15. Dezember 2017

Ich dachte es wäre alles wieder schrecklich. Aber jetzt ist es nochmal so viel schlimmer geworden. Ich könnte ständig in Tränen ausbrechen, erbreche täglich zwischen 1-3 mal, und gestern hab ich mir 3 mal die Zigarette aufs Bein gedrückt. Ich zähle es nicht wirklich als SV, aber trotzdem… und was noch schlimmer ist, ich weiß dass ich nicht aufhören kann. Wenn ich heimkomme ist das erste was ich mache essen und möglichst viel Wasser gleichzeitig in mich reinkippen. Nicht mal weil ich essen will, sondern weil ich kotzen will. Weil ich muss. Weil der Druck weg muss. Weil ich weiß dass es mir schadet. Weil ich das brennen im Hals spüren muss. Ich habe einige Kilo zugenommen, das ist zwar fast nicht zu ertragen, aber im Moment kann ich es einfach nicht ändern… und ich freue mich auf heute Nachmittag. Wenn ich a) kotzen kann und b) nochmal die Zigarette auf der Haut brennen spüre. Die Blasen sind zwar etwas nervig, aber Pflaster gehen da auch…

Mein Körper ist auch richtig im Arsch. Ich merke es am Herzschlag, an den Kopfschmerzen, der extremen Müdigkeit (oder ist das einfach nur die Depression?) und an den Muskelkrämpfen. Aber es ist mir egal. Hab es eh nicht anders verdient.

Und sonst? Schule läuft, ich habe gute Noten, bin die einzige die noch nie gefehlt hat, funktioniere. Egal zu welchem Preis.

Weihnachten rückt unaufhaltsam näher. Und damit die schlimmste Zeit des Jahres. Am 24. werden es 9 Jahre. Damals hat es alles angefangen. An diesem Abend ist ein Teil von mir gestorben. Und ein weiterer Teil im Laufe der folgenden Jahre. Ich werde überwältigt von Flashbacks. Ich schaffe es kaum noch das alles aus meinen Gedanken zu verbannen. Habe vermehrt Angst-und Panikattacken, dissoziiere. Die Nächte sind besonders schlimm. Ein Albtraum jagt mich in den nächsten. Ich gehe schon mit Tränen in den Augen ins Bett, weil ich weiß was kommen wird….

Nächste Woche schreibe ich nochmal 3 Sachen. 2 davon sehr anspruchsvoll bzw. nein, es ist nicht schwierig, nur einfach viel zu lernen, und das andere muss ich mir mehr oder weniger nochmal alles selber zusammenschreiben und Infos dazu suchen, denn die neue Lehrerin ist zwar nett, aber ihren Unterricht kann man vergessen. Bin echt froh wenn Frau Dr. N. Ende Januar wieder kommt…

und Geschenke hab ich auch noch nicht. 2 davon kann ich hoffentlich noch über Amazon Prime holen, für 3 andere muss ich aber in die Stadt. Und mir wird schlecht und schwindelig wenn ich nur daran denke…

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24. November 2017

Wieder eine Woche geschafft, wie jede Woche bis Weihnachten mit 2 Arbeiten, diese Woche 2 Kurzarbeiten, eine davon hab ich bereits zurückbekommen mit 1,0. Ich sitze im Zug, habe Schmerzen (mittlerweile sowohl rechte als auch linke Hüfte, aber es ist mir egal, ich kann und will es halt nicht schonen und bewege mich trotzdem), und denke nach. Schaue aus dem Fenster, beobachte die Menschen sowohl draußen auf dem Bahnsteig, als auch hier im Zug.

Erstaunlich viele laufen mit irgendwas zu essen in der Hand rum, bzw. essen im Zug. Naja klar, ist ja auch Mittag. Und ich beneide sie in gewisser Weise. Weil sie etwas können was ich nicht kann. Sich einfach mal was zu essen kaufen und es essen. Für mich momentan absolut utopisch. Gestern kam ich auf 264 kcal, und für jede einzelne davon hasse ich mich. Heute bin ich schon bei 183, und obwohl ich weiß dass ich heute genug Zeit habe mir das wieder runterzulaufen kann ich mir das nicht verzeihen. Ich weiß dass ich essen muss, besonders morgens bevor ich aus dem Haus gehe, aber wirklich abfinden kann ich mich damit nicht. Abnehmen tu ich sowieso nicht mehr, habe diese Woche bei max. 400 kcal am Tag plus Bewegung gerade mal 1 Kilo verloren. Aber auch wenn ich weiß dass ich sowieso nicht abnehme, kann ich trotzdem nicht essen. Ich bin blockiert, habe Angst und bin wenn ich esse extrem gestresst und gereizt. Morgen „muss“ ich mit Oma auf einen Weihnachtsmarkt (ich hasse es wie die Pest, aber sie freut sich, also geh ich halt mit ihr), und sie erwartet dass wir da dann was essen. Davon hatte ich heute Nacht bereits einen Albtraum. Fantastisch.

Ich habe darüber nachgedacht wie sich das die letzten Monate so entwickelt hat. Mit diesem kompletten Rückfall in die ES. Es kam zuerst schleichend, angetrieben durch den eigenen Wunsch abzunehmen, aber auch die ständige Ermutigung durch die Familie dazu, aber seit die Schule angefangen hat, nimmt es gravierend schnell zu. Weil es der einzige Ausgleich ist den ich habe. Ich kann nicht länger tagelang depressiv im Bett rumliegen, mich in Bücher und Serien flüchten, die Nächte durch heulen, den ganzen Tag nur im Kampf mit den dunklen Gedanken verbringen. Verletzen kann ich mich ja schon lange gar nicht mehr. Und jetzt muss ich funktionieren. Und das wieder auf einem völlig neuen Level. Jeden Tag aufstehen und zur Schule gehen, sehr gute Leistungen bringen, zuhause lernen, und und und. Und nur noch so nebenbei dann eben mit der Depression, der PTBS, den Suizidgedanken und dem Verlangen nach einer SV kämpfen. Im Nachhinein betrachtet konnte das nur zu ner Verschlimmerung von irgendwas führen. In diesem Sinne sollte ich vielleicht dankbar sein dass es „nur“ das Essen ist? Ich weiß es nicht. Es ist trotzdem ja so scheiße schwer… wäre es anders gewesen wenn ich nie mit den Tabletten aufgehört hätte? Wahrscheinlich nicht.

Mein Kopf pocht und schmerzt unangenehm, meine Augen tun weh. Dabei habe ich es heute Nacht auf unglaubliche 6 Stunden Schlaf gebracht. Daran kann es also nicht liegen. Aber mein Körper ist allgemein echt im Arsch. Haut total am rumzicken, Lippen trocken und rissig egal wie viel ich sie eincreme, die Haut um die Nägel ebenfalls total empfindlich und rissig trotz Pflege. Richtig lustig alles. Nicht.

Noch 9 Minuten bis der Zug sich endlich mal in Bewegung setzt. Hoffentlich. Nicht so wie letzte Woche, als es dann hieß wir müssten noch 30 Minuten warten weil wir keinen Lockführer haben 👌🏻😒). Und zuhause dann erst noch was für N. machen damit sie endlich aufhört deswegen zu fragen, dann bewegen und darauf warten dass es Abend wird. Und ich schlafen kann.

N. ist auch so ein Thema. Sie ist ja nett, aber so langsam bringt sie mich an den Rand meiner Geduld. Es ist einfach ihrer Art, so übertrieben immer, und ständig umarmt sie mich, und das pack ich ja so gar nicht. Und irgendwie hat sie mich jetzt auch zu ihrem Kummerkasten auserwählt, der ihr sagen soll was sie machen soll um ihre Probleme zu lösen, bzw. liegt mir ständig mit dem Kerl auf den sie steht in den Ohren. Es nervt wirklich. Ich bin nicht der Typ für sowas. Also so gar nicht.

Ich habe das Wochenende fast komplett für mich allein. Eltern fahren heute weg, morgen muss ich vormittags wohin und abends eben auf den Weihnachtsmarkt, aber ansonsten bin ich allein. Nur ich. Ruhe. Einerseits freue ich mich riesig darüber, andererseits habe ich Angst was es mir auch für Möglichkeiten bietet. Wir werden sehen….

20. November 2017

Alles ist zum kotzen. Wortwörtlich. Und dementsprechend sehe ich auch aus. Blass, Haut unrein ohne Ende, etc. Wenigstens die Augenringe verschwinden relativ kurz danach immer wieder. Aber es ist echt schrecklich wie mich der gestrige Tag allein zugerichtet hat.

Und es wird nicht besser. Psychisch bin ich komplett am Ende. Kann nicht schlafen, könnte dauerhaft heulen. Aber die Maske sitzt wieder perfekt. Wenigstens etwas.

Von allen Seiten kommen sie, die Kommentare um die ich NIE bitte. „Du musst aufhören abzunehmen sonst sieht es ja nicht mehr gesund aus“, „da stehen ja schon die Knochen raus“, „willst du nichts essen?“. Es nervt mich so unendlich. Man könnte meinen ich würde nur aus Haut und Knochen bestehen. Und das ist absolut nicht wahr. Ich bin nach wie vor zu fett und mein Gewicht viel zu hoch (und das meine ich objektiv, ich bin ja nicht mal annähernd im Untergewicht oder so.) Wieso meinen immer alle sich einmischen zu können? Mache ich bei anderen doch auch nicht, ist gar nicht schwer. Mal ganz zu schweigen davon dass ich 23 Jahre alt bin und es verdammt nochmal meine Entscheidung ist was ich mit meinem Körper mache.

Ist einfach komplett die gleiche scheiße wie mit dem „du hast ja Abi und schon Erfahrungen mit studieren, du schaffst das ja alles locker mit lauter 1ern“ und „da bist du doch unterfordert“. Habe ich um diese Meinungen gebeten? Nein, habe ich nicht. Warum können mich nicht einfach alle mal in Ruhe lassen?

Wie schlecht es um meine Psyche bestellt ist habe ich vor allem heute in Naturwissenschaftliche Grundlagen zu spüren bekommen. Just for fun haben wir den Querschnitt eines Blattes mikroskopiert. Und wie schneidet man den? Richtig, mit Rasierklingen. Und ich habe echt nicht kommen sehen wie sehr es mich triggern würde. Ich kann seitdem kaum an was anderes denken. Naja, doch, aber auch nur wie ich heute auf meine Schrittzahl (gezählt wird nur zuhause) kommen und gleichzeitig noch alles für morgen lernen soll. Und meine Nägel müssen ja auch noch gemacht werden. Und Hautpflege. Und und und. Und nach jedem dieser Gedanken – KlingeKlingeKlinge, wo ich sie zuhause versteckt habe und was ich damit alles machen könnte. Scheiße.

Das wird wieder eine lange Nacht….

09. November 2017

In einem viel zu warmen Zug stehen müssen ist mit starken Kreislaufproblemen, Erkältung, knapp einer Stunde Schlaf und mit Angst wirklich nicht lustig. Aber wenn man es bedenkt, passend. War klar dass der heutige Tag genauso mies anfängt wie der letzte geendet hat. Oh Gott, Wir fahren erst 6 Minuten und ich muss schon husten. Ich hasse vor anderen husten. Ich kann das nicht. Ich kann das nicht schaffen. Ja, wirklich ein sehr passender Start in diesen Tag. 

essgestört?

Vor ein paar Tagen erst, als ich mich mit K. getroffen habe, hat sie gefragt ob ich noch eine Essstörung hätte bzw. ob ich mich selbst als essgestört bezeichnen würde. Die Antwort war relativ einfach: Nein. Und irgendwie meinte ich es auch so. Wohl das klassische Wunschdenken, oder einfach nur der Versuch mich selbst zu belügen und zu überzeugen. 

Denn gerade eben wurde mir eines wieder schmerzlich bewusst: ich stecke tief drin. Genauso tief wie früher, und wenn ich ganz ehrlich bin, dann sogar tiefer. Wie ich darauf kam? Ganz einfach: für die Lern-Nacht wollte ich noch eine Tasse Kaffee trinken. Und dumm und unfähig und widerlich wie ich bin, habe ich auch noch zu den Spekulatius von meinem Vater gegriffen. Und danach fing mein Kopf an zu rechnen, und es war klar: das geht nicht, das Zeug muss raus. Eltern liegen im Raum neben meinem Bad nur durch eine dünne Holztür getrennt im Bett und sind noch wach. Früher hätte mich das abgehalten. Jetzt war es egal. Also Föhn an und los gings. Ich habe vergessen wie widerlich ich Kaffe rückwärts schon früher fand, aber die Kombi toppt es echt nochmal. Und ich habe definitiv nicht alles rausbekommen. Die Zeit hat einfach nicht gereicht. Ich kann ja nicht ewig so tun als würde ich mir die Haare föhnen. Und was ist die Konsequenz? Ich sitze auf meinem Bett mit meinen Lernunterlagen, und kann mich nicht darauf konzentrieren weil ich heule. Weil die Kalorien jetzt in mir sind. Weil ich wieder fetter werde. 

Lange Rede kurzer Sinn: oh ja, ich habe die Essstörung wieder. Da kann ich noch so sehr versuchen mir das Gegenteil einzureden, zu behaupten es wäre nur eine kurze Phase, denn tief in mir drin weiß ich es besser. Das ist keine Phase, die enden wird. Ich werde nicht aufhören können.  Wieder „normal“ essen. (Wenn ich das jemals wirklich getan habe… ich bin ja eher so von zwischen den Extremen hin und her geschaukelt.) Ich werden nicht aufhören können, denn es geht nicht nur ums abnehmen. Ich bin wieder in die Spirale gerutscht, in der ich mit kotzen Druck abbaue, mich beruhige, mich vielleicht auch bestrafe (gerade wenn der Hals durch die Erkältung eh schon extrem angegriffen ist) . Mein kleiner Ersatz zu den Selbstverletzungen. 

Und ich kann nicht aufhören zu heulen verdammt. Und ich bin selbst schuld…wie soll ich das alles bis morgen in meinen Kopf kriegen wenn ich nur daran denken kann wie viele Kalorien mein Körper jetzt aufgenommen hat und wie das mein Gewicht jetzt beeinflussen wird, wo sie sich wohl as fett ansetzen werden?

08. November 2017

Ich sitze im Zug und warte darauf dass er irgendwann losfährt und mich nachhause bringt. Einfach weil es ein Teil des alltäglichen Rhythmus ist. Und nicht weil ich nachhause möchte. Eigentlich ist es völlig egal wo ich mich aufhalte. Es ist alles ein einziger Schmerz. Mein Absturz hat begonnen. Heute versagt, morgen werde ich sowas von versagen, und das nächste Woche brauch ich’s doch nicht mal zu versuchen.  Es bringt doch nichts. Wie dumm ich war zu glauben, zu hoffen es schaffen zu können. Es bleibt dabei, ich werde niemals irgendetwas schaffen/erreichen. Ich bin eine einzige Verschwendung:  Zeit, Platz, Nahrung, Geld, Luft.  Ich möchte nur noch sterben. Nichts mehr fühlen, nicht diesen ständigen Schmerz, das ständige Versagen. 

Meine Unterlippe ist zerbissen und blutet. Es reicht nicht. Nicht im geringsten. Vielleicht heute Abend. Beine. Sieht ja eh niemand. Scheiß auf 498 Tage ohne SV. Es bedeutet nichts. Nur Qual. Aushalten. Kontrolle. Und was bringt es mir? Nichts. Es ändert nichts an dem was ich bin. Ich bin trotzdem nicht normal. Ich bin immer noch die dumme, dreckige, kaputte und gestörte N. die ich schon immer war. Die keinen Platz in dieser Welt hat. Weil sie es nicht geschissen kriegt. 

Letzte Nacht nicht mal 2 Stunden Schlaf zusammenbekommen. Dafür geheult. Ich will nicht wissen wie sehr sich das heute noch steigert. Obwohl, vielleicht bin ich mach dem schneiden ruhiger, vielleicht könnte ich schlafen. Haha, wers glaubt. 

Jeden Tag kotzen. Mehrmals. Totaler Rückfall. Es ist eklig, es ist erbärmlich und ich hasse mich dafür, aber ich kann nicht anders. Ich nehme nur noch Nahrung zu mir die „leicht wieder rauszukriegen ist“. Ich warte nur darauf. Es ist mir teilweise sogar egal ob meine Eltern es mitbekommen könnten. Sollen sie mich ruhig mal sehen wie ich wirklich bin, für was sie sich den Arsch aufreißen. Vielleicht werden sie dann begreifen dass ich es nicht wert bin, und sich abwenden. Dann wäre ich frei….und könnte allem endlich ein Ende setzen…

Edit: nichts mit schneiden. Ich hab keine Kraft mehr. Ich muss mich jetzt ne Stunde hinlegen bevor ich lerne. Nicht mal um zu schlafen, sondern aus dem simplen Grund dass ich nicht mehr weiß wie ich noch sitzen/stehen/gehen soll. Mein oberer Rücken ist duechgehend verkrampft und langsam wird es wirklich gemein. Dazu kommt die Erkältung, ich friere selbst mit mehreren Schichten Kleidung und dicker Decke plus zusätzlichem Heizlüfter. Vorhin wieder dieses unkontrollierbare zittern am ganzen Körper gehabt. Ich hasse es…. alles.

25. Oktober 2017

Ich bin wirklich am Ende. Aber da ich, schlau wie ich bin, heute Abend aufm Sofa eingeschlafen bin und 1,5 Stunden geschlafen habe bin ich jetzt natürlich wach. Und muss nachdenken. Ob ich will oder nicht…

Der Tag verlief…ok. Von der Sozialkunde Kurzarbeit hab ich ein komisches Gefühl, ich hoffe mal ich hab es nicht zu sehr verkackt. Aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, weder beim Versuch zu lernen noch während der Arbeit. Mal sehen. Das zieht sich jetzt wieder ganz schön hin mit den Ferien nächste Woche. Danach war alles relativ unspektakulär. Bis dann PA kam. Tja. Mal ganz abgesehen davon dass ich mich in ihrer Nähe nach wie vor nicht wohlfühle und ich sie kaum ansehen kann weil es mir so peinlich ist, lief es gar nicht mal schlecht. Ich hab meine Verbände relativ gut hinbekommen. Und dann? Dann nimmt sie mich um was zu demonstrieren. Na gut, Handverband, meint man das ginge noch. Falsch. Denn der Ärmel wird doch relativ weit vom Handgelenk weggeschoben. D.h. ich saß da mit „halb nacktem“ Unterarm und alle stehen um mich rum und schauen zu. Da hats mir ja schon wieder gereicht, aber auch das habe ich überstanden. Und dann fällt ihr ein wie sie auch noch den letzten Rest meiner Ferien ruinieren kann. Nämlich indem sie uns sagt was genau bei der praktischen Schulaufgabe drankommen wird. Und noch viel schlimmer – wie es ablaufen wird. Fälle und Partner werden gelost. D.h. ich habe keine Ahnung für wen ich letztendlich Patient spielen muss. Ich habe mich gerade so langsam an D. gewöhnt, dass sie die Arme sieht und „berührt“. Aber jemand anderes? Mein Herz fing schon während sie uns das alles gesagt hat an zu rasen, und jetzt hat es sich in mein Gehirn verpflanzt und will nicht mehr weggehen. Mir wird schlecht wenn ich daran denke. Und ich kann gar nicht anders. Egal was ich mache, es kommt immer und immer wieder… Ich bin erbärmlich, wie ich mich wegen so etwas anstelle, das weiß ich. Und ich weiß auch dass ich mir das selbst zuzuschreiben habe. Aber das ändert auch nichts. Es wird in jedem Fall eine Katastrophe. Und das allein schon beim „Patient spielen“. Selber dran zu sein wird ja auch nochmal Stress pur. 

Morgen, bzw. nein, es ist ja schon wieder halb eins, also heute, schreiben wir noch Fachrechnen. Meine einzige Sorge diesbezüglich ist wirklich dass ich mich nicht konzentrieren kann, rein vom Stoff her ist es ein Witz. Zumindest für jemanden wie mich der Mathe auch im Studium hatte….

Ich bin gespannt wie lange ich heute brauche um zu schlafen. Ich will mich nicht beschäftigen, denn ich brauche den Schlaf zu dringend. Also hinlegen, Augen zu und versuchen mich zum schlafen zu zwingen. Mir graut es vor den Gedanken die kommen werden. Dem hilflos ausgeliefert zu sein. Mir graut es vor den Tränen, die sich ganz sicher nicht mehr zurückhalten lassen. Ich habe Angst vor der Angst, dem Schmerz und der Verzweiflung.

Hinter meiner Stirn fängt es an schmerzhaft zu pochen. Habe mich eh schon gefragt wie lange ich das alles noch ohne Kopfschmerzen aushalten darf. Aber es wundert mich ja nicht. Kaum bis gar kein Schlaf, 300 kcal insgesamt und normaler Alltag in Kombination bringen sowas in der Regel mit sich…

Ein bisschen Ruhe wäre schön.

Ich habe nicht geschlafen. Stattdessen hab ich alles für die Kurzarbeit am Mittwoch zusammengeschrieben und ansonsten nichts gemacht. Obwohl, doch. Ich habe gefroren. Ich habe gezittert. Obwohl das Wort dafür eigentlich viel zu klein ist. Ich lag zusammengekrümmt unter der Decke und es hat mich nur noch geschüttelt, ohne Kontrolle darüber. Als ich endlich aufstehen durfte hab ich mich erst mal in die Dusche geschleppt, und war erstaunt wie heiß ich das Wasser aufdrehen musste um endlich ein bisschen Wärme zu spüren. Wie ich es vom warmen Wasser letztendlich wieder weggeschafft habe ist mir selbst nicht klar, ich weiß dass es mich einige Minuten und Disziplin gekostet hat. Dann noch auf die Waage, 700 Gramm weniger. Nicht schlecht, damit kann man arbeiten. 

Jetzt sitze ich hier im Zug, versuche das unangenehm starke und „komische“ Schlagen meines Herzes und die Übelkeit die mich seit ein paar Stunden nervt zu ignorieren, und bereite mich mental auf den Tag vor. Der wird nicht lustig.

Scheiß auf weniger rauchen, ich hab die Zigaretten jetzt wieder dabei. Ich entscheide mich eher für die Entspannung und Beruhigung die sie mir geben als für irgendeinen Gesundheitsscheiß der mir nichts bringt weil ich eh nicht lang genug lebe. 

Nächste Woche sind Ferien. Und das einzige Wort was mir dabei sofort in den Kopf schießt ist Ruhe. Eine Woche lang nicht wegmüssen, nicht ordentlich zurechtgemacht aus dem Haus gehen müssen obwohl man sich fühlt wie eine Leiche. Keine sozialen Interaktionen jeden Tag. Einfach nur Ruhe. Ich würde viel dafür geben die jetzt schon zu haben…zuhause einfach im warmen liegen zu können, ohne Spange in den Haaren, ohne Jeans und nettes Oberteil, einfach nur Ruhe….

23. Oktober 2017

Der Tag war ok. Zu meiner großen Überraschung nach nicht mal 2 Stunden Schlaf. Habe alles gut rumgekriegt, in der Kurzarbeit, die er gleich korrigiert hat, eine 1,0 (was für ne Leistung bei Sachen die ich in der Schule früher eh schon hatte…) und ich hatte weder Kopfschmerzen noch riesige Stimmungsschwankungen. Meinen müden/toten Punkt hatte ich im Zug auf dem Weg nachhause und ich habe die Gelegenheit genutzt und die 50 Minuten ein bisschen gedöst.

Jetzt liege ich im Bett. Mit der Gewissheit dass auch heute der Schlaf noch lange auf sich warten lassen wird. Aber ich habe vorgesorgt. Ich habe keine Lust mehr mich Stunde für Stunde zu quälen, mir selbst ausgeliefert zu sein und mich dafür zu hassen nicht schlafen zu können. Meine Unterlagen liegen alle auf dem Schreibtisch und warten auf mich. Sobald ich einigermaßen sicher sein kann dass alle schlafen werde ich lernen bis ich bereit bin zu schlafen. Dann hab ich die Zeit wenigstens sinnvoll genutzt.

Meine Eltern nerven gerade so sehr. Ständig reden sie davon dass ich zu wenig schlafe (haha wenn die wüssten) und meine Mutter hat die letzten Tage begonnen mir ständig zu sagen dass ich zu wenig esse. Ja was denn, entscheide dich doch bitte mal gute Frau. Erst wollen dass ich abnehme, mich immer wieder dafür loben und auf einmal passts dann doch wieder nicht?! Ätzend….Und es bringt ihr sowieso nichts. Ich alleine entscheide wann ich was und wie viel esse. Und im Moment steht das eh nicht groß zur Debatte da ich absolut keinen Appetit habe.

Morgen wird ein sehr langer Tag, mit überwiegend weniger fordernden Fächern und, um den Tag perfekt abzurunden, die Lehrerin in den letzten 2 Stunden. Hab sie heute schon gesehen und hätte mich am liebsten in den Pflanzen vom Eingangsbereich versteckt. Ein tolles Gefühl….nicht. Wird bestimmt lustig morgen…..

Den Gedanken mit der E-Mail an Frau ehemalige Therapeutin habe ich verworfen. Ist doch eh egal. Es stresst mich unnötig und sie hat es mit Sicherheit sowieso vergessen.  

Alles in allem und für meine Verhältnisse ein Tag den man nur als ok bezeichnen kann. Einigermaßen ruhig. 

22. Oktober 2017

Ich liege im Bett. Eine Minute vor Mitternacht. Schlaflos. Das wird wieder eine richtig tolle Nacht… 

Ich habe zu wenig gemacht heute. Es stand so viel auf meiner Liste, und ich habe meinen Fettarsch mal wieder nicht hochbekommen.  Grade mal 4 Fächer gelernt. Und für PA hab ich natürlich auch nicht geübt. Zu dumm für alles, echt. 

Ich habe wieder abgenommen. 1,5 Kilo die letzten Tage. Heute bin ich auch „nur“ auf 560 Kalorien gekommen. Mal schauen was die Waage die nächsten Tage so für mich bereithält. 

Vorhin habe ich angefangen eine E-Mail an Frau ehemalige Therapeutin zu schreiben. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her seit dem letzten Termin, seit ich, wie ich glaube, gesagt habe dass ich mich melden würde. Und es dann nie getan habe. Ich dachte mir also vorhin dass man das doch mal angehen könnte, ich kanns ja nicht noch länger vor mir herschieben. Aber genau das wovor ich mich gefürchtet hatte ist eingetroffen: ich finde keine Worte. Ich habe absolut keine Ahnung was ich schreiben soll. Alles hört sich komplett bescheuert an. Habe nichts abgeschickt, ein Entwurf wurde gespeichert, aber ich bezweifle dass ich da je auf senden drücken werde. Wahrscheinlich hat sie mich aber eh schon längst wieder vergessen, dann brauche ich mir auch keine Gedanken machen dass es blöd ist wenn ich mich gar nicht mehr melde….

 Ich merke wie ich versuche Zeit totzuschlagen. Ich weiß dass es noch lange dauern wird bis ich einschlafe, vorausgesetzt dass das überhaupt passieren wird. Und ich habe Angst. Vor den Gedanken die gleich auf mich einstürzen werden. Vor den Tränen die versuchen werden meine Kontrolle zu brechen. Vor den Erinnerungen die hochkommen werden. Und ich habe Angst vor der Angst…