Friedhof an meine Rose für ihn geklammert als wäre es das einzige was mich zusmmenhalten kann. Und ich denke nicht dass es an der Kälte lag dass ich nicht nur gezittert habe, sondern dass es mich am ganzen Körper schier geschüttelt hat. Ich glaube das war zu viel Emotion…

Und ich glaube er war da. Als die Bläser gespielt haben, es war als wäre er vorne beim Altar bei ihnen gestanden. Und als alles auf dem Friedhof standen kam erst richtig großer Graupel. Kleine Eiskristalle die auf der Rose in meinen Händen und in meinen Haaren gelandet ist. Und dann auf einmal, ganz plötzlich kam die Sonne und hat uns angeschienen und gewärmt. Und es hat sich wirklich so angefühlt als ob er das war.  Meine beste Freundin war auch da. Und als sie mich umarmt hat sagte sie „Siehst du jetzt lässt er die Sonne wieder scheinen“. Allein dass sie da war, das hat mir so viel bedeutet. Aber diese Worte, diese Bestätigung meiner Gedanken, das war Balsam, Salbe und Trost für meine Seele. So viele schöne Blumen schmücken sein Grab. Ich habe es nicht über mich gebracht wie die restliche Familie noch Erde reinzuwerfen, aber ich glaube das versteht er. Auch das Kaffeetrinken im Anschluss hätte ihm bestimmt gefallen. Alle haben sich gut unterhalten. Und jeder sagte zu uns wie geschockt sie über die Nachricht waren. Das alles so plötzlich kam. Aber sie werden ihn alle in guter Erinnerung behalten, das weiß ich und das ist mir wichtig.  Ich glaube ich werde immer an ihn denken wenn mich die Strahlen der Sonne treffen und wärmen. Das ist er.

Alles in allem wäre es trotz der Tragik, dem Schmerz und der Trauer ein schöner Tag, ein schöner Abschied gewesen. Wenn nicht meine Tante gewesen wäre. Was die sich geleistet hat….Wir können es alle noch gar nicht richtig glauben dass das wirklich passiert ist. Sie hat die Tage vorher schon rumgezickt und gejammert wegen ihrem Ex-Mann. Von dem sie seit 20 Jahre geschieden ist. Dass sie ihn auf der Beerdigung nicht sehen will und wenn sie ihn aufm Freidhof sieht würde sie ihn rausschmeißen. Wir haben ihr gesagt dass sie das nicht machen kann. Dass sie Oma und uns alle nicht so blamieren kann. Seit Jahren ist sie glücklich wieder verheiratet, man könnte meinen man könnte es mit dem Hass gut sein lassen. Aber nein, sie hat es tatsächlich getan. In der Kirche. Hat sie ihn aus einer der Bänke (vor den Augen aller anderen) rausgeholt und weggeschickt. Wie kann man so wenig Anstand haben? Er hatte nie ein Problem mit meinen Großeltern, auch nach der Scheidung nicht. Und überhaupt, wie kommt sie auf die Idee sie hätte zu entscheiden wer kommen darf und wer nicht?! Und auch später konnte sie es nicht gut sein lassen und hat alle mit ihrem Hass und ihren „Rechtfertigungen“ genervt. Und keiner hat ihr Verständnis entgegengebracht. Also ist sie recht früh gegangen. Wir haben versucht es vor Oma geheimzuhalten, aber gegen Abend kam es dann doch raus….Klar, keiner von uns weiß was genau in der Ehe alles vorgefallen ist, es waren sicherlich beide nicht unschuldig. Aber das rechtfertigt nichts. Schon gar nicht nach 20 Jahren. Mal zu Verdeutlichung: Mamas zweiter Bruder wird für mich immer ein Monster bleiben für das was er mir angetan hat. Aber ich habe kein Wort darüber verloren dass er in der Todesanzeige erwähnt wird obwohl meine Mutter sich dafür mehr oder weniger sogar entschuldigt hat. Und ich hätte mit Sicherheit auch kein Wort darüber verloren wenn er gestern da gewesen wäre, denn es war sein Vater und es wäre sein gutes Recht gewesen. Und ohne jetzt egoistisch oder selbstbezogen klingen zu wollen, was zwischen uns vorgefallen ist war mit Sicherheit schlimmer als die „schlechte“ Ehe meiner Tante.

Aber was sie heute gebracht hat, das kann und werde ich ihr nicht verzeihen. Hat sie doch tatsächlich die Nerven zu Oma zu fahren, rumzuschreien, zu versuchen sich als Opfer darzustellen, nur Vorwürfe zu machen. Meine Oma hat ihr als letztes nur noch gesagt: „Sich so aufzuführen wo der Papa noch nicht mal richtig begraben ist. Schäm dich, schäm dich in Grund und Bode“ (es ist irgendwie verdammt schwer dass alles aus dem bayrischen ins Hochdeutsche zu übersetzen). Daraufhin ist sie gegangen. Meine Oma tut mir so unendlich leid. Was sie alles mitmachen muss. Sie sieht auf einmal so alt aus. So zerbrechlich dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Ich hasse meine Tante dafür dass sie alles nur noch schlimmer machen muss. Wie kann ein Mensch so sein? Keiner von uns hätte das erwartet….

Ich bin so unruhig. Innerlich aufgwühlt. Weiß nichts mit mir anzufangen. Werde jetzt wohl mal aufräumen und Bad putzen, dann hat meine Mutter schon mal einen Stresspunkt weniger…..

Ein schlimmer Tag 

Ich sitze im Bett. Ich will nicht schlafen. Will das Video nicht ausschalten das auf dem IPad läuft im verzweifelten Versuch Ablenkung zu finden und gegen die Stille zu kämpfen. Der Tag war… schrecklich. Ich glaube das war der schlimmste Tag meines Lebens. 

Ich war fast den ganzen Tag drüben im Haus von Oma und Opa. Alle waren da, meine Tante und ihr Mann, meine Großtanten, sogar mein (guter) Onkel ist gekommen. Opa wurde gegen 15 Uhr geholt. Es war kaum zu ertragen. Auch der Pfarrer war nochmal da. Und ich habe zum ersten Mal seit Jahren zu einem Gott, an den ich schon lange nicht mehr glauben kann, gebetet. Nein, eigentlich habe ich stumm geschrien, gefleht dass es einen Himmel gibt. Dass Opa jetzt dort ist, glücklich, dass er sehen kann wie viel er uns bedeutet hat, dass er von dort oben auf ins aufpassen kann. 

Es war aber auch gut so. Es war ein Abschied den ich auch gebraucht habe denke ich. Auch wenn es furchtbar und unerträglich schmerzhaft war mit anzusehen wie er sein Zuhause zum letzten Mal verlassen hat. Das anschließende Gespräch war gut. Dem Pfarrer wurde von ihm erzählt, was er geliebt hat, wie sein Leben war. Es hat gut getan. Auch wenn es weh tut.

Ich habe es immer noch nicht realisiert. Sobald ich es schaffe meine Gedanken anderen Dingen zuzuwenden ist es als wäre nichts gewesen. Als würde er bald wiederkommen. Und dann kommt es wieder wie ein Schlag in den Magen. Dass er nicht mehr da ist. Dass er nicht zurückkommen kann. Morgen früh gibt es Frühstück bei meiner Oma. Und ich habe solche Angst davor. Am Tisch zu sitzen. Ohne ihn. Seinen leeren Platz zu sehen und zu wissen dass er dort nie wieder sitzen wird. 

Und meine Oma. Sie tut mir so leid. Auch wenn wir nebenan wohnen und sie noch ihre Schwester oben im Haus hat. Sie ist jetzt allein. Wenn ich daran denke wie sie heute gesagt hat dass sie beim einkaufen jetzt reduzieren muss weil er ja nicht mehr da ist. 

Beim Abendessen war sie bei uns. Und es wurde auch übers Erbe geredet. Wegen dem Halbbruder meiner Mutter. Und ich hätte am liebsten geschrien und meinen Wein durch den Raum geschmissen. Weil das keine Bedeutung hat. Weil es darum geht dass mein Opa nicht mehr da ist. Vom Verstand her verstehe ich das alles ja. Dass es wichtig ist das alles zu regeln, allein schon damit Oma gut versorgt ist. Aber dann ging es auch um seine Funkgeräte-Sammlung. Er hat es geliebt hobbymäßig zu funken. Und der Gedanke daran dass seine Sachen, auch wenn er es so wollte wegkommen ist nicht auszuhalten. 

Ich bereue so viel. Ich hätte öfter rübergehen sollen. Zum Kaffeetrinken. Zum Frühstück. Egal wann. So viel was ich als Kind mit ihm gemacht habe nicht länger gemacht zu haben. Und ich vermisse ihn so so sehr. Ich habe ihn im Krankenhaus nicht angerufen. Weil ich Angst hatte, mit der Situation nicht umgehen konnte. Ein Feigling und ein Egoist war. Und ich kann mich nicht mehr erinnern was ich zuletzt zu ihm gesagt habe und was. Und egal was meine Mutter sagt, ich habe Angst dass er nicht wusste dass ich ihn liebe. Dass ich das nie wieder gut machen kann. Ich habe Angst dass ich vergesse wie seine Stimme klang. Ich habe alle Bilder auf meinem Laptop durchgesehen und einen Ordner für ihn angelegt. Ich darf nichts vergessen. Nicht vergessen wie er mal aussah. 

Und sobald ich an ihn denke kann ich nicht aufhören zu weinen. Es tut so weh. Ich habe Angst vor der Beerdigung am Dienstag. Ich weiß nicht mal warum. 

Samstag Abend kommen meine Tante, ihr Mann und meine Großtanten zu meinem Geburtstag. Ich will das eigentlich nicht. Will den Tag ignorieren und schon gar nicht feiern. Erst recht nicht ohne ihn. Aber Mama meinte er hätte das gewollt. Also machen wir es.

Aber ich kann den Gedanken nicht ertragen dass es weiter geht. Ohne ihn. Wieso merkt man was wirklich etwas bedeutet und wichtig ist erst wenn man es verloren hat? Oder bin nur ich so dumm und blind und ignorant gewesen? 

Ich kann nicht mehr….

Und plötzlich ist die Welt eine andere. Eine dunklere.

Ich bin aufgewacht. Aber es ist nicht mehr die Welt in der ich gestern noch aufgewacht bin. Denn in dieser Welt von gestern Morgen war mein Opa noch am Leben…

Er wurde gestern Vormittag aus dem Krankenhaus entlassen. Sauerstoffgeräte standen zuhause für ihn bereit. Er konnte nicht mal ohne Hilfe laufen. Und am Nachmittag ist er gestorben. 

Ich habe noch nie in meinem Leben so viel geweint. Die ganzen ca. 4 Stunden Autofahrt nach Hause, und dort dann weiter. Als wir zuhause ankamen hatte ich furchtbare Kopfschmerzen die sich auch übers ganze Gesicht und Kiefer gezogen haben.  

Ich habe ihn gesehen. Er lag ganz ruhig da auf dem Sofa, in seinen Lieblings-Klamotten, zugedeckt und mit Blumen auf der Decke. Aber das war er nicht. Er war blass und kalt. Und so hart. Das war nicht mehr das weiche Gesicht das immer gelächelt hat wenn er mich gesehen hat. Es war nur noch seine Hülle. Er war weg. Jedes Mal wenn ich ihn angeschaut hab hatte ich das Gefühl er müsse gleich aufwachen…

Es ist ein schrecklicher Albtraum aus dem man nicht aufwachen kann. Es ist so surreal und ein Teil von mir kann und will nicht glauben dass er nicht mehr da ist. 

Heute wird er abgeholt. Meine Mama ist meiner Tante und meiner Oma gerade beim Bestatter. Er wird dann auch gleich mit „seinem“ Sarg abgeholt. 

Der Anbilck meiner Oma war glaube ich das schlimmste. Ich kann mich nicht erinnern sie jemals weinen gesehen zu haben. Und dann hat sie gesagt sie hatte so gehofft dass sie ihren 60. Hochzeitstag noch erreichen. Das wäre 2019 gewesen. Und der Hund. Was von meinem in Stücke gebrochenen Herz noch übrig war ist dann endgültig gesplittert. Wie er immer wieder versucht hat ihn zu wecken. Vor dem Sofa oder daneben im Sessel von meinem Opa gelegen ist. 

Im Moment liege ich in der Badewanne. Aber es ist nicht mehr der entspannende, tröstende Ort. Aber es ist warm und das brauche ich denn ich friere so sehr. 

Ich muss mich fertig machen. Nachher muss ich mit Oma und Mama einkaufen fahren. Klamotten für die Beerdigung. 

Wieso dreht sich die Welt weiter? Wieso hält nicht alles still? Mein Opa ist nicht mehr da. Es wird nie wieder so sein wie vorher…

von einer Sekunde auf die andere

Ich habe keine Ahnung woher es kam, aber ich meine Stimmung ist gerade so stark gefallen dass ich es kaum ertrage. Nur noch sterben will. Nur noch körperlichen Schmerz und alles Innere betäuben will. So einen schnellen Wechsel von „erträglich“ zu „es wird nie wieder gut werden“ hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Und ich habe keine Möglichkeit das „erträglicher“ zu machen. Schneiden ist keine Option. Sterben ist keine Option. Leben ist zu schwer. Ich bin hier gefangen. Komme nicht vorwärts und nicht rückwärts. Ich will nur noch weg. Aufhören zu atmen. Bluten. Mich mit Tabletten wegballern. Irgendetwas. Aber ich darf nicht. Erlaube es mir nicht. Muss funktionieren.

Habe mir Wein geholt. Vielleicht hilft Alkohol. Bin ja eher nicht der Typ dafür…also ich meine damit es bringt mir nichts.  Hätte noch Tabletten da…aber das würde nur bewirken dass ich ne Überdosis nehmen will und das geht ja gleich gar nicht… Muss mich ins Bett verziehen. Der einzige Ort an dem ich den Tränen freien Lauf lassen kann. Das Schluchzen in Kissen und Decke ersticken kann…

Ich bin gerade einfach nur überfordert. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern wann ich das letzte Mal so einen krassen Fall gehabt habe. Also im Sinne von so schnell und ohne Vorwarnung.

Warum kann es nicht einfach mal gut sein? Besser werden? Ich bin es leid mich mit dem ganzen Scheiß rumzuschlagen…

10. April 2017

Ich sollte jetzt eigentlich packen. Gegen 22 Uhr wollten wir losfahren. Es geht mal wieder zur Oma. Für eine Woche. Wie sehr ich mich freue. Nicht. Es wird nur wieder anstrengend und nervig werden. Und ich muss noch mehr Energie als gewöhnlich in die Maske stecken. Alles kein Spaß….aber naja. Oma freut sich.

Aber das mit dem packen….meine Motivation ist irgendwie nicht auffindbar.

Meine Stimmung ist nach wie vor im Keller. Bin nur müde, traurig, einsam, alleine usw. Die Nächte werden auch wieder schlimmer. Sowohl beim einschlafen als auch bei den Träumen. Aber naja. Nichts was ich nicht schon kenne.

ich muss mir auch noch ne Playlist für die Fahrt erstellen. Es muss Musik sein die zu meiner Stimmung passt aber nicht zu sehr runterzieht. Denn heulen während ner 4stündigen Autofahrt mit Eltern wäre eher nicht so geil. Aber so gute Laune Musik würde mich einfach nur nerven und das ist auch doof. Vielleicht sollte ich einfach Harry Potter hören, das ist im Zweifel immer eine gute Wahl.

Und dann den Geburtstag dort. Wenn die irgendein Abendessen planen können sies gleich vergessen. Ich werde mich abends mit meinem Laptop verziehen und die neue Doctor Who Folge schauen. Das ist das einzig gute an diesem Tag und ich habe vor das zu genießen.

Ich schwanke auch ob ich die Woche zum Friseur gehe. Wenn dann würd ich ne leichte Dauerwelle machen und sie kürzer schneiden lassen. Sehne mich nach ner Veränderung. Auf der anderen Seite will ich sie auch nicht so strapazieren. Bin unfähig eine Entscheidung zu treffen. Wie immer halt.

Ich würde am liebsten wieder jeden Tag schreiben. Es tut ganz gut sich auskotzen zu können, wenigstens irgendwo dieser Seite von mit einen Platz zu geben. Aber meistens bin ich zu müde und würde vermutlich dann eh nur mit leerem Kopf vor der Tastatur sitzen.  Und auch jetzt fehlen mir irgendwie die Worte. Ich sollte mir jetzt in den Arsch treten und packen bevor ich dann Anschiss bekomme weil ich noch nicht fertig bin.

EDIT: Kaum war ich 5 Minuten mit dem Packen fertig, kommt mein Vater von der Sitzung heim und entscheidet: wir fahren morgen früh um 7. Na toll. Jetzt darf ich die ganzen Bad-Sachen wieder rauskramen :/ außerdem wäre ich lieber gefahren wenns dunkel ist, da kann man besser dösen und die Hunde schlafen auch eher. Naja, wenigstens noch ein bisschen Entspannung bevor der Stress losgeht.