09. Mai 2017

Alltag ist in den letzten Wochen zuhause eingekehrt. Aber nichts ist mehr wie zuvor. Oma ist jetzt sehr oft bei uns. Am Wochenende gibt es gemeinsames Frühstück und Mittagessen, unter der Woche Kaffeetrinken, Abendessen, und nochmal spätabends zusammensitzen. Ich lasse keine Sekunde davon aus. Ich bereue nicht früher die Wichtigkeit von diesen Dingen erkannt zu haben. Ich habe noch stärkere Verlustängste als früher….Der ganze Papierkram, und jetzt das Aussortieren von seinen Sachen….das ist sehr schmerzhaft. Ich habe ein paar T-Shirts und seinen Vereins-Trainingsanzug bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Sachen anzuhaben. Ein Stück von ihm bei mir zu haben. Er hat 2 so Sammelalben für mich geführt. Mit Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern. Als Oma mir die gegeben hat….es hat so unglaublich weh getan. Ich konnte nur noch heulen. Ich weiß noch wie ich meiner Mutter gesagt habe dass ich das nicht will, dass ich ihn wiederhaben will. Mittlerweile kann ich es zumindest ansehen. Aber er fehlt. Wenn wir bei Oma am Tisch sitzen, ist der Platz rechts von mir leer. Seit ich mich erinnern kann saß er immer da neben mir. Und jetzt nicht mehr. Oft habe ich immer noch das Gefühl dass er gleich wiederkommt. Wenn Oma abends bei uns ist und ich sehe beim rauchen drüben in ihrem Wohnzimmer Licht brennen, fühlt es sich einen Moment so an als wäre er dort. Bis mir wieder einfällt dass er nie wieder dort in seinem Sessel sitzen wird…Er fehlt mir so sehr. Aber nichts davon dringt mehr durch meine Maske. Ich bin die glückliche Tochter um die sich niemand Sorgen zu machen braucht. Die haben auch so schon genug um die Ohren da brauchen sie nicht auch noch mich die rumheult.

Ich schaffe es seit ca. einer Woche mich nicht mehr in den Schlaf weinen zu müssen. Das ist wenigstens etwas. Und auch sonst hab ich alles im Griff. Wortwörtlich. Es hat vielleicht 2 Tage gedauert nachdem ich beschlossen habe das Abnehmen an erste Priorität zu setzen. 2 Tage bevor ich komplett zurückgefallen bin in die alten Verhaltensmuster. Alles wird gewogen, alles wird schriftlich festgehalten. Viel Bewegung, 6 Tage die Woche täglich ein kleines Sportprogramm. Es fällt mir nicht im gerinstens schwer. Kontrolle und hungern hat das Trost-Essen als Kompensation komplett ersetzt.  Und auch sonst wird alles geplant. Das Witzige ist dass meine Eltern das früher komplett gehasst haben wenn ich Kalorien Fett etc. gezählt und dokumentiert habe. Jetzt findet meine Mutter es gut und hilft mir sogar beim abwiegen. Find ich gut, das macht es mir sehr viel leichter. Nichts davon heimlich machen zu müssen ist sehr entspannt. Klar, ne fette hässliche Tochter zu haben ist scheiße. Früher war ich wenigstens nur hässlich.  Hoffentlich muss sie sich in ein paar Monaten nicht mehr für mich schämen….

Wenn ich mich nicht gerade bewege oder mein Essen abwiege, läuft ständig irgendetwas. Ablenkung ist wichtig. Ruhe und Stille kann ich nicht ertragen. Alles, bloß nicht mit mir und meinen Gedanken allein sein.

Mittlerweile bin ich was „rausgehen“ betrifft wohl in der schlimmsten Phase meines Lebens angekommen. Ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus wenn es nicht unbedint sein muss. Mit den Hunden rausgehen ist die pure Folter. Die Bewegung an sich finde ich super, aber dass ich dafür das Haus verlassen muss, von Menschen gesehen werden könnte, das ist reinste Qual. Menschliche Interaktion außerhalb meiner Familie? Findet fast gar nicht mehr statt. Vielleicht beim Französisch-Treffen alle paar Wochen, bei ner minimalen Whatsapp Unterhaltung ein Mal die Woche, oder gezwungenermaßen wenn irgendwas beim Verein ist. Ansonsten nichts. Und mich überfordert das schon im Moment. Vor allem direkt, also wenn mich Menschen sehen können. Das ist wahnsinnig anstrengend. Ich kriege jetzt schon Panik wenn ich daran denke dass ich im Juni mindestens 1 Mal die Woche in die Uni muss. Angst.Angst.Angst.

Es gibt kaum noch Momente in denen ich mich „gut“ fühle. Oder wenigstens ok. Eigentlich ist alles nur grau, kalt und leer. Ich existiere von einem Tag zum nächsten. Schlafe so lange wie möglich damit der Tag schneller vorbei ist. Wenn ich objektiv und ehrlich zu mir selbst bin (das fällt verdammt schwer) muss ich zugeben dass ich stark depressiv bin. Sterben will ich nicht mehr. Der Tod ist mein Feind geworden. Er bringt nichts als Schmerz für die die zurückbleiben. Aber das ist auch schon alles….

Ich muss das bis September irgendwie wieder auf die Reihe kriegen. Funktionieren und Listen und Vorsätze abarbeiten ist schön und gut, aber Depression, Angst und Panik sind keine guten Begleiter für den Start der Ausbildung. Das muss besser werden. Leider habe ich keine Ahnung wie ich das anstellen soll….

Ein schlimmer Tag 

Ich sitze im Bett. Ich will nicht schlafen. Will das Video nicht ausschalten das auf dem IPad läuft im verzweifelten Versuch Ablenkung zu finden und gegen die Stille zu kämpfen. Der Tag war… schrecklich. Ich glaube das war der schlimmste Tag meines Lebens. 

Ich war fast den ganzen Tag drüben im Haus von Oma und Opa. Alle waren da, meine Tante und ihr Mann, meine Großtanten, sogar mein (guter) Onkel ist gekommen. Opa wurde gegen 15 Uhr geholt. Es war kaum zu ertragen. Auch der Pfarrer war nochmal da. Und ich habe zum ersten Mal seit Jahren zu einem Gott, an den ich schon lange nicht mehr glauben kann, gebetet. Nein, eigentlich habe ich stumm geschrien, gefleht dass es einen Himmel gibt. Dass Opa jetzt dort ist, glücklich, dass er sehen kann wie viel er uns bedeutet hat, dass er von dort oben auf ins aufpassen kann. 

Es war aber auch gut so. Es war ein Abschied den ich auch gebraucht habe denke ich. Auch wenn es furchtbar und unerträglich schmerzhaft war mit anzusehen wie er sein Zuhause zum letzten Mal verlassen hat. Das anschließende Gespräch war gut. Dem Pfarrer wurde von ihm erzählt, was er geliebt hat, wie sein Leben war. Es hat gut getan. Auch wenn es weh tut.

Ich habe es immer noch nicht realisiert. Sobald ich es schaffe meine Gedanken anderen Dingen zuzuwenden ist es als wäre nichts gewesen. Als würde er bald wiederkommen. Und dann kommt es wieder wie ein Schlag in den Magen. Dass er nicht mehr da ist. Dass er nicht zurückkommen kann. Morgen früh gibt es Frühstück bei meiner Oma. Und ich habe solche Angst davor. Am Tisch zu sitzen. Ohne ihn. Seinen leeren Platz zu sehen und zu wissen dass er dort nie wieder sitzen wird. 

Und meine Oma. Sie tut mir so leid. Auch wenn wir nebenan wohnen und sie noch ihre Schwester oben im Haus hat. Sie ist jetzt allein. Wenn ich daran denke wie sie heute gesagt hat dass sie beim einkaufen jetzt reduzieren muss weil er ja nicht mehr da ist. 

Beim Abendessen war sie bei uns. Und es wurde auch übers Erbe geredet. Wegen dem Halbbruder meiner Mutter. Und ich hätte am liebsten geschrien und meinen Wein durch den Raum geschmissen. Weil das keine Bedeutung hat. Weil es darum geht dass mein Opa nicht mehr da ist. Vom Verstand her verstehe ich das alles ja. Dass es wichtig ist das alles zu regeln, allein schon damit Oma gut versorgt ist. Aber dann ging es auch um seine Funkgeräte-Sammlung. Er hat es geliebt hobbymäßig zu funken. Und der Gedanke daran dass seine Sachen, auch wenn er es so wollte wegkommen ist nicht auszuhalten. 

Ich bereue so viel. Ich hätte öfter rübergehen sollen. Zum Kaffeetrinken. Zum Frühstück. Egal wann. So viel was ich als Kind mit ihm gemacht habe nicht länger gemacht zu haben. Und ich vermisse ihn so so sehr. Ich habe ihn im Krankenhaus nicht angerufen. Weil ich Angst hatte, mit der Situation nicht umgehen konnte. Ein Feigling und ein Egoist war. Und ich kann mich nicht mehr erinnern was ich zuletzt zu ihm gesagt habe und was. Und egal was meine Mutter sagt, ich habe Angst dass er nicht wusste dass ich ihn liebe. Dass ich das nie wieder gut machen kann. Ich habe Angst dass ich vergesse wie seine Stimme klang. Ich habe alle Bilder auf meinem Laptop durchgesehen und einen Ordner für ihn angelegt. Ich darf nichts vergessen. Nicht vergessen wie er mal aussah. 

Und sobald ich an ihn denke kann ich nicht aufhören zu weinen. Es tut so weh. Ich habe Angst vor der Beerdigung am Dienstag. Ich weiß nicht mal warum. 

Samstag Abend kommen meine Tante, ihr Mann und meine Großtanten zu meinem Geburtstag. Ich will das eigentlich nicht. Will den Tag ignorieren und schon gar nicht feiern. Erst recht nicht ohne ihn. Aber Mama meinte er hätte das gewollt. Also machen wir es.

Aber ich kann den Gedanken nicht ertragen dass es weiter geht. Ohne ihn. Wieso merkt man was wirklich etwas bedeutet und wichtig ist erst wenn man es verloren hat? Oder bin nur ich so dumm und blind und ignorant gewesen? 

Ich kann nicht mehr….

Und plötzlich ist die Welt eine andere. Eine dunklere.

Ich bin aufgewacht. Aber es ist nicht mehr die Welt in der ich gestern noch aufgewacht bin. Denn in dieser Welt von gestern Morgen war mein Opa noch am Leben…

Er wurde gestern Vormittag aus dem Krankenhaus entlassen. Sauerstoffgeräte standen zuhause für ihn bereit. Er konnte nicht mal ohne Hilfe laufen. Und am Nachmittag ist er gestorben. 

Ich habe noch nie in meinem Leben so viel geweint. Die ganzen ca. 4 Stunden Autofahrt nach Hause, und dort dann weiter. Als wir zuhause ankamen hatte ich furchtbare Kopfschmerzen die sich auch übers ganze Gesicht und Kiefer gezogen haben.  

Ich habe ihn gesehen. Er lag ganz ruhig da auf dem Sofa, in seinen Lieblings-Klamotten, zugedeckt und mit Blumen auf der Decke. Aber das war er nicht. Er war blass und kalt. Und so hart. Das war nicht mehr das weiche Gesicht das immer gelächelt hat wenn er mich gesehen hat. Es war nur noch seine Hülle. Er war weg. Jedes Mal wenn ich ihn angeschaut hab hatte ich das Gefühl er müsse gleich aufwachen…

Es ist ein schrecklicher Albtraum aus dem man nicht aufwachen kann. Es ist so surreal und ein Teil von mir kann und will nicht glauben dass er nicht mehr da ist. 

Heute wird er abgeholt. Meine Mama ist meiner Tante und meiner Oma gerade beim Bestatter. Er wird dann auch gleich mit „seinem“ Sarg abgeholt. 

Der Anbilck meiner Oma war glaube ich das schlimmste. Ich kann mich nicht erinnern sie jemals weinen gesehen zu haben. Und dann hat sie gesagt sie hatte so gehofft dass sie ihren 60. Hochzeitstag noch erreichen. Das wäre 2019 gewesen. Und der Hund. Was von meinem in Stücke gebrochenen Herz noch übrig war ist dann endgültig gesplittert. Wie er immer wieder versucht hat ihn zu wecken. Vor dem Sofa oder daneben im Sessel von meinem Opa gelegen ist. 

Im Moment liege ich in der Badewanne. Aber es ist nicht mehr der entspannende, tröstende Ort. Aber es ist warm und das brauche ich denn ich friere so sehr. 

Ich muss mich fertig machen. Nachher muss ich mit Oma und Mama einkaufen fahren. Klamotten für die Beerdigung. 

Wieso dreht sich die Welt weiter? Wieso hält nicht alles still? Mein Opa ist nicht mehr da. Es wird nie wieder so sein wie vorher…

von einer Sekunde auf die andere

Ich habe keine Ahnung woher es kam, aber ich meine Stimmung ist gerade so stark gefallen dass ich es kaum ertrage. Nur noch sterben will. Nur noch körperlichen Schmerz und alles Innere betäuben will. So einen schnellen Wechsel von „erträglich“ zu „es wird nie wieder gut werden“ hatte ich schon sehr lange nicht mehr. Und ich habe keine Möglichkeit das „erträglicher“ zu machen. Schneiden ist keine Option. Sterben ist keine Option. Leben ist zu schwer. Ich bin hier gefangen. Komme nicht vorwärts und nicht rückwärts. Ich will nur noch weg. Aufhören zu atmen. Bluten. Mich mit Tabletten wegballern. Irgendetwas. Aber ich darf nicht. Erlaube es mir nicht. Muss funktionieren.

Habe mir Wein geholt. Vielleicht hilft Alkohol. Bin ja eher nicht der Typ dafür…also ich meine damit es bringt mir nichts.  Hätte noch Tabletten da…aber das würde nur bewirken dass ich ne Überdosis nehmen will und das geht ja gleich gar nicht… Muss mich ins Bett verziehen. Der einzige Ort an dem ich den Tränen freien Lauf lassen kann. Das Schluchzen in Kissen und Decke ersticken kann…

Ich bin gerade einfach nur überfordert. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern wann ich das letzte Mal so einen krassen Fall gehabt habe. Also im Sinne von so schnell und ohne Vorwarnung.

Warum kann es nicht einfach mal gut sein? Besser werden? Ich bin es leid mich mit dem ganzen Scheiß rumzuschlagen…

Enttäuschung und Wut

Der Tag hätte beschissener nicht enden können. Da hab ich einmal vor das Haus zu verlassen und sogar was draußen zu essen, mache mich fertig, finde mein Make-Up sogar akzeptabel und will grade gehen, kommt der Anruf dass es doch anders ist als gedacht. Eine fucking Minute bevor ich gehen will. Weil dies nicht geschissen kriegen sich abzusprechen und ne vernünftige Organisation hinzubekommen. Weil natürlich wieder alles andere wichtiger war als mir früher bescheid zu sagen. Ich bin enttäuscht und wütend. Und ich werde da auch nicht mehr hingehen. Meine Familie verschwendet sowieso schon genug Zeit mit diesem drecks Verein.

Und dann wäre da auch noch meine Mutter. Alle paar Monate teilt sie mir mit dass es sie traurig stimmt und sie sich Sorgen macht dass ich keine Freunde habe und nie was mache. Aber jedes verfickte einzelne Mal wenn ich A. erwähne (btw die einzige Freundin die mich seit dem Kindergarten kennt und zu mir gehalten hat und immer noch was von mir wissen will) kommt nur negatives. Ein Seufzen, ein blöder Kommentar. Gestern z.B. Da hab ich erwähnt dass heute ihr Geburtstagsgeschenk kommt. Wieder nur dieses Seufzen. Als wäre sie wütend dass ich in ihren Augen vermutlich Geld verschwende (ne CD). Ich meine gehts noch? Bilde ich mir ein ihre Freunde abzuwerten. Sie sollte wie ich dankbar sein dass ich sie habe. Aber nein, sie muss es immer schlecht machen. Und wenn ich es einmal wage das anzusprechen ist natürlich gleich die Hölle los. Es kotzt mich so an.

Ich bin zur Zeit ständig nur wütend. Auf alles. Die Welt. Und am meisten auf mich. Blicke zurück auf all die Fehler die ich gemacht habe. Auf meine Entwicklung. Wie konnte ich nur so dumm und unfähig sein. Ich hasse mich selbst dafür. Was aus mir geworden ist.

Ich werde morgen in einer Woche 23. Und habe genau NICHTS erreicht in meinem Leben. Das ist der 6. Geburtstag seit ich beschlossen hatte keinen mehr zu erleben und versucht habe zu sterben. Die 6. Niederlage, die 6. Schande in Folge. Und seitdem hat sich auch nichts geändert. Ich bin immer noch dieser wertlose Haufen Dreck,. Zu nichts zu gebrauchen. Ein Totalversager auf allen Ebenen. Und ich will immer noch sterben. Wenn ich genau darüber nachdenke, ist der Wunsch danach sogar stärker als damals. Vermutlich wächst er schleichend. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ich wünschte ich könnte den Egoismus von damals zurückholen. Einfach nicht daran denken was nach meinem Tod wäre. Nur an mich denken und einfach verschwinden können. Das wäre schön…

Ic könnte vermutlich ewig so weiterschreiben, aber ich habe keine Kraft mehr. Sämtliche Energie hatte ich darauf verwendet zu baden, mich halbwegs passabel aussehen zu lassen, mich seelisch darauf vorzubereiten rauszugehen und was zu essen, gegen die Ängste zu kämpfen. Sämtliche Energie verschwendet.

Ich hab mich bereits abgeschminkt und umgezogen. Alles was ich jetzt noch mache ist mich ins Bett legen. Vielleicht noch mit Laptop. Aber eigentlich sollte ich einfach versuchen zu schlafen. Heut passiert sowieso nichts gutes mehr. Und es hilft vielleicht die Gefühle und die Tränen in meinen Augen verschwinden zu lassen.

13 Reasons Why

Ich habe die Serie angeschaut. Gestern um 23:30 angefangen, heute Nachmittag mit den letzten 2 Episoden beendet. Ich war bis halb sieben Uhr morgens wach. Auch wenn ich da schon ausgeschaltet habe, es ist nichts worauf es sich gut schlafen lässt. Ich war dann bis 14:30 im Bett, bevor ich mich mit roten, geschwollenen und brennenden Augen ins Bad geschleppt habe….

Natürlich musste ich es tun, obwohl ich sehr genau wusste dass es ein Fehler ist. Ich kenne das Buch, habe es mehrmals gelesen.

Es sind nicht die Menschen und ihre grausamen Handlungen, die aufgezeigt werden, was mich so fertig macht. So etwas überrascht mich nicht mehr, kann mich nicht mehr schocken. Selbst wenn ich das Buch nicht gekannt hätte. Ich denke das bringt meine Vergrangenheit so mit sich. Ich erwarte von Menschen sowieso nur noch das Schlimmste. Auf diese Art spart man sich Enttäuschungen. Klar, viel des gezeigten hat starkt getriggert, vor allem an Erinnerungen aus der Vergangenheit (Trauma) gezerrt. Aber es war nicht das Schlimmste.

Das Schlimmste waren die Szenen der Eltern. Zu wissen dass das meine hätten sein können, zu wissen dass man ihnen das antun könnte. Das dieser weinende Mensch der am Ende seiner Kräfte ist meine Mutter sein könnte. Ich habe sie schon einmal so erlebt. Naja nicht genauso, denn ich lebte noch. Aber nahe dran. Ein Gefühl, eine Erinnerung die sich tief in mich eingebrannt hat.

Ich habe lange nicht mehr so sehr geweint wegen einer Serie/eines Films. Und ich bin jetzt einfach nur fertig. Ich habe Kopfschmerzen. Ich schaffe es nicht mal ein Lächeln aufzusetzen. Ich beschwere mich nicht, ich wusste es würde so kommen. Und ich bin  wütend auf mich selbst. Wütend, denn es existiert immer noch dieser Teil in mir, der sich an Hannah’s Stelle wünscht. Sich wünscht ebenfalls tot zu sein. Verschwunden. Nicht mehr existierend. Ich schaffe es nicht diesen Teil in mir auszulöschen. Dafür hasse ich mich….

Um diesen völlig negativen Post nicht negativ zu beenden: Die Musik der Serie ist richtig gut 🙂 (Ok, ich gebs zu, dass war ein miserabler Versuch, aber hey, was anderes fällt mir nicht ein…)

05. März 2017

Alles geht den Bach runter. Mit dem Plan mich für meine Wunschausbildung zu bewerben hatte ich ein paar Tage wieder Hoffnung. Aber dann hab ich der harten Realität ins Auge geblickt. Das kann nichts werden. Ich habe bereits mit 14 Jahren begonnen mir das zu verbauen. Ich verabscheue mich. Was ich aus meinem Leben gemacht habe. Dass ich „krank“ geworden bin. Ich hasse mich.

Keinerlei Hoffnung mehr auf ne Zukunft. Nur noch exisiteren. Jeden Tag aufs neue beginnt der Kampf diesen irgendwie zu überstehen. Ablenkung Ablenkung Ablenkung. Tränen zurückdrängen. Nichts dummes anstellen. Mir den Schmerz und die tiefe Verzweiflung nicht anmerken lassen.

Und jetzt muss ich mich noch um die Sache mit dem Job kümmern. Was anderes suchen. Bewerbung umschreiben. Alles zu viel.

Ich schlafe wieder extrem viel. Und wenn ich mich aus dem Bett zwinge bin ich trotzdem völlig erschöpft.

Meine Tabletten gehen bald aus. Ich werd mir keine neuen mehr holen. Zum Glück haben meine Eltern das bisher nicht so ganz überissen. Hab aber Angst vor dem Gespräch wenn es irgendwann rauskommt.

Soziale Kontakte habe ich kaum bis gar nicht mehr. Es gibt Momente in denen ich das vermisse, in denen es sogar unglaublich weh tut J. verloren zu haben. Aber auch diese Momente werden seltener. Ich merke wie ich immer mehr abstumpfe, mich tief in mir drin verkrieche. Ich frage mich ob ich jemals wieder ganz herauskommen werde….

Ständig diese Kopfschmerzen…ist nicht hilfreich wenn man nur noch überlebt indem man sich ablenkt (Bücher, Serien etc. gehen da nicht wirklich…)

In ca. 6 Wochen werde ich 23. Deprimierend. Versagt auf ganzer Linie. Bereits mit 17 hatte ich versucht zu gehen. Wie sehr ich mir wünsche damals nicht überlebt zu haben. Aber jetzt bin ich hier. Und habe diese Option nicht. Zumindest noch nicht. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Monaten den letzten Rest Egoismus zusammenzukratzen…irgendwie bezweifle ich es. Ich werde einfach weiter vor mich hin leiden, innerlich immer mehr absterben.

 

Whatever 

Kurz vor drei Uhr morgens. Ich sitze im Garten. Ich hatte erwartet dass es kälter wäre, immerhin hab ich kaum was an. Aber vielleicht spüre ich es auch einfach nicht. 

Nach ca. Einer Stunde im dunklen Zummer machte meine Mutter die Tür auf und meinte mein Rhythmus wäre ohnehin schon so schlecht und ich solle doch nachts schlafen. Ich glaube nicht dass ihr überhaupt die Frage in den Sinn kam, warum ich so früh schon wieder im Bett liege. Also hab ich mich aus dem Bett gequält und während meine Eltern spazieren waren habe ich mein Gesicht bearbeitet „normal“ auszusehen. 

Und kaum waren sie im Bett, flossen die Tränen wieder. Und ich bin seitdem nicht in der Lage meine Augen wieder unter Kontrolle zu bringen. Mir graut es beim Gedanken daran, wie ich morgen bzw. heute aussehen werde. Bei dem Gedanken, was diese Tränen wieder mit meiner Haut anrichten werden. Aber ich kann nicht aufhören. 

Der Schmerz, die Angst zerreißt mich. Der Wunsch zu sterben ist so gewaltig, und das Wissen dass ich nicht in der Lage bin der Familie das anzutun tötet mich innerlich. 

Ich rauche eine nach der anderen. Zittere so sehr dass dieser Text ohne Autokorrektur vermutlich nicht lesbar wäre. 

Meine Gedanken wandern von einem Fehler, einer Erinnerung, einer Angst zur nächsten. Habe versucht an positives zu denken – und bin jämmerlich an dieser Aufgabe gescheitert.

Möchte mir weh tun, anderen Schmerz fühlen, aber die Angst weitere Spuren auf meinem Körper zu hinterlassen ist zu groß. 

Ich sehne mich nach dem Ende dieser Tortur. Nach den endlosen Leere die nach so einem „Ausbruch“ immer folgt. Wie viele Minuten, wie viele Stunden muss ich noch darauf warten? Wieso war ich so dumm und habe keine Schlaftabletten genommen als ich es nicht konnte? 

In meinem Kopf machen sich hämmernde Kopfschmerzen breit, als würde mein Gehirn von innen anschwellen bis mein Schädel dem nicht mehr standhalten kann… wie immer wenn ich so viel weine. 

Ich will nur dass es aufhört. Habe ich das alles verdient? Vermutlich ja. Ich frage mich wie das alles werden wird wenn ich endgültig keine Tabletten mehr habe. Ob alles schlimmer werden wird. Habe es oh schon ausgereizt. Oft eine ganze Woche lang keine genommen, damit sie länger halten. Mittlerweile ist das sogar den Eltern aufgefallen, und es wird immer schwieriger die Tage an denen ich sie nicht nehme vor ihnen zu verheimlichen. Aber vielleicht ändert sich auch gar nichts. Vielleicht haben sie ja nie geholfen und es war alles nur Einbildung. Würde mich auch nicht groß wundern. 

Mir wird gerade bewusst dass ich mich mit dem schreiben verzweifelt versuche auf etwas zu konzentrieren. Aber auch das funktioniert nicht. Meine Augen produzieren weiter diese salzigen, Haut zerstörenden, verräterischen Wassertropfen. 

Der Wunsch einfach doch jetzt noch 2 oder 3 Schlaftabletten zu nehme ist gigantisch. Aber ich muss morgen aufstehen. Passabel aussehen. Brauche einen halbwegs klaren Verstand wenn die Maske unter all den Leuten sitzen soll. Also ist auch das keine Option. 

Also wieder ins Bett, und hoffen dass es nicht mehr allzu lange andauert. Und dann wieder irgendwie weitermachen. Wofür auch immer.   

15. Januar 2016

Es ist Monate her seit ich das letzte Mal auf wordpress war. Und es ist so einiges passiert in der Zeit. Und trotzdem habe ich nicht geschrieben. Hauptsächlich, weil ich es mir nicht erlaube. Denn schreiben bedeutet ganz viel jammern, und das darf ich eigentlich nicht. Und selbst wenn ich es mir erlauben würde, meistens, wenn ich zuhause hin, habe ich nicht die Kraft mich mit mir und meinen Gedanken auseinanderzusetzen. Aber egal.

Ich wurde operiert (furchtbare Erfahrung inklusive Panikattacke bei Narkoseinleitung), der Chirurg hats gut gemacht (ein bisschen sind die Nerven schon geschädigt, in Richtung linkes Ohr ist mein Gesicht ein bisschen taub, und mein linker Mundwinkel bewegt sich weniger beim sprechen als der andere, aber meine Mutter meint das merkt man kaum. Und eigentlich ist es mir auch egal. Mir wird es immer gleichgültiger wie ich aussehe. Irgendwas in mir hat was das angeht angefangen komplett aufzugeben. Ich bin fett, hässlich und kann es ja eh nicht ändern. Und wozu? Wer weß wie lange ich noch lebe, da muss ich nicht auch noch Kraft für sowas verschwenden….

Ich befinde mich wieder in einer steilen Abwärtsspirale, und irgendwie hab ich das Gefühl dass es schlimmer wird als die letzten Male.

Ich war glaube ich vor 4 Monaten (mehr oder weniger) das letzte Mal bei Fraus Psychiaterin. Und ich schaffe es nicht einen Termin auszumachen. Habe Angst davor. Also lass ich es sein, und sehe zu wie meine Tabletten dahinschwinden. Vielleicht hör ich dann einfach auf welche zu nehmen. Bringt ja eh nichts.  Bringt alles nichts.

Was Uni angeht habe ich sämtliche Motivation, jeden Funken Ehrgeiz verloren. Ich weiß dass ich lernen müsste, in am 13. Februar ist die erste Klausur, aber ich schaff es nicht. Es ist mir egal geworden. Vermulich weil ich innerlich weiß dass ich das Ende des Studiums sowieso nicht erleben werde. Weil ich zu müde vom Leben bin. Weil ich zu große Angst vor der Zukunft habe und sie deswegen nicht erleben will. Ein Teufelskreis. Außerdem habe ich durch Krankheit und die anschließende OP inklusive stationärem Aufenthalt und Erholungsphase ne Menge Stoff verpasst….

Die Nächte werden immer mehr zur Qual. Zur reinen Folter.  Ich nehme jeden Abend mind. eine, meisten 2 Tabletten, sonst funktionert schlafen gar nicht, und selbst dann ist der Schlaf unruhig und voller Träume. Und die Zeit bevor ich schlafe….ist die schlimmste Zeit von allen. Denn sobald ich in der Stille meines dunklen Zimmers bin, fließen die Tränen die ich sonst mit aller Macht zurückdränge. Meistens schütteln mich die Tränen dann so stark, dass ich mein Schluchzen in einer wand aus Kissen und der Decke ersticken muss. Meist habe ich Probleme zu atmen vor laute Schmerz und Verzweiflung. Je nachdem wann und wie viele Tabletten ich genommen habe, dauert es viel/wenig Zeit bis ich schlafe. Ich schlafe dann vor Erschöpfung ein, und nicht weil ich mich beruhigt habe. Das kann ich nämlich nicht. Ich stehe zwischendurch auf, und gehe ins Bad wo ich mein Gesicht mit eiskaltem Wasser wasche, und nehme einen feuchten Waschlappen mit den ich mir auf die Augen lege. Das und das MakeUp am nächsten Morgen verhindern in der Regel dass meine Eltern etwas merken, nur ein, zwei Mal in den letzen Wochen hat meine Mutter eine Vermutung angedeutet.       Die restliche Zeit sitzt die Maske.

Hinzu kommt dass ich mit dem rauchen aufgehört habe. Körperlich war es kein Problem. Aber ich habe festgestellt dass ich psychisch dadurch immens an Gleichgewicht verloren habe. Es ist schwieriger tagsüber die Tränen zurückzuhalten. Schwieriger sich zu beruhigen, schwieriger den Stress zu ertragen. Wenn es nach mir ginge würde ich sofort wieder anfangen. Aber das würde endlose Diskussionen mit meinen Eltern nach sich ziehen, die sich damit nie abfinden würden, und dafür fehlt es mir an Kraft. Und überhaupt, dieses ganze beschissene Leben mache ich nur um sie glücklich zu machen, und wenn nicht rauchen dazu beiträgt dann soll es wohl so sein….

Ich habe kaum noch soziale Kontakte. Schreibe kaum noch mit K. oder A. , die einzigen die ich Freunde nennen kann. Ich gehe nicht mehr schießen, ich lese kaum, und auch mit meinen Eltern unterhalte ich mich kaum. Es stört mich meistens nicht, denn es ist einfacher so. Und ich kann die Kraft dafür für andere Dinge einsetzen. Nur manchmal, in schwachen Momenten, denke ich darüber nach wie es wohl wäre Menschen zu haben mit denen man reden kann, offen und ehrlich. Nicht ganz so allein zu sein…Mit J. ist der Kontakt zusammengebrochen. Meine Schuld, erst hab ich ihn immer vertröstet weil ich keine Zeit für ein Treffen habe, dann hab ich ihm nicht mehr geschrieben. Aber egal. Erspart mir doch so einiges.

Mir graut es vor den nächsten Wochen. Vor den Klausuren. Vor dem Selbsthass, den Panikattacken, der Verzweiflung und den Nächten. Weiß nicht wie ich es schaffen soll. Aber igendwie muss es ja gehen.

 

Diesen Blog werde ich vermutlich aufgeben. Es bringt nichts. Das war wahrscheinlich der letze Eintrag hier. Ich sehe keinen Sinn mehr darin. Klar, es ist eine Erleichterung es wenigstens hier rauslassen zu können, aber sobald ich es mir nochmal ansehe überkommt mich eine Welle der Übelkeit, so seh verabscheue ich die Worte die ich schreibe. Das Gejammer, diese erbärmlichen, verachtensweren Sätze. Er stärkt nur den Selbsthass. Da ertrage ich lieber den Druck es in mir zu vergraben. Mal schauen. Ich lass es mir offen, aber ich bezweifle es….

Sinnlos

Fühle mich so merkwürdig. Total leer und tot, und gleichzeitig voller Angst, Anspannung, Nervosität. Ablenkung funktioniert gar nicht, egal was ich versuche, es nervt mich nur und bringt nichts. Kann mich auf nichts konzentrieren. Überlege einfach nur noch zu schlafen. Jedes Mal wenn ich aufwache ne neue Tablette nehmen und weiterschlafen. Habe ne Mail weggeschickt. Aber irgendwie hab ich überhaupt keine Hoffnung mehr. Werde jetzt erst mal 50mg Promethazin nehmen und schauen ob es reicht, vermutlich nicht. Und versuchen zu schlafen…. Will die Welt ausschalten und nichts mehr fühlen…am liebsten sterben. Aber das darf ich ja nicht…