08. November 2017

Ich sitze im Zug und warte darauf dass er irgendwann losfährt und mich nachhause bringt. Einfach weil es ein Teil des alltäglichen Rhythmus ist. Und nicht weil ich nachhause möchte. Eigentlich ist es völlig egal wo ich mich aufhalte. Es ist alles ein einziger Schmerz. Mein Absturz hat begonnen. Heute versagt, morgen werde ich sowas von versagen, und das nächste Woche brauch ich’s doch nicht mal zu versuchen.  Es bringt doch nichts. Wie dumm ich war zu glauben, zu hoffen es schaffen zu können. Es bleibt dabei, ich werde niemals irgendetwas schaffen/erreichen. Ich bin eine einzige Verschwendung:  Zeit, Platz, Nahrung, Geld, Luft.  Ich möchte nur noch sterben. Nichts mehr fühlen, nicht diesen ständigen Schmerz, das ständige Versagen. 

Meine Unterlippe ist zerbissen und blutet. Es reicht nicht. Nicht im geringsten. Vielleicht heute Abend. Beine. Sieht ja eh niemand. Scheiß auf 498 Tage ohne SV. Es bedeutet nichts. Nur Qual. Aushalten. Kontrolle. Und was bringt es mir? Nichts. Es ändert nichts an dem was ich bin. Ich bin trotzdem nicht normal. Ich bin immer noch die dumme, dreckige, kaputte und gestörte N. die ich schon immer war. Die keinen Platz in dieser Welt hat. Weil sie es nicht geschissen kriegt. 

Letzte Nacht nicht mal 2 Stunden Schlaf zusammenbekommen. Dafür geheult. Ich will nicht wissen wie sehr sich das heute noch steigert. Obwohl, vielleicht bin ich mach dem schneiden ruhiger, vielleicht könnte ich schlafen. Haha, wers glaubt. 

Jeden Tag kotzen. Mehrmals. Totaler Rückfall. Es ist eklig, es ist erbärmlich und ich hasse mich dafür, aber ich kann nicht anders. Ich nehme nur noch Nahrung zu mir die „leicht wieder rauszukriegen ist“. Ich warte nur darauf. Es ist mir teilweise sogar egal ob meine Eltern es mitbekommen könnten. Sollen sie mich ruhig mal sehen wie ich wirklich bin, für was sie sich den Arsch aufreißen. Vielleicht werden sie dann begreifen dass ich es nicht wert bin, und sich abwenden. Dann wäre ich frei….und könnte allem endlich ein Ende setzen…

Edit: nichts mit schneiden. Ich hab keine Kraft mehr. Ich muss mich jetzt ne Stunde hinlegen bevor ich lerne. Nicht mal um zu schlafen, sondern aus dem simplen Grund dass ich nicht mehr weiß wie ich noch sitzen/stehen/gehen soll. Mein oberer Rücken ist duechgehend verkrampft und langsam wird es wirklich gemein. Dazu kommt die Erkältung, ich friere selbst mit mehreren Schichten Kleidung und dicker Decke plus zusätzlichem Heizlüfter. Vorhin wieder dieses unkontrollierbare zittern am ganzen Körper gehabt. Ich hasse es…. alles.

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15. September 2017

Ich verstehe mich einfach selbst nicht. Die letzten Tage liefen gut. Für meine Verhältnisse sogar sehr gut. Ich habe mich schnell an die Schule gewöhnt, habe sogar sofort Anschluss gefunden. Ich bin sicher dass ich den Stoff bewältigen kann, in einigen Fächern bin ich, wie meine Hausärztin schon zu mir sagte, tatsächlich unterfordert. Englisch z.B. Ich dachte heute wirklich ich würde einschlafen. Und ich finde es unglaublich schwer da ein gutes Maß zu finden. Einerseits möchte ich mitarbeiten/mich beteiligen, aber andererseits weiß ich nicht wie oft ich was sagen/mich melden „darf“ ohne dass es blöd rüberkommt, ich will das ja nicht raushängen lassen…naja, wenigstens muss ich mir da keine Sorgen um Noten machen, das krieg ich hin. Und ich habe Angst dass man mir ansieht dass ich mich langweile. Genau wie in Fachrechnen, das war gestern für mich wirklich anstrengend, aber ich habe die Hoffnung dass es etwas besser wird wenn wir mal Kalkulationen etc. machen. Aber wenn man Mathe an der Uni hatte ist das schon echt hart wenn man Umrechnungen macht und sich dann noch Erklärungen anhören muss warum 1000*1000 nicht 2000 ist. Und dann fühle ich mich arrogant und hasse mich dafür. Zu Recht.

Also alles in allem lief es gut. Und trotzdem komme ich heute heim und alles ist einfach nur schrecklich. Ich bin depressiv, lebensmüde, möchte mich nur noch in der Ecke verkriechen, weinen und schreien. Keine positiven Gedanken möglich, in meinem Kopf nur schlimme Gedanken und Hoffnungslosigkeit. Der unerfüllbare Wunsch nach einem baldigen Ende der sich anfühlt als würde sich in mir Säure ausbreiten.

Ich habe die letzte halbe Stunde damit verbracht intensiv zu analysieren was das ausgelöst haben könnte. Der Wegfall von Stress jetzt wo das Wochenende da ist? Liegt es einfach daran dass ich jetzt „Zeit“ dafür habe und mein Unterbewusstsein nur darauf gewartet hat? Oder liegt es vielleicht auch daran dass mir heute in Laborkunde wieder hart und schmerzlich bewusst wurde dass ich bald auffliegen werde. Noch denken alle ich wäre normal. Bald werden sie meine Narben sehen. Ich wünschte ich könnte das verhindern. Ich wünschte ich könnte sie einfach verschwinden lassen. Der Selbsthass frisst sich durch meine Gedanken. Und ich kann noch nicht mal einschätzen wie lange diese Gnadenfrist noch anhält. Wir haben keinen Zeitplan bekommen, ich weiß nicht wann wir mit Blutdruck und Puls messen anfangen. Nächste Woche wird einem von uns Blut abgenommen für Laborkunde, mein Glück ist nur dass das mit Sicherheit auf freiwilliger Basis sein wird. D.h. ich werde es ganz bestimmt nicht werden. Es fühlt sich an als würde ich darauf warten müssen mich irgendwann vor der Klasse komplett ausziehen müssen. Irgendwie logisch, denn rein emotional gesehen stehe ich ohne meine langen Ärmel ja schon irgendwie „nackt“ vor ihnen. Wenn ich jetzt daran denke bereue ich schon wieder alles und will nur noch weglaufen.

Zu allem dazu kommt noch dass ich die letzten Wochen wieder zugenommen habe. Ich weiß nicht wie viel, auf die Waage traue ich mich einfach nicht. Aber ich kann es sehen. Und meine Oma hat diesbezüglich auch schon einen Kommentar abgegeben (auch wenn sie es lustig und nicht böse gemeint hat, es hat alles bestätigt). D.h. ich muss jetzt wieder richtig aufpassen. Alles auf den Schulalltag ausrichten. Das viele sitzen macht es verdammt schwer und ich bin es nicht mehr gewohnt. Werde teilweise richtig unruhig weil ich mich nicht bewegen kann…Erwische mich wieder dabei wie ich ständig mit den Beinen wippe bzw. „zittere“. So extrem hatte ich das schon lange nicht mehr, ich glaube sogar das letzte Mal war noch in der Klinik, und auch da war es nicht so extrem wie jetzt. Es nervt. Ich kann es nicht abstellen und habe sehr starke Angst dass andere es mitkriegen und dass es sie stört….danke ehemalige Mitpatientin dass du mich damals aus dem nichts deswegen so zickig und gemein angefahren hast dass ich deswegen danach noch über ne Stunde Weinkrämpfe und ein schlechte Gewissen (weil ich dich genervt/gestört habe) hatte. Naja, muss einfach versuchen achtsamer zu sein. Kontrolle heißt, wie immer in meinem Leben, auch hier das Zauberwort. Naja, ändert nichts an der Tatsache dass ich abnehmen muss. Dringend. Morgen und übermorgen ist schon mal extremes Kalorien-Einsparen angesagt. Morgen Abend muss ich ne Pizza essen, will Oma nicht verletzen, sie hat da irgendwie ne Art Ritual draus gemacht wenn meine Eltern nicht da sind. Aber sonst esse ich halt nichts. Für die Schule muss ich mir noch ne gute Strategie überlegen. Ganz ohne ist dumm und unrealistisch.

Wieder einmal versuche ich mich mit schreiben abzulenken. Den Zusammenbruch so lange wie möglich rauszuzögern. Oma kommt heute Abend noch mal kurz, irgendwas trinken und Gute Nacht sagen. Auch ein Ritual seit Opa nicht mehr da ist. Und vorher darf ich nicht weinen.

Die ganze Erbschafts-Geschichte hat die Vergangenheit wieder sehr stark in den Fokus meines Unterbewusstseins gerückt. Alpträume (eigentlich jede Nacht), Flashbacks alles ist wieder an der Tagesordnung. Ich habe Panik davor dass es mal in der Schule passiert. Besser gesagt habe ich Angst mal in eine Panikattacke zu rutschen. Dann könnte ich sofort meinem Leben ein Ende setzen, denn das würde ich nicht ertragen. Es macht mich so unfassbar wütend, wie sehr es sich schon wieder in mein Leben gedrängt hat. Nach der Klinik hatte ich es wirklich gut im Griff. Klar, es war nicht perfekt, aber wesentlich besser. Und jetzt ist alles wieder wie vorher. Nein, es ist schlimmer. Immer wieder sein Name, ich will ihn nicht hören. Ich will nichts von ihm wissen. Will seine bloße Existenz verdrängen. Vergessen. Und nicht auch noch zusätzliche Informationen erhalten wie etwa die Tatsache dass er heiratet. Das alles führt dazu dass er wieder ständige Präsenz in meinem Kopf hat. Und das geht gar nicht….Ich hoffe dieser Alptraum hat bald ein Ende, ich ertrage es langsam nicht mehr….

Es ist schon ironisch. Ich hasse mich für die Narben und was ich mir dadurch selbst angetan habe, den ganzen Stress den sie verursachen, und trotzdem schreit alles in mir nach ein paar tiefen, blutenden Schnitten. Nach der Beruhigung, der Betäubung. Wie schön wäre es dadurch mal wieder richtig „aufatmen“ zu können…..Wieso bin ich so?! Warum schaffe ich es nicht von diesen Gedanken, dieser Sehnsucht weg? Warum kann ich nicht einfach wie andere sein? Was habe ich aus mir und meinem Leben nur gemacht….es ist erbärmlich…ich bin erbärmlich.

 

11. September 2017

Morgen gehts los. Alles wieder mal auf Anfang. Um 9 Uhr muss ich in der Schule sein. Nichts kann das Gefühlschaos in mir beschreiben. Oder die Angst. Diese riesige, fette Angst, die mich schon seit über einer Woche nicht mehr „erholsam“ schlafen lässt. Von der ständigen Nervosität habe ich sehr oft Magenschmerzen oder mir ist schlecht. Von der ständigen Anspannung Schmerzen im Rücken. Gerade habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Ich hasse mich dafür ausgerechnet diesen Zeitpunkt gewählt zu haben um meinen Eltern in diesem Wunsch nachzugeben. Aber klar, was tut man nicht alles um sie glücklich zu machen.

Ich habe mein bestes versucht wütend zu sein. Sie für alles zu hassen. Aber ich kann es nicht. Also mache ich weiter wie zuvor. Maske aufsetzen, lächeln, niemandem zu zeigen wie gefährlich weit ich schon über dem Abgrund hänge. Die Bulimie versucht sich Schritt für Schritt wieder in mein Leben zu schleichen. Zu oft habe ich in den letzten Wochen diesbezüglich die Kontrolle verloren. Darf so auf keinen Fall weitergehen. Aber ich habe nichts anderes. So oft war ich kurz davor einfach aufzugeben, zu schneiden, ne Überdosis Medis zu schlucken, nur um einen kurzen Moment der Ruhe, der Erlösung zu haben. Ich habe es nicht getan. Und ein immer größer werdender Teil von mir hasst mich dafür. Ich halte es einfach aus. Immer weitermachen. Egal wie. Egal zu welchem Preis. Ich merke wie ich immer depressiver werde. Kaum etwas macht mir noch Freude, ich bin eigentlich nur noch müde. Tagsüber bin ich manchmal so erschöpft, dass ich nur noch den Kopf ablegen und die Augen schließen kann. Schlaf finde ich trotzdem nicht. Zu laut sind die Gedanken in meinem Kopf. Zu erdrückend die Angst in mir.  Ich weine kaum noch. Entweder habe ich kaum noch Tränen übrig, oder mein Unterbewusstsein hat kapiert dass es eh nichts bringt. Aber ich bin froh dass wenigstens das kaum noch ein Problem darstellt. Es wäre nur eine zusätzliche Anstrengung, und von denen habe ich auch so schon mehr als genug. Der Wunsch alles zu beenden, nicht mehr da zu sein, nie wieder etwas fühlen zu müssen, nicht mehr in diesem Leben gefangen zu sein, ist manchmal so überwältigend groß. Und es ist zerschmetternd dass es Wunschdenken ist und bleiben muss. Dass ich diese Erlösung nicht bekommen werde. Vermutlich habe ich es auch gar nicht verdient. Vermutlich verdiene ich das alles was ich jetzt habe. Den Schmerz, die Angst, die Traurigkeit, die Leere, die Scham, die Einsamkeit. Das ist alles was ich verdiene.

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Der Familienstreit hat noch kein Ende gefunden. Meine Oma ist, jetzt nachdem sie erfahren hat dass der geschätzte Wert ihres Hauses um einiges höher ist als erwartet, nur noch mehr Sorgen. An ihrem Geburtstag letzte Woche waren meine Tante und ihr Mann da. Ich kann nur dankbar sein dass sich alle zusammengerissen haben solange sie noch da war. Als sie nachhause gegangen war ging die Diskussion zwischen meinen Eltern und ihnen wieder in eine neue Runde. Ich ertrage es nicht mehr. Ich kann es nicht mehr hören. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist alles so doch schon schlimm genug….Und meine Tante und ihr Mann….die nerven mich so dermaßen dass ich sie teilweise nur anschreien möchte. Mit ihrer Sturheit, ihren Ansichten, ihrer Überheblichkeit. Ich hoffe eine weitere Zusammenkunft kann bis November vermieden werden.

Ich glaube das Schlimmste an dem Abend war als mein Vater gesagt hat, dass er ja vermutlich sowieso als erster von allen sterben wird und es bei ihm alles ganz anders laufen wird (in Bezug auf Beerdiung etc.) Danach war die Nacht gelaufen. Das hat meine Verlustängste die ich tief in mir versuche wegzuschließen komplett frei gelassen. Ich habe die Nacht kein Auge zugekriegt. Und seit langem wieder geweint.

Und gerade hat meine Mutter ihren Bruder unten sitzen. Da halt ich mich jetzt weit weit fern von. Heute bin ich fertig genug, da brauch ich nicht noch mehr von diesem Zirkus.

Ich weiß nicht was ich noch schreiben soll. In meine Kopf überschlägt sich alles. Ich will krampfhaft schreiben, denn es fordert meine Konzentration weit genug um noch als Ablenkung durchzugehen. Mir ist so schlecht, dass ich durchgehend das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, aber natürlich ist das nicht wirklich so. Es ist die Angst, die Nervosität vor morgen. Die Panik. Ich weiß jetzt schon dass die Nacht heute eine totale Katastrophe wird, und morgen muss ich um 5 Uhr aufstehen. Super Voraussetzungen für den Tag. Wenn ich daran denke, dass ich ab morgen wieder 5 Tage die Woche das Haus verlassen muss, unter Menschen sein muss, noch mehr funktionieren muss, dann wird mir schwindlig. Ich bin gespannt wie viele Panikattacken die nächste Zeit und insbesondere der morgige Tag für mich bereithält. Ja, das wird alles super.

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Ich fühle mich so unglaublich allein. Ich habe niemanden. Niemanden der mir helfen kann. Niemanden der mich sehen darf. Immer bin ich die starke, normale, gesunde, fröhliche. Keiner weiß wer ich wirklich bin. Ich blicke in die Vergangenheit, es ist traurig was aus dem lächelnden Grundschulkind von damals geworden ist. Eine einsame, kaputte 23-Jährige, ohne Freunde, verletzt, unnahbar, verbittert, schwach. Ja, es ist sogar verdammt traurig.

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09. Mai 2017

Alltag ist in den letzten Wochen zuhause eingekehrt. Aber nichts ist mehr wie zuvor. Oma ist jetzt sehr oft bei uns. Am Wochenende gibt es gemeinsames Frühstück und Mittagessen, unter der Woche Kaffeetrinken, Abendessen, und nochmal spätabends zusammensitzen. Ich lasse keine Sekunde davon aus. Ich bereue nicht früher die Wichtigkeit von diesen Dingen erkannt zu haben. Ich habe noch stärkere Verlustängste als früher….Der ganze Papierkram, und jetzt das Aussortieren von seinen Sachen….das ist sehr schmerzhaft. Ich habe ein paar T-Shirts und seinen Vereins-Trainingsanzug bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Sachen anzuhaben. Ein Stück von ihm bei mir zu haben. Er hat 2 so Sammelalben für mich geführt. Mit Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern. Als Oma mir die gegeben hat….es hat so unglaublich weh getan. Ich konnte nur noch heulen. Ich weiß noch wie ich meiner Mutter gesagt habe dass ich das nicht will, dass ich ihn wiederhaben will. Mittlerweile kann ich es zumindest ansehen. Aber er fehlt. Wenn wir bei Oma am Tisch sitzen, ist der Platz rechts von mir leer. Seit ich mich erinnern kann saß er immer da neben mir. Und jetzt nicht mehr. Oft habe ich immer noch das Gefühl dass er gleich wiederkommt. Wenn Oma abends bei uns ist und ich sehe beim rauchen drüben in ihrem Wohnzimmer Licht brennen, fühlt es sich einen Moment so an als wäre er dort. Bis mir wieder einfällt dass er nie wieder dort in seinem Sessel sitzen wird…Er fehlt mir so sehr. Aber nichts davon dringt mehr durch meine Maske. Ich bin die glückliche Tochter um die sich niemand Sorgen zu machen braucht. Die haben auch so schon genug um die Ohren da brauchen sie nicht auch noch mich die rumheult.

Ich schaffe es seit ca. einer Woche mich nicht mehr in den Schlaf weinen zu müssen. Das ist wenigstens etwas. Und auch sonst hab ich alles im Griff. Wortwörtlich. Es hat vielleicht 2 Tage gedauert nachdem ich beschlossen habe das Abnehmen an erste Priorität zu setzen. 2 Tage bevor ich komplett zurückgefallen bin in die alten Verhaltensmuster. Alles wird gewogen, alles wird schriftlich festgehalten. Viel Bewegung, 6 Tage die Woche täglich ein kleines Sportprogramm. Es fällt mir nicht im gerinstens schwer. Kontrolle und hungern hat das Trost-Essen als Kompensation komplett ersetzt.  Und auch sonst wird alles geplant. Das Witzige ist dass meine Eltern das früher komplett gehasst haben wenn ich Kalorien Fett etc. gezählt und dokumentiert habe. Jetzt findet meine Mutter es gut und hilft mir sogar beim abwiegen. Find ich gut, das macht es mir sehr viel leichter. Nichts davon heimlich machen zu müssen ist sehr entspannt. Klar, ne fette hässliche Tochter zu haben ist scheiße. Früher war ich wenigstens nur hässlich.  Hoffentlich muss sie sich in ein paar Monaten nicht mehr für mich schämen….

Wenn ich mich nicht gerade bewege oder mein Essen abwiege, läuft ständig irgendetwas. Ablenkung ist wichtig. Ruhe und Stille kann ich nicht ertragen. Alles, bloß nicht mit mir und meinen Gedanken allein sein.

Mittlerweile bin ich was „rausgehen“ betrifft wohl in der schlimmsten Phase meines Lebens angekommen. Ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus wenn es nicht unbedint sein muss. Mit den Hunden rausgehen ist die pure Folter. Die Bewegung an sich finde ich super, aber dass ich dafür das Haus verlassen muss, von Menschen gesehen werden könnte, das ist reinste Qual. Menschliche Interaktion außerhalb meiner Familie? Findet fast gar nicht mehr statt. Vielleicht beim Französisch-Treffen alle paar Wochen, bei ner minimalen Whatsapp Unterhaltung ein Mal die Woche, oder gezwungenermaßen wenn irgendwas beim Verein ist. Ansonsten nichts. Und mich überfordert das schon im Moment. Vor allem direkt, also wenn mich Menschen sehen können. Das ist wahnsinnig anstrengend. Ich kriege jetzt schon Panik wenn ich daran denke dass ich im Juni mindestens 1 Mal die Woche in die Uni muss. Angst.Angst.Angst.

Es gibt kaum noch Momente in denen ich mich „gut“ fühle. Oder wenigstens ok. Eigentlich ist alles nur grau, kalt und leer. Ich existiere von einem Tag zum nächsten. Schlafe so lange wie möglich damit der Tag schneller vorbei ist. Wenn ich objektiv und ehrlich zu mir selbst bin (das fällt verdammt schwer) muss ich zugeben dass ich stark depressiv bin. Sterben will ich nicht mehr. Der Tod ist mein Feind geworden. Er bringt nichts als Schmerz für die die zurückbleiben. Aber das ist auch schon alles….

Ich muss das bis September irgendwie wieder auf die Reihe kriegen. Funktionieren und Listen und Vorsätze abarbeiten ist schön und gut, aber Depression, Angst und Panik sind keine guten Begleiter für den Start der Ausbildung. Das muss besser werden. Leider habe ich keine Ahnung wie ich das anstellen soll….

Ein schlimmer Tag 

Ich sitze im Bett. Ich will nicht schlafen. Will das Video nicht ausschalten das auf dem IPad läuft im verzweifelten Versuch Ablenkung zu finden und gegen die Stille zu kämpfen. Der Tag war… schrecklich. Ich glaube das war der schlimmste Tag meines Lebens. 

Ich war fast den ganzen Tag drüben im Haus von Oma und Opa. Alle waren da, meine Tante und ihr Mann, meine Großtanten, sogar mein (guter) Onkel ist gekommen. Opa wurde gegen 15 Uhr geholt. Es war kaum zu ertragen. Auch der Pfarrer war nochmal da. Und ich habe zum ersten Mal seit Jahren zu einem Gott, an den ich schon lange nicht mehr glauben kann, gebetet. Nein, eigentlich habe ich stumm geschrien, gefleht dass es einen Himmel gibt. Dass Opa jetzt dort ist, glücklich, dass er sehen kann wie viel er uns bedeutet hat, dass er von dort oben auf ins aufpassen kann. 

Es war aber auch gut so. Es war ein Abschied den ich auch gebraucht habe denke ich. Auch wenn es furchtbar und unerträglich schmerzhaft war mit anzusehen wie er sein Zuhause zum letzten Mal verlassen hat. Das anschließende Gespräch war gut. Dem Pfarrer wurde von ihm erzählt, was er geliebt hat, wie sein Leben war. Es hat gut getan. Auch wenn es weh tut.

Ich habe es immer noch nicht realisiert. Sobald ich es schaffe meine Gedanken anderen Dingen zuzuwenden ist es als wäre nichts gewesen. Als würde er bald wiederkommen. Und dann kommt es wieder wie ein Schlag in den Magen. Dass er nicht mehr da ist. Dass er nicht zurückkommen kann. Morgen früh gibt es Frühstück bei meiner Oma. Und ich habe solche Angst davor. Am Tisch zu sitzen. Ohne ihn. Seinen leeren Platz zu sehen und zu wissen dass er dort nie wieder sitzen wird. 

Und meine Oma. Sie tut mir so leid. Auch wenn wir nebenan wohnen und sie noch ihre Schwester oben im Haus hat. Sie ist jetzt allein. Wenn ich daran denke wie sie heute gesagt hat dass sie beim einkaufen jetzt reduzieren muss weil er ja nicht mehr da ist. 

Beim Abendessen war sie bei uns. Und es wurde auch übers Erbe geredet. Wegen dem Halbbruder meiner Mutter. Und ich hätte am liebsten geschrien und meinen Wein durch den Raum geschmissen. Weil das keine Bedeutung hat. Weil es darum geht dass mein Opa nicht mehr da ist. Vom Verstand her verstehe ich das alles ja. Dass es wichtig ist das alles zu regeln, allein schon damit Oma gut versorgt ist. Aber dann ging es auch um seine Funkgeräte-Sammlung. Er hat es geliebt hobbymäßig zu funken. Und der Gedanke daran dass seine Sachen, auch wenn er es so wollte wegkommen ist nicht auszuhalten. 

Ich bereue so viel. Ich hätte öfter rübergehen sollen. Zum Kaffeetrinken. Zum Frühstück. Egal wann. So viel was ich als Kind mit ihm gemacht habe nicht länger gemacht zu haben. Und ich vermisse ihn so so sehr. Ich habe ihn im Krankenhaus nicht angerufen. Weil ich Angst hatte, mit der Situation nicht umgehen konnte. Ein Feigling und ein Egoist war. Und ich kann mich nicht mehr erinnern was ich zuletzt zu ihm gesagt habe und was. Und egal was meine Mutter sagt, ich habe Angst dass er nicht wusste dass ich ihn liebe. Dass ich das nie wieder gut machen kann. Ich habe Angst dass ich vergesse wie seine Stimme klang. Ich habe alle Bilder auf meinem Laptop durchgesehen und einen Ordner für ihn angelegt. Ich darf nichts vergessen. Nicht vergessen wie er mal aussah. 

Und sobald ich an ihn denke kann ich nicht aufhören zu weinen. Es tut so weh. Ich habe Angst vor der Beerdigung am Dienstag. Ich weiß nicht mal warum. 

Samstag Abend kommen meine Tante, ihr Mann und meine Großtanten zu meinem Geburtstag. Ich will das eigentlich nicht. Will den Tag ignorieren und schon gar nicht feiern. Erst recht nicht ohne ihn. Aber Mama meinte er hätte das gewollt. Also machen wir es.

Aber ich kann den Gedanken nicht ertragen dass es weiter geht. Ohne ihn. Wieso merkt man was wirklich etwas bedeutet und wichtig ist erst wenn man es verloren hat? Oder bin nur ich so dumm und blind und ignorant gewesen? 

Ich kann nicht mehr….

Und plötzlich ist die Welt eine andere. Eine dunklere.

Ich bin aufgewacht. Aber es ist nicht mehr die Welt in der ich gestern noch aufgewacht bin. Denn in dieser Welt von gestern Morgen war mein Opa noch am Leben…

Er wurde gestern Vormittag aus dem Krankenhaus entlassen. Sauerstoffgeräte standen zuhause für ihn bereit. Er konnte nicht mal ohne Hilfe laufen. Und am Nachmittag ist er gestorben. 

Ich habe noch nie in meinem Leben so viel geweint. Die ganzen ca. 4 Stunden Autofahrt nach Hause, und dort dann weiter. Als wir zuhause ankamen hatte ich furchtbare Kopfschmerzen die sich auch übers ganze Gesicht und Kiefer gezogen haben.  

Ich habe ihn gesehen. Er lag ganz ruhig da auf dem Sofa, in seinen Lieblings-Klamotten, zugedeckt und mit Blumen auf der Decke. Aber das war er nicht. Er war blass und kalt. Und so hart. Das war nicht mehr das weiche Gesicht das immer gelächelt hat wenn er mich gesehen hat. Es war nur noch seine Hülle. Er war weg. Jedes Mal wenn ich ihn angeschaut hab hatte ich das Gefühl er müsse gleich aufwachen…

Es ist ein schrecklicher Albtraum aus dem man nicht aufwachen kann. Es ist so surreal und ein Teil von mir kann und will nicht glauben dass er nicht mehr da ist. 

Heute wird er abgeholt. Meine Mama ist meiner Tante und meiner Oma gerade beim Bestatter. Er wird dann auch gleich mit „seinem“ Sarg abgeholt. 

Der Anbilck meiner Oma war glaube ich das schlimmste. Ich kann mich nicht erinnern sie jemals weinen gesehen zu haben. Und dann hat sie gesagt sie hatte so gehofft dass sie ihren 60. Hochzeitstag noch erreichen. Das wäre 2019 gewesen. Und der Hund. Was von meinem in Stücke gebrochenen Herz noch übrig war ist dann endgültig gesplittert. Wie er immer wieder versucht hat ihn zu wecken. Vor dem Sofa oder daneben im Sessel von meinem Opa gelegen ist. 

Im Moment liege ich in der Badewanne. Aber es ist nicht mehr der entspannende, tröstende Ort. Aber es ist warm und das brauche ich denn ich friere so sehr. 

Ich muss mich fertig machen. Nachher muss ich mit Oma und Mama einkaufen fahren. Klamotten für die Beerdigung. 

Wieso dreht sich die Welt weiter? Wieso hält nicht alles still? Mein Opa ist nicht mehr da. Es wird nie wieder so sein wie vorher…

von einer Sekunde auf die andere

Ich habe keine Ahnung woher es kam, aber ich meine Stimmung ist gerade so stark gefallen dass ich es kaum ertrage. Nur noch sterben will. Nur noch körperlichen Schmerz und alles Innere betäuben will. So einen schnellen Wechsel von „erträglich“ zu „es wird nie wieder gut werden“ hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Und ich habe keine Möglichkeit das „erträglicher“ zu machen. Schneiden ist keine Option. Sterben ist keine Option. Leben ist zu schwer. Ich bin hier gefangen. Komme nicht vorwärts und nicht rückwärts. Ich will nur noch weg. Aufhören zu atmen. Bluten. Mich mit Tabletten wegballern. Irgendetwas. Aber ich darf nicht. Erlaube es mir nicht. Muss funktionieren.

Habe mir Wein geholt. Vielleicht hilft Alkohol. Bin ja eher nicht der Typ dafür…also ich meine damit es bringt mir nichts.  Hätte noch Tabletten da…aber das würde nur bewirken dass ich ne Überdosis nehmen will und das geht ja gleich gar nicht… Muss mich ins Bett verziehen. Der einzige Ort an dem ich den Tränen freien Lauf lassen kann. Das Schluchzen in Kissen und Decke ersticken kann…

Ich bin gerade einfach nur überfordert. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern wann ich das letzte Mal so einen krassen Fall gehabt habe. Also im Sinne von so schnell und ohne Vorwarnung.

Warum kann es nicht einfach mal gut sein? Besser werden? Ich bin es leid mich mit dem ganzen Scheiß rumzuschlagen…

Enttäuschung und Wut

Der Tag hätte beschissener nicht enden können. Da hab ich einmal vor das Haus zu verlassen und sogar was draußen zu essen, mache mich fertig, finde mein Make-Up sogar akzeptabel und will grade gehen, kommt der Anruf dass es doch anders ist als gedacht. Eine fucking Minute bevor ich gehen will. Weil dies nicht geschissen kriegen sich abzusprechen und ne vernünftige Organisation hinzubekommen. Weil natürlich wieder alles andere wichtiger war als mir früher bescheid zu sagen. Ich bin enttäuscht und wütend. Und ich werde da auch nicht mehr hingehen. Meine Familie verschwendet sowieso schon genug Zeit mit diesem drecks Verein.

Und dann wäre da auch noch meine Mutter. Alle paar Monate teilt sie mir mit dass es sie traurig stimmt und sie sich Sorgen macht dass ich keine Freunde habe und nie was mache. Aber jedes verfickte einzelne Mal wenn ich A. erwähne (btw die einzige Freundin die mich seit dem Kindergarten kennt und zu mir gehalten hat und immer noch was von mir wissen will) kommt nur negatives. Ein Seufzen, ein blöder Kommentar. Gestern z.B. Da hab ich erwähnt dass heute ihr Geburtstagsgeschenk kommt. Wieder nur dieses Seufzen. Als wäre sie wütend dass ich in ihren Augen vermutlich Geld verschwende (ne CD). Ich meine gehts noch? Bilde ich mir ein ihre Freunde abzuwerten. Sie sollte wie ich dankbar sein dass ich sie habe. Aber nein, sie muss es immer schlecht machen. Und wenn ich es einmal wage das anzusprechen ist natürlich gleich die Hölle los. Es kotzt mich so an.

Ich bin zur Zeit ständig nur wütend. Auf alles. Die Welt. Und am meisten auf mich. Blicke zurück auf all die Fehler die ich gemacht habe. Auf meine Entwicklung. Wie konnte ich nur so dumm und unfähig sein. Ich hasse mich selbst dafür. Was aus mir geworden ist.

Ich werde morgen in einer Woche 23. Und habe genau NICHTS erreicht in meinem Leben. Das ist der 6. Geburtstag seit ich beschlossen hatte keinen mehr zu erleben und versucht habe zu sterben. Die 6. Niederlage, die 6. Schande in Folge. Und seitdem hat sich auch nichts geändert. Ich bin immer noch dieser wertlose Haufen Dreck,. Zu nichts zu gebrauchen. Ein Totalversager auf allen Ebenen. Und ich will immer noch sterben. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist der Wunsch danach sogar stärker als damals. Vermutlich wächst er schleichend. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ich wünschte ich könnte den Egoismus von damals zurückholen. Einfach nicht daran denken was nach meinem Tod wäre. Nur an mich denken und einfach verschwinden können. Das wäre schön…

Ic könnte vermutlich ewig so weiterschreiben, aber ich habe keine Kraft mehr. Sämtliche Energie hatte ich darauf verwendet zu baden, mich halbwegs passabel aussehen zu lassen, mich seelisch darauf vorzubereiten rauszugehen und was zu essen, gegen die Ängste zu kämpfen. Sämtliche Energie verschwendet.

Ich hab mich bereits abgeschminkt und umgezogen. Alles was ich jetzt noch mache ist mich ins Bett legen. Vielleicht noch mit Laptop. Aber eigentlich sollte ich einfach versuchen zu schlafen. Heut passiert sowieso nichts gutes mehr. Und es hilft vielleicht die Gefühle und die Tränen in meinen Augen verschwinden zu lassen.

13 Reasons Why

Ich habe die Serie angeschaut. Gestern um 23:30 angefangen, heute Nachmittag mit den letzten 2 Episoden beendet. Ich war bis halb sieben Uhr morgens wach. Auch wenn ich da schon ausgeschaltet habe, es ist nichts worauf es sich gut schlafen lässt. Ich war dann bis 14:30 im Bett, bevor ich mich mit roten, geschwollenen und brennenden Augen ins Bad geschleppt habe….

Natürlich musste ich es tun, obwohl ich sehr genau wusste dass es ein Fehler ist. Ich kenne das Buch, habe es mehrmals gelesen.

Es sind nicht die Menschen und ihre grausamen Handlungen, die aufgezeigt werden, was mich so fertig macht. So etwas überrascht mich nicht mehr, kann mich nicht mehr schocken. Selbst wenn ich das Buch nicht gekannt hätte. Ich denke das bringt meine Vergrangenheit so mit sich. Ich erwarte von Menschen sowieso nur noch das Schlimmste. Auf diese Art spart man sich Enttäuschungen. Klar, viel des gezeigten hat starkt getriggert, vor allem an Erinnerungen aus der Vergangenheit (Trauma) gezerrt. Aber es war nicht das Schlimmste.

Das Schlimmste waren die Szenen der Eltern. Zu wissen dass das meine hätten sein können, zu wissen dass man ihnen das antun könnte. Das dieser weinende Mensch der am Ende seiner Kräfte ist meine Mutter sein könnte. Ich habe sie schon einmal so erlebt. Naja nicht genauso, denn ich lebte noch. Aber nahe dran. Ein Gefühl, eine Erinnerung die sich tief in mich eingebrannt hat.

Ich habe lange nicht mehr so sehr geweint wegen einer Serie/eines Films. Und ich bin jetzt einfach nur fertig. Ich habe Kopfschmerzen. Ich schaffe es nicht mal ein Lächeln aufzusetzen. Ich beschwere mich nicht, ich wusste es würde so kommen. Und ich bin  wütend auf mich selbst. Wütend, denn es existiert immer noch dieser Teil in mir, der sich an Hannah’s Stelle wünscht. Sich wünscht ebenfalls tot zu sein. Verschwunden. Nicht mehr existierend. Ich schaffe es nicht diesen Teil in mir auszulöschen. Dafür hasse ich mich….

Um diesen völlig negativen Post nicht negativ zu beenden: Die Musik der Serie ist richtig gut 🙂 (Ok, ich gebs zu, dass war ein miserabler Versuch, aber hey, was anderes fällt mir nicht ein…)

05. März 2017

Alles geht den Bach runter. Mit dem Plan mich für meine Wunschausbildung zu bewerben hatte ich ein paar Tage wieder Hoffnung. Aber dann hab ich der harten Realität ins Auge geblickt. Das kann nichts werden. Ich habe bereits mit 14 Jahren begonnen mir das zu verbauen. Ich verabscheue mich. Was ich aus meinem Leben gemacht habe. Dass ich „krank“ geworden bin. Ich hasse mich.

Keinerlei Hoffnung mehr auf ne Zukunft. Nur noch exisiteren. Jeden Tag aufs neue beginnt der Kampf diesen irgendwie zu überstehen. Ablenkung Ablenkung Ablenkung. Tränen zurückdrängen. Nichts dummes anstellen. Mir den Schmerz und die tiefe Verzweiflung nicht anmerken lassen.

Und jetzt muss ich mich noch um die Sache mit dem Job kümmern. Was anderes suchen. Bewerbung umschreiben. Alles zu viel.

Ich schlafe wieder extrem viel. Und wenn ich mich aus dem Bett zwinge bin ich trotzdem völlig erschöpft.

Meine Tabletten gehen bald aus. Ich werd mir keine neuen mehr holen. Zum Glück haben meine Eltern das bisher nicht so ganz überissen. Hab aber Angst vor dem Gespräch wenn es irgendwann rauskommt.

Soziale Kontakte habe ich kaum bis gar nicht mehr. Es gibt Momente in denen ich das vermisse, in denen es sogar unglaublich weh tut J. verloren zu haben. Aber auch diese Momente werden seltener. Ich merke wie ich immer mehr abstumpfe, mich tief in mir drin verkrieche. Ich frage mich ob ich jemals wieder ganz herauskommen werde….

Ständig diese Kopfschmerzen…ist nicht hilfreich wenn man nur noch überlebt indem man sich ablenkt (Bücher, Serien etc. gehen da nicht wirklich…)

In ca. 6 Wochen werde ich 23. Deprimierend. Versagt auf ganzer Linie. Bereits mit 17 hatte ich versucht zu gehen. Wie sehr ich mir wünsche damals nicht überlebt zu haben. Aber jetzt bin ich hier. Und habe diese Option nicht. Zumindest noch nicht. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Monaten den letzten Rest Egoismus zusammenzukratzen…irgendwie bezweifle ich es. Ich werde einfach weiter vor mich hin leiden, innerlich immer mehr absterben.