26. Juli 2017

Ich glaube ich stehe unter Schock. Alles fühlt sich unwirklich an. Atmen fällt schwer. Nebel vor meinen Augen, meine Hände zittern beinahe unkontrollierbar.

Meine Eltern sind nicht da. Meine Mutter hat heute einen Brief von ihrem Bruder bekommen. In der Anahme dass ich ihn, wie die andere Korrespondenz mit ihren Geschwistern auch, würde lesen dürfen habe ich ihn gelesen. Und ich kann nicht mehr. Sie wissen es. Sie hat ihnen das privateste, intimste Geheimnis meines Lebens verraten. Wie vielen hat sie noch davon erzählt? Ich kann nicht mehr. Wie konnte sie mir das antun? Ich bin so unendlich verletzt. Enttäuscht. Wütend. Bin nicht in der Lage das auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Ich will sie nie wieder ansehen müssen. Nie wieder mit ihr reden. Wie soll ich heute, wenn sie nach Hause kommen und dann mit Oma auf ihren Namenstag anstoßen, auch nur halbwegs eine gute Miene hinbekommen?

Ich will schreien, ich will bluten, will den Schmerz rauslassen, will vergessen und verschwinden. Mir fehlen die Worte. Ich hätte nicht erwartet, dass es mir tatsächlich noch schlechter gehen könnte als jemals zuvor. Ich habe mich getäuscht. Genauso wie ich mich in meinen Eltern getäuscht habe. Ich wurde verraten. Verletzt. Gedemütigt. Nie wieder werde ich ihnen irgendetwas von mir preisgeben. Im Moment hasse ich sie. Alle. Jeden Menschen auf dieser Welt. Man kann Menschen nicht vertrauen. Das wusste ich. Aber das? Übertrifft alles bisher da gewesene. Meine Anspannung explodiert gerade. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich spüre meinen Puls in meinen Ohren. Jeder Atemzug ist ein Kampf. Sie haben es nicht verdient, dass ich für sie lebe. Dass ich für sie kämpfe. Nur noch Oma ist da. Also weitermachen – für sie. Alle anderen können mich mal. Ich hab genug. Es ist alles nur zum kotzen. Kotzen? Eine gute Idee. Könnte bisschen Druck wegnehmen…aber es ist vermutlich nie genug Erlösung. Kann es die überhaupt noch geben?

14. Juli 2017

Ich sitze in der S-Bahn. Klammere mich fast panisch ana Handy. Gar nicht so einfach zu tippen wenn man so verkrampft ist. Meine Anspannung kracht bald durch die Decke. Ich habe Angst. Richtig heftige Angst. Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in dieser großen Stadt. Und ich will auch nicht. Aber da ich ab September wieder 5 Tage die Woche dorthin muss kann ich auch gleich schon damit anfangen mich wieder daran zu gewöhnen. Wie hab ich das all die Jahre einigermaßen problemlos hinbekommen? Wenigstens hab ich die Gewissheit nicht von diesem Bahnhof aus zu fahren. Denn den hasse ich. Zu viele potentielle Gefahren die meine ohnehin existente Angst verfünffachen.

Ich freue mich K. mal wieder „so richtig“ zu treffen, mich mit ihr unterhalten zu können. Aber das macht das alles nicht leichter. Es ist lediglich der Grund mich zwingen zu können. Und irgendwie… ich habe die Hoffnung mich vielleicht überwinden zu können ihr auch nur einen ganz kleinen, winzigen Teil der Wahrheit anvertrauen zu können. Ich weiß dass ich ihr Vertrauen kann, aber ich weiß nicht inwiefern ich mich zwingen kann mal wieder was von dem ganzen scheiß aussprechen zu können. Das konnte ich ja noch nie gut, aber es ist schon sehr sehr lange her dass ich es auch überhaupt mal versucht hätte. 1,5 Jahre schätze ich mal. Mindestens.  Vielleicht hilft ein bisschen Alkohol mir ja auch ein bisschen. Denn wenn ich mich schon zu dieser ganzen Altion überwinde, werd ich es mir zumindest mit ein zwei Cocktails erleichtern.

Ich habe vorhin mit ziemlich großer Überraschung festgestellt, dass ich tatsächlich wieder in eine alte Hose passe. Ich meine klar, die Waage zeigt mir inzwischen über 10 Kilo weniger an, aber man sieht es nicht. Oder sehe nur ich es nicht? Ich hätte diese Hose vermutlich nie in Erwägung gezogen, wenn ich die anderen 2 Alternativen gefunden hätte… Keine Ahnung. Eigentlich ändert es eh nichts. Es ändert nichts daran dass ich nach wie vor fett bin und es ändert nichts daran dass noch weitere 20 Kilo runter müssen. Mindestens… oh man, wie soll ich nachher auch nur einen Bissen runterbringen? Ich hätte das mit essen gehen nicht bejahen sollen…. naja muss ja irgendwie klappen. Aber essen in der Öffentlichkeit? Absolut nicht meine Stärke…. schon gar nicht mit der angstbedingten Übelkeit…obwohl gute Übung für morgen. Essen gehen mit Familie. Das war Mamas brilliante Idee. Oma auf andere Gedanken bringen – ok. Aber musste es gleich essen gehen sein? Was besonderes bestellen hätte doch auch schon gereicht. Und vor allem in einem Restaurant in dem man Gefahr läuft auch noch von Leuten gesehen zu werden die einen kennen? Ne, da bevorzuge ich definitiv die Anonymität in der großen Stadt…

Es ist wirklich extrem nervend wie lange es dauert diesen simplen Text zu schreiben. Nicht nur das erschwerte tippen durch die Anspannung, auch meine Konzentration lässt enorm zu wünschen übrig…. vielleicht verständlich, wenn man bedenkt dass ich vorletzte Nacht überhaupt nicht, und letzte Nacht nur 5 Stunden geschlafen habe. Der Schlafmangel der letzten Zeit macht sich bemerkbar. Meine Augen sind gerötet, und ich bin blasser als sonst schon. Aber es ist wenigstens niemandem aufgefallen. Aber ich bin müde… ich würde so gerne schlafen, aber wer weiß wann ich heute nachhause bzw. ins Bett komme. Und morgen heißt es wieder vergleichsweise früh aufstehen. Und übermorgen dass noch früher. Und in die Kirche. Wegen Opa. Da komm ich also nicht drum rum, obwohl ich wirklich absolut nicht die geringste Lust verspüre eine Kirche zu betreten und so zu tun als würde ich das alles „gutheißen“. Mit fällt kein besseres Wort dafür ein… aber ich habe mit dem ganzen Kram einfach nichts am Hut. Und ich habe Angst vor dem Grab. Ich war seit der Beerdigung nur ein mal, und das auch eher unfreiwillig. Es macht es einfach zu real….ok, schnell die Musik lauter und an was anderes denken. Sonst fange ich wirklich noch an in aller Öffentlichkeit zu heulen….

Edit: und kaum ausm Zug raus weiß ich wieder warum ich es so hasse in dieser Stadt mit diesen vielen Menschen rumzulaufen. Zum Beispiel wegen diesen Jungen Kerlen die in Gruppen rumlaufen und random „I like you whore“ alle paar Meter brüllen….

12. Juli 2017

Ich liege in meinem Zimmer auf dem Sofa, lausche dem Regen der mit wundervoller, beruhigender Wirkung auf das Dachfenster trommelt. Durch das offene Fenster kommt klare, kühle Luft mit diesem typischen Geruch von Regen. Es könnte alles schön sein, wäre da nicht ich. Ich mit den Dämonen in meinem Kopf, überfüllt von negativen Gedanken und Gefühlen. 

Ich hatte heute schon eine kleine bzw. kurze, aber für unsere Verhältnisse heftige Auseinandersetzung mit Mama. Da ich zwar früh aufwache aber meistens noch Stunden im Bett liege, frühstücke ich ja dementsprechend spät. Und was macht sie als erstes als sie gegen halb drei von der Arbeit kommt? Meckern weil mein Geschirr noch rumstand. Ja entschuldigung, das räum ich halt erst weg nachdem ich fertig bin, und nicht schon während ich noch meinen Kaffee trinke. In solchen Momenten kocht die Wut in mir so hoch. Und danach? Da hasse ich mich dann noch mehr. Es ist unfair von mir. Sie kann nicht wissen wie schlimm ich mich fühle. Wie schwer mir alles so schon fällt, ohne ihre Vorwürfe solch „simplere“ Sachen betreffend. Es ist nicht richtig von mir sie dann anzufauchen und kalt zu behandeln. Heute war die Sehnsucht nach Bestrafung wieder enorm hoch. Aber geht ja nicht. Erst lag ich auf meinem Bett, leer und ausgelaugt. Dann hat mich etwas gepackt, dass ich schon von früher von mir kenne. Totaler Rückzug. Alles was noch von mir unten im Wohnzimmer lag gepackt, mein Zimmer aufgeräumt. Und da bin ich nun, die ganze Zeit. Nur zum essen oder rauchen gehe ich runter. Diese Überwindung die es kostet auch nur daran zu denken diesen Raum zu verlassen. Ja, das kenne ich von früher, aber so heftig kam es schon lange nicht mehr vor. Mal sehen ob es ihnen überhaupt auffallen wird. Ich vermute (und hoffe) eher nicht. 

Am Freitag treffe ich mich mit K. Erst in der Stadt und abends ins Kino. Ich will absolut nicht, allein der Gedanke daran löst absolute Panik in mir aus. Aber ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht ihr schon wieder nen Korb zu geben. Ich weiß dass sie sowas traurig macht. Also werde ich es irgendwie hinter mich bringen…

Ich darf da jetzt nicht weiter drüber nachdenken. Eigentlich darf ich gar nicht denken. Sonst endet das am Ende wieder mit Tränen, und das geht nicht solange ich meinen Eltern nochmal begegnen könnte. Vielleicht „gönne“ ich mir das heute vorm einschlafen. Vielleicht verschafft es eine kurze Erleichterung, ein bisschen mehr Ruhe in mir. Obwohl ich das ja eher bezweifle, denn das ist eher selten der Fall…

7. Juli 2017

Alles ist eine ewige Katastrophe. Wie eine lange Straße auf der ich gezwungen bin zu laufen. Eine schreckliche Straße, in tiefste Dunkelheit gehüllt, und mit Alpträumen und Monstern zu beiden Seiten. Und diese Straße hat kein Ende.

Die Sache mit dem Testament spitzt sich zu. Mir hätte klar sein müssen dass er seinen Titel als größtes Arschloch verteidigen würde und sofort auf seinen Pflichtteil besteht, aber vermutlich wollte ich es verdrängen. Dadurch ist alles wieder allgegenwärtig. Flashbacks die mich innerlich so zerreißen, dass ich mich danach oft wundere wieso mein Körper noch ganz ist. Dissoziationen die mich komplett aus dem hier und jetzt reißen. Und in mir ein tobender, nicht zu bändigender Hass. Auf die Leute, die mich damals gezwungen haben es meinen Eltern zu sagen. Die schamlos meine Schwäche und ihre Machtposition ausgenutzt haben, als ich am Boden lag, eingesperrt war und nur da raus wollte, und zu schwach war um diesen hohen Preis dafür nicht zu zahlen. Obwohl dass nicht ganz stimmt, ich wollte ja nicht, aber klein, in die Ecke gedrängt und ohne jede Hilfe, ich konnte ohnehin nur verlieren. Und damit wurde die Mauer zwischen mir und meinen Eltern errichtet. Ich bezweilfe dass die je wieder weggehen wird. Und die spüre ich jetzt deutlicher denn je.

Der Schmerz frisst mich auf. Ich schlage mir die Nächte um die Ohren, versuche mich in Büchern und Spielen zu verlieren bis mein Körper nicht mehr kann und ich erschöpft in einen fürchterlichen Schlaf falle. Dabei bräuchte ich den Schlaf dringend zur Erholung. Meine Maske sitzt in der Regel recht gut, aber von Zeit zu Zeit bekommt sie Risse. Meist kämpfe ich dann damit, versuche meine wahren Gefühle mit dem Anschein schlechter Laune zu verstecken. Ich bin zu dem Schluss gekommen dass es so am einfachsten auszusitzen ist. Bis ich die Maske wieder „repariert“ bekommen habe. Lieber ein bisschen rummaulen als ihnen die Wahrheit zu offenbaren.

Und ich bin ja auch wütend. Das ist ja nicht mal gelogen.  Auf die Welt in der wir leben, auf meine Familie, und am allermeisten auf mich selbst. Verstärkt wird das vermutlich im Moment dadurch, dass wir uns wieder mal an dem Zeitpunkt im Monat befinden, in dem mein Körper und ich uns hoffnungslos bekriegen. Naja, zumindest noch schlimmer als sonst jedenfalls. Ich finde keine Worte, die meinen Selbsthass adequat beschreiben könnten.

In nicht mal mehr einer Stunde kommt A. Wir haben uns seit der Beerdigung nicht mehr gesehen. Ich würde mir einen netten Abend mit einer Freundin vielleicht sogar wünschen, aber ich sehe darin nur Anstrengung. Eigentlich würde ich mich viel lieber wieder in meinem Zimmer verkriechen und verzweifelt versuchen in einem Buch zu entkommen…..mir und dem Rest der Welt.

Edit: In dem Moment, in dem ich mit schreiben fertig war, kamen meine Eltern nachhause. Die waren aufm Sommerfest von Mamas Schule. Und meinen dann noch seelenruhig wir können noch ne Runde mit den Hunden gehen. Ich wurde so so wütend. Sie weiß dass ich Besuch bekomme, sie weiß dass ich so früh nicht mit den Hunden gehen möchte. Aber nein, spielt ja keine Rolle. Und dann rummeckern wegen meiner schlechten Laune. Und ich bin noch wütender. Mitgegangen. Völlig sinnlos weil wir eh scnell wieder umkehren mussten. Dafür hab ich das Haus verlassen und wurde von vielen Leuten gesehen. Und ich hätte jedes Mal losheulen können. Aber klar, Töchterchen funktioniert. Das ist alles was sie sehen. Das ist alles worüber sie sich Gedanken machen. Jedes Mal wenn meine Mutter sich wieder beschwert dass ich nur lese oder spiele oder sonst was, möchts ich sie anschreien. Ihr die Alternativen aufzählen und sie fragen ob ihr das lieber wäre. Aber ich schweige nur. Am Ende.

17. Juni 2017

Endlich im Bett. Eingewickelt in die Decke. Seit über einer Stunde bin ich wieder „im warmem“, aber mein Körper weigert sich mit frieren und zittern aufzuhören. Ich bin erschöpft, müde. Will nur noch die Augen zumachen und ins Nichts fallen. Mein Kopf will nicht aufhören weh zu tun. Hätte vielleicht doch noch ne Tablette nehmen sollen. Naja, muss ich halt damit klar kommen.

Grillen war sehr anstrengend. Zum Glück musste ich nicht viel reden, nur an den passenden Stellen mal lachen und zwischendurch antworten usw. Es gab einen kurzen sehr unangenehmen Moment, als meine Großcousine mich fragte ob ich diese Klopf-Methode aus der Therapie kennen würde. Unangenehm berührt habe ich ja gesagt (was ja auch stimmt). Sie ist dann kurz noch näher darauf eingegangen weil sie meinem Großcousin ein Buch darüber schenken will (zum rauchen aufhören xD ). Es ging ja gar nicht um mich, aber wenn ich auf Therapie etc. angesprochen werde fühle ich mich immer so unwohl…Das gehört zu den Themen die ich in der Regel um jeden Preis wegschiebe, und schon gar nicht will ich darüber reden. So tun als wäre nie etwas gewesen, alles soll normal und „gut“ sein. Auch dass sie explizit Trauma-Therapie erwähnte hat mich für einen kurzen Moment ziemlich aus der Fassung gebracht (innerlich). Ich weiß bis heute nicht was genau bzw. wie viel sie von Mama weiß und es treibt mich in den Wahnsinn….Ich war so froh als meine Mutter meinte wir würden gehen. Endlich. Es war nicht besonders ereignisreich. Aber mir war es trotzdem noch zu viel. Zu viel soziale Interaktion. Zu viel Konzentration auf die Maske, ohne Rückzugsmöglichkeit. (Vom Essen ganz zu schweigen)  (Und am Ende meinten alle auch noch dass wir sowas eigentlich öfter machen sollten….ähm, nein, lieber nicht.) Mir fehlt im Moment wirklich die Kraft für solche Sachen. Die brauche ich für andere Dinge. Atmen zum Beispiel. 

Jetzt will ich nur noch schlafen. Und das bitte bitte bitte bevor meine Gedanken wieder so richtig loslegen können. 

„Spontan“ kann ich nicht.

Vor knapp einer Stunde rief meine Großtante an. Ob wir heute Abend nicht spontan zum grillen rüberkommen wollen. Und zack, der Stress-Schalter wurde umgelegt. Anziehen schminken. Begleitet von den Gedanken : Was kann ich essen? Wie viel muss ich essen um nicht unhöflich zu wirken? Wer wird sonst noch da sein? Nur Familie? Wird meine Großcousine da sein? (Superlieb, aber Psychologin was mich in ihrer Gegenwart zutiefst nervös und unsicher sein lässt.) Werde ich viel reden müssen? Hoffentlich fragt mich niemand irgendwas. Hoffentlich kann ich bald wieder nachhause. Ich hasse es. Ich habe praktisch keine Zeit mich auf das vorzubereiten. Ich kann spontan einfach nicht.  Mal ganz davon abgesehen wie scheiße ich heute wieder aussehe. Fett, hässlich, meine Wimpern wollten wie immer nicht so wie ich, die Haut vom heulen eine Katastrophe, usw. Als ob der Tag nicht ohne all das schon scheiße genug gewesen wäre…Jetzt auch noch sowas wie soziale Interaktionen. Und normal wirken. Lächeln. Ich will mich doch einfach nur in meinem Zimmer verkriechen…. Schnell noch 1-2 Zigaretten zur Beruhigung und Haare föhnen. Ich bin gestresst, ich habe Angst und meine Anspannung geht durch die Decke. Und auf Wiedersehen Kalorienziel, das ich heute sogar super eingehalten hätte….

Edit: Gerade ist meine Großcousine rübergekommen. Salat holen oder so. Sie ist also da :/ (ich fühle mich vermutlich auch hauptsächlich so unwohl in ihrer Nähe, weil meine Mutter immer mit ihr über mich geredet hat…Danke dafür…)

14. Juni 2017

Ich sitze im Garten auf der Terasse. In meinen Ohren dröhnt die Musik mit maximaler Lautstärke, aber immer noch nicht laut genug um die Gedanken zu übertönen. Nichts will heute helfen. Serien, YouTube, lesen, ich finde keine Ablenkung. Gerade die Küche aufgeräumt, ich hätte noch so viele andere Dinge zu tun, aber ich finde weder Energie noch Motivation dafür. Möchte durchgehend weinen, aber tagsüber darf ich das nicht. Bereits eine „große“ und eine „kleine“ Panikattacke hinter mir heute. Es ist so erschöpfend. Anspannung auf höchstem Level, ohne Aussicht auf Erleichterung. 

Ich habe noch genauf anderthalb Stunden Zeit den Kurs zu bestätigen. Ich schaffe es nicht. Beim Gedanken daran bekomme ich ein Ziehen im Magen, meine Finger fangen an zu zittern und mein ohnehin komplett verspannter Körper krampft sich noch mehr zusammen. Also werde ich es lassen. Ich wähle zwischen zwei Übeln, und ich wähle das (hoffentlich) kleinere. Und hasse mich dafür so sehr, dass ich große Kraft aufbringen muss mich nicht sofort zu schlagen. 

Ich bin so müde. Ich habe so schlecht geschlafen, ich hätte es auch ganz sein lassen können. Dementsprechend fühlen sich meine Augen und mein Kopf. In meiner linken Schläfe pocht ein Schmerz als hätte ich mir etwas sehr schweres dagegen geschlagen.  

Ich versage. Jeden Tag wieder. In allem und ohne Ausnahme. In ca. einem Monat muss ich zu meiner Hausärztin. Sie muss bestätigen dass ich aus medizinischer Sicht die Ausbildung machen kann. Ich muss anfangen mich darauf vorzubereiten. Auf die Fragen die kommen werden. Ich wurde seit einer Ewigkeit nicht mehr ernsthaft gefragt wie es mir geht. Ich muss vollkommen überzeugend sein (und das ist bei dieser Frau alles andere als leicht). Ich hoffe sie fragt nicht näher nach, auch wegen Tabletten und so. Ich bezweifle dass sie begeistert ist wenn sie hört dass ich nichts mehr nehme. Ich bin so froh wenn ich das auch hinter mir habe. Aber bis dahin muss noch viel Zeit vergehen. Die ich vollkommen unbeschadet überstehen muss. 

Bis zum 24. Juni muss ich ein Geburtstagsgeschenk für K. finden. Stress-Level 1000. Ich kann sowas einfach nicht. Ich bin nicht kreativ und nichts. Und bei allem habe ich Angst dass es ihr nicht gefallen könnte. Ich schenke Menschen gerne etwas, gebe auch gerne mal etwas mehr Geld aus, freue mich darüber wenn sie sich freuen, aber ich muss zu 100% wissen, sonst ist es ne Katastrophe. Wieder etwas worin ich scheiße bin. Aber naja, gibt ja auch nichts wo ich das nicht wäre.

Heute Nacht will ich schlafen. Tief und nach Möglichkeit traumlos. Heute Abend kann ich auch was dafür nehmen. Morgen früh sind meine Eltern wieder da und ich muss nicht aufstehen, also ist alles drin. Aber vorher muss ich noch viel schaffen. Mit den Hunden raus, nach dem gemeinsamen Abendessen mit Oma besagtes Essen auch drinbehalten, und im Bestfall noch Bad aufräumen und meinen Kleiderschrank ausmisten (falls ich das nicht schaffe darf ich mir von Mama wieder fein was anhören von wegen ich hab dich vor 5 Tagen drum gebeten dass du das in der Zeit machst usw. , und sie hat ja Recht, gerade den Schrank schiebe ich schon seit Ewigkeiten vor mir her….)

Auf die Waage trau ich mich schon seit ner Woche nicht mehr. Ich denke die gestiegene Zahl würde ich im Moment nicht verkraften. Die nächsten Tage muss ich mal schauen dass ich wieder unter 500 kcal bleibe, und Sport machen egal ob das Bein noch weh tut. Ist schon eine Schande wie ich aussehe. 

Meine Cousine stand heute völlig unerwartet mitsamt Kind vor der Tür. Bin froh dass Oma mit ihr zu sich rüber gegangen ist. Ich habe weder die Kraft noch die Nerven für derartigen sozialen Kontakt. Außerdem bin ich wütend auf sie. Sie meldet sich nie bei uns, und nicht mal zu Opas Beerdigung ist sie gekommen weil sie „niemanden fürs Kind gefunden hat“ (Ausrede, ihrem eigenen Vater traut sie nicht zu mal 2 Stunden auf nen 3 Jährigen aufzupassen und der Familie von ihrem Mann war alles andere wichtiger, aber auf hoch christlich machen immer inklusive Bibel-Sprüchen und allem ne -.- und bei Oma hat sie sich erst gemeldet nachdem meine Mutter meiner Tante das beim großen Streit vorgeworfen hat als sie behauptet hat wir würden sie alle nicht mögen. Sorry aber ich habe kein Verständnis dafür. 

Außerdem reden sie vielleicht über Opa. Und ich hasse es. Ich komm damit nicht klar, will die Geschichte nicht zum 100. Mal neu aufrollen. Es ist schwer genug zu ertragen wenn Oma von ihm redet. Ich will nicht darüber nachdenken, will den Schmerz nicht fühlen müssen. 

Ich sollte jetzt meinen fetten Arsch hochbekommen und was tun. Aber ich finde keinerlei Energie in mir. Aber ich muss. Irgendwie. Funktionieren. Das Wort das meinen Lebensinhalt, meinen Lebenszweck beschreibt. 

Gerade rauscht „We Won’t Stop Dreaming“ in meine Ohren. Das Lied könnte nicht weniger passen. Ich habe schon vor sehr langer Zeit aufgehört wirklich zu träumen. 

Edit: haha dachte ich könnte noch versuchen mich mit meinem Bullet-Journal abzulenken. Aber nein, ich kann weder richtig schreiben noch zeichnen weil meine Hände zu stark zittern. Ganz toll…

13. Juni 2017

Ich sitze im Bett. Nachdem ich 2 Stunden brauchte um das Weinen unter Kontrolle zu bringen. Nachdem ich mich nach 2 Stunden vom Boden lösen konnte, wacklig aufstehen konnte. Ich sehe schlimm aus. Die Augen rot und geschwollen und brennen. Verschnupft. Halsschmerzen vom kotzen und weinen. Kopfschmerzen. Der ganze Körper schmerzt. Vor allem der Rücken. Von der Anspannung, dem verkrampft auf dem harten Boden liegen. Total am Ende. Jetzt bin ich leer. Als wäre nichts mehr in mir übrig. Irgendwie auch geistig  nur so halb anwesend. Allein.

Die letzte Nacht kaum geschlafen. Den Tag über funktioniert. Geduscht. Geschirr gewaschen, Blumen gegossen. Hunde versorgt und mit ihnen rausgegangen. Mehr hab ich nicht geschafft. Sollte mein Bad aufräumen, Schrank aussortieren und und und. Kriegs nicht hin. Bin so wütend auf mich. Das muss heute besser werden.

Habe mich überwunden und mal ins Uni-Email-Postfach geschaut. Muss bis 14.06. um 18 Uhr ne E-Mail schicken um für den einen Kurs die Teilnahme zu bestätigen. Bin ratlos. Alles in mir schreit „Nein!“. Ich will nicht. Ich kann nicht. Aber wie sollte ich das erklären? Das gäbe nur Streit. Ich habe keine Argumente zu bieten. Ich kann ja schlecht sagen dass ich nicht mehr kann. Darf die Maske gegenüber der Familie nicht verlieren.

Es ist so schwer immer stark sein zu müssen. Immer lügen zu müssen. Immer gut drauf, gesund und „normal“ wirken zu müssen. Das verstärkt das Gefühl komplett allein zu sein. Mit niemandem reden können. Niemanden der zuhört. Vielleicht sogar ein bisschen versteht. Der mir das Gefühl gibt nicht völlig alleine dazustehen. Mit all dem Schmerz, der Realität, der Angst und Verzweiflung. Da wünscht man sich sogar ein paar gut gemeinte Lügen. Jemanden der mir z.B. sagt dass es ok ist dass ich für meine Familie eine gewaltige Enttäuschung bin. Dass es ok ist dass sie nie auf meiner Hochzeit tanzen werden. Nie Enkelkinder haben werden. Dass ich in meinem Leben nichts erreiche.

Ein Teil in mir ist so verzweifelt dass er sich sogar die Tabletten zurückwünscht. In der verzweifelten Hoffnung dass es leichter würde. Aber das ist unmöglich. Also verwerfe ich das am besten gleich wieder.

Ich habe Angst das Licht auszumachen. Das Hörbuch zu pausieren und Kopfhörer, Handy und Laptop wegzulegen. Angst vor den Gedanken die dann wieder auf mich einströmen, gegen die ich machtlos bin. Die harten Fakten die mir ohne Ablenkung pausenlos durch den Kopf gehen. Angst vor den Tränen die dann wieder kommen. Ich will nur schlafen. Traumlos und ruhig. Zu viel verlangt? Anscheinend.

22. Mai 2017

Mir geht es nicht gut. Und wenn man es genauer betrachtet befinde ich mich immer noch in einer Abwärtsspirale. Komme nicht raus. Fühle mich hilflos. Schwach. Versage. Immer.

Abnehmen läuft. Sehr langsam, (zu langsam für meinen Geschmack), aber wenigstens trete ich nicht immer noch auf der Stelle. Ich habe Kontrolle. Keine FA oder ähnliches. Aber trotzdem ist essen furchtbar geworden. Ich hasse jeden Bissen. Und fühle mich danach schlecht. Obwohl ich mit einem durchschnittlichen Maximum von 900 kcal eigentlich gut im Rahmen liege. Die meiste Zeit liege ich ja eher drunter. Ich bin immer noch unbeschreiblich fett.

Das wurde mir heute wieder richtig ins Gesicht geklatscht. Klamotten kaufen mit Mama und Oma. Es war eine Katastrophe wie ich davor bereits befürchtet hatte. Auf dem Heimweg im Auto nur noch mit den Tränen gekämpft. Da hat auch die neue Michael Kors Tasche nicht mehr getröstet.  Habe jetzt 2 alte Kleider ausm Kleiderschrank gewühlt die noch so einigermaßen passen. Denn am Samstag heiratet mein Großcousin. Und ich bin jetzt schon am verzweifeln. Fast einen ganzen Tag lang einen auf „ist das Leben nicht super“ machen. Und dann deren ganze Freunde. Kenne nur wenige und die sind garantiert nicht meine Wahl wenn ich entscheiden müsste mit wem ich Zeit verbringen würde. Null meine Wellenlänge und eher die Sorte die immer über andere lästert. Ich weiß jetzt schon dass ich jede Sekunde dieses Tages hassen werde. Früher in der Therapie meinte Frau Thera immer ich müsste lernen mich solchen Situationen zu entziehen die mich stressen oder mir nicht gut tun. Tja, hab ich in all den Jahren immer noch nicht gelernt.  Dazu kommt dass ich meinen Cardigan zuhause liegen gelassen hatte. Die Blicke waren….naja, sagen wir sehr unangenehm. Ich finde es ja immer wieder interessant dass vor allem die jungen Leute starren und reden. Man könnte meinen die wären aufgeklärter oder so. Aber die sind immer die schlimmsten.

Ich war die ganzen letzten Tage schon mies drauf, aber nach heute ist es nochmal schlimmer. Das Schlimme ist dass ich nichts tun kann. Ich kann mich nicht selbst bestrafen, ich kann nicht Frustfressen. Ich habe keine Möglichkeit zu kompensieren. Und das führt leider dazu dass ich immer wieder (wenn alles wieder einen Höhepunkt erreicht) alles an meinem Umfeld auslasse. Das ist unfair und danach hasse ich mich noch mehr, aber ich kann es nicht abstellen.

Heute sollte ich eigentlich noch Sport machen. Aber durch das einkaufen und den Frust bin ich mental wie körperlich komplett erschöpft. Würde am liebsten jetzt schon ins Bett aber dann macht Oma sich Sorgen und das will ich nicht. Also noch irgendwie Zeit totschlagen. Ist nur schwer weil ich so schlecht drauf bin dass nichts mich irgendwie ablenkt. Eigentlich nervt mich nur alles…

09. Mai 2017

Alltag ist in den letzten Wochen zuhause eingekehrt. Aber nichts ist mehr wie zuvor. Oma ist jetzt sehr oft bei uns. Am Wochenende gibt es gemeinsames Frühstück und Mittagessen, unter der Woche Kaffeetrinken, Abendessen, und nochmal spätabends zusammensitzen. Ich lasse keine Sekunde davon aus. Ich bereue nicht früher die Wichtigkeit von diesen Dingen erkannt zu haben. Ich habe noch stärkere Verlustängste als früher….Der ganze Papierkram, und jetzt das Aussortieren von seinen Sachen….das ist sehr schmerzhaft. Ich habe ein paar T-Shirts und seinen Vereins-Trainingsanzug bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Sachen anzuhaben. Ein Stück von ihm bei mir zu haben. Er hat 2 so Sammelalben für mich geführt. Mit Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern. Als Oma mir die gegeben hat….es hat so unglaublich weh getan. Ich konnte nur noch heulen. Ich weiß noch wie ich meiner Mutter gesagt habe dass ich das nicht will, dass ich ihn wiederhaben will. Mittlerweile kann ich es zumindest ansehen. Aber er fehlt. Wenn wir bei Oma am Tisch sitzen, ist der Platz rechts von mir leer. Seit ich mich erinnern kann saß er immer da neben mir. Und jetzt nicht mehr. Oft habe ich immer noch das Gefühl dass er gleich wiederkommt. Wenn Oma abends bei uns ist und ich sehe beim rauchen drüben in ihrem Wohnzimmer Licht brennen, fühlt es sich einen Moment so an als wäre er dort. Bis mir wieder einfällt dass er nie wieder dort in seinem Sessel sitzen wird…Er fehlt mir so sehr. Aber nichts davon dringt mehr durch meine Maske. Ich bin die glückliche Tochter um die sich niemand Sorgen zu machen braucht. Die haben auch so schon genug um die Ohren da brauchen sie nicht auch noch mich die rumheult.

Ich schaffe es seit ca. einer Woche mich nicht mehr in den Schlaf weinen zu müssen. Das ist wenigstens etwas. Und auch sonst hab ich alles im Griff. Wortwörtlich. Es hat vielleicht 2 Tage gedauert nachdem ich beschlossen habe das Abnehmen an erste Priorität zu setzen. 2 Tage bevor ich komplett zurückgefallen bin in die alten Verhaltensmuster. Alles wird gewogen, alles wird schriftlich festgehalten. Viel Bewegung, 6 Tage die Woche täglich ein kleines Sportprogramm. Es fällt mir nicht im gerinstens schwer. Kontrolle und hungern hat das Trost-Essen als Kompensation komplett ersetzt.  Und auch sonst wird alles geplant. Das Witzige ist dass meine Eltern das früher komplett gehasst haben wenn ich Kalorien Fett etc. gezählt und dokumentiert habe. Jetzt findet meine Mutter es gut und hilft mir sogar beim abwiegen. Find ich gut, das macht es mir sehr viel leichter. Nichts davon heimlich machen zu müssen ist sehr entspannt. Klar, ne fette hässliche Tochter zu haben ist scheiße. Früher war ich wenigstens nur hässlich.  Hoffentlich muss sie sich in ein paar Monaten nicht mehr für mich schämen….

Wenn ich mich nicht gerade bewege oder mein Essen abwiege, läuft ständig irgendetwas. Ablenkung ist wichtig. Ruhe und Stille kann ich nicht ertragen. Alles, bloß nicht mit mir und meinen Gedanken allein sein.

Mittlerweile bin ich was „rausgehen“ betrifft wohl in der schlimmsten Phase meines Lebens angekommen. Ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus wenn es nicht unbedint sein muss. Mit den Hunden rausgehen ist die pure Folter. Die Bewegung an sich finde ich super, aber dass ich dafür das Haus verlassen muss, von Menschen gesehen werden könnte, das ist reinste Qual. Menschliche Interaktion außerhalb meiner Familie? Findet fast gar nicht mehr statt. Vielleicht beim Französisch-Treffen alle paar Wochen, bei ner minimalen Whatsapp Unterhaltung ein Mal die Woche, oder gezwungenermaßen wenn irgendwas beim Verein ist. Ansonsten nichts. Und mich überfordert das schon im Moment. Vor allem direkt, also wenn mich Menschen sehen können. Das ist wahnsinnig anstrengend. Ich kriege jetzt schon Panik wenn ich daran denke dass ich im Juni mindestens 1 Mal die Woche in die Uni muss. Angst.Angst.Angst.

Es gibt kaum noch Momente in denen ich mich „gut“ fühle. Oder wenigstens ok. Eigentlich ist alles nur grau, kalt und leer. Ich existiere von einem Tag zum nächsten. Schlafe so lange wie möglich damit der Tag schneller vorbei ist. Wenn ich objektiv und ehrlich zu mir selbst bin (das fällt verdammt schwer) muss ich zugeben dass ich stark depressiv bin. Sterben will ich nicht mehr. Der Tod ist mein Feind geworden. Er bringt nichts als Schmerz für die die zurückbleiben. Aber das ist auch schon alles….

Ich muss das bis September irgendwie wieder auf die Reihe kriegen. Funktionieren und Listen und Vorsätze abarbeiten ist schön und gut, aber Depression, Angst und Panik sind keine guten Begleiter für den Start der Ausbildung. Das muss besser werden. Leider habe ich keine Ahnung wie ich das anstellen soll….