Schlimmer gehts nicht.

Wie macht man sich am besten zum absoluten Vollidioten? Ich hab einen neuen Tiefpunkt erreicht. Den Vormittag habe ich relativ gut überstanden, von Blässe, Müdigkeit und Kreislaufproblemen mal abgesehen. 

Mittagspause. Und es ging rasant abwärts. Gegen Ende, als dann die nächste Stunde anfing war ich nur noch am heulen. Und zwar buchstäblich. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen und ich konnte ums verrecken nicht mehr aufhören. Ich hab locker 50 Minuten lang durchgeheult. Meine EDV Lehrerin die wir da hatten war gnädig, nachdem sie von mir auf die Frage ob alles ok wäre ein ja bekommen hat, hat sie mich in Ruhe gelassen. Aber meine PA Lehrerin nicht. Im Stundenwechsel war ich kurz vor der Tür, und hab versucht meine Atmung und die Tränen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube A. hat mich bei ihr „verpetzt“ (nicht dass ich sauer wäre, sie meinte es bestimmt nur gut…). Sie kam raus. Tür zu. Hat mich gefragt was los sei . Hab ihr gesagt dass alles ok ist, das mit dem Schlafmangel erklärt, dass ich mich gleich wieder fange usw. Sie hat noch gefragt ob ich gegessen/getrunken habe (nein und ein bisschen) und ob ich später zuhause alleine wäre (warum sie das wissen wollte verstehe ich nicht so wirklich…) Jetzt gegen Ende hat sie nochmal gefragt obs wieder geht und gesagt ich soll heute Abend Magnesium nehmen und baden gehen damit das mit dem schlafen besser passt. 

Ich kann nicht in Worte fassen wie peinlich mir das alles ist. Am liebsten würde ich mich irgendwo vergraben. Am liebsten würde ich nie wieder da hin gehen. Y. meinte ich soll doch morgen einfach mal daheim bleiben und schlafen, aber ich kann nicht. Ich hab es heute nicht mal in der Mittagspause geschafft früher zu gehen… einen ganzen Tag verpassen? Never….Das geile ist ja, dass die jetzt im Anschluss QM haben. D.h. alle Lehrer sind da, und ich bin ziemlich sicher dass das die Runde machen wird. Ich bin so erbärmlich…

Das war ein absoluter Kontrollverlust und ich begreife nicht wie es so weit kommen konnte… habe ich meine eigenen Grenzen in der letzten Zeit derart weit überschritten? Wie konnte ich es nicht kommen sehen? Sitze im Zug, ich bin so erschöpft, meine Haut im Gesicht ist trocken und brennt.  Ich hoffe inständig dass meine Eltern nichts merken. Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht erklären….Mein Rücken schmerzt bei jeder Bewegung, ich nehme mal an ich war extrem verkrampft. Und ich kann nicht in Worte fassen wie sehr ich mich auf die Ibuprofen und die Zigaretten freue, die zuhause auf mich warten. 

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11. September 2017

Morgen gehts los. Alles wieder mal auf Anfang. Um 9 Uhr muss ich in der Schule sein. Nichts kann das Gefühlschaos in mir beschreiben. Oder die Angst. Diese riesige, fette Angst, die mich schon seit über einer Woche nicht mehr „erholsam“ schlafen lässt. Von der ständigen Nervosität habe ich sehr oft Magenschmerzen oder mir ist schlecht. Von der ständigen Anspannung Schmerzen im Rücken. Gerade habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Ich hasse mich dafür ausgerechnet diesen Zeitpunkt gewählt zu haben um meinen Eltern in diesem Wunsch nachzugeben. Aber klar, was tut man nicht alles um sie glücklich zu machen.

Ich habe mein bestes versucht wütend zu sein. Sie für alles zu hassen. Aber ich kann es nicht. Also mache ich weiter wie zuvor. Maske aufsetzen, lächeln, niemandem zu zeigen wie gefährlich weit ich schon über dem Abgrund hänge. Die Bulimie versucht sich Schritt für Schritt wieder in mein Leben zu schleichen. Zu oft habe ich in den letzten Wochen diesbezüglich die Kontrolle verloren. Darf so auf keinen Fall weitergehen. Aber ich habe nichts anderes. So oft war ich kurz davor einfach aufzugeben, zu schneiden, ne Überdosis Medis zu schlucken, nur um einen kurzen Moment der Ruhe, der Erlösung zu haben. Ich habe es nicht getan. Und ein immer größer werdender Teil von mir hasst mich dafür. Ich halte es einfach aus. Immer weitermachen. Egal wie. Egal zu welchem Preis. Ich merke wie ich immer depressiver werde. Kaum etwas macht mir noch Freude, ich bin eigentlich nur noch müde. Tagsüber bin ich manchmal so erschöpft, dass ich nur noch den Kopf ablegen und die Augen schließen kann. Schlaf finde ich trotzdem nicht. Zu laut sind die Gedanken in meinem Kopf. Zu erdrückend die Angst in mir.  Ich weine kaum noch. Entweder habe ich kaum noch Tränen übrig, oder mein Unterbewusstsein hat kapiert dass es eh nichts bringt. Aber ich bin froh dass wenigstens das kaum noch ein Problem darstellt. Es wäre nur eine zusätzliche Anstrengung, und von denen habe ich auch so schon mehr als genug. Der Wunsch alles zu beenden, nicht mehr da zu sein, nie wieder etwas fühlen zu müssen, nicht mehr in diesem Leben gefangen zu sein, ist manchmal so überwältigend groß. Und es ist zerschmetternd dass es Wunschdenken ist und bleiben muss. Dass ich diese Erlösung nicht bekommen werde. Vermutlich habe ich es auch gar nicht verdient. Vermutlich verdiene ich das alles was ich jetzt habe. Den Schmerz, die Angst, die Traurigkeit, die Leere, die Scham, die Einsamkeit. Das ist alles was ich verdiene.

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Der Familienstreit hat noch kein Ende gefunden. Meine Oma ist, jetzt nachdem sie erfahren hat dass der geschätzte Wert ihres Hauses um einiges höher ist als erwartet, nur noch mehr Sorgen. An ihrem Geburtstag letzte Woche waren meine Tante und ihr Mann da. Ich kann nur dankbar sein dass sich alle zusammengerissen haben solange sie noch da war. Als sie nachhause gegangen war ging die Diskussion zwischen meinen Eltern und ihnen wieder in eine neue Runde. Ich ertrage es nicht mehr. Ich kann es nicht mehr hören. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist alles so doch schon schlimm genug….Und meine Tante und ihr Mann….die nerven mich so dermaßen dass ich sie teilweise nur anschreien möchte. Mit ihrer Sturheit, ihren Ansichten, ihrer Überheblichkeit. Ich hoffe eine weitere Zusammenkunft kann bis November vermieden werden.

Ich glaube das Schlimmste an dem Abend war als mein Vater gesagt hat, dass er ja vermutlich sowieso als erster von allen sterben wird und es bei ihm alles ganz anders laufen wird (in Bezug auf Beerdiung etc.) Danach war die Nacht gelaufen. Das hat meine Verlustängste die ich tief in mir versuche wegzuschließen komplett frei gelassen. Ich habe die Nacht kein Auge zugekriegt. Und seit langem wieder geweint.

Und gerade hat meine Mutter ihren Bruder unten sitzen. Da halt ich mich jetzt weit weit fern von. Heute bin ich fertig genug, da brauch ich nicht noch mehr von diesem Zirkus.

Ich weiß nicht was ich noch schreiben soll. In meine Kopf überschlägt sich alles. Ich will krampfhaft schreiben, denn es fordert meine Konzentration weit genug um noch als Ablenkung durchzugehen. Mir ist so schlecht, dass ich durchgehend das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, aber natürlich ist das nicht wirklich so. Es ist die Angst, die Nervosität vor morgen. Die Panik. Ich weiß jetzt schon dass die Nacht heute eine totale Katastrophe wird, und morgen muss ich um 5 Uhr aufstehen. Super Voraussetzungen für den Tag. Wenn ich daran denke, dass ich ab morgen wieder 5 Tage die Woche das Haus verlassen muss, unter Menschen sein muss, noch mehr funktionieren muss, dann wird mir schwindlig. Ich bin gespannt wie viele Panikattacken die nächste Zeit und insbesondere der morgige Tag für mich bereithält. Ja, das wird alles super.

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Ich fühle mich so unglaublich allein. Ich habe niemanden. Niemanden der mir helfen kann. Niemanden der mich sehen darf. Immer bin ich die starke, normale, gesunde, fröhliche. Keiner weiß wer ich wirklich bin. Ich blicke in die Vergangenheit, es ist traurig was aus dem lächelnden Grundschulkind von damals geworden ist. Eine einsame, kaputte 23-Jährige, ohne Freunde, verletzt, unnahbar, verbittert, schwach. Ja, es ist sogar verdammt traurig.

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Überraschungen. Schritt für Schritt weiter. :)

Und (ich war zu dumm einen wirklich passenden Titel zu finden) was ich am wichtigsten finde: endlich mal wieder ein positiver Eintrag in diesem Tagebuch/Blog! 🙂

Heute war ein sehr sehr turbulenter Tag. Und ich bin ein sehr schlechter Mensch -.-

Ich bin nach wenigen Stunden unruhigem Schlaf aufgewacht. Mit dem Gefühl jeden Moment die Kontrolle über alles zu verlieren. Ich war verbittert. Verzweifelt. Traurig. Meine Eltern wollten unbedingt da hin. Und ich wurde nach und nach immer ekliger. Dummer Streit. Und schließlich doch das Haus verlassen. Im Auto musste ich tatsächlich heftig gegen die Tränen in meinen Augen ankämpfen. Das Gefühl mir gleich eine Schule anzusehen, die mir eine Ausbildung zum Wunschberuf ermöglichen könnte, und gleichzeitig zu wissen dass es nicht klappen würde war unerträglich schmerzhaft. 

Und dann war ich da. Und es sah alles noch viel besser aus als ich mir ausgemalt hatte. Tolle Räumlichkeiten, sehr freundliche Lehrer, usw. Die Sekretärin hat gesehen dass ich eine Bewerbung dabei hatte, und tja, da kam ich dann irgendwie nicht mehr raus. Und zack, auf ein mal saß ich bei der Schulleiterin im Büro zum Gespräch. Ich war so nervös. Ich glaub ich hab geredet wie ein kompletter Vollidiot. Ich war überrumpelt, so etwas hätte ich nicht erwartet. 

Und dann das unerwartete: ich habe den Platz bekommen. Ich habe einen Ausbildungsvertrag mitbekommen, und ich habe 4 Wochen Zeit ihn zurückzuschicken. So lange bleibt der Platz für mich reserviert. 

Danach hat die stellvertretende Schulleiterin noch einen kurzen Vortrag über die Ausbildung gehalten. Sie unterrichtet Labor und „Rechnen“. Sehr interessant. Das war der Zeitpunkt an dem ich sämtlichen mir verblieben Mut zusammengekratzt habe. Nachdem sie fertig war ging ich auf die zu und sprach das verhasste Problem an. (Wir üben nämlich an uns gegenseitig, verstecken wäre da niemals möglich gewesen.) sie meinte das sei überhaupt kein Problem, reagierte sehr verständnisvoll, auch als ich erzählte dass ich eben genau deswegen schon mal eine sehr enttäuschende Abfuhr bekommen hatte. Sie meinte das ist kein Problem und es würde so oder so eine Lösung gefunden werden, und dass sie das in all den Jahren in denen sie unterrichtet auch schon öfters hatte und es versteht. 

Bildlich gesprochen: ich bin sehr überrascht dass der riesige Felsbrocken der mir in dem Moment vom Herzen gefallen ist kein größeres Erdbeben ausgelöst hat. 

Wir haben uns dann noch den Rest der Räumlichkeiten angesehen. Im Labor und in der Lehrpraxis waren auch Schüler die erklärt und gezeigt haben (einer hat meinem Cholesterinwert gemessen um zu demonstrieren wie es funktioniert). Es war unglaublich spannend und alle haben sich echt bemüht, auch die Lehrer sind immer irgendwo gewesen und haben einen angesprochen, man könnte Fragen stellen, es war toll. 

Ich kann gar nicht in Worte fassen wie überrascht mich das alles hat. Ich war so in diesem negativen Strudel gefangen, ich habe keinen noch so kleinen Lichtschimmer mehr sehen können. Und doch ist er zu mir gekommen.  

Und zwar hauptsächlich durch meine Eltern. Ich habe diese Menschen eigentlich gar nicht verdient. Sie sind pures Gold wert. Und ich werde mein Verhalten von heute wieder gut machen. Und zwar sowas von. Die beiden fliegen morgen mit Freunden nach Prag, und wenn sie wiederkommen beginnt Mission „mach es mehr als wieder gut und danke ihnen in jeder erdenklichen Weise“. Und ich freue mich darauf.

Und die Zusammenfassung am Ende dieses Tages: wider Erwarten habe ich tatsächlich bekommen was ich mir so sehr gewünscht habe: Einen Ausbildungsplatz an dieser Schule. Und im September starte ich dann in dieses neue Kapitel meines Lebens. In die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Und ich kann es kaum erwarten! 🙂 und ich werde mein allerbestes geben.