24. November 2017

Wieder eine Woche geschafft, wie jede Woche bis Weihnachten mit 2 Arbeiten, diese Woche 2 Kurzarbeiten, eine davon hab ich bereits zurückbekommen mit 1,0. Ich sitze im Zug, habe Schmerzen (mittlerweile sowohl rechte als auch linke Hüfte, aber es ist mir egal, ich kann und will es halt nicht schonen und bewege mich trotzdem), und denke nach. Schaue aus dem Fenster, beobachte die Menschen sowohl draußen auf dem Bahnsteig, als auch hier im Zug.

Erstaunlich viele laufen mit irgendwas zu essen in der Hand rum, bzw. essen im Zug. Naja klar, ist ja auch Mittag. Und ich beneide sie in gewisser Weise. Weil sie etwas können was ich nicht kann. Sich einfach mal was zu essen kaufen und es essen. Für mich momentan absolut utopisch. Gestern kam ich auf 264 kcal, und für jede einzelne davon hasse ich mich. Heute bin ich schon bei 183, und obwohl ich weiß dass ich heute genug Zeit habe mir das wieder runterzulaufen kann ich mir das nicht verzeihen. Ich weiß dass ich essen muss, besonders morgens bevor ich aus dem Haus gehe, aber wirklich abfinden kann ich mich damit nicht. Abnehmen tu ich sowieso nicht mehr, habe diese Woche bei max. 400 kcal am Tag plus Bewegung gerade mal 1 Kilo verloren. Aber auch wenn ich weiß dass ich sowieso nicht abnehme, kann ich trotzdem nicht essen. Ich bin blockiert, habe Angst und bin wenn ich esse extrem gestresst und gereizt. Morgen „muss“ ich mit Oma auf einen Weihnachtsmarkt (ich hasse es wie die Pest, aber sie freut sich, also geh ich halt mit ihr), und sie erwartet dass wir da dann was essen. Davon hatte ich heute Nacht bereits einen Albtraum. Fantastisch.

Ich habe darüber nachgedacht wie sich das die letzten Monate so entwickelt hat. Mit diesem kompletten Rückfall in die ES. Es kam zuerst schleichend, angetrieben durch den eigenen Wunsch abzunehmen, aber auch die ständige Ermutigung durch die Familie dazu, aber seit die Schule angefangen hat, nimmt es gravierend schnell zu. Weil es der einzige Ausgleich ist den ich habe. Ich kann nicht länger tagelang depressiv im Bett rumliegen, mich in Bücher und Serien flüchten, die Nächte durch heulen, den ganzen Tag nur im Kampf mit den dunklen Gedanken verbringen. Verletzen kann ich mich ja schon lange gar nicht mehr. Und jetzt muss ich funktionieren. Und das wieder auf einem völlig neuen Level. Jeden Tag aufstehen und zur Schule gehen, sehr gute Leistungen bringen, zuhause lernen, und und und. Und nur noch so nebenbei dann eben mit der Depression, der PTBS, den Suizidgedanken und dem Verlangen nach einer SV kämpfen. Im Nachhinein betrachtet konnte das nur zu ner Verschlimmerung von irgendwas führen. In diesem Sinne sollte ich vielleicht dankbar sein dass es „nur“ das Essen ist? Ich weiß es nicht. Es ist trotzdem ja so scheiße schwer… wäre es anders gewesen wenn ich nie mit den Tabletten aufgehört hätte? Wahrscheinlich nicht.

Mein Kopf pocht und schmerzt unangenehm, meine Augen tun weh. Dabei habe ich es heute Nacht auf unglaubliche 6 Stunden Schlaf gebracht. Daran kann es also nicht liegen. Aber mein Körper ist allgemein echt im Arsch. Haut total am rumzicken, Lippen trocken und rissig egal wie viel ich sie eincreme, die Haut um die Nägel ebenfalls total empfindlich und rissig trotz Pflege. Richtig lustig alles. Nicht.

Noch 9 Minuten bis der Zug sich endlich mal in Bewegung setzt. Hoffentlich. Nicht so wie letzte Woche, als es dann hieß wir müssten noch 30 Minuten warten weil wir keinen Lockführer haben 👌🏻😒). Und zuhause dann erst noch was für N. machen damit sie endlich aufhört deswegen zu fragen, dann bewegen und darauf warten dass es Abend wird. Und ich schlafen kann.

N. ist auch so ein Thema. Sie ist ja nett, aber so langsam bringt sie mich an den Rand meiner Geduld. Es ist einfach ihrer Art, so übertrieben immer, und ständig umarmt sie mich, und das pack ich ja so gar nicht. Und irgendwie hat sie mich jetzt auch zu ihrem Kummerkasten auserwählt, der ihr sagen soll was sie machen soll um ihre Probleme zu lösen, bzw. liegt mir ständig mit dem Kerl auf den sie steht in den Ohren. Es nervt wirklich. Ich bin nicht der Typ für sowas. Also so gar nicht.

Ich habe das Wochenende fast komplett für mich allein. Eltern fahren heute weg, morgen muss ich vormittags wohin und abends eben auf den Weihnachtsmarkt, aber ansonsten bin ich allein. Nur ich. Ruhe. Einerseits freue ich mich riesig darüber, andererseits habe ich Angst was es mir auch für Möglichkeiten bietet. Wir werden sehen….

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20. November 2017

Alles ist zum kotzen. Wortwörtlich. Und dementsprechend sehe ich auch aus. Blass, Haut unrein ohne Ende, etc. Wenigstens die Augenringe verschwinden relativ kurz danach immer wieder. Aber es ist echt schrecklich wie mich der gestrige Tag allein zugerichtet hat.

Und es wird nicht besser. Psychisch bin ich komplett am Ende. Kann nicht schlafen, könnte dauerhaft heulen. Aber die Maske sitzt wieder perfekt. Wenigstens etwas.

Von allen Seiten kommen sie, die Kommentare um die ich NIE bitte. „Du musst aufhören abzunehmen sonst sieht es ja nicht mehr gesund aus“, „da stehen ja schon die Knochen raus“, „willst du nichts essen?“. Es nervt mich so unendlich. Man könnte meinen ich würde nur aus Haut und Knochen bestehen. Und das ist absolut nicht wahr. Ich bin nach wie vor zu fett und mein Gewicht viel zu hoch (und das meine ich objektiv, ich bin ja nicht mal annähernd im Untergewicht oder so.) Wieso meinen immer alle sich einmischen zu können? Mache ich bei anderen doch auch nicht, ist gar nicht schwer. Mal ganz zu schweigen davon dass ich 23 Jahre alt bin und es verdammt nochmal meine Entscheidung ist was ich mit meinem Körper mache.

Ist einfach komplett die gleiche scheiße wie mit dem „du hast ja Abi und schon Erfahrungen mit studieren, du schaffst das ja alles locker mit lauter 1ern“ und „da bist du doch unterfordert“. Habe ich um diese Meinungen gebeten? Nein, habe ich nicht. Warum können mich nicht einfach alle mal in Ruhe lassen?

Wie schlecht es um meine Psyche bestellt ist habe ich vor allem heute in Naturwissenschaftliche Grundlagen zu spüren bekommen. Just for fun haben wir den Querschnitt eines Blattes mikroskopiert. Und wie schneidet man den? Richtig, mit Rasierklingen. Und ich habe echt nicht kommen sehen wie sehr es mich triggern würde. Ich kann seitdem kaum an was anderes denken. Naja, doch, aber auch nur wie ich heute auf meine Schrittzahl (gezählt wird nur zuhause) kommen und gleichzeitig noch alles für morgen lernen soll. Und meine Nägel müssen ja auch noch gemacht werden. Und Hautpflege. Und und und. Und nach jedem dieser Gedanken – KlingeKlingeKlinge, wo ich sie zuhause versteckt habe und was ich damit alles machen könnte. Scheiße.

Das wird wieder eine lange Nacht….

10. November 2017

Wieder sitze ich im Zug. Da er erst in 43 Minuten überhaupt losfährt, ist es noch leer und ruhig. Ich bin erschöpft. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Denken fällt schwer, ich habe heute morgen im Bad locker doppelt so lange gebraucht wie sonst, weil ich ständig nur dumm rumstand weil ich nicht mehr wusste was ich als nächstes machen wollte/sollte. Dementsprechend anstrengend war es heute dem Unterricht zu folgen, sogar in englisch, was ja in der Regel überhaupt kein Problem für mich darstellt.  

Das alles dank letzter Nacht. Die war im Vergleich zu den sonstigen katastrophalen Nächten nochmal wesentlich schlimmer. Ich konnte ca. 3 Stunden schlafen, aber im Nachhinein wünschte ich es wäre anders gewesen. Ich bin alle halbe Stunde aufgewacht, hatte einen Alptraum (interessanterweise sogar ausschließlich die Ausbildung betreffend) nach dem anderen. 

Ich sehe schrecklich aus. Augenringe, geschwollene, rote Augen (beides konnte ich nicht abdecken da der Bereich einfach nur weh tut sobald ich irgendwie nur in die Nähe davon komme), ich bin blass, was sich dank Foundation und Puder relativ gut kaschieren lässt. Vorhin erst würde mir gesagt ich sähe müde aus. Tja.

Und mein Körper ist nicht gut auf mich zu sprechen. Treppen stellen eine enorme Herausforderung dar, ich spüre meinen Herzschlag durchgehend unangenehm stark in der Brust, und mir ist die ganze Zeit schlecht. 

Heute werden Tabletten genommen. Und zwar ne höhere Dosis. Ich brauche Schlaf, und das dringend. Morgen bin ich den ganzen Tag allein zuhause, da kann ich für nächste Woche eh nicht üben, also kann ich auch schlafen bzw. rumgammeln, da ist ein Überhang also kein Problem. 

Ich habe heute in meiner Berzweiflung eine Lehrerin, die zur Zeit auch kommissarisch die Schulleitung hat, gefragt, ob ich überhaupt eine Chance habe das auszugleichen wenn ich in den 2 Schulaufgaben (gestern und nächste Woche) so versagt habe. Ihre Antwort war nicht hilfreich. Sie ist genau wie alle anderen. Glaubt ich würde das alles schaffen. Sie meinte sie sähe bei mir da gar keine Probleme, und ich solle doch erstmal abwarten bevor ich mir da so einen Kopf mache. Ja danke auch. Das war weder die Antwort auf meine eigentliche Frage noch hat sie recht. Denn das gestern war definitiv absolut verkackt und das nächste Woche pack ich allein nervlich schon gar nicht, wie soll ich da fachlich noch was raushauen? Aber das konnte ich j auch schlecht sagen… also habe ich nur genickt und mich bedankt und bin wieder gegangen.

Mein Laptop ist jetzt seit bestimmt 3/4 Wochen weg. Und wie ich ja auch erfahren habe nicht mehr zu reparieren. Also schon, aber für 1000 € bekomme ich zum jetzigen Zeitpunkt einen gleichwertigen Neuen. Papa wollte es eigentlich jetzt am wochenende mit mir angehen und einen raussuchen. Es ist einfach echt blöd nur mit Handy und IPad, und an den PC im Büro geh ich nicht gerne…ich vermisse ihn. Damit irgendwo rumzugammeln und irgendwas anzuschauen oder einfach war zu spielen. Wenn ich was für die Schule schreiben muss geht das auch nur am PC im Büro. Es ist einfach nervig… und irgendwie merke ich schon dass mir das zocken als Ablenkung fehlt. Klar hab ich noch andere Systeme von Nintendo usw. aber wie es immer so schön ist: man ist nur an dem interessiert was man nicht haben kann. 

Jetzt werde ich mich weiter meinem Buch widmen. Bei meinen kognitiven Einschränkungen momentan fühlt es sich an als würde ich im Schneckentempo lesen. Aber immerhin bin ich dann beschäftigt und muss nicht nachdenken.

25. Oktober 2017

Ich bin wirklich am Ende. Aber da ich, schlau wie ich bin, heute Abend aufm Sofa eingeschlafen bin und 1,5 Stunden geschlafen habe bin ich jetzt natürlich wach. Und muss nachdenken. Ob ich will oder nicht…

Der Tag verlief…ok. Von der Sozialkunde Kurzarbeit hab ich ein komisches Gefühl, ich hoffe mal ich hab es nicht zu sehr verkackt. Aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, weder beim Versuch zu lernen noch während der Arbeit. Mal sehen. Das zieht sich jetzt wieder ganz schön hin mit den Ferien nächste Woche. Danach war alles relativ unspektakulär. Bis dann PA kam. Tja. Mal ganz abgesehen davon dass ich mich in ihrer Nähe nach wie vor nicht wohlfühle und ich sie kaum ansehen kann weil es mir so peinlich ist, lief es gar nicht mal schlecht. Ich hab meine Verbände relativ gut hinbekommen. Und dann? Dann nimmt sie mich um was zu demonstrieren. Na gut, Handverband, meint man das ginge noch. Falsch. Denn der Ärmel wird doch relativ weit vom Handgelenk weggeschoben. D.h. ich saß da mit „halb nacktem“ Unterarm und alle stehen um mich rum und schauen zu. Da hats mir ja schon wieder gereicht, aber auch das habe ich überstanden. Und dann fällt ihr ein wie sie auch noch den letzten Rest meiner Ferien ruinieren kann. Nämlich indem sie uns sagt was genau bei der praktischen Schulaufgabe drankommen wird. Und noch viel schlimmer – wie es ablaufen wird. Fälle und Partner werden gelost. D.h. ich habe keine Ahnung für wen ich letztendlich Patient spielen muss. Ich habe mich gerade so langsam an D. gewöhnt, dass sie die Arme sieht und „berührt“. Aber jemand anderes? Mein Herz fing schon während sie uns das alles gesagt hat an zu rasen, und jetzt hat es sich in mein Gehirn verpflanzt und will nicht mehr weggehen. Mir wird schlecht wenn ich daran denke. Und ich kann gar nicht anders. Egal was ich mache, es kommt immer und immer wieder… Ich bin erbärmlich, wie ich mich wegen so etwas anstelle, das weiß ich. Und ich weiß auch dass ich mir das selbst zuzuschreiben habe. Aber das ändert auch nichts. Es wird in jedem Fall eine Katastrophe. Und das allein schon beim „Patient spielen“. Selber dran zu sein wird ja auch nochmal Stress pur. 

Morgen, bzw. nein, es ist ja schon wieder halb eins, also heute, schreiben wir noch Fachrechnen. Meine einzige Sorge diesbezüglich ist wirklich dass ich mich nicht konzentrieren kann, rein vom Stoff her ist es ein Witz. Zumindest für jemanden wie mich der Mathe auch im Studium hatte….

Ich bin gespannt wie lange ich heute brauche um zu schlafen. Ich will mich nicht beschäftigen, denn ich brauche den Schlaf zu dringend. Also hinlegen, Augen zu und versuchen mich zum schlafen zu zwingen. Mir graut es vor den Gedanken die kommen werden. Dem hilflos ausgeliefert zu sein. Mir graut es vor den Tränen, die sich ganz sicher nicht mehr zurückhalten lassen. Ich habe Angst vor der Angst, dem Schmerz und der Verzweiflung.

Hinter meiner Stirn fängt es an schmerzhaft zu pochen. Habe mich eh schon gefragt wie lange ich das alles noch ohne Kopfschmerzen aushalten darf. Aber es wundert mich ja nicht. Kaum bis gar kein Schlaf, 300 kcal insgesamt und normaler Alltag in Kombination bringen sowas in der Regel mit sich…

22. Oktober 2017

Ich liege im Bett. Eine Minute vor Mitternacht. Schlaflos. Das wird wieder eine richtig tolle Nacht… 

Ich habe zu wenig gemacht heute. Es stand so viel auf meiner Liste, und ich habe meinen Fettarsch mal wieder nicht hochbekommen.  Grade mal 4 Fächer gelernt. Und für PA hab ich natürlich auch nicht geübt. Zu dumm für alles, echt. 

Ich habe wieder abgenommen. 1,5 Kilo die letzten Tage. Heute bin ich auch „nur“ auf 560 Kalorien gekommen. Mal schauen was die Waage die nächsten Tage so für mich bereithält. 

Vorhin habe ich angefangen eine E-Mail an Frau ehemalige Therapeutin zu schreiben. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her seit dem letzten Termin, seit ich, wie ich glaube, gesagt habe dass ich mich melden würde. Und es dann nie getan habe. Ich dachte mir also vorhin dass man das doch mal angehen könnte, ich kanns ja nicht noch länger vor mir herschieben. Aber genau das wovor ich mich gefürchtet hatte ist eingetroffen: ich finde keine Worte. Ich habe absolut keine Ahnung was ich schreiben soll. Alles hört sich komplett bescheuert an. Habe nichts abgeschickt, ein Entwurf wurde gespeichert, aber ich bezweifle dass ich da je auf senden drücken werde. Wahrscheinlich hat sie mich aber eh schon längst wieder vergessen, dann brauche ich mir auch keine Gedanken machen dass es blöd ist wenn ich mich gar nicht mehr melde….

 Ich merke wie ich versuche Zeit totzuschlagen. Ich weiß dass es noch lange dauern wird bis ich einschlafe, vorausgesetzt dass das überhaupt passieren wird. Und ich habe Angst. Vor den Gedanken die gleich auf mich einstürzen werden. Vor den Tränen die versuchen werden meine Kontrolle zu brechen. Vor den Erinnerungen die hochkommen werden. Und ich habe Angst vor der Angst…

21. Oktober 2017

Die Tabletten gestern Abend haben ihren Job gemacht und mir 10 wundervolle Stunden Schlaf geschenkt. Aber leider war ich auch mehr als den halben Tag heute unglaublich müde und extrem unmotiviert. Da ich aber sehr lange mit Mama draußen und shoppen war hat es nicht viel kaputt gemacht.  Heute Abend gibt es die Option Tabletten aber nicht. Morgen ist der Tag verplant. Und zwar von morgens bis abends lernen. Da kann ich nicht den kleinsten Überhang brauchen, denn der ist ehrlich gesagt schlimmer als gar keinen Schlaf bekommen zu haben. Eigentlich ja total unlogisch. Aber unlogisch passt ja wiederum sehr gut zu mir, meinem Leben und meinem Körper. 

Apropos Körper. An die Rückenschmerzen werde ich mich wahrscheinlich wohl oder übel gewöhnen müssen. Und ich weiß nicht warum, was ich heute gemacht habe, aber der Bereich am Hals wo die Narbe von der OP ist zieht seit heute Abend extrem unangenehm wenn ich den Kopf bewege. Aber klar, warum auch nicht. Alles um mein Leben noch ein bisschen unangenehmer zu machen scheint meinem Körper sofort willkommen zu sein. Genauso wie der „Ausschlag“. Tut nichts, ist einfach nur da, vermutlich auch nur um mich zu stressen. Mama hat mir heute 2 Salben aus der Apotheke geholt. Bringen doch vermutlich auch nichts. Die meinten ansonsten könnte man noch Bepanthen ausprobieren. Mal schauen. Es ist einfach nur nervig.

J. hat heute Geburtstag. Habe ihm geschrieben und gratuliert, alles was zurückkam war ein „Danke“. Ich glaube es war ein Fehler ihm zu schreiben. Die letzten Versuche waren ja auch schon sinnlos. Ich glaube er will einfach rein gar nichts mehr von mir wissen, und mal ehrlich, wer kann es ihm verdenken….ich finde es eh jedes Mal aufs neue erstaunlich wenn Menschen mit mir reden oder freiwillig Zeit mit mir verbringen möchten. Ich an deren Stelle würde das ja nicht wollen. 

Wochenende. Ich finds doof. Heute Morgen ist es mir schon beim aufstehen bewusst geworden. Ich hatte keinen wirklichen Grund, keinen Plan, keine Struktur. „Klamotten kaufen gehen“ oder „lernen“ scheint nicht als Plan oder Struktur zu zählen. Also muss ich jetzt morgen noch irgendwie rumkriegen, dann hab ich wieder einen festen Rhythmus. Aufstehen, Zug, Schule, Zug, lernen und dann wieder ins Bett. Wer hätte das jemals ahnen können, ich freue mich auf Montag. Obwohl wir die Kurzarbeit schreiben, obwohl ich mich immer noch in Grund und Boden schäme, obwohl ich immer noch von Angst zerfressen werde, obwohl es anstrengend ist. Denn das ist im Moment einfach der einzige Lebensinhalt den ich habe. Funktionieren. Und das geht an Wochentagen am besten.

Die Spannung steigt jetzt. Werde ich schlafen können? Wie lange werde ich schlafen können? 

Schlimmer gehts nicht.

Wie macht man sich am besten zum absoluten Vollidioten? Ich hab einen neuen Tiefpunkt erreicht. Den Vormittag habe ich relativ gut überstanden, von Blässe, Müdigkeit und Kreislaufproblemen mal abgesehen. 

Mittagspause. Und es ging rasant abwärts. Gegen Ende, als dann die nächste Stunde anfing war ich nur noch am heulen. Und zwar buchstäblich. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen und ich konnte ums verrecken nicht mehr aufhören. Ich hab locker 50 Minuten lang durchgeheult. Meine EDV Lehrerin die wir da hatten war gnädig, nachdem sie von mir auf die Frage ob alles ok wäre ein ja bekommen hat, hat sie mich in Ruhe gelassen. Aber meine PA Lehrerin nicht. Im Stundenwechsel war ich kurz vor der Tür, und hab versucht meine Atmung und die Tränen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube A. hat mich bei ihr „verpetzt“ (nicht dass ich sauer wäre, sie meinte es bestimmt nur gut…). Sie kam raus. Tür zu. Hat mich gefragt was los sei . Hab ihr gesagt dass alles ok ist, das mit dem Schlafmangel erklärt, dass ich mich gleich wieder fange usw. Sie hat noch gefragt ob ich gegessen/getrunken habe (nein und ein bisschen) und ob ich später zuhause alleine wäre (warum sie das wissen wollte verstehe ich nicht so wirklich…) Jetzt gegen Ende hat sie nochmal gefragt obs wieder geht und gesagt ich soll heute Abend Magnesium nehmen und baden gehen damit das mit dem schlafen besser passt. 

Ich kann nicht in Worte fassen wie peinlich mir das alles ist. Am liebsten würde ich mich irgendwo vergraben. Am liebsten würde ich nie wieder da hin gehen. Y. meinte ich soll doch morgen einfach mal daheim bleiben und schlafen, aber ich kann nicht. Ich hab es heute nicht mal in der Mittagspause geschafft früher zu gehen… einen ganzen Tag verpassen? Never….Das geile ist ja, dass die jetzt im Anschluss QM haben. D.h. alle Lehrer sind da, und ich bin ziemlich sicher dass das die Runde machen wird. Ich bin so erbärmlich…

Das war ein absoluter Kontrollverlust und ich begreife nicht wie es so weit kommen konnte… habe ich meine eigenen Grenzen in der letzten Zeit derart weit überschritten? Wie konnte ich es nicht kommen sehen? Sitze im Zug, ich bin so erschöpft, meine Haut im Gesicht ist trocken und brennt.  Ich hoffe inständig dass meine Eltern nichts merken. Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht erklären….Mein Rücken schmerzt bei jeder Bewegung, ich nehme mal an ich war extrem verkrampft. Und ich kann nicht in Worte fassen wie sehr ich mich auf die Ibuprofen und die Zigaretten freue, die zuhause auf mich warten. 

24. September 2017

Der Tag war…ok? Psychisch gesehen ne Katastrophe, aber habe 5 Stunden Zusammenfassungen geschrieben und gelernt. Also wenigstens etwas dass ich mal hinbekommen habe.

Morgen geht es wieder weiter. Kürzer zum Glück, weil eine Lehrerin einen Termin außer Haus hat. Machbar, irgendwie. Danach noch zum Arzt, die zweite FSME – Impfung steht an.

Momentan haben wir Besuch. Bzw. meine Oma hat Besuch, aber sie schlafen bei uns im Gästezimmer. D.h. Stress. Morgens so leise wie möglich sein, abends vermutlich gemeinsam essen. Stress.

Mir tut alles weh. Mein Rücken fand die heutige Lern-Session alles andere als lustig. Meinen rechten Unterarm muss ich nachher noch von der Hand bis Ellbogen mit Salbe versorgen, die bereits vertraute Sehnenscheidenentzündung kündigt sich schon mit kleinen Anzeichen an.  Und das mit dem Knie…mittlerweile glaube ich stark dass ich da ne Entzündung hab. Mit Salbe und Ibu wird das jetzt bekämpft, und zeitweise klappt das auch, also hoffe ich dass es auf Dauer verschwinden wird.

Mir ist immer noch durchgehend schlecht, dieses nervöse Gefühl im Magen möchte einfach nicht weggehen.

Die Angst will mich nicht in Ruhe lassen, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit schnüren mir die Luft ab.

Ich bin erschöpft. Ich hatte gehofft dass ich jetzt am Wochenende mit der Möglichkeit auszuschlafen sehr viel Schlaf nachholen könnte. Falsch gedacht. Klar, ich habe mehr geschlafen als unter der Woche, aber bei weitem nicht genug….ich glaube auch nicht dass es eine rein körperliche Müdigkeit ist. Es ist die allgemeine Lebens-Müdigkeit….

Zur Wahl…ja zur Wahl will ich gar nichts mehr sagen. Es ist schlimm, es ist enttäuschend, aber irgendwo hatte ich es auch kommen sehen, nur gehofft dass die Menschen vielleicht doch noch mehr im Kopf haben….Naja, passt doch zur allgemeinen Lage der Welt. Alles geht den Bach runter. Hoffen wir einfach mal dass es nicht so schlimm sein wird wie alles jetzt befürchten (müssen)….

 

15. September 2017

Ich verstehe mich einfach selbst nicht. Die letzten Tage liefen gut. Für meine Verhältnisse sogar sehr gut. Ich habe mich schnell an die Schule gewöhnt, habe sogar sofort Anschluss gefunden. Ich bin sicher dass ich den Stoff bewältigen kann, in einigen Fächern bin ich, wie meine Hausärztin schon zu mir sagte, tatsächlich unterfordert. Englisch z.B. Ich dachte heute wirklich ich würde einschlafen. Und ich finde es unglaublich schwer da ein gutes Maß zu finden. Einerseits möchte ich mitarbeiten/mich beteiligen, aber andererseits weiß ich nicht wie oft ich was sagen/mich melden „darf“ ohne dass es blöd rüberkommt, ich will das ja nicht raushängen lassen…naja, wenigstens muss ich mir da keine Sorgen um Noten machen, das krieg ich hin. Und ich habe Angst dass man mir ansieht dass ich mich langweile. Genau wie in Fachrechnen, das war gestern für mich wirklich anstrengend, aber ich habe die Hoffnung dass es etwas besser wird wenn wir mal Kalkulationen etc. machen. Aber wenn man Mathe an der Uni hatte ist das schon echt hart wenn man Umrechnungen macht und sich dann noch Erklärungen anhören muss warum 1000*1000 nicht 2000 ist. Und dann fühle ich mich arrogant und hasse mich dafür. Zu Recht.

Also alles in allem lief es gut. Und trotzdem komme ich heute heim und alles ist einfach nur schrecklich. Ich bin depressiv, lebensmüde, möchte mich nur noch in der Ecke verkriechen, weinen und schreien. Keine positiven Gedanken möglich, in meinem Kopf nur schlimme Gedanken und Hoffnungslosigkeit. Der unerfüllbare Wunsch nach einem baldigen Ende der sich anfühlt als würde sich in mir Säure ausbreiten.

Ich habe die letzte halbe Stunde damit verbracht intensiv zu analysieren was das ausgelöst haben könnte. Der Wegfall von Stress jetzt wo das Wochenende da ist? Liegt es einfach daran dass ich jetzt „Zeit“ dafür habe und mein Unterbewusstsein nur darauf gewartet hat? Oder liegt es vielleicht auch daran dass mir heute in Laborkunde wieder hart und schmerzlich bewusst wurde dass ich bald auffliegen werde. Noch denken alle ich wäre normal. Bald werden sie meine Narben sehen. Ich wünschte ich könnte das verhindern. Ich wünschte ich könnte sie einfach verschwinden lassen. Der Selbsthass frisst sich durch meine Gedanken. Und ich kann noch nicht mal einschätzen wie lange diese Gnadenfrist noch anhält. Wir haben keinen Zeitplan bekommen, ich weiß nicht wann wir mit Blutdruck und Puls messen anfangen. Nächste Woche wird einem von uns Blut abgenommen für Laborkunde, mein Glück ist nur dass das mit Sicherheit auf freiwilliger Basis sein wird. D.h. ich werde es ganz bestimmt nicht werden. Es fühlt sich an als würde ich darauf warten müssen mich irgendwann vor der Klasse komplett ausziehen müssen. Irgendwie logisch, denn rein emotional gesehen stehe ich ohne meine langen Ärmel ja schon irgendwie „nackt“ vor ihnen. Wenn ich jetzt daran denke bereue ich schon wieder alles und will nur noch weglaufen.

Zu allem dazu kommt noch dass ich die letzten Wochen wieder zugenommen habe. Ich weiß nicht wie viel, auf die Waage traue ich mich einfach nicht. Aber ich kann es sehen. Und meine Oma hat diesbezüglich auch schon einen Kommentar abgegeben (auch wenn sie es lustig und nicht böse gemeint hat, es hat alles bestätigt). D.h. ich muss jetzt wieder richtig aufpassen. Alles auf den Schulalltag ausrichten. Das viele sitzen macht es verdammt schwer und ich bin es nicht mehr gewohnt. Werde teilweise richtig unruhig weil ich mich nicht bewegen kann…Erwische mich wieder dabei wie ich ständig mit den Beinen wippe bzw. „zittere“. So extrem hatte ich das schon lange nicht mehr, ich glaube sogar das letzte Mal war noch in der Klinik, und auch da war es nicht so extrem wie jetzt. Es nervt. Ich kann es nicht abstellen und habe sehr starke Angst dass andere es mitkriegen und dass es sie stört….danke ehemalige Mitpatientin dass du mich damals aus dem nichts deswegen so zickig und gemein angefahren hast dass ich deswegen danach noch über ne Stunde Weinkrämpfe und ein schlechte Gewissen (weil ich dich genervt/gestört habe) hatte. Naja, muss einfach versuchen achtsamer zu sein. Kontrolle heißt, wie immer in meinem Leben, auch hier das Zauberwort. Naja, ändert nichts an der Tatsache dass ich abnehmen muss. Dringend. Morgen und übermorgen ist schon mal extremes Kalorien-Einsparen angesagt. Morgen Abend muss ich ne Pizza essen, will Oma nicht verletzen, sie hat da irgendwie ne Art Ritual draus gemacht wenn meine Eltern nicht da sind. Aber sonst esse ich halt nichts. Für die Schule muss ich mir noch ne gute Strategie überlegen. Ganz ohne ist dumm und unrealistisch.

Wieder einmal versuche ich mich mit schreiben abzulenken. Den Zusammenbruch so lange wie möglich rauszuzögern. Oma kommt heute Abend noch mal kurz, irgendwas trinken und Gute Nacht sagen. Auch ein Ritual seit Opa nicht mehr da ist. Und vorher darf ich nicht weinen.

Die ganze Erbschafts-Geschichte hat die Vergangenheit wieder sehr stark in den Fokus meines Unterbewusstseins gerückt. Alpträume (eigentlich jede Nacht), Flashbacks alles ist wieder an der Tagesordnung. Ich habe Panik davor dass es mal in der Schule passiert. Besser gesagt habe ich Angst mal in eine Panikattacke zu rutschen. Dann könnte ich sofort meinem Leben ein Ende setzen, denn das würde ich nicht ertragen. Es macht mich so unfassbar wütend, wie sehr es sich schon wieder in mein Leben gedrängt hat. Nach der Klinik hatte ich es wirklich gut im Griff. Klar, es war nicht perfekt, aber wesentlich besser. Und jetzt ist alles wieder wie vorher. Nein, es ist schlimmer. Immer wieder sein Name, ich will ihn nicht hören. Ich will nichts von ihm wissen. Will seine bloße Existenz verdrängen. Vergessen. Und nicht auch noch zusätzliche Informationen erhalten wie etwa die Tatsache dass er heiratet. Das alles führt dazu dass er wieder ständige Präsenz in meinem Kopf hat. Und das geht gar nicht….Ich hoffe dieser Alptraum hat bald ein Ende, ich ertrage es langsam nicht mehr….

Es ist schon ironisch. Ich hasse mich für die Narben und was ich mir dadurch selbst angetan habe, den ganzen Stress den sie verursachen, und trotzdem schreit alles in mir nach ein paar tiefen, blutenden Schnitten. Nach der Beruhigung, der Betäubung. Wie schön wäre es dadurch mal wieder richtig „aufatmen“ zu können…..Wieso bin ich so?! Warum schaffe ich es nicht von diesen Gedanken, dieser Sehnsucht weg? Warum kann ich nicht einfach wie andere sein? Was habe ich aus mir und meinem Leben nur gemacht….es ist erbärmlich…ich bin erbärmlich.

 

26. Juli 2017

Ich glaube ich stehe unter Schock. Alles fühlt sich unwirklich an. Atmen fällt schwer. Nebel vor meinen Augen, meine Hände zittern beinahe unkontrollierbar.

Meine Eltern sind nicht da. Meine Mutter hat heute einen Brief von ihrem Bruder bekommen. In der Anahme dass ich ihn, wie die andere Korrespondenz mit ihren Geschwistern auch, würde lesen dürfen habe ich ihn gelesen. Und ich kann nicht mehr. Sie wissen es. Sie hat ihnen das privateste, intimste Geheimnis meines Lebens verraten. Wie vielen hat sie noch davon erzählt? Ich kann nicht mehr. Wie konnte sie mir das antun? Ich bin so unendlich verletzt. Enttäuscht. Wütend. Bin nicht in der Lage das auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Ich will sie nie wieder ansehen müssen. Nie wieder mit ihr reden. Wie soll ich heute, wenn sie nach Hause kommen und dann mit Oma auf ihren Namenstag anstoßen, auch nur halbwegs eine gute Miene hinbekommen?

Ich will schreien, ich will bluten, will den Schmerz rauslassen, will vergessen und verschwinden. Mir fehlen die Worte. Ich hätte nicht erwartet, dass es mir tatsächlich noch schlechter gehen könnte als jemals zuvor. Ich habe mich getäuscht. Genauso wie ich mich in meinen Eltern getäuscht habe. Ich wurde verraten. Verletzt. Gedemütigt. Nie wieder werde ich ihnen irgendetwas von mir preisgeben. Im Moment hasse ich sie. Alle. Jeden Menschen auf dieser Welt. Man kann Menschen nicht vertrauen. Das wusste ich. Aber das? Übertrifft alles bisher da gewesene. Meine Anspannung explodiert gerade. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich spüre meinen Puls in meinen Ohren. Jeder Atemzug ist ein Kampf. Sie haben es nicht verdient, dass ich für sie lebe. Dass ich für sie kämpfe. Nur noch Oma ist da. Also weitermachen – für sie. Alle anderen können mich mal. Ich hab genug. Es ist alles nur zum kotzen. Kotzen? Eine gute Idee. Könnte bisschen Druck wegnehmen…aber es ist vermutlich nie genug Erlösung. Kann es die überhaupt noch geben?