Schlimmer gehts nicht.

Wie macht man sich am besten zum absoluten Vollidioten? Ich hab einen neuen Tiefpunkt erreicht. Den Vormittag habe ich relativ gut überstanden, von Blässe, Müdigkeit und Kreislaufproblemen mal abgesehen. 

Mittagspause. Und es ging rasant abwärts. Gegen Ende, als dann die nächste Stunde anfing war ich nur noch am heulen. Und zwar buchstäblich. Mir sind die Tränen nur so runtergelaufen und ich konnte ums verrecken nicht mehr aufhören. Ich hab locker 50 Minuten lang durchgeheult. Meine EDV Lehrerin die wir da hatten war gnädig, nachdem sie von mir auf die Frage ob alles ok wäre ein ja bekommen hat, hat sie mich in Ruhe gelassen. Aber meine PA Lehrerin nicht. Im Stundenwechsel war ich kurz vor der Tür, und hab versucht meine Atmung und die Tränen wieder unter Kontrolle zu bekommen. Ich glaube A. hat mich bei ihr „verpetzt“ (nicht dass ich sauer wäre, sie meinte es bestimmt nur gut…). Sie kam raus. Tür zu. Hat mich gefragt was los sei . Hab ihr gesagt dass alles ok ist, das mit dem Schlafmangel erklärt, dass ich mich gleich wieder fange usw. Sie hat noch gefragt ob ich gegessen/getrunken habe (nein und ein bisschen) und ob ich später zuhause alleine wäre (warum sie das wissen wollte verstehe ich nicht so wirklich…) Jetzt gegen Ende hat sie nochmal gefragt obs wieder geht und gesagt ich soll heute Abend Magnesium nehmen und baden gehen damit das mit dem schlafen besser passt. 

Ich kann nicht in Worte fassen wie peinlich mir das alles ist. Am liebsten würde ich mich irgendwo vergraben. Am liebsten würde ich nie wieder da hin gehen. Y. meinte ich soll doch morgen einfach mal daheim bleiben und schlafen, aber ich kann nicht. Ich hab es heute nicht mal in der Mittagspause geschafft früher zu gehen… einen ganzen Tag verpassen? Never….Das geile ist ja, dass die jetzt im Anschluss QM haben. D.h. alle Lehrer sind da, und ich bin ziemlich sicher dass das die Runde machen wird. Ich bin so erbärmlich…

Das war ein absoluter Kontrollverlust und ich begreife nicht wie es so weit kommen konnte… habe ich meine eigenen Grenzen in der letzten Zeit derart weit überschritten? Wie konnte ich es nicht kommen sehen? Sitze im Zug, ich bin so erschöpft, meine Haut im Gesicht ist trocken und brennt.  Ich hoffe inständig dass meine Eltern nichts merken. Das kann ich Ihnen beim besten Willen nicht erklären….Mein Rücken schmerzt bei jeder Bewegung, ich nehme mal an ich war extrem verkrampft. Und ich kann nicht in Worte fassen wie sehr ich mich auf die Ibuprofen und die Zigaretten freue, die zuhause auf mich warten. 

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Schlaflos und fertig mit der Welt.

Ich habe nicht geschlafen. Also so gar nicht. Ich sehe schrecklich aus. Blass, ungeschminkt, dicke Augen. Erster Kommentar von ner Mitschülerin während wir (noch komplett im Dunkeln) auf den Bus gewartet haben: „Du siehst aber müde aus“. Und vorhin auch: „Du bist echt blass“. Fantastisch. 

Ich weiß echt nicht was ich machen soll. Ich bin so so fertig. Nach dem Treppensteigen (nur in den 1. Stock) war ich außer Atem, und ich dachte mein Puls sprengt mir gleich die Ohren….Und heute Nachmittag haben wir auch noch PA. Heute meine Arme zu zeigen (mit diesem komischen „Ausschlag“ oder was auch immer das sein mag) will ich auch absolut nicht. 

Warum kann es nicht ein einziges Mal leicht sein? Wieso kommt immer immer wieder irgendein neuer scheiß der mein Leben schwerer macht? 

17. Oktober 2017

Ich sitze im noch leeren EDV-Raum, trinke meinen Kaffee. Er ist heiß, das ist mir bewusst, aber ich spüre nichts davon. Ich nehme die Musik in meinen Ohren wahr, aber höre nichts.

Ich habe heute Nacht nicht mal 3 Stunden Schlaf zusammenbekommen. Eher knapp 2,5. Ich bin so fertig. Jetzt dann durchhalten bis viertel nach drei, gegen viertel nach fünf bin ich dann zuhause. Ich will mich nur in meinem Bett unter der warmen Decke verkriechen. Mir ist so kalt… 

der „Ausschlag“ den ich seit mittlerweile über einer Woche auf den Armen habe geht nicht weg, nein er wird schlimmer. Es juckt nicht, es tut nicht weh, gar nichts. Sieht einfach nur furchtbar aus. Und egal was ich mache, es wird nicht besser. Jetzt wollen meine Eltern dass ich zum Arzt gehe. Haha ja, guter witz. Sie mussten mir zwangsläufig sogar zustimmen als ich sagte dass selbst wenn ich gehen wollen würde, ich keine Zeit dafür hab. Wann sollte ich das bitte machen?  Alles ganz fantastisch. 

Ich spüre jetzt schon wie sich ein pochender Schmerz hinter meiner Stirn breitmacht. Und ich habe, mal wieder, keine Tabletten dabei. Tja, Dummheit wird bestraft.

 Gestern zwei 1er bekommen. Den einen mal wieder völlig ungerechtfertigt/unverdient, beim anderen bin ich unzufrieden dass ich einen einzigen beschissenen Fehler gemacht habe der mich einen Punkt und somit die 1,0 gekostet hat. 

Ich bin echt am Ende. Könnte jetzt und sofort losheulen. Frage mich ständig wozu ich das alles noch mache. Finde den Sinn dahinter nicht.  Alles was Sinn ergeben würde wäre zu verschwinden. Für immer…

15. Oktober 2017

Ich weiß nicht was ich schreiben soll. I h weiß nicht was es zu sagen gibt. Alles in mir ist pures Chaos. Ich bin gefangen in einem Strudel aus Angst, Unsicherheit und Verzweiflung. Ich bekomme nichts so hin wie ich es möchte. Auch heute nicht. Ich habe gelernt, ja, aber nicht genug. Nichts was ich mache ist jemals genug. Zu oft die letzten Tage habe ich die Kontrolle über meine Tränen verloren. Immer nur für 3-4 Tränen, die ich dann schnell wegwischen musste bevor sie ihre Spuren auf meinem Gesicht hinterlassen, aber jede einzelne ist zu viel. 

Ich bin müde, so müde, dass es keine Worte dafür gibt. Ich will aufgeben, nicht mehr kämpfen. Aber ich darf nicht. Es muss weitergehen, und ich muss gut funktionieren. 

Mein Hass auf meinen Körper ist im Moment überwältigend. Jedes Mal wenn ich mich sehe, und wenn es nur mein Arm ist, jedes Mal wenn ich über meinen Körper nachdenke, möchte ich schreien, könnte vor Wut und Hass heulen.  (Von den praktischen Übungen in der Schule möchte ich gar nicht erst anfangen…)

Möchte mir alles aufschneiden, möchte dass der Schmerz endet…. aber nein. Kontrolle und Disziplin. Das ist alles was mein Leben noch ausmacht. Disziplin: jeden Tag aufstehen und funktionieren. Kontrolle: die Maske muss sitzen, Gefühle und Erinnerungen unterdrückt werden. Es ist alles so anstrengend…

30. September 2017

Nachdem ich gestern auf der Heimfahrt im Zug mit leichten Dissoziationen zu kämpfen hatte, war ich danach zuhause den restlichen Tag einfach nur leer. Taub. Kalt. Und am Abend so erschöpft dass ich, während meine Eltern sich mit Oma unterhalten habe, eiskalt auf dem Sofa eingeschlafen bin, und mich dann mit letzter Kraft ins Bett verfrachtet habe.

Heute morgen bin ich aufgewacht und habe darüber nachgedacht. An die gute alte Zeit, als ich noch klein war, als Papa mich in solchen Momenten einfach in den Arm genommen hat und mich nach oben ins Bett getragen hat. Behütet. Sicher. Glücklich. Als ich noch nicht kaputt war. Als ich noch normal war. Aber an so etwas zurückzudenken bringt mich ja auch nicht weiter…

Und ganz im Gegensatz zu gestern bin ich heute komplett emotional, und könnte jede Sekunde und bei der kleinsten Kleinigkeit in Tränen ausbrechen. Obwohl ich letztendlich 11 Stunden geschlafen habe fühle ich mich nur erschöpft und übermüdet und gerädert. Mein Kopf sagt ich sollte den Tag nutzen. Aufräumen, lernen, Sport machen. Aber ich finde kaum die Kraft aufzustehen um mir was zu trinken zu holen. Mein Puls pocht unangenehm in meinen Ohren, ich bin blass (selbst für meine Verhältnisse). Die Waage hat heute wieder ein halbe Kilo weniger angezeigt, das macht jetzt 16,4 kg insgesamt. Kann mich nicht mal mehr über so etwas freuen. Nur denken dass es nicht reicht, nur die Zahl anschauen und wissen dass es immer noch so viel zu viel ist. Trotzdem noch zu fett. Was ist aus der Zeit geworden in der mir jedes Gramm weniger noch ein Hochgefühl gegeben hat? In der ich aus diesen Dingen wenigstens noch ein bisschen Kraft tanken konnte…Vorbei. Wie alles andere auch…

Hund 1 geht es nicht gut. Zusätzlich zur mittlerweile diagnostizierten Arthrose im Knie hat sie jetzt auch noch Grasmilben an der anderen Pfote. Alles bereits kahl und wund. D.h. jetzt darf sie auch noch die Kragen tragen den wir von ihrer OP glücklicherweise noch zuhause hatten. Armes Mädchen. Und wir vermuten dass sie heute Nacht sogar erhöhte Temperatur hatte. Papa muss mit ihr am Montag unbedingt nochmal zum Tierarzt, und dann ist hoffentlich er selber da, und nicht diese inkompetente Stellvertreterin von letztem Donnerstag….Wieder ein weiterer Sorgenpunkt auf meiner niemals enden wollenden Liste.

Eltern sind heute und morgen jeweils tagsüber nicht da. Immerhin etwas. Nicht sprechen müssen, nicht essen müssen, nicht gefragt werden ob man müde sei (das machen sie ständig, ich weiß auch nicht wieso, ist doch klar dass ich müde bin….) Jetzt werde ich mal testen wie lange ich brauche meinen Fettarsch vom Sofa zu lösen und aufzuräumen und zu lernen. Und ob ich es schaffe heute Abend noch etwas Sport zu machen.

27. September 2017

Wie befürchtet war heute alles andere als das, was man als angenehmen Tag bezeichnen würde. Wie angekündigt, haben wir passend zum Thema Wunden mit Verbänden angefangen. Und zwar praktisch. An uns gegenseitig. Ich wollte einfach nur im Boden versinken. Weglaufen, mich verstecken. Mich irgendwo einrollen und einfach nur darauf zu warten irgendwann zu sterben.  Meine Lehrerin hat auch für nen Moment blöd geschaut, sich dann aber recht schnell wieder gefangen. Der Rest des Unterrichts hat sich angefühlt wie eine Ewigkeit.

 Seitdem bin ich so richtig fertig. Gefangen in einem tiefen tiefen Loch. Scham, Selbsthass, Traurigkeit. Eigentlich wäre mir nach heulen, aber meine Augen könnten trockener nicht sein. Es ist als hätte mir jemand so richtig feste in den Magen geschlagen, und seitdem bekomme ich keine Luft mehr. Es war ein Fehler. Alles ein riesen Fehler. Genauso wie ich. Ich bin auch nur ein einziger dummer Fehler….Gerade schwimme ich in einem Meer aus Negativität, die Strömung droht mich für immer zu verschlingen und ich sehe nirgends Land. Ich hasse mich so sehr. Wie kann man nur so abartig dumm und unfähig sein? Ich sollte gar keine Existenzberechtigung haben…Ich weiß es jetzt schon, schlafen wird heute eine Schlacht. Und ich weiß auch dass ich sie verlieren werde. Und morgen wieder völlig übermüdet und am Ende funktionieren muss. Wieder dort hin muss.  

Ich mag nicht mehr. Ich bin so erschöpft und kaputt. Wem mache ich eigentlich was vor? Ich werds in diesem Leben eh zu nichts mehr bringen. Nichts auf die Reihe kriegen. Ich bin und bleibe eine dumme, gestörte Versagerin…Ich bin es so leid die Stärke zu spielen, mit allen Mitteln normal wirken zu wollen wenn es am Ende doch nichts bringt…. am liebsten würde ich mir die Beine von unten bis oben aufschlitzen. Will mich schlagen. Mir das geben was ich verdient habe. Aber selbst das habe ich eigentlich nicht verdient. Ich verdiene nichts…Gegessen habe ich seit Tagen nicht mehr wirklich ausreichend (wenn man es objektiv betrachten würde. Nehme trotzdem nicht ab. Aber das fällt auch unter die Kategorie „nicht verdient“. Fett und hässlich bleiben. Für immer. Das habe ich schon eher verdient….Mein Rücken besteht auch nur noch aus verkrampften Muskeln. Mein Kopf explodiert wohl jeden Moment. Das wäre aber wohl  zu schön um wahr zu sein…..

22. September 2017

Die Woche wäre dann auch endlich geschafft. Ich bin müde. So unglaublich müde. Am liebsten hätte ich mich heute nachdem ich zuhause war gleich hingelegt. Aber ich kann nicht. Die Angst und Nervosität hat sich tief in Kopf und Körper gefressen. Ich ertrage es kaum hier zu sitzen. Anspannung steigt kontinuierlich. Eineinhalb Wochen Ausbildung hinter mir, und ich habe nicht nur Angst vor dem nächsten Tag wie sonst auch, nein, ich habe bereits jetzt panische Angst vor der Abschlussprüfung. Und natürlich vor dem Praktikum nächstes Jahr. Nicht gut genug zu sein. Mir ist dauerhaft schlecht, und selbst wenn ich essen wollen würde, es ginge gar nicht. Allein beim Gedanken daran schnürt es mir den Hals zu. Die (um sicherzugehen aufgerundeten) 500 kcal heute waren eine Qual. Stand von vorhin: -2,5 Kilo seit Sonntag. Nicht gerade viel, aber ich bin dankbar für jedes Gramm. Wenigstens einen positiven Aspekt hat der ganze Stress…Außer dass meine Mutter mich so nervt, ständig will sie mich überreden was zu essen. Kann sie sich bitte mal entscheiden? Erst unterstützt sie alles damit ich abnehme, jetzt passt ihr das auch wieder nicht….

Ich habe gestern meine erste mündliche Note bekommen. Medizinische Terminologie, eine 1. Und ich kann mich einfach gar nicht damit abfinden. Es ist einfach unverdient. Es war nicht schwer, ich habe nichts dafür angeschaut, für so etwas habe ich keine gute Note verdient. Es hat einfach nicht die geringste Herausforderung dargestellt, und bei einer Frage hätte ich mich auch deutlich besser bei der Erklärung ausdrücken können. Jemand anderes hätte diese Chance bekommen müssen bei so etwas „einfachem“ (also für mich)  eine gute Note zu bekommen. Nicht ich.  Auch das lässt mir keine Ruhe….

Mein Rücken bringt mich zeitweise fast um. Immer wieder tut es so weh, weil sich die Muskeln nochmal zusätzlich so richtig verkrampfen. Außerdem habe ich irgendetwas am Bein, linke Kniekehle um genau zu sein. Ist geschwollen und ist ziemlich unangenehm, sodass ich teilweise gar nicht mehr weiß wie ich mein Bein jetzt noch positionieren soll. Ausgestreckt ist doof, abgewinkelt auch, laufen geht so einigermaßen. Muss heute Abend mal mit Salben anfangen….

Der Schlafmangel zeigt sich körperlich gesehen erstaunlicherweise bisher nur in einem Punkt: ich friere die ganze Zeit. Ob mit Jacke, Schal, Decke, heißem Getränk – völlig egal, mir ist kalt. Könnte auch psychisch bedingt sein, glaube ich aber nicht wirklich. In der Regel friere ich immer wenn ich wirklich sehr übermüdet bin.

Wie geht es mir sonst? Ich weiß es wirklich nicht. Ich stand heute Nachmittag eine geschlagene Stunde vorm Spiegel und habe lächeln/lachen und glücklich wirken geübt, nachdem mir heute in medizinische Fachkunde plötzlich und völlig aus dem Nichts Tränen in den Augen standen (die ich auch nur ganz knapp zurückdrängen konnte). So etwas darf nicht passieren. Ein Fehler in der Maske darf einfach nicht vorkommen.

Hinter der Maske sieht es ganz anders aus. Wenn ich alleine in den Spiegel schaue sehe ich ein trauriges, zerbrochenes, hilfloses, blasses, hässliches Etwas.

Auf der einen Seite bin ich froh dass es endlich Wochenende ist. Aber auf der anderen bereitet es mir Magenschmerzen. 2 Tage ohne fest vorgegebene Struktur. Klar, ich werde versuchen so viel wie möglich zu lernen, aber trotzdem….Keinen Zeitdruck zu haben fördert das Risiko die Kontrolle zu verlieren, den Kampf gegen die Emotionen zu verlieren….

Heute morgen habe ich mich dabei ertappt wütend und neidisch zu sein. Neidisch auf Personen die sich verletzen. Die das „dürfen“. Wütend auf mich selbst weil ich a) mir ausgerechnet diese Ausbildung ausgesucht habe (hätte es nicht auch einfach irgendein Bürojob sein können?!) und b) ich es nicht schaffe diese Sehnsucht, die Gedanken abzustellen. Nächste Woche will sie in PA mit Verbänden anfangen. Und mein einziger Hoffnungsschimmer ist dass das vielleicht auch einfach am Modell gemacht wird. Aber dieser winzige Hoffnungsschimmer reicht nicht aus die Panik in mir zurückzudrängen….

Ich bin erschöpft. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Und mich jetzt durch das Schreiben gezwungenermaßen mit alldem auseinanderzusetzen hat die Übelkeit massiv verschlimmert. Ich denke ich werde jetzt erst mal ins Bad umziehen, für den Fall der Fälle….mein neuestes Buch (A Quiet Kind of Thunder – und ich liebe es jetzt schon so sehr!!!) ein kleiner ablenkender Trostspender an dem ich mich festhalten kann.

19. September 2017

Eigentlich kann ich mich im Nachhinein für die schlaflosen letzten Monate glücklich schätzen. Mein Körper ist es mittlerweile wieder total gewohnt mit wenig Schlaf viel machen zu müssen. 5 Stunden wird zum puren Luxus. Und eher selten. Klar, um elf ins Bett, im besten Fall nur eine Stunde zum einschlafen brauchen, und um halb fünf wieder aufstehen. Und früher ins Bett schaff ich es nicht. Ich würde es vielleicht, mit ganz viel Planung und Disziplin, aber ich will ja auch nicht. Versuchen das unausweichliche rauszuzögern. Eigentlich auch nicht besonders schlau. Aber das ist ja schon bekannt….

Die Tage vergehen vergleichsweise schnell. Naja, wir haben ja auch nicht sooo lange Untericht. Und trotzdem sind sie immer noch zu lang. Aber im Moment ist auch jede Minute schon zu viel. Ich bin so richtig niedergeschlagen. Keine Lust auf irgendwas. Kein Appetit. Seit dem Frühstück nur eine Breze gegessen, und die hab ich mir wirklich runterzwingen müssen. Aber das seh ich jetzt mal als Vorteil. Habe seit Sonntag schon wieder 1 kg weniger auf der Waage. Wahrscheinlich eh nur Wasser oder so. Und eigentlich macht es auch keinen Unterschied. Fett bin ich so oder so immer noch.

Ich weiß eigentlich gar nicht was ich schreiben soll. Eigentlich gibt es ja auch gar nichts zu sagen. Alles ist genau so wie immer. Ich funktioniere, ich hasse mich und meine Existenz, trage brav meine Maske. Kann jeden Tag im Bullet Journal hinter das Wort „überleben“ ein Häkchen setzen. Ich spüre wie ich immer weiter und weiter zerbreche. Wie weit geht das überhaupt? Wann kommt der Punkt an dem man vollständig auseinanderbricht? Ich freue mich so sehr auf das Wochenende. Klar, der Unterricht ist interessant und ich würde nicht im Traum daran denken auch nur eine Minute freiwillig zu verpassen, schließlich will ich gut sein. Aber ich freue mich darauf mich in meinem Zimmer verkriechen zu können. Die Maske nicht tragen zu müssen. Allein zu sein. Weg von der Welt. Und jetzt werde ich noch lernen. Mal schauen wie lange. Schlafen kann ich ja so oder so nicht, da kann ich dir Zeit auch sinnvoll nutzen.

17. September 2017

Das Wochenende ist vorbei. Es war unspektakulär. Die meiste Zeit verbrachte ich irgendwo rumliegend. Emotional leer. Ausgelaugt. Irgendwie taub.

Ich verbringe viel Zeit mit nachdenken. Wie alles so kommen konnte. Verliere mich oft in Erinnerungen. Analysiere mein Verhalten in den verschiedenen Situationen und hasse mich immer wieder aufs Neue dafür. Bin traurig. Und kämpfe gegen die Angst und Verzweiflung die mich langsam aber sicher zu überrennen versuchen. Gestern sind ein paar Tränen geflossen, aber nichts weltbewegendes. Hatte ich schnell wieder unter Kontrolle. Bringt ja eh nichts außer geschwollene, schmerzende, rote Augen und Kopfschmerzen.

Ich habe es heute sogar geschafft ein bisschen an Zusammenfassungen und Organisation meiner Sachen  zu arbeiten. Aber es hätte immer noch besser sein können….

Habe vorhin gebadet, meine Haare gewaschen, meine Tasche wartet gepackt an meinem Schreibtisch, mein 2. Laborkittel hängt gewaschen und gebügelt an der Tür, den muss ich jetzt nur noch zusammenlegen und einpacken. Dann muss ich das alles morgen nicht mehr machen.

Habe mir 2 Bücher rausgesucht die jetzt gelesen werden. 2 weitere werden morgen bestellt. Vielleicht hilft es mir wieder mehr zu lesen. Ich klammere mich an jeden Strohhalm. Eigentlich würde ich mir auch gerne neue Kopfhörer für unterwegs holen, aber ich will auch nicht so viel Geld von meinen Eltern verschwenden. Die haben auch so schon genug Kosten wegen mir…

Eigentlich sollte ich jetzt schon längst im Bett liegen und schlafen. Und ich weiß dass ich das morgen früh bitter bereuen werde. Aber ich will nicht. Will nicht in aller Stille meinem Kopf ausgeliefert im Bett liegen, nur um dann irgendwann in einen Schlaf zu rutschen der nur wieder Alpträume für mich bereitält. Aber ohne Schlaf wird der Tag morgen nur noch schlimmer als er ohnehin ist, also werd ich jetzt wohl oder übel gehen müssen…

 

15. September 2017

Ich verstehe mich einfach selbst nicht. Die letzten Tage liefen gut. Für meine Verhältnisse sogar sehr gut. Ich habe mich schnell an die Schule gewöhnt, habe sogar sofort Anschluss gefunden. Ich bin sicher dass ich den Stoff bewältigen kann, in einigen Fächern bin ich, wie meine Hausärztin schon zu mir sagte, tatsächlich unterfordert. Englisch z.B. Ich dachte heute wirklich ich würde einschlafen. Und ich finde es unglaublich schwer da ein gutes Maß zu finden. Einerseits möchte ich mitarbeiten/mich beteiligen, aber andererseits weiß ich nicht wie oft ich was sagen/mich melden „darf“ ohne dass es blöd rüberkommt, ich will das ja nicht raushängen lassen…naja, wenigstens muss ich mir da keine Sorgen um Noten machen, das krieg ich hin. Und ich habe Angst dass man mir ansieht dass ich mich langweile. Genau wie in Fachrechnen, das war gestern für mich wirklich anstrengend, aber ich habe die Hoffnung dass es etwas besser wird wenn wir mal Kalkulationen etc. machen. Aber wenn man Mathe an der Uni hatte ist das schon echt hart wenn man Umrechnungen macht und sich dann noch Erklärungen anhören muss warum 1000*1000 nicht 2000 ist. Und dann fühle ich mich arrogant und hasse mich dafür. Zu Recht.

Also alles in allem lief es gut. Und trotzdem komme ich heute heim und alles ist einfach nur schrecklich. Ich bin depressiv, lebensmüde, möchte mich nur noch in der Ecke verkriechen, weinen und schreien. Keine positiven Gedanken möglich, in meinem Kopf nur schlimme Gedanken und Hoffnungslosigkeit. Der unerfüllbare Wunsch nach einem baldigen Ende der sich anfühlt als würde sich in mir Säure ausbreiten.

Ich habe die letzte halbe Stunde damit verbracht intensiv zu analysieren was das ausgelöst haben könnte. Der Wegfall von Stress jetzt wo das Wochenende da ist? Liegt es einfach daran dass ich jetzt „Zeit“ dafür habe und mein Unterbewusstsein nur darauf gewartet hat? Oder liegt es vielleicht auch daran dass mir heute in Laborkunde wieder hart und schmerzlich bewusst wurde dass ich bald auffliegen werde. Noch denken alle ich wäre normal. Bald werden sie meine Narben sehen. Ich wünschte ich könnte das verhindern. Ich wünschte ich könnte sie einfach verschwinden lassen. Der Selbsthass frisst sich durch meine Gedanken. Und ich kann noch nicht mal einschätzen wie lange diese Gnadenfrist noch anhält. Wir haben keinen Zeitplan bekommen, ich weiß nicht wann wir mit Blutdruck und Puls messen anfangen. Nächste Woche wird einem von uns Blut abgenommen für Laborkunde, mein Glück ist nur dass das mit Sicherheit auf freiwilliger Basis sein wird. D.h. ich werde es ganz bestimmt nicht werden. Es fühlt sich an als würde ich darauf warten müssen mich irgendwann vor der Klasse komplett ausziehen müssen. Irgendwie logisch, denn rein emotional gesehen stehe ich ohne meine langen Ärmel ja schon irgendwie „nackt“ vor ihnen. Wenn ich jetzt daran denke bereue ich schon wieder alles und will nur noch weglaufen.

Zu allem dazu kommt noch dass ich die letzten Wochen wieder zugenommen habe. Ich weiß nicht wie viel, auf die Waage traue ich mich einfach nicht. Aber ich kann es sehen. Und meine Oma hat diesbezüglich auch schon einen Kommentar abgegeben (auch wenn sie es lustig und nicht böse gemeint hat, es hat alles bestätigt). D.h. ich muss jetzt wieder richtig aufpassen. Alles auf den Schulalltag ausrichten. Das viele sitzen macht es verdammt schwer und ich bin es nicht mehr gewohnt. Werde teilweise richtig unruhig weil ich mich nicht bewegen kann…Erwische mich wieder dabei wie ich ständig mit den Beinen wippe bzw. „zittere“. So extrem hatte ich das schon lange nicht mehr, ich glaube sogar das letzte Mal war noch in der Klinik, und auch da war es nicht so extrem wie jetzt. Es nervt. Ich kann es nicht abstellen und habe sehr starke Angst dass andere es mitkriegen und dass es sie stört….danke ehemalige Mitpatientin dass du mich damals aus dem nichts deswegen so zickig und gemein angefahren hast dass ich deswegen danach noch über ne Stunde Weinkrämpfe und ein schlechte Gewissen (weil ich dich genervt/gestört habe) hatte. Naja, muss einfach versuchen achtsamer zu sein. Kontrolle heißt, wie immer in meinem Leben, auch hier das Zauberwort. Naja, ändert nichts an der Tatsache dass ich abnehmen muss. Dringend. Morgen und übermorgen ist schon mal extremes Kalorien-Einsparen angesagt. Morgen Abend muss ich ne Pizza essen, will Oma nicht verletzen, sie hat da irgendwie ne Art Ritual draus gemacht wenn meine Eltern nicht da sind. Aber sonst esse ich halt nichts. Für die Schule muss ich mir noch ne gute Strategie überlegen. Ganz ohne ist dumm und unrealistisch.

Wieder einmal versuche ich mich mit schreiben abzulenken. Den Zusammenbruch so lange wie möglich rauszuzögern. Oma kommt heute Abend noch mal kurz, irgendwas trinken und Gute Nacht sagen. Auch ein Ritual seit Opa nicht mehr da ist. Und vorher darf ich nicht weinen.

Die ganze Erbschafts-Geschichte hat die Vergangenheit wieder sehr stark in den Fokus meines Unterbewusstseins gerückt. Alpträume (eigentlich jede Nacht), Flashbacks alles ist wieder an der Tagesordnung. Ich habe Panik davor dass es mal in der Schule passiert. Besser gesagt habe ich Angst mal in eine Panikattacke zu rutschen. Dann könnte ich sofort meinem Leben ein Ende setzen, denn das würde ich nicht ertragen. Es macht mich so unfassbar wütend, wie sehr es sich schon wieder in mein Leben gedrängt hat. Nach der Klinik hatte ich es wirklich gut im Griff. Klar, es war nicht perfekt, aber wesentlich besser. Und jetzt ist alles wieder wie vorher. Nein, es ist schlimmer. Immer wieder sein Name, ich will ihn nicht hören. Ich will nichts von ihm wissen. Will seine bloße Existenz verdrängen. Vergessen. Und nicht auch noch zusätzliche Informationen erhalten wie etwa die Tatsache dass er heiratet. Das alles führt dazu dass er wieder ständige Präsenz in meinem Kopf hat. Und das geht gar nicht….Ich hoffe dieser Alptraum hat bald ein Ende, ich ertrage es langsam nicht mehr….

Es ist schon ironisch. Ich hasse mich für die Narben und was ich mir dadurch selbst angetan habe, den ganzen Stress den sie verursachen, und trotzdem schreit alles in mir nach ein paar tiefen, blutenden Schnitten. Nach der Beruhigung, der Betäubung. Wie schön wäre es dadurch mal wieder richtig „aufatmen“ zu können…..Wieso bin ich so?! Warum schaffe ich es nicht von diesen Gedanken, dieser Sehnsucht weg? Warum kann ich nicht einfach wie andere sein? Was habe ich aus mir und meinem Leben nur gemacht….es ist erbärmlich…ich bin erbärmlich.