15. Dezember 2017

Ich dachte es wäre alles wieder schrecklich. Aber jetzt ist es nochmal so viel schlimmer geworden. Ich könnte ständig in Tränen ausbrechen, erbreche täglich zwischen 1-3 mal, und gestern hab ich mir 3 mal die Zigarette aufs Bein gedrückt. Ich zähle es nicht wirklich als SV, aber trotzdem… und was noch schlimmer ist, ich weiß dass ich nicht aufhören kann. Wenn ich heimkomme ist das erste was ich mache essen und möglichst viel Wasser gleichzeitig in mich reinkippen. Nicht mal weil ich essen will, sondern weil ich kotzen will. Weil ich muss. Weil der Druck weg muss. Weil ich weiß dass es mir schadet. Weil ich das brennen im Hals spüren muss. Ich habe einige Kilo zugenommen, das ist zwar fast nicht zu ertragen, aber im Moment kann ich es einfach nicht ändern… und ich freue mich auf heute Nachmittag. Wenn ich a) kotzen kann und b) nochmal die Zigarette auf der Haut brennen spüre. Die Blasen sind zwar etwas nervig, aber Pflaster gehen da auch…

Mein Körper ist auch richtig im Arsch. Ich merke es am Herzschlag, an den Kopfschmerzen, der extremen Müdigkeit (oder ist das einfach nur die Depression?) und an den Muskelkrämpfen. Aber es ist mir egal. Hab es eh nicht anders verdient.

Und sonst? Schule läuft, ich habe gute Noten, bin die einzige die noch nie gefehlt hat, funktioniere. Egal zu welchem Preis.

Weihnachten rückt unaufhaltsam näher. Und damit die schlimmste Zeit des Jahres. Am 24. werden es 9 Jahre. Damals hat es alles angefangen. An diesem Abend ist ein Teil von mir gestorben. Und ein weiterer Teil im Laufe der folgenden Jahre. Ich werde überwältigt von Flashbacks. Ich schaffe es kaum noch das alles aus meinen Gedanken zu verbannen. Habe vermehrt Angst-und Panikattacken, dissoziiere. Die Nächte sind besonders schlimm. Ein Albtraum jagt mich in den nächsten. Ich gehe schon mit Tränen in den Augen ins Bett, weil ich weiß was kommen wird….

Nächste Woche schreibe ich nochmal 3 Sachen. 2 davon sehr anspruchsvoll bzw. nein, es ist nicht schwierig, nur einfach viel zu lernen, und das andere muss ich mir mehr oder weniger nochmal alles selber zusammenschreiben und Infos dazu suchen, denn die neue Lehrerin ist zwar nett, aber ihren Unterricht kann man vergessen. Bin echt froh wenn Frau Dr. N. Ende Januar wieder kommt…

und Geschenke hab ich auch noch nicht. 2 davon kann ich hoffentlich noch über Amazon Prime holen, für 3 andere muss ich aber in die Stadt. Und mir wird schlecht und schwindelig wenn ich nur daran denke…

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24. November 2017

Wieder eine Woche geschafft, wie jede Woche bis Weihnachten mit 2 Arbeiten, diese Woche 2 Kurzarbeiten, eine davon hab ich bereits zurückbekommen mit 1,0. Ich sitze im Zug, habe Schmerzen (mittlerweile sowohl rechte als auch linke Hüfte, aber es ist mir egal, ich kann und will es halt nicht schonen und bewege mich trotzdem), und denke nach. Schaue aus dem Fenster, beobachte die Menschen sowohl draußen auf dem Bahnsteig, als auch hier im Zug.

Erstaunlich viele laufen mit irgendwas zu essen in der Hand rum, bzw. essen im Zug. Naja klar, ist ja auch Mittag. Und ich beneide sie in gewisser Weise. Weil sie etwas können was ich nicht kann. Sich einfach mal was zu essen kaufen und es essen. Für mich momentan absolut utopisch. Gestern kam ich auf 264 kcal, und für jede einzelne davon hasse ich mich. Heute bin ich schon bei 183, und obwohl ich weiß dass ich heute genug Zeit habe mir das wieder runterzulaufen kann ich mir das nicht verzeihen. Ich weiß dass ich essen muss, besonders morgens bevor ich aus dem Haus gehe, aber wirklich abfinden kann ich mich damit nicht. Abnehmen tu ich sowieso nicht mehr, habe diese Woche bei max. 400 kcal am Tag plus Bewegung gerade mal 1 Kilo verloren. Aber auch wenn ich weiß dass ich sowieso nicht abnehme, kann ich trotzdem nicht essen. Ich bin blockiert, habe Angst und bin wenn ich esse extrem gestresst und gereizt. Morgen „muss“ ich mit Oma auf einen Weihnachtsmarkt (ich hasse es wie die Pest, aber sie freut sich, also geh ich halt mit ihr), und sie erwartet dass wir da dann was essen. Davon hatte ich heute Nacht bereits einen Albtraum. Fantastisch.

Ich habe darüber nachgedacht wie sich das die letzten Monate so entwickelt hat. Mit diesem kompletten Rückfall in die ES. Es kam zuerst schleichend, angetrieben durch den eigenen Wunsch abzunehmen, aber auch die ständige Ermutigung durch die Familie dazu, aber seit die Schule angefangen hat, nimmt es gravierend schnell zu. Weil es der einzige Ausgleich ist den ich habe. Ich kann nicht länger tagelang depressiv im Bett rumliegen, mich in Bücher und Serien flüchten, die Nächte durch heulen, den ganzen Tag nur im Kampf mit den dunklen Gedanken verbringen. Verletzen kann ich mich ja schon lange gar nicht mehr. Und jetzt muss ich funktionieren. Und das wieder auf einem völlig neuen Level. Jeden Tag aufstehen und zur Schule gehen, sehr gute Leistungen bringen, zuhause lernen, und und und. Und nur noch so nebenbei dann eben mit der Depression, der PTBS, den Suizidgedanken und dem Verlangen nach einer SV kämpfen. Im Nachhinein betrachtet konnte das nur zu ner Verschlimmerung von irgendwas führen. In diesem Sinne sollte ich vielleicht dankbar sein dass es „nur“ das Essen ist? Ich weiß es nicht. Es ist trotzdem ja so scheiße schwer… wäre es anders gewesen wenn ich nie mit den Tabletten aufgehört hätte? Wahrscheinlich nicht.

Mein Kopf pocht und schmerzt unangenehm, meine Augen tun weh. Dabei habe ich es heute Nacht auf unglaubliche 6 Stunden Schlaf gebracht. Daran kann es also nicht liegen. Aber mein Körper ist allgemein echt im Arsch. Haut total am rumzicken, Lippen trocken und rissig egal wie viel ich sie eincreme, die Haut um die Nägel ebenfalls total empfindlich und rissig trotz Pflege. Richtig lustig alles. Nicht.

Noch 9 Minuten bis der Zug sich endlich mal in Bewegung setzt. Hoffentlich. Nicht so wie letzte Woche, als es dann hieß wir müssten noch 30 Minuten warten weil wir keinen Lockführer haben 👌🏻😒). Und zuhause dann erst noch was für N. machen damit sie endlich aufhört deswegen zu fragen, dann bewegen und darauf warten dass es Abend wird. Und ich schlafen kann.

N. ist auch so ein Thema. Sie ist ja nett, aber so langsam bringt sie mich an den Rand meiner Geduld. Es ist einfach ihrer Art, so übertrieben immer, und ständig umarmt sie mich, und das pack ich ja so gar nicht. Und irgendwie hat sie mich jetzt auch zu ihrem Kummerkasten auserwählt, der ihr sagen soll was sie machen soll um ihre Probleme zu lösen, bzw. liegt mir ständig mit dem Kerl auf den sie steht in den Ohren. Es nervt wirklich. Ich bin nicht der Typ für sowas. Also so gar nicht.

Ich habe das Wochenende fast komplett für mich allein. Eltern fahren heute weg, morgen muss ich vormittags wohin und abends eben auf den Weihnachtsmarkt, aber ansonsten bin ich allein. Nur ich. Ruhe. Einerseits freue ich mich riesig darüber, andererseits habe ich Angst was es mir auch für Möglichkeiten bietet. Wir werden sehen….

21. November 2017

Und wieder warten im Zug. An manchen Tagen ist es wirklich die Hölle, auch wenn man nach Jahren daran gewöhnt ist. Heute ist wieder so ein Tag. Aber mal aus etwas anderes Grund. Sitzen tut weh, stehen tut weh, gehen tut weh. Bin heute morgen im Zug die ganze Zeit dank einer ganz wunderbaren Idiotin so blöd gestanden dass mir seitdem die rechte Hüfte weh tut, und es wird immer schlimmer. Hab in meiner Verzweiflung vorhin schon meine Lehrerin gefragt was ich da machen soll, kühlen oder wärmen. Sie meinte das was sich besser anfühlt und mir ne „Gymnastik-Übung“ (?) gezeigt (heilige Scheiße, das wird weh tun…). Ich hasse es so sehr. Wie soll ich so heute auf meine Schritte/Kalorien kommen?!

Alle freuen sich dass morgen schulfrei ist, und mir wird schlecht. Denn ich muss zum Zahnarzt. Stress und Panik pur, auch wenn es „nur“ ein Kontrolltermin ist. Und wenn ich das dann hinter mir habe muss ich lernen. Und Sport machen. (In der optimistischen Hoffnung dass die Übung alles wieder richtet und ich dann keine Schmerzen mehr habe.) Und überhaupt sind so freie Tage doch eh fürn Arsch…

Ich habe mich gestern mit meinem Kleiderschrank auseinandergesetzt. Und bin überrascht was mir alles wieder passt, bzw. sogar schon zu groß ist. Meine Mutter sieht das natürlich als Zeichen dass es reicht. Aber das tut es nicht. Klar, die Röcke passen, aber wie sehen sie denn bitte aus mit meinen fetten Beinen, Bauch und Arsch?! Das geht doch echt nicht. Und ständig diese Kommentare. Das reicht nicht, du musst mehr essen, das ist ungesund, bla. Man könnte meinen sie hätte inzwischen, nach all den Jahren, gelernt was diese Kommentare bringen, nämlich genau nichts (außer dass ich genervt und zickig werde). Nö, gar nichts gelernt. Aber ich glaube eh dass sie die letzten Jahre ausblenden. Weil ich ja jetzt „normal“ bin und funktioniere. Eigentlich ja genau das, was ich möchte, aber bei so gewissen Sachen wäre es dann schon praktisch wenn sie mal zurückdenken würden….

Oh man ich kann echt langsam nicht mehr sitzen, und der scheiß Zug fährt in 13 Minuten erst mal los 😩 aber selbst wenn ich zuhause wäre, was hab ich schon für Optionen? Die Übung machen und hoffen dass es besser wird, mit Tabletten bis oben hin vollpumpen und gegen den Schmerz anlaufen, oder ins Bett legen. Keine dieser Optionen finde ich besonders ansprechend. Aber da ich eh lernen muss, wird es wohl aufs Bett rauslaufen…

Die letzten 2 Schultage habe ich rein von Konzentration und „mitmachen“ und gleich Stoff aufnehmen wieder erstaunlich gut bewältigen können. Das macht Hoffnung. An den Schlafmangel scheint sich mein Körper immer besser zu gewöhnen.

Ich kam gestern auf 402 kcal, und dafür sind 10.000 Schritte einfach zu wenig. D.h. Ich muss heute entweder genauso viel zu mir nehmen (der Gedanke gefällt mir nicht) und mehr Kalorien verbrauchen (wie soll ich das machen?) oder ich esse nichts mehr und bleibe damit bei 184 kcal und versuche mich noch so gut wie möglich zu bewegen. Option 2 gefällt mir deutlich besser, aber das wird wieder ne wahnsinnige Diskussion geben… warum muss immer alles so kompliziert sein?

20. November 2017

Alles ist zum kotzen. Wortwörtlich. Und dementsprechend sehe ich auch aus. Blass, Haut unrein ohne Ende, etc. Wenigstens die Augenringe verschwinden relativ kurz danach immer wieder. Aber es ist echt schrecklich wie mich der gestrige Tag allein zugerichtet hat.

Und es wird nicht besser. Psychisch bin ich komplett am Ende. Kann nicht schlafen, könnte dauerhaft heulen. Aber die Maske sitzt wieder perfekt. Wenigstens etwas.

Von allen Seiten kommen sie, die Kommentare um die ich NIE bitte. „Du musst aufhören abzunehmen sonst sieht es ja nicht mehr gesund aus“, „da stehen ja schon die Knochen raus“, „willst du nichts essen?“. Es nervt mich so unendlich. Man könnte meinen ich würde nur aus Haut und Knochen bestehen. Und das ist absolut nicht wahr. Ich bin nach wie vor zu fett und mein Gewicht viel zu hoch (und das meine ich objektiv, ich bin ja nicht mal annähernd im Untergewicht oder so.) Wieso meinen immer alle sich einmischen zu können? Mache ich bei anderen doch auch nicht, ist gar nicht schwer. Mal ganz zu schweigen davon dass ich 23 Jahre alt bin und es verdammt nochmal meine Entscheidung ist was ich mit meinem Körper mache.

Ist einfach komplett die gleiche scheiße wie mit dem „du hast ja Abi und schon Erfahrungen mit studieren, du schaffst das ja alles locker mit lauter 1ern“ und „da bist du doch unterfordert“. Habe ich um diese Meinungen gebeten? Nein, habe ich nicht. Warum können mich nicht einfach alle mal in Ruhe lassen?

Wie schlecht es um meine Psyche bestellt ist habe ich vor allem heute in Naturwissenschaftliche Grundlagen zu spüren bekommen. Just for fun haben wir den Querschnitt eines Blattes mikroskopiert. Und wie schneidet man den? Richtig, mit Rasierklingen. Und ich habe echt nicht kommen sehen wie sehr es mich triggern würde. Ich kann seitdem kaum an was anderes denken. Naja, doch, aber auch nur wie ich heute auf meine Schrittzahl (gezählt wird nur zuhause) kommen und gleichzeitig noch alles für morgen lernen soll. Und meine Nägel müssen ja auch noch gemacht werden. Und Hautpflege. Und und und. Und nach jedem dieser Gedanken – KlingeKlingeKlinge, wo ich sie zuhause versteckt habe und was ich damit alles machen könnte. Scheiße.

Das wird wieder eine lange Nacht….

10. November 2017

Wieder sitze ich im Zug. Da er erst in 43 Minuten überhaupt losfährt, ist es noch leer und ruhig. Ich bin erschöpft. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Denken fällt schwer, ich habe heute morgen im Bad locker doppelt so lange gebraucht wie sonst, weil ich ständig nur dumm rumstand weil ich nicht mehr wusste was ich als nächstes machen wollte/sollte. Dementsprechend anstrengend war es heute dem Unterricht zu folgen, sogar in englisch, was ja in der Regel überhaupt kein Problem für mich darstellt.  

Das alles dank letzter Nacht. Die war im Vergleich zu den sonstigen katastrophalen Nächten nochmal wesentlich schlimmer. Ich konnte ca. 3 Stunden schlafen, aber im Nachhinein wünschte ich es wäre anders gewesen. Ich bin alle halbe Stunde aufgewacht, hatte einen Alptraum (interessanterweise sogar ausschließlich die Ausbildung betreffend) nach dem anderen. 

Ich sehe schrecklich aus. Augenringe, geschwollene, rote Augen (beides konnte ich nicht abdecken da der Bereich einfach nur weh tut sobald ich irgendwie nur in die Nähe davon komme), ich bin blass, was sich dank Foundation und Puder relativ gut kaschieren lässt. Vorhin erst würde mir gesagt ich sähe müde aus. Tja.

Und mein Körper ist nicht gut auf mich zu sprechen. Treppen stellen eine enorme Herausforderung dar, ich spüre meinen Herzschlag durchgehend unangenehm stark in der Brust, und mir ist die ganze Zeit schlecht. 

Heute werden Tabletten genommen. Und zwar ne höhere Dosis. Ich brauche Schlaf, und das dringend. Morgen bin ich den ganzen Tag allein zuhause, da kann ich für nächste Woche eh nicht üben, also kann ich auch schlafen bzw. rumgammeln, da ist ein Überhang also kein Problem. 

Ich habe heute in meiner Berzweiflung eine Lehrerin, die zur Zeit auch kommissarisch die Schulleitung hat, gefragt, ob ich überhaupt eine Chance habe das auszugleichen wenn ich in den 2 Schulaufgaben (gestern und nächste Woche) so versagt habe. Ihre Antwort war nicht hilfreich. Sie ist genau wie alle anderen. Glaubt ich würde das alles schaffen. Sie meinte sie sähe bei mir da gar keine Probleme, und ich solle doch erstmal abwarten bevor ich mir da so einen Kopf mache. Ja danke auch. Das war weder die Antwort auf meine eigentliche Frage noch hat sie recht. Denn das gestern war definitiv absolut verkackt und das nächste Woche pack ich allein nervlich schon gar nicht, wie soll ich da fachlich noch was raushauen? Aber das konnte ich j auch schlecht sagen… also habe ich nur genickt und mich bedankt und bin wieder gegangen.

Mein Laptop ist jetzt seit bestimmt 3/4 Wochen weg. Und wie ich ja auch erfahren habe nicht mehr zu reparieren. Also schon, aber für 1000 € bekomme ich zum jetzigen Zeitpunkt einen gleichwertigen Neuen. Papa wollte es eigentlich jetzt am wochenende mit mir angehen und einen raussuchen. Es ist einfach echt blöd nur mit Handy und IPad, und an den PC im Büro geh ich nicht gerne…ich vermisse ihn. Damit irgendwo rumzugammeln und irgendwas anzuschauen oder einfach war zu spielen. Wenn ich was für die Schule schreiben muss geht das auch nur am PC im Büro. Es ist einfach nervig… und irgendwie merke ich schon dass mir das zocken als Ablenkung fehlt. Klar hab ich noch andere Systeme von Nintendo usw. aber wie es immer so schön ist: man ist nur an dem interessiert was man nicht haben kann. 

Jetzt werde ich mich weiter meinem Buch widmen. Bei meinen kognitiven Einschränkungen momentan fühlt es sich an als würde ich im Schneckentempo lesen. Aber immerhin bin ich dann beschäftigt und muss nicht nachdenken.

08. November 2017

Ich sitze im Zug und warte darauf dass er irgendwann losfährt und mich nachhause bringt. Einfach weil es ein Teil des alltäglichen Rhythmus ist. Und nicht weil ich nachhause möchte. Eigentlich ist es völlig egal wo ich mich aufhalte. Es ist alles ein einziger Schmerz. Mein Absturz hat begonnen. Heute versagt, morgen werde ich sowas von versagen, und das nächste Woche brauch ich’s doch nicht mal zu versuchen.  Es bringt doch nichts. Wie dumm ich war zu glauben, zu hoffen es schaffen zu können. Es bleibt dabei, ich werde niemals irgendetwas schaffen/erreichen. Ich bin eine einzige Verschwendung:  Zeit, Platz, Nahrung, Geld, Luft.  Ich möchte nur noch sterben. Nichts mehr fühlen, nicht diesen ständigen Schmerz, das ständige Versagen. 

Meine Unterlippe ist zerbissen und blutet. Es reicht nicht. Nicht im geringsten. Vielleicht heute Abend. Beine. Sieht ja eh niemand. Scheiß auf 498 Tage ohne SV. Es bedeutet nichts. Nur Qual. Aushalten. Kontrolle. Und was bringt es mir? Nichts. Es ändert nichts an dem was ich bin. Ich bin trotzdem nicht normal. Ich bin immer noch die dumme, dreckige, kaputte und gestörte N. die ich schon immer war. Die keinen Platz in dieser Welt hat. Weil sie es nicht geschissen kriegt. 

Letzte Nacht nicht mal 2 Stunden Schlaf zusammenbekommen. Dafür geheult. Ich will nicht wissen wie sehr sich das heute noch steigert. Obwohl, vielleicht bin ich mach dem schneiden ruhiger, vielleicht könnte ich schlafen. Haha, wers glaubt. 

Jeden Tag kotzen. Mehrmals. Totaler Rückfall. Es ist eklig, es ist erbärmlich und ich hasse mich dafür, aber ich kann nicht anders. Ich nehme nur noch Nahrung zu mir die „leicht wieder rauszukriegen ist“. Ich warte nur darauf. Es ist mir teilweise sogar egal ob meine Eltern es mitbekommen könnten. Sollen sie mich ruhig mal sehen wie ich wirklich bin, für was sie sich den Arsch aufreißen. Vielleicht werden sie dann begreifen dass ich es nicht wert bin, und sich abwenden. Dann wäre ich frei….und könnte allem endlich ein Ende setzen…

Edit: nichts mit schneiden. Ich hab keine Kraft mehr. Ich muss mich jetzt ne Stunde hinlegen bevor ich lerne. Nicht mal um zu schlafen, sondern aus dem simplen Grund dass ich nicht mehr weiß wie ich noch sitzen/stehen/gehen soll. Mein oberer Rücken ist duechgehend verkrampft und langsam wird es wirklich gemein. Dazu kommt die Erkältung, ich friere selbst mit mehreren Schichten Kleidung und dicker Decke plus zusätzlichem Heizlüfter. Vorhin wieder dieses unkontrollierbare zittern am ganzen Körper gehabt. Ich hasse es…. alles.

25. Oktober 2017

Ich bin wirklich am Ende. Aber da ich, schlau wie ich bin, heute Abend aufm Sofa eingeschlafen bin und 1,5 Stunden geschlafen habe bin ich jetzt natürlich wach. Und muss nachdenken. Ob ich will oder nicht…

Der Tag verlief…ok. Von der Sozialkunde Kurzarbeit hab ich ein komisches Gefühl, ich hoffe mal ich hab es nicht zu sehr verkackt. Aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, weder beim Versuch zu lernen noch während der Arbeit. Mal sehen. Das zieht sich jetzt wieder ganz schön hin mit den Ferien nächste Woche. Danach war alles relativ unspektakulär. Bis dann PA kam. Tja. Mal ganz abgesehen davon dass ich mich in ihrer Nähe nach wie vor nicht wohlfühle und ich sie kaum ansehen kann weil es mir so peinlich ist, lief es gar nicht mal schlecht. Ich hab meine Verbände relativ gut hinbekommen. Und dann? Dann nimmt sie mich um was zu demonstrieren. Na gut, Handverband, meint man das ginge noch. Falsch. Denn der Ärmel wird doch relativ weit vom Handgelenk weggeschoben. D.h. ich saß da mit „halb nacktem“ Unterarm und alle stehen um mich rum und schauen zu. Da hats mir ja schon wieder gereicht, aber auch das habe ich überstanden. Und dann fällt ihr ein wie sie auch noch den letzten Rest meiner Ferien ruinieren kann. Nämlich indem sie uns sagt was genau bei der praktischen Schulaufgabe drankommen wird. Und noch viel schlimmer – wie es ablaufen wird. Fälle und Partner werden gelost. D.h. ich habe keine Ahnung für wen ich letztendlich Patient spielen muss. Ich habe mich gerade so langsam an D. gewöhnt, dass sie die Arme sieht und „berührt“. Aber jemand anderes? Mein Herz fing schon während sie uns das alles gesagt hat an zu rasen, und jetzt hat es sich in mein Gehirn verpflanzt und will nicht mehr weggehen. Mir wird schlecht wenn ich daran denke. Und ich kann gar nicht anders. Egal was ich mache, es kommt immer und immer wieder… Ich bin erbärmlich, wie ich mich wegen so etwas anstelle, das weiß ich. Und ich weiß auch dass ich mir das selbst zuzuschreiben habe. Aber das ändert auch nichts. Es wird in jedem Fall eine Katastrophe. Und das allein schon beim „Patient spielen“. Selber dran zu sein wird ja auch nochmal Stress pur. 

Morgen, bzw. nein, es ist ja schon wieder halb eins, also heute, schreiben wir noch Fachrechnen. Meine einzige Sorge diesbezüglich ist wirklich dass ich mich nicht konzentrieren kann, rein vom Stoff her ist es ein Witz. Zumindest für jemanden wie mich der Mathe auch im Studium hatte….

Ich bin gespannt wie lange ich heute brauche um zu schlafen. Ich will mich nicht beschäftigen, denn ich brauche den Schlaf zu dringend. Also hinlegen, Augen zu und versuchen mich zum schlafen zu zwingen. Mir graut es vor den Gedanken die kommen werden. Dem hilflos ausgeliefert zu sein. Mir graut es vor den Tränen, die sich ganz sicher nicht mehr zurückhalten lassen. Ich habe Angst vor der Angst, dem Schmerz und der Verzweiflung.

Hinter meiner Stirn fängt es an schmerzhaft zu pochen. Habe mich eh schon gefragt wie lange ich das alles noch ohne Kopfschmerzen aushalten darf. Aber es wundert mich ja nicht. Kaum bis gar kein Schlaf, 300 kcal insgesamt und normaler Alltag in Kombination bringen sowas in der Regel mit sich…

23. Oktober 2017

Der Tag war ok. Zu meiner großen Überraschung nach nicht mal 2 Stunden Schlaf. Habe alles gut rumgekriegt, in der Kurzarbeit, die er gleich korrigiert hat, eine 1,0 (was für ne Leistung bei Sachen die ich in der Schule früher eh schon hatte…) und ich hatte weder Kopfschmerzen noch riesige Stimmungsschwankungen. Meinen müden/toten Punkt hatte ich im Zug auf dem Weg nachhause und ich habe die Gelegenheit genutzt und die 50 Minuten ein bisschen gedöst.

Jetzt liege ich im Bett. Mit der Gewissheit dass auch heute der Schlaf noch lange auf sich warten lassen wird. Aber ich habe vorgesorgt. Ich habe keine Lust mehr mich Stunde für Stunde zu quälen, mir selbst ausgeliefert zu sein und mich dafür zu hassen nicht schlafen zu können. Meine Unterlagen liegen alle auf dem Schreibtisch und warten auf mich. Sobald ich einigermaßen sicher sein kann dass alle schlafen werde ich lernen bis ich bereit bin zu schlafen. Dann hab ich die Zeit wenigstens sinnvoll genutzt.

Meine Eltern nerven gerade so sehr. Ständig reden sie davon dass ich zu wenig schlafe (haha wenn die wüssten) und meine Mutter hat die letzten Tage begonnen mir ständig zu sagen dass ich zu wenig esse. Ja was denn, entscheide dich doch bitte mal gute Frau. Erst wollen dass ich abnehme, mich immer wieder dafür loben und auf einmal passts dann doch wieder nicht?! Ätzend….Und es bringt ihr sowieso nichts. Ich alleine entscheide wann ich was und wie viel esse. Und im Moment steht das eh nicht groß zur Debatte da ich absolut keinen Appetit habe.

Morgen wird ein sehr langer Tag, mit überwiegend weniger fordernden Fächern und, um den Tag perfekt abzurunden, die Lehrerin in den letzten 2 Stunden. Hab sie heute schon gesehen und hätte mich am liebsten in den Pflanzen vom Eingangsbereich versteckt. Ein tolles Gefühl….nicht. Wird bestimmt lustig morgen…..

Den Gedanken mit der E-Mail an Frau ehemalige Therapeutin habe ich verworfen. Ist doch eh egal. Es stresst mich unnötig und sie hat es mit Sicherheit sowieso vergessen.  

Alles in allem und für meine Verhältnisse ein Tag den man nur als ok bezeichnen kann. Einigermaßen ruhig. 

Schlimmer gehts nicht.

Wie macht man sich am besten zum absoluten Vollidioten? Ich hab einen neuen Tiefpunkt erreicht. Den Vormittag habe ich relativ gut überstanden, von Blässe, Müdigkeit und Kreislaufproblemen mal abgesehen. 

Mittagspause. Und es ging rasant abwärts. Gegen Ende, als dann die nächste Stunde anfing war ich nur noch am heulen. Und zwar buchstäblich. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen und ich konnte ums verrecken nicht mehr aufhören. Ich hab locker 50 Minuten lang durchgeheult. Meine EDV Lehrerin die wir da hatten war gnädig, nachdem sie von mir auf die Frage ob alles ok wäre ein ja bekommen hat, hat sie mich in Ruhe gelassen. Aber meine PA Lehrerin nicht. Im Stundenwechsel war ich kurz vor der Tür, und hab versucht meine Atmung und die Tränen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube A. hat mich bei ihr „verpetzt“ (nicht dass ich sauer wäre, sie meinte es bestimmt nur gut…). Sie kam raus. Tür zu. Hat mich gefragt was los sei . Hab ihr gesagt dass alles ok ist, das mit dem Schlafmangel erklärt, dass ich mich gleich wieder fange usw. Sie hat noch gefragt ob ich gegessen/getrunken habe (nein und ein bisschen) und ob ich später zuhause alleine wäre (warum sie das wissen wollte verstehe ich nicht so wirklich…) Jetzt gegen Ende hat sie nochmal gefragt obs wieder geht und gesagt ich soll heute Abend Magnesium nehmen und baden gehen damit das mit dem schlafen besser passt. 

Ich kann nicht in Worte fassen wie peinlich mir das alles ist. Am liebsten würde ich mich irgendwo vergraben. Am liebsten würde ich nie wieder da hin gehen. Y. meinte ich soll doch morgen einfach mal daheim bleiben und schlafen, aber ich kann nicht. Ich hab es heute nicht mal in der Mittagspause geschafft früher zu gehen… einen ganzen Tag verpassen? Never….Das geile ist ja, dass die jetzt im Anschluss QM haben. D.h. alle Lehrer sind da, und ich bin ziemlich sicher dass das die Runde machen wird. Ich bin so erbärmlich…

Das war ein absoluter Kontrollverlust und ich begreife nicht wie es so weit kommen konnte… habe ich meine eigenen Grenzen in der letzten Zeit derart weit überschritten? Wie konnte ich es nicht kommen sehen? Sitze im Zug, ich bin so erschöpft, meine Haut im Gesicht ist trocken und brennt.  Ich hoffe inständig dass meine Eltern nichts merken. Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht erklären….Mein Rücken schmerzt bei jeder Bewegung, ich nehme mal an ich war extrem verkrampft. Und ich kann nicht in Worte fassen wie sehr ich mich auf die Ibuprofen und die Zigaretten freue, die zuhause auf mich warten. 

11. September 2017

Morgen gehts los. Alles wieder mal auf Anfang. Um 9 Uhr muss ich in der Schule sein. Nichts kann das Gefühlschaos in mir beschreiben. Oder die Angst. Diese riesige, fette Angst, die mich schon seit über einer Woche nicht mehr „erholsam“ schlafen lässt. Von der ständigen Nervosität habe ich sehr oft Magenschmerzen oder mir ist schlecht. Von der ständigen Anspannung Schmerzen im Rücken. Gerade habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Ich hasse mich dafür ausgerechnet diesen Zeitpunkt gewählt zu haben um meinen Eltern in diesem Wunsch nachzugeben. Aber klar, was tut man nicht alles um sie glücklich zu machen.

Ich habe mein bestes versucht wütend zu sein. Sie für alles zu hassen. Aber ich kann es nicht. Also mache ich weiter wie zuvor. Maske aufsetzen, lächeln, niemandem zu zeigen wie gefährlich weit ich schon über dem Abgrund hänge. Die Bulimie versucht sich Schritt für Schritt wieder in mein Leben zu schleichen. Zu oft habe ich in den letzten Wochen diesbezüglich die Kontrolle verloren. Darf so auf keinen Fall weitergehen. Aber ich habe nichts anderes. So oft war ich kurz davor einfach aufzugeben, zu schneiden, ne Überdosis Medis zu schlucken, nur um einen kurzen Moment der Ruhe, der Erlösung zu haben. Ich habe es nicht getan. Und ein immer größer werdender Teil von mir hasst mich dafür. Ich halte es einfach aus. Immer weitermachen. Egal wie. Egal zu welchem Preis. Ich merke wie ich immer depressiver werde. Kaum etwas macht mir noch Freude, ich bin eigentlich nur noch müde. Tagsüber bin ich manchmal so erschöpft, dass ich nur noch den Kopf ablegen und die Augen schließen kann. Schlaf finde ich trotzdem nicht. Zu laut sind die Gedanken in meinem Kopf. Zu erdrückend die Angst in mir.  Ich weine kaum noch. Entweder habe ich kaum noch Tränen übrig, oder mein Unterbewusstsein hat kapiert dass es eh nichts bringt. Aber ich bin froh dass wenigstens das kaum noch ein Problem darstellt. Es wäre nur eine zusätzliche Anstrengung, und von denen habe ich auch so schon mehr als genug. Der Wunsch alles zu beenden, nicht mehr da zu sein, nie wieder etwas fühlen zu müssen, nicht mehr in diesem Leben gefangen zu sein, ist manchmal so überwältigend groß. Und es ist zerschmetternd dass es Wunschdenken ist und bleiben muss. Dass ich diese Erlösung nicht bekommen werde. Vermutlich habe ich es auch gar nicht verdient. Vermutlich verdiene ich das alles was ich jetzt habe. Den Schmerz, die Angst, die Traurigkeit, die Leere, die Scham, die Einsamkeit. Das ist alles was ich verdiene.

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Der Familienstreit hat noch kein Ende gefunden. Meine Oma ist, jetzt nachdem sie erfahren hat dass der geschätzte Wert ihres Hauses um einiges höher ist als erwartet, nur noch mehr Sorgen. An ihrem Geburtstag letzte Woche waren meine Tante und ihr Mann da. Ich kann nur dankbar sein dass sich alle zusammengerissen haben solange sie noch da war. Als sie nachhause gegangen war ging die Diskussion zwischen meinen Eltern und ihnen wieder in eine neue Runde. Ich ertrage es nicht mehr. Ich kann es nicht mehr hören. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist alles so doch schon schlimm genug….Und meine Tante und ihr Mann….die nerven mich so dermaßen dass ich sie teilweise nur anschreien möchte. Mit ihrer Sturheit, ihren Ansichten, ihrer Überheblichkeit. Ich hoffe eine weitere Zusammenkunft kann bis November vermieden werden.

Ich glaube das Schlimmste an dem Abend war als mein Vater gesagt hat, dass er ja vermutlich sowieso als erster von allen sterben wird und es bei ihm alles ganz anders laufen wird (in Bezug auf Beerdiung etc.) Danach war die Nacht gelaufen. Das hat meine Verlustängste die ich tief in mir versuche wegzuschließen komplett frei gelassen. Ich habe die Nacht kein Auge zugekriegt. Und seit langem wieder geweint.

Und gerade hat meine Mutter ihren Bruder unten sitzen. Da halt ich mich jetzt weit weit fern von. Heute bin ich fertig genug, da brauch ich nicht noch mehr von diesem Zirkus.

Ich weiß nicht was ich noch schreiben soll. In meine Kopf überschlägt sich alles. Ich will krampfhaft schreiben, denn es fordert meine Konzentration weit genug um noch als Ablenkung durchzugehen. Mir ist so schlecht, dass ich durchgehend das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, aber natürlich ist das nicht wirklich so. Es ist die Angst, die Nervosität vor morgen. Die Panik. Ich weiß jetzt schon dass die Nacht heute eine totale Katastrophe wird, und morgen muss ich um 5 Uhr aufstehen. Super Voraussetzungen für den Tag. Wenn ich daran denke, dass ich ab morgen wieder 5 Tage die Woche das Haus verlassen muss, unter Menschen sein muss, noch mehr funktionieren muss, dann wird mir schwindlig. Ich bin gespannt wie viele Panikattacken die nächste Zeit und insbesondere der morgige Tag für mich bereithält. Ja, das wird alles super.

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Ich fühle mich so unglaublich allein. Ich habe niemanden. Niemanden der mir helfen kann. Niemanden der mich sehen darf. Immer bin ich die starke, normale, gesunde, fröhliche. Keiner weiß wer ich wirklich bin. Ich blicke in die Vergangenheit, es ist traurig was aus dem lächelnden Grundschulkind von damals geworden ist. Eine einsame, kaputte 23-Jährige, ohne Freunde, verletzt, unnahbar, verbittert, schwach. Ja, es ist sogar verdammt traurig.

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