14. November 2017

Ich sitze im zum Glück noch leeren EDV Raum. Kaffee vor mir, aber der wirds auch nicht mehr rausreißen. Eine extrem unruhige Nacht voller Alpträume und Tränen hat ihre Spuren hinterlassen.

Ich versage. Jeden Tag aufs neue. Ich habe panische Angst vor morgen. Ich will nicht mehr leben. Und meine Tante hat Krebs. Es ist alles so im arsch….

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10. November 2017

Wieder sitze ich im Zug. Da er erst in 43 Minuten überhaupt losfährt, ist es noch leer und ruhig. Ich bin erschöpft. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Denken fällt schwer, ich habe heute morgen im Bad locker doppelt so lange gebraucht wie sonst, weil ich ständig nur dumm rumstand weil ich nicht mehr wusste was ich als nächstes machen wollte/sollte. Dementsprechend anstrengend war es heute dem Unterricht zu folgen, sogar in englisch, was ja in der Regel überhaupt kein Problem für mich darstellt.  

Das alles dank letzter Nacht. Die war im Vergleich zu den sonstigen katastrophalen Nächten nochmal wesentlich schlimmer. Ich konnte ca. 3 Stunden schlafen, aber im Nachhinein wünschte ich es wäre anders gewesen. Ich bin alle halbe Stunde aufgewacht, hatte einen Alptraum (interessanterweise sogar ausschließlich die Ausbildung betreffend) nach dem anderen. 

Ich sehe schrecklich aus. Augenringe, geschwollene, rote Augen (beides konnte ich nicht abdecken da der Bereich einfach nur weh tut sobald ich irgendwie nur in die Nähe davon komme), ich bin blass, was sich dank Foundation und Puder relativ gut kaschieren lässt. Vorhin erst würde mir gesagt ich sähe müde aus. Tja.

Und mein Körper ist nicht gut auf mich zu sprechen. Treppen stellen eine enorme Herausforderung dar, ich spüre meinen Herzschlag durchgehend unangenehm stark in der Brust, und mir ist die ganze Zeit schlecht. 

Heute werden Tabletten genommen. Und zwar ne höhere Dosis. Ich brauche Schlaf, und das dringend. Morgen bin ich den ganzen Tag allein zuhause, da kann ich für nächste Woche eh nicht üben, also kann ich auch schlafen bzw. rumgammeln, da ist ein Überhang also kein Problem. 

Ich habe heute in meiner Berzweiflung eine Lehrerin, die zur Zeit auch kommissarisch die Schulleitung hat, gefragt, ob ich überhaupt eine Chance habe das auszugleichen wenn ich in den 2 Schulaufgaben (gestern und nächste Woche) so versagt habe. Ihre Antwort war nicht hilfreich. Sie ist genau wie alle anderen. Glaubt ich würde das alles schaffen. Sie meinte sie sähe bei mir da gar keine Probleme, und ich solle doch erstmal abwarten bevor ich mir da so einen Kopf mache. Ja danke auch. Das war weder die Antwort auf meine eigentliche Frage noch hat sie recht. Denn das gestern war definitiv absolut verkackt und das nächste Woche pack ich allein nervlich schon gar nicht, wie soll ich da fachlich noch was raushauen? Aber das konnte ich j auch schlecht sagen… also habe ich nur genickt und mich bedankt und bin wieder gegangen.

Mein Laptop ist jetzt seit bestimmt 3/4 Wochen weg. Und wie ich ja auch erfahren habe nicht mehr zu reparieren. Also schon, aber für 1000 € bekomme ich zum jetzigen Zeitpunkt einen gleichwertigen Neuen. Papa wollte es eigentlich jetzt am wochenende mit mir angehen und einen raussuchen. Es ist einfach echt blöd nur mit Handy und IPad, und an den PC im Büro geh ich nicht gerne…ich vermisse ihn. Damit irgendwo rumzugammeln und irgendwas anzuschauen oder einfach war zu spielen. Wenn ich was für die Schule schreiben muss geht das auch nur am PC im Büro. Es ist einfach nervig… und irgendwie merke ich schon dass mir das zocken als Ablenkung fehlt. Klar hab ich noch andere Systeme von Nintendo usw. aber wie es immer so schön ist: man ist nur an dem interessiert was man nicht haben kann. 

Jetzt werde ich mich weiter meinem Buch widmen. Bei meinen kognitiven Einschränkungen momentan fühlt es sich an als würde ich im Schneckentempo lesen. Aber immerhin bin ich dann beschäftigt und muss nicht nachdenken.

09. November 2017

In einem viel zu warmen Zug stehen müssen ist mit starken Kreislaufproblemen, Erkältung, knapp einer Stunde Schlaf und mit Angst wirklich nicht lustig. Aber wenn man es bedenkt, passend. War klar dass der heutige Tag genauso mies anfängt wie der letzte geendet hat. Oh Gott, Wir fahren erst 6 Minuten und ich muss schon husten. Ich hasse vor anderen husten. Ich kann das nicht. Ich kann das nicht schaffen. Ja, wirklich ein sehr passender Start in diesen Tag. 

08. November 2017

Ich sitze im Zug und warte darauf dass er irgendwann losfährt und mich nachhause bringt. Einfach weil es ein Teil des alltäglichen Rhythmus ist. Und nicht weil ich nachhause möchte. Eigentlich ist es völlig egal wo ich mich aufhalte. Es ist alles ein einziger Schmerz. Mein Absturz hat begonnen. Heute versagt, morgen werde ich sowas von versagen, und das nächste Woche brauch ich’s doch nicht mal zu versuchen.  Es bringt doch nichts. Wie dumm ich war zu glauben, zu hoffen es schaffen zu können. Es bleibt dabei, ich werde niemals irgendetwas schaffen/erreichen. Ich bin eine einzige Verschwendung:  Zeit, Platz, Nahrung, Geld, Luft.  Ich möchte nur noch sterben. Nichts mehr fühlen, nicht diesen ständigen Schmerz, das ständige Versagen. 

Meine Unterlippe ist zerbissen und blutet. Es reicht nicht. Nicht im geringsten. Vielleicht heute Abend. Beine. Sieht ja eh niemand. Scheiß auf 498 Tage ohne SV. Es bedeutet nichts. Nur Qual. Aushalten. Kontrolle. Und was bringt es mir? Nichts. Es ändert nichts an dem was ich bin. Ich bin trotzdem nicht normal. Ich bin immer noch die dumme, dreckige, kaputte und gestörte N. die ich schon immer war. Die keinen Platz in dieser Welt hat. Weil sie es nicht geschissen kriegt. 

Letzte Nacht nicht mal 2 Stunden Schlaf zusammenbekommen. Dafür geheult. Ich will nicht wissen wie sehr sich das heute noch steigert. Obwohl, vielleicht bin ich mach dem schneiden ruhiger, vielleicht könnte ich schlafen. Haha, wers glaubt. 

Jeden Tag kotzen. Mehrmals. Totaler Rückfall. Es ist eklig, es ist erbärmlich und ich hasse mich dafür, aber ich kann nicht anders. Ich nehme nur noch Nahrung zu mir die „leicht wieder rauszukriegen ist“. Ich warte nur darauf. Es ist mir teilweise sogar egal ob meine Eltern es mitbekommen könnten. Sollen sie mich ruhig mal sehen wie ich wirklich bin, für was sie sich den Arsch aufreißen. Vielleicht werden sie dann begreifen dass ich es nicht wert bin, und sich abwenden. Dann wäre ich frei….und könnte allem endlich ein Ende setzen…

Edit: nichts mit schneiden. Ich hab keine Kraft mehr. Ich muss mich jetzt ne Stunde hinlegen bevor ich lerne. Nicht mal um zu schlafen, sondern aus dem simplen Grund dass ich nicht mehr weiß wie ich noch sitzen/stehen/gehen soll. Mein oberer Rücken ist duechgehend verkrampft und langsam wird es wirklich gemein. Dazu kommt die Erkältung, ich friere selbst mit mehreren Schichten Kleidung und dicker Decke plus zusätzlichem Heizlüfter. Vorhin wieder dieses unkontrollierbare zittern am ganzen Körper gehabt. Ich hasse es…. alles.

25. Oktober 2017

Ich bin wirklich am Ende. Aber da ich, schlau wie ich bin, heute Abend aufm Sofa eingeschlafen bin und 1,5 Stunden geschlafen habe bin ich jetzt natürlich wach. Und muss nachdenken. Ob ich will oder nicht…

Der Tag verlief…ok. Von der Sozialkunde Kurzarbeit hab ich ein komisches Gefühl, ich hoffe mal ich hab es nicht zu sehr verkackt. Aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, weder beim Versuch zu lernen noch während der Arbeit. Mal sehen. Das zieht sich jetzt wieder ganz schön hin mit den Ferien nächste Woche. Danach war alles relativ unspektakulär. Bis dann PA kam. Tja. Mal ganz abgesehen davon dass ich mich in ihrer Nähe nach wie vor nicht wohlfühle und ich sie kaum ansehen kann weil es mir so peinlich ist, lief es gar nicht mal schlecht. Ich hab meine Verbände relativ gut hinbekommen. Und dann? Dann nimmt sie mich um was zu demonstrieren. Na gut, Handverband, meint man das ginge noch. Falsch. Denn der Ärmel wird doch relativ weit vom Handgelenk weggeschoben. D.h. ich saß da mit „halb nacktem“ Unterarm und alle stehen um mich rum und schauen zu. Da hats mir ja schon wieder gereicht, aber auch das habe ich überstanden. Und dann fällt ihr ein wie sie auch noch den letzten Rest meiner Ferien ruinieren kann. Nämlich indem sie uns sagt was genau bei der praktischen Schulaufgabe drankommen wird. Und noch viel schlimmer – wie es ablaufen wird. Fälle und Partner werden gelost. D.h. ich habe keine Ahnung für wen ich letztendlich Patient spielen muss. Ich habe mich gerade so langsam an D. gewöhnt, dass sie die Arme sieht und „berührt“. Aber jemand anderes? Mein Herz fing schon während sie uns das alles gesagt hat an zu rasen, und jetzt hat es sich in mein Gehirn verpflanzt und will nicht mehr weggehen. Mir wird schlecht wenn ich daran denke. Und ich kann gar nicht anders. Egal was ich mache, es kommt immer und immer wieder… Ich bin erbärmlich, wie ich mich wegen so etwas anstelle, das weiß ich. Und ich weiß auch dass ich mir das selbst zuzuschreiben habe. Aber das ändert auch nichts. Es wird in jedem Fall eine Katastrophe. Und das allein schon beim „Patient spielen“. Selber dran zu sein wird ja auch nochmal Stress pur. 

Morgen, bzw. nein, es ist ja schon wieder halb eins, also heute, schreiben wir noch Fachrechnen. Meine einzige Sorge diesbezüglich ist wirklich dass ich mich nicht konzentrieren kann, rein vom Stoff her ist es ein Witz. Zumindest für jemanden wie mich der Mathe auch im Studium hatte….

Ich bin gespannt wie lange ich heute brauche um zu schlafen. Ich will mich nicht beschäftigen, denn ich brauche den Schlaf zu dringend. Also hinlegen, Augen zu und versuchen mich zum schlafen zu zwingen. Mir graut es vor den Gedanken die kommen werden. Dem hilflos ausgeliefert zu sein. Mir graut es vor den Tränen, die sich ganz sicher nicht mehr zurückhalten lassen. Ich habe Angst vor der Angst, dem Schmerz und der Verzweiflung.

Hinter meiner Stirn fängt es an schmerzhaft zu pochen. Habe mich eh schon gefragt wie lange ich das alles noch ohne Kopfschmerzen aushalten darf. Aber es wundert mich ja nicht. Kaum bis gar kein Schlaf, 300 kcal insgesamt und normaler Alltag in Kombination bringen sowas in der Regel mit sich…

Ein bisschen Ruhe wäre schön.

Ich habe nicht geschlafen. Stattdessen hab ich alles für die Kurzarbeit am Mittwoch zusammengeschrieben und ansonsten nichts gemacht. Obwohl, doch. Ich habe gefroren. Ich habe gezittert. Obwohl das Wort dafür eigentlich viel zu klein ist. Ich lag zusammengekrümmt unter der Decke und es hat mich nur noch geschüttelt, ohne Kontrolle darüber. Als ich endlich aufstehen durfte hab ich mich erst mal in die Dusche geschleppt, und war erstaunt wie heiß ich das Wasser aufdrehen musste um endlich ein bisschen Wärme zu spüren. Wie ich es vom warmen Wasser letztendlich wieder weggeschafft habe ist mir selbst nicht klar, ich weiß dass es mich einige Minuten und Disziplin gekostet hat. Dann noch auf die Waage, 700 Gramm weniger. Nicht schlecht, damit kann man arbeiten. 

Jetzt sitze ich hier im Zug, versuche das unangenehm starke und „komische“ Schlagen meines Herzes und die Übelkeit die mich seit ein paar Stunden nervt zu ignorieren, und bereite mich mental auf den Tag vor. Der wird nicht lustig.

Scheiß auf weniger rauchen, ich hab die Zigaretten jetzt wieder dabei. Ich entscheide mich eher für die Entspannung und Beruhigung die sie mir geben als für irgendeinen Gesundheitsscheiß der mir nichts bringt weil ich eh nicht lang genug lebe. 

Nächste Woche sind Ferien. Und das einzige Wort was mir dabei sofort in den Kopf schießt ist Ruhe. Eine Woche lang nicht wegmüssen, nicht ordentlich zurechtgemacht aus dem Haus gehen müssen obwohl man sich fühlt wie eine Leiche. Keine sozialen Interaktionen jeden Tag. Einfach nur Ruhe. Ich würde viel dafür geben die jetzt schon zu haben…zuhause einfach im warmen liegen zu können, ohne Spange in den Haaren, ohne Jeans und nettes Oberteil, einfach nur Ruhe….

23. Oktober 2017

Der Tag war ok. Zu meiner großen Überraschung nach nicht mal 2 Stunden Schlaf. Habe alles gut rumgekriegt, in der Kurzarbeit, die er gleich korrigiert hat, eine 1,0 (was für ne Leistung bei Sachen die ich in der Schule früher eh schon hatte…) und ich hatte weder Kopfschmerzen noch riesige Stimmungsschwankungen. Meinen müden/toten Punkt hatte ich im Zug auf dem Weg nachhause und ich habe die Gelegenheit genutzt und die 50 Minuten ein bisschen gedöst.

Jetzt liege ich im Bett. Mit der Gewissheit dass auch heute der Schlaf noch lange auf sich warten lassen wird. Aber ich habe vorgesorgt. Ich habe keine Lust mehr mich Stunde für Stunde zu quälen, mir selbst ausgeliefert zu sein und mich dafür zu hassen nicht schlafen zu können. Meine Unterlagen liegen alle auf dem Schreibtisch und warten auf mich. Sobald ich einigermaßen sicher sein kann dass alle schlafen werde ich lernen bis ich bereit bin zu schlafen. Dann hab ich die Zeit wenigstens sinnvoll genutzt.

Meine Eltern nerven gerade so sehr. Ständig reden sie davon dass ich zu wenig schlafe (haha wenn die wüssten) und meine Mutter hat die letzten Tage begonnen mir ständig zu sagen dass ich zu wenig esse. Ja was denn, entscheide dich doch bitte mal gute Frau. Erst wollen dass ich abnehme, mich immer wieder dafür loben und auf einmal passts dann doch wieder nicht?! Ätzend….Und es bringt ihr sowieso nichts. Ich alleine entscheide wann ich was und wie viel esse. Und im Moment steht das eh nicht groß zur Debatte da ich absolut keinen Appetit habe.

Morgen wird ein sehr langer Tag, mit überwiegend weniger fordernden Fächern und, um den Tag perfekt abzurunden, die Lehrerin in den letzten 2 Stunden. Hab sie heute schon gesehen und hätte mich am liebsten in den Pflanzen vom Eingangsbereich versteckt. Ein tolles Gefühl….nicht. Wird bestimmt lustig morgen…..

Den Gedanken mit der E-Mail an Frau ehemalige Therapeutin habe ich verworfen. Ist doch eh egal. Es stresst mich unnötig und sie hat es mit Sicherheit sowieso vergessen.  

Alles in allem und für meine Verhältnisse ein Tag den man nur als ok bezeichnen kann. Einigermaßen ruhig. 

21. Oktober 2017

Die Tabletten gestern Abend haben ihren Job gemacht und mir 10 wundervolle Stunden Schlaf geschenkt. Aber leider war ich auch mehr als den halben Tag heute unglaublich müde und extrem unmotiviert. Da ich aber sehr lange mit Mama draußen und shoppen war hat es nicht viel kaputt gemacht.  Heute Abend gibt es die Option Tabletten aber nicht. Morgen ist der Tag verplant. Und zwar von morgens bis abends lernen. Da kann ich nicht den kleinsten Überhang brauchen, denn der ist ehrlich gesagt schlimmer als gar keinen Schlaf bekommen zu haben. Eigentlich ja total unlogisch. Aber unlogisch passt ja wiederum sehr gut zu mir, meinem Leben und meinem Körper. 

Apropos Körper. An die Rückenschmerzen werde ich mich wahrscheinlich wohl oder übel gewöhnen müssen. Und ich weiß nicht warum, was ich heute gemacht habe, aber der Bereich am Hals wo die Narbe von der OP ist zieht seit heute Abend extrem unangenehm wenn ich den Kopf bewege. Aber klar, warum auch nicht. Alles um mein Leben noch ein bisschen unangenehmer zu machen scheint meinem Körper sofort willkommen zu sein. Genauso wie der „Ausschlag“. Tut nichts, ist einfach nur da, vermutlich auch nur um mich zu stressen. Mama hat mir heute 2 Salben aus der Apotheke geholt. Bringen doch vermutlich auch nichts. Die meinten ansonsten könnte man noch Bepanthen ausprobieren. Mal schauen. Es ist einfach nur nervig.

J. hat heute Geburtstag. Habe ihm geschrieben und gratuliert, alles was zurückkam war ein „Danke“. Ich glaube es war ein Fehler ihm zu schreiben. Die letzten Versuche waren ja auch schon sinnlos. Ich glaube er will einfach rein gar nichts mehr von mir wissen, und mal ehrlich, wer kann es ihm verdenken….ich finde es eh jedes Mal aufs neue erstaunlich wenn Menschen mit mir reden oder freiwillig Zeit mit mir verbringen möchten. Ich an deren Stelle würde das ja nicht wollen. 

Wochenende. Ich finds doof. Heute Morgen ist es mir schon beim aufstehen bewusst geworden. Ich hatte keinen wirklichen Grund, keinen Plan, keine Struktur. „Klamotten kaufen gehen“ oder „lernen“ scheint nicht als Plan oder Struktur zu zählen. Also muss ich jetzt morgen noch irgendwie rumkriegen, dann hab ich wieder einen festen Rhythmus. Aufstehen, Zug, Schule, Zug, lernen und dann wieder ins Bett. Wer hätte das jemals ahnen können, ich freue mich auf Montag. Obwohl wir die Kurzarbeit schreiben, obwohl ich mich immer noch in Grund und Boden schäme, obwohl ich immer noch von Angst zerfressen werde, obwohl es anstrengend ist. Denn das ist im Moment einfach der einzige Lebensinhalt den ich habe. Funktionieren. Und das geht an Wochentagen am besten.

Die Spannung steigt jetzt. Werde ich schlafen können? Wie lange werde ich schlafen können? 

20. Oktober 2017

Langsam aber sicher stoße ich an eine absolute Grenze. Letzte Nacht hab ich um 02:40 Uhr das letzte mal auf die Uhr geschaut, 65 Minuten später hat mich mein Wecker dann unsanft aus dem Schlaf gerissen, 45 Minuten früher als sonst weil ich duschen musste und auch noch allein zuhause war sprich Kaffee machen Hunde versorgen und alles was sonst halt noch so anfällt selbst machen musste. Und die Zeit hab ich dann auch dringend gebraucht. Also wenns hochkommt eine knappe Stunde geschlafen. 

Meine Augen tun echt weh, und ich kann mich kaum noch konzentrieren. Meine Rückenmuskulatur ist so verkrampft dass ich teilweise gar nicht mehr weiß wie ich sitzen/stehen/gehen/liegen soll weil einfach jede Position weh tut. Ich war so froh dass wir heute keinen „anspruchsvollen“ Unterricht hatten. Und als ob ich mich nicht schon beschissen genug gefühlt hätte, kam dann, als wir in der Pause auf dem Gang saßen auch noch die Lehrerin von Mittwoch und fragte ob es mir besser ginge und ich geschlafen hätte. Habe ja gesagt und hätte mich am liebsten in den Teppich eingegraben. Sie ist wirklich ganz lieb und es ist ja nett dass es sie interessiert aber ich hasse es einfach nur. Ich will keine Aufmerksamkeit, ich will nur halbwegs unsichtbar sein und nicht noch mehr auffallen usw. Ich kann ihr nicht mal mehr in die Augen schauen ich schäme mich so sehr… das wird toll nächste Woche im Unterricht.

Ich brauche Schlaf. So so dringend. Vorhin wieder angefangen zu weinen weil meine nerven einfach echt nicht mehr mitmachen, letzte Nacht habe ich vor Kälte und Übermüdung so sehr gezittert dass ich sogar fast ne Schüssel und ne Tasse hätte fallen lassen, und Zähne putzen ist auch nicht wirklich einfach wenn dein ganzer Körper am Beben und zittern ist. Habe mich heute extra wärmer angezogen (bei 20 Grad) und trotzdem gefroren. Neben mir liegen schon 2 Promethazin bereit. Die werde ich jetzt gleich nehmen und beten dass sie ausreichen um mir ein paar Stunden Schlaf zu schenken. Ich kann echt nicht mehr. Ich muss jetzt am Wochenende für 3 Kurzarbeiten nächste Woche lernen zusätzlich zum allgemeinen lernen und Zusammenfassungen schreiben. Das geht halt schlecht ohne Konzentration, mit Kopfschmerzen  und wenn man nichts lesen kann weil die Buchstaben ständig vor deinen Augen verschwimmen…

In mir drin ist alles nur Schmerz. Die Angst zerfetzt mich in winzige Teilchen, die Traurigkeit/Hoffnungslosigkeit frisst sich in meine Gedanken und verdrängt auch noch die letzten, von mir mühsam zusammengekratzten positiven Gedanken. Ich stehe dauerhaft unter Spannung, bin gereizter als sonst und habe das Gefühl einfach nicht mehr richtig atmen zu können. Essen ist ganz ganz schwierig. Es hat sich irgendwie so ein Ritual entwickelt, dass Oma und ich Pizza essen wenn Mama und Papa nicht da sind. Und ich kann und will sie da auch nicht ettäuschen/ vor der Kopf stoßen. Also hab ich die Pizza irgendwie runtergewürgt. Seitdem ist mir so richtig schlecht, aber die blieb drin. Für Oma, und außerdem weil ich befürchte dass mein Körper nach bzw. während dem kotzen wohl vollends zusammengeklappt wäre. Und das fehlt mir grade noch dass meine Eltern heimkommen und ich völlig am Ende bin. Noch haben sie gar nichts gemerkt von der jetzigen Situation und das wird auch gefälligst so bleiben. Wenigstens ist es die nächsten 2 Tage komplett egal ob ich was esse oder nicht. Muss ich mir nichts runterzwingen. Ist eigentlich ja auch nur praktisch, jedes Gramm dass ich auf irgendeine Art und weise verliere ist nur ein Gewinn. 

Jetzt also Tabletten nehmen, den Kampf mit meiner Haut weiter ausfechten (Gesicht fängt echt wieder an zu zicken und der scheiß an den Armen weigert sich weiterhin beharrlich zu verschwinden) und dann mit ner Wärmflasche ins Bett. Eigentlich wollte ich den Tipp von meiner lehrerin nochmal versuchen (auch wenn es am mittwoch Abend lediglich mit meinen Rückenschmerzen geholfen hat) , sprich Magnesium und Badewanne, aber ich werds wohl beim Magnesium belassen. Ich bin zu fertig um jetzt noch baden zu gehen….

Schlimmer gehts nicht.

Wie macht man sich am besten zum absoluten Vollidioten? Ich hab einen neuen Tiefpunkt erreicht. Den Vormittag habe ich relativ gut überstanden, von Blässe, Müdigkeit und Kreislaufproblemen mal abgesehen. 

Mittagspause. Und es ging rasant abwärts. Gegen Ende, als dann die nächste Stunde anfing war ich nur noch am heulen. Und zwar buchstäblich. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen und ich konnte ums verrecken nicht mehr aufhören. Ich hab locker 50 Minuten lang durchgeheult. Meine EDV Lehrerin die wir da hatten war gnädig, nachdem sie von mir auf die Frage ob alles ok wäre ein ja bekommen hat, hat sie mich in Ruhe gelassen. Aber meine PA Lehrerin nicht. Im Stundenwechsel war ich kurz vor der Tür, und hab versucht meine Atmung und die Tränen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube A. hat mich bei ihr „verpetzt“ (nicht dass ich sauer wäre, sie meinte es bestimmt nur gut…). Sie kam raus. Tür zu. Hat mich gefragt was los sei . Hab ihr gesagt dass alles ok ist, das mit dem Schlafmangel erklärt, dass ich mich gleich wieder fange usw. Sie hat noch gefragt ob ich gegessen/getrunken habe (nein und ein bisschen) und ob ich später zuhause alleine wäre (warum sie das wissen wollte verstehe ich nicht so wirklich…) Jetzt gegen Ende hat sie nochmal gefragt obs wieder geht und gesagt ich soll heute Abend Magnesium nehmen und baden gehen damit das mit dem schlafen besser passt. 

Ich kann nicht in Worte fassen wie peinlich mir das alles ist. Am liebsten würde ich mich irgendwo vergraben. Am liebsten würde ich nie wieder da hin gehen. Y. meinte ich soll doch morgen einfach mal daheim bleiben und schlafen, aber ich kann nicht. Ich hab es heute nicht mal in der Mittagspause geschafft früher zu gehen… einen ganzen Tag verpassen? Never….Das geile ist ja, dass die jetzt im Anschluss QM haben. D.h. alle Lehrer sind da, und ich bin ziemlich sicher dass das die Runde machen wird. Ich bin so erbärmlich…

Das war ein absoluter Kontrollverlust und ich begreife nicht wie es so weit kommen konnte… habe ich meine eigenen Grenzen in der letzten Zeit derart weit überschritten? Wie konnte ich es nicht kommen sehen? Sitze im Zug, ich bin so erschöpft, meine Haut im Gesicht ist trocken und brennt.  Ich hoffe inständig dass meine Eltern nichts merken. Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht erklären….Mein Rücken schmerzt bei jeder Bewegung, ich nehme mal an ich war extrem verkrampft. Und ich kann nicht in Worte fassen wie sehr ich mich auf die Ibuprofen und die Zigaretten freue, die zuhause auf mich warten.