30. September 2017

Nachdem ich gestern auf der Heimfahrt im Zug mit leichten Dissoziationen zu kämpfen hatte, war ich danach zuhause den restlichen Tag einfach nur leer. Taub. Kalt. Und am Abend so erschöpft dass ich, während meine Eltern sich mit Oma unterhalten habe, eiskalt auf dem Sofa eingeschlafen bin, und mich dann mit letzter Kraft ins Bett verfrachtet habe.

Heute morgen bin ich aufgewacht und habe darüber nachgedacht. An die gute alte Zeit, als ich noch klein war, als Papa mich in solchen Momenten einfach in den Arm genommen hat und mich nach oben ins Bett getragen hat. Behütet. Sicher. Glücklich. Als ich noch nicht kaputt war. Als ich noch normal war. Aber an so etwas zurückzudenken bringt mich ja auch nicht weiter…

Und ganz im Gegensatz zu gestern bin ich heute komplett emotional, und könnte jede Sekunde und bei der kleinsten Kleinigkeit in Tränen ausbrechen. Obwohl ich letztendlich 11 Stunden geschlafen habe fühle ich mich nur erschöpft und übermüdet und gerädert. Mein Kopf sagt ich sollte den Tag nutzen. Aufräumen, lernen, Sport machen. Aber ich finde kaum die Kraft aufzustehen um mir was zu trinken zu holen. Mein Puls pocht unangenehm in meinen Ohren, ich bin blass (selbst für meine Verhältnisse). Die Waage hat heute wieder ein halbe Kilo weniger angezeigt, das macht jetzt 16,4 kg insgesamt. Kann mich nicht mal mehr über so etwas freuen. Nur denken dass es nicht reicht, nur die Zahl anschauen und wissen dass es immer noch so viel zu viel ist. Trotzdem noch zu fett. Was ist aus der Zeit geworden in der mir jedes Gramm weniger noch ein Hochgefühl gegeben hat? In der ich aus diesen Dingen wenigstens noch ein bisschen Kraft tanken konnte…Vorbei. Wie alles andere auch…

Hund 1 geht es nicht gut. Zusätzlich zur mittlerweile diagnostizierten Arthrose im Knie hat sie jetzt auch noch Grasmilben an der anderen Pfote. Alles bereits kahl und wund. D.h. jetzt darf sie auch noch die Kragen tragen den wir von ihrer OP glücklicherweise noch zuhause hatten. Armes Mädchen. Und wir vermuten dass sie heute Nacht sogar erhöhte Temperatur hatte. Papa muss mit ihr am Montag unbedingt nochmal zum Tierarzt, und dann ist hoffentlich er selber da, und nicht diese inkompetente Stellvertreterin von letztem Donnerstag….Wieder ein weiterer Sorgenpunkt auf meiner niemals enden wollenden Liste.

Eltern sind heute und morgen jeweils tagsüber nicht da. Immerhin etwas. Nicht sprechen müssen, nicht essen müssen, nicht gefragt werden ob man müde sei (das machen sie ständig, ich weiß auch nicht wieso, ist doch klar dass ich müde bin….) Jetzt werde ich mal testen wie lange ich brauche meinen Fettarsch vom Sofa zu lösen und aufzuräumen und zu lernen. Und ob ich es schaffe heute Abend noch etwas Sport zu machen.

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24. September 2017

Der Tag war…ok? Psychisch gesehen ne Katastrophe, aber habe 5 Stunden Zusammenfassungen geschrieben und gelernt. Also wenigstens etwas dass ich mal hinbekommen habe.

Morgen geht es wieder weiter. Kürzer zum Glück, weil eine Lehrerin einen Termin außer Haus hat. Machbar, irgendwie. Danach noch zum Arzt, die zweite FSME – Impfung steht an.

Momentan haben wir Besuch. Bzw. meine Oma hat Besuch, aber sie schlafen bei uns im Gästezimmer. D.h. Stress. Morgens so leise wie möglich sein, abends vermutlich gemeinsam essen. Stress.

Mir tut alles weh. Mein Rücken fand die heutige Lern-Session alles andere als lustig. Meinen rechten Unterarm muss ich nachher noch von der Hand bis Ellbogen mit Salbe versorgen, die bereits vertraute Sehnenscheidenentzündung kündigt sich schon mit kleinen Anzeichen an.  Und das mit dem Knie…mittlerweile glaube ich stark dass ich da ne Entzündung hab. Mit Salbe und Ibu wird das jetzt bekämpft, und zeitweise klappt das auch, also hoffe ich dass es auf Dauer verschwinden wird.

Mir ist immer noch durchgehend schlecht, dieses nervöse Gefühl im Magen möchte einfach nicht weggehen.

Die Angst will mich nicht in Ruhe lassen, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit schnüren mir die Luft ab.

Ich bin erschöpft. Ich hatte gehofft dass ich jetzt am Wochenende mit der Möglichkeit auszuschlafen sehr viel Schlaf nachholen könnte. Falsch gedacht. Klar, ich habe mehr geschlafen als unter der Woche, aber bei weitem nicht genug….ich glaube auch nicht dass es eine rein körperliche Müdigkeit ist. Es ist die allgemeine Lebens-Müdigkeit….

Zur Wahl…ja zur Wahl will ich gar nichts mehr sagen. Es ist schlimm, es ist enttäuschend, aber irgendwo hatte ich es auch kommen sehen, nur gehofft dass die Menschen vielleicht doch noch mehr im Kopf haben….Naja, passt doch zur allgemeinen Lage der Welt. Alles geht den Bach runter. Hoffen wir einfach mal dass es nicht so schlimm sein wird wie alles jetzt befürchten (müssen)….

 

22. September 2017

Die Woche wäre dann auch endlich geschafft. Ich bin müde. So unglaublich müde. Am liebsten hätte ich mich heute nachdem ich zuhause war gleich hingelegt. Aber ich kann nicht. Die Angst und Nervosität hat sich tief in Kopf und Körper gefressen. Ich ertrage es kaum hier zu sitzen. Anspannung steigt kontinuierlich. Eineinhalb Wochen Ausbildung hinter mir, und ich habe nicht nur Angst vor dem nächsten Tag wie sonst auch, nein, ich habe bereits jetzt panische Angst vor der Abschlussprüfung. Und natürlich vor dem Praktikum nächstes Jahr. Nicht gut genug zu sein. Mir ist dauerhaft schlecht, und selbst wenn ich essen wollen würde, es ginge gar nicht. Allein beim Gedanken daran schnürt es mir den Hals zu. Die (um sicherzugehen aufgerundeten) 500 kcal heute waren eine Qual. Stand von vorhin: -2,5 Kilo seit Sonntag. Nicht gerade viel, aber ich bin dankbar für jedes Gramm. Wenigstens einen positiven Aspekt hat der ganze Stress…Außer dass meine Mutter mich so nervt, ständig will sie mich überreden was zu essen. Kann sie sich bitte mal entscheiden? Erst unterstützt sie alles damit ich abnehme, jetzt passt ihr das auch wieder nicht….

Ich habe gestern meine erste mündliche Note bekommen. Medizinische Terminologie, eine 1. Und ich kann mich einfach gar nicht damit abfinden. Es ist einfach unverdient. Es war nicht schwer, ich habe nichts dafür angeschaut, für so etwas habe ich keine gute Note verdient. Es hat einfach nicht die geringste Herausforderung dargestellt, und bei einer Frage hätte ich mich auch deutlich besser bei der Erklärung ausdrücken können. Jemand anderes hätte diese Chance bekommen müssen bei so etwas „einfachem“ (also für mich)  eine gute Note zu bekommen. Nicht ich.  Auch das lässt mir keine Ruhe….

Mein Rücken bringt mich zeitweise fast um. Immer wieder tut es so weh, weil sich die Muskeln nochmal zusätzlich so richtig verkrampfen. Außerdem habe ich irgendetwas am Bein, linke Kniekehle um genau zu sein. Ist geschwollen und ist ziemlich unangenehm, sodass ich teilweise gar nicht mehr weiß wie ich mein Bein jetzt noch positionieren soll. Ausgestreckt ist doof, abgewinkelt auch, laufen geht so einigermaßen. Muss heute Abend mal mit Salben anfangen….

Der Schlafmangel zeigt sich körperlich gesehen erstaunlicherweise bisher nur in einem Punkt: ich friere die ganze Zeit. Ob mit Jacke, Schal, Decke, heißem Getränk – völlig egal, mir ist kalt. Könnte auch psychisch bedingt sein, glaube ich aber nicht wirklich. In der Regel friere ich immer wenn ich wirklich sehr übermüdet bin.

Wie geht es mir sonst? Ich weiß es wirklich nicht. Ich stand heute Nachmittag eine geschlagene Stunde vorm Spiegel und habe lächeln/lachen und glücklich wirken geübt, nachdem mir heute in medizinische Fachkunde plötzlich und völlig aus dem Nichts Tränen in den Augen standen (die ich auch nur ganz knapp zurückdrängen konnte). So etwas darf nicht passieren. Ein Fehler in der Maske darf einfach nicht vorkommen.

Hinter der Maske sieht es ganz anders aus. Wenn ich alleine in den Spiegel schaue sehe ich ein trauriges, zerbrochenes, hilfloses, blasses, hässliches Etwas.

Auf der einen Seite bin ich froh dass es endlich Wochenende ist. Aber auf der anderen bereitet es mir Magenschmerzen. 2 Tage ohne fest vorgegebene Struktur. Klar, ich werde versuchen so viel wie möglich zu lernen, aber trotzdem….Keinen Zeitdruck zu haben fördert das Risiko die Kontrolle zu verlieren, den Kampf gegen die Emotionen zu verlieren….

Heute morgen habe ich mich dabei ertappt wütend und neidisch zu sein. Neidisch auf Personen die sich verletzen. Die das „dürfen“. Wütend auf mich selbst weil ich a) mir ausgerechnet diese Ausbildung ausgesucht habe (hätte es nicht auch einfach irgendein Bürojob sein können?!) und b) ich es nicht schaffe diese Sehnsucht, die Gedanken abzustellen. Nächste Woche will sie in PA mit Verbänden anfangen. Und mein einziger Hoffnungsschimmer ist dass das vielleicht auch einfach am Modell gemacht wird. Aber dieser winzige Hoffnungsschimmer reicht nicht aus die Panik in mir zurückzudrängen….

Ich bin erschöpft. Die Buchstaben verschwimmen vor meinen Augen. Und mich jetzt durch das Schreiben gezwungenermaßen mit alldem auseinanderzusetzen hat die Übelkeit massiv verschlimmert. Ich denke ich werde jetzt erst mal ins Bad umziehen, für den Fall der Fälle….mein neuestes Buch (A Quiet Kind of Thunder – und ich liebe es jetzt schon so sehr!!!) ein kleiner ablenkender Trostspender an dem ich mich festhalten kann.

15. September 2017

Ich verstehe mich einfach selbst nicht. Die letzten Tage liefen gut. Für meine Verhältnisse sogar sehr gut. Ich habe mich schnell an die Schule gewöhnt, habe sogar sofort Anschluss gefunden. Ich bin sicher dass ich den Stoff bewältigen kann, in einigen Fächern bin ich, wie meine Hausärztin schon zu mir sagte, tatsächlich unterfordert. Englisch z.B. Ich dachte heute wirklich ich würde einschlafen. Und ich finde es unglaublich schwer da ein gutes Maß zu finden. Einerseits möchte ich mitarbeiten/mich beteiligen, aber andererseits weiß ich nicht wie oft ich was sagen/mich melden „darf“ ohne dass es blöd rüberkommt, ich will das ja nicht raushängen lassen…naja, wenigstens muss ich mir da keine Sorgen um Noten machen, das krieg ich hin. Und ich habe Angst dass man mir ansieht dass ich mich langweile. Genau wie in Fachrechnen, das war gestern für mich wirklich anstrengend, aber ich habe die Hoffnung dass es etwas besser wird wenn wir mal Kalkulationen etc. machen. Aber wenn man Mathe an der Uni hatte ist das schon echt hart wenn man Umrechnungen macht und sich dann noch Erklärungen anhören muss warum 1000*1000 nicht 2000 ist. Und dann fühle ich mich arrogant und hasse mich dafür. Zu Recht.

Also alles in allem lief es gut. Und trotzdem komme ich heute heim und alles ist einfach nur schrecklich. Ich bin depressiv, lebensmüde, möchte mich nur noch in der Ecke verkriechen, weinen und schreien. Keine positiven Gedanken möglich, in meinem Kopf nur schlimme Gedanken und Hoffnungslosigkeit. Der unerfüllbare Wunsch nach einem baldigen Ende der sich anfühlt als würde sich in mir Säure ausbreiten.

Ich habe die letzte halbe Stunde damit verbracht intensiv zu analysieren was das ausgelöst haben könnte. Der Wegfall von Stress jetzt wo das Wochenende da ist? Liegt es einfach daran dass ich jetzt „Zeit“ dafür habe und mein Unterbewusstsein nur darauf gewartet hat? Oder liegt es vielleicht auch daran dass mir heute in Laborkunde wieder hart und schmerzlich bewusst wurde dass ich bald auffliegen werde. Noch denken alle ich wäre normal. Bald werden sie meine Narben sehen. Ich wünschte ich könnte das verhindern. Ich wünschte ich könnte sie einfach verschwinden lassen. Der Selbsthass frisst sich durch meine Gedanken. Und ich kann noch nicht mal einschätzen wie lange diese Gnadenfrist noch anhält. Wir haben keinen Zeitplan bekommen, ich weiß nicht wann wir mit Blutdruck und Puls messen anfangen. Nächste Woche wird einem von uns Blut abgenommen für Laborkunde, mein Glück ist nur dass das mit Sicherheit auf freiwilliger Basis sein wird. D.h. ich werde es ganz bestimmt nicht werden. Es fühlt sich an als würde ich darauf warten müssen mich irgendwann vor der Klasse komplett ausziehen müssen. Irgendwie logisch, denn rein emotional gesehen stehe ich ohne meine langen Ärmel ja schon irgendwie „nackt“ vor ihnen. Wenn ich jetzt daran denke bereue ich schon wieder alles und will nur noch weglaufen.

Zu allem dazu kommt noch dass ich die letzten Wochen wieder zugenommen habe. Ich weiß nicht wie viel, auf die Waage traue ich mich einfach nicht. Aber ich kann es sehen. Und meine Oma hat diesbezüglich auch schon einen Kommentar abgegeben (auch wenn sie es lustig und nicht böse gemeint hat, es hat alles bestätigt). D.h. ich muss jetzt wieder richtig aufpassen. Alles auf den Schulalltag ausrichten. Das viele sitzen macht es verdammt schwer und ich bin es nicht mehr gewohnt. Werde teilweise richtig unruhig weil ich mich nicht bewegen kann…Erwische mich wieder dabei wie ich ständig mit den Beinen wippe bzw. „zittere“. So extrem hatte ich das schon lange nicht mehr, ich glaube sogar das letzte Mal war noch in der Klinik, und auch da war es nicht so extrem wie jetzt. Es nervt. Ich kann es nicht abstellen und habe sehr starke Angst dass andere es mitkriegen und dass es sie stört….danke ehemalige Mitpatientin dass du mich damals aus dem nichts deswegen so zickig und gemein angefahren hast dass ich deswegen danach noch über ne Stunde Weinkrämpfe und ein schlechte Gewissen (weil ich dich genervt/gestört habe) hatte. Naja, muss einfach versuchen achtsamer zu sein. Kontrolle heißt, wie immer in meinem Leben, auch hier das Zauberwort. Naja, ändert nichts an der Tatsache dass ich abnehmen muss. Dringend. Morgen und übermorgen ist schon mal extremes Kalorien-Einsparen angesagt. Morgen Abend muss ich ne Pizza essen, will Oma nicht verletzen, sie hat da irgendwie ne Art Ritual draus gemacht wenn meine Eltern nicht da sind. Aber sonst esse ich halt nichts. Für die Schule muss ich mir noch ne gute Strategie überlegen. Ganz ohne ist dumm und unrealistisch.

Wieder einmal versuche ich mich mit schreiben abzulenken. Den Zusammenbruch so lange wie möglich rauszuzögern. Oma kommt heute Abend noch mal kurz, irgendwas trinken und Gute Nacht sagen. Auch ein Ritual seit Opa nicht mehr da ist. Und vorher darf ich nicht weinen.

Die ganze Erbschafts-Geschichte hat die Vergangenheit wieder sehr stark in den Fokus meines Unterbewusstseins gerückt. Alpträume (eigentlich jede Nacht), Flashbacks alles ist wieder an der Tagesordnung. Ich habe Panik davor dass es mal in der Schule passiert. Besser gesagt habe ich Angst mal in eine Panikattacke zu rutschen. Dann könnte ich sofort meinem Leben ein Ende setzen, denn das würde ich nicht ertragen. Es macht mich so unfassbar wütend, wie sehr es sich schon wieder in mein Leben gedrängt hat. Nach der Klinik hatte ich es wirklich gut im Griff. Klar, es war nicht perfekt, aber wesentlich besser. Und jetzt ist alles wieder wie vorher. Nein, es ist schlimmer. Immer wieder sein Name, ich will ihn nicht hören. Ich will nichts von ihm wissen. Will seine bloße Existenz verdrängen. Vergessen. Und nicht auch noch zusätzliche Informationen erhalten wie etwa die Tatsache dass er heiratet. Das alles führt dazu dass er wieder ständige Präsenz in meinem Kopf hat. Und das geht gar nicht….Ich hoffe dieser Alptraum hat bald ein Ende, ich ertrage es langsam nicht mehr….

Es ist schon ironisch. Ich hasse mich für die Narben und was ich mir dadurch selbst angetan habe, den ganzen Stress den sie verursachen, und trotzdem schreit alles in mir nach ein paar tiefen, blutenden Schnitten. Nach der Beruhigung, der Betäubung. Wie schön wäre es dadurch mal wieder richtig „aufatmen“ zu können…..Wieso bin ich so?! Warum schaffe ich es nicht von diesen Gedanken, dieser Sehnsucht weg? Warum kann ich nicht einfach wie andere sein? Was habe ich aus mir und meinem Leben nur gemacht….es ist erbärmlich…ich bin erbärmlich.

 

11. September 2017

Morgen gehts los. Alles wieder mal auf Anfang. Um 9 Uhr muss ich in der Schule sein. Nichts kann das Gefühlschaos in mir beschreiben. Oder die Angst. Diese riesige, fette Angst, die mich schon seit über einer Woche nicht mehr „erholsam“ schlafen lässt. Von der ständigen Nervosität habe ich sehr oft Magenschmerzen oder mir ist schlecht. Von der ständigen Anspannung Schmerzen im Rücken. Gerade habe ich meine letzte Zigarette geraucht. Ich hasse mich dafür ausgerechnet diesen Zeitpunkt gewählt zu haben um meinen Eltern in diesem Wunsch nachzugeben. Aber klar, was tut man nicht alles um sie glücklich zu machen.

Ich habe mein bestes versucht wütend zu sein. Sie für alles zu hassen. Aber ich kann es nicht. Also mache ich weiter wie zuvor. Maske aufsetzen, lächeln, niemandem zu zeigen wie gefährlich weit ich schon über dem Abgrund hänge. Die Bulimie versucht sich Schritt für Schritt wieder in mein Leben zu schleichen. Zu oft habe ich in den letzten Wochen diesbezüglich die Kontrolle verloren. Darf so auf keinen Fall weitergehen. Aber ich habe nichts anderes. So oft war ich kurz davor einfach aufzugeben, zu schneiden, ne Überdosis Medis zu schlucken, nur um einen kurzen Moment der Ruhe, der Erlösung zu haben. Ich habe es nicht getan. Und ein immer größer werdender Teil von mir hasst mich dafür. Ich halte es einfach aus. Immer weitermachen. Egal wie. Egal zu welchem Preis. Ich merke wie ich immer depressiver werde. Kaum etwas macht mir noch Freude, ich bin eigentlich nur noch müde. Tagsüber bin ich manchmal so erschöpft, dass ich nur noch den Kopf ablegen und die Augen schließen kann. Schlaf finde ich trotzdem nicht. Zu laut sind die Gedanken in meinem Kopf. Zu erdrückend die Angst in mir.  Ich weine kaum noch. Entweder habe ich kaum noch Tränen übrig, oder mein Unterbewusstsein hat kapiert dass es eh nichts bringt. Aber ich bin froh dass wenigstens das kaum noch ein Problem darstellt. Es wäre nur eine zusätzliche Anstrengung, und von denen habe ich auch so schon mehr als genug. Der Wunsch alles zu beenden, nicht mehr da zu sein, nie wieder etwas fühlen zu müssen, nicht mehr in diesem Leben gefangen zu sein, ist manchmal so überwältigend groß. Und es ist zerschmetternd dass es Wunschdenken ist und bleiben muss. Dass ich diese Erlösung nicht bekommen werde. Vermutlich habe ich es auch gar nicht verdient. Vermutlich verdiene ich das alles was ich jetzt habe. Den Schmerz, die Angst, die Traurigkeit, die Leere, die Scham, die Einsamkeit. Das ist alles was ich verdiene.

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Der Familienstreit hat noch kein Ende gefunden. Meine Oma ist, jetzt nachdem sie erfahren hat dass der geschätzte Wert ihres Hauses um einiges höher ist als erwartet, nur noch mehr Sorgen. An ihrem Geburtstag letzte Woche waren meine Tante und ihr Mann da. Ich kann nur dankbar sein dass sich alle zusammengerissen haben solange sie noch da war. Als sie nachhause gegangen war ging die Diskussion zwischen meinen Eltern und ihnen wieder in eine neue Runde. Ich ertrage es nicht mehr. Ich kann es nicht mehr hören. Ich verstehe es einfach nicht. Es ist alles so doch schon schlimm genug….Und meine Tante und ihr Mann….die nerven mich so dermaßen dass ich sie teilweise nur anschreien möchte. Mit ihrer Sturheit, ihren Ansichten, ihrer Überheblichkeit. Ich hoffe eine weitere Zusammenkunft kann bis November vermieden werden.

Ich glaube das Schlimmste an dem Abend war als mein Vater gesagt hat, dass er ja vermutlich sowieso als erster von allen sterben wird und es bei ihm alles ganz anders laufen wird (in Bezug auf Beerdiung etc.) Danach war die Nacht gelaufen. Das hat meine Verlustängste die ich tief in mir versuche wegzuschließen komplett frei gelassen. Ich habe die Nacht kein Auge zugekriegt. Und seit langem wieder geweint.

Und gerade hat meine Mutter ihren Bruder unten sitzen. Da halt ich mich jetzt weit weit fern von. Heute bin ich fertig genug, da brauch ich nicht noch mehr von diesem Zirkus.

Ich weiß nicht was ich noch schreiben soll. In meine Kopf überschlägt sich alles. Ich will krampfhaft schreiben, denn es fordert meine Konzentration weit genug um noch als Ablenkung durchzugehen. Mir ist so schlecht, dass ich durchgehend das Gefühl habe mich übergeben zu müssen, aber natürlich ist das nicht wirklich so. Es ist die Angst, die Nervosität vor morgen. Die Panik. Ich weiß jetzt schon dass die Nacht heute eine totale Katastrophe wird, und morgen muss ich um 5 Uhr aufstehen. Super Voraussetzungen für den Tag. Wenn ich daran denke, dass ich ab morgen wieder 5 Tage die Woche das Haus verlassen muss, unter Menschen sein muss, noch mehr funktionieren muss, dann wird mir schwindlig. Ich bin gespannt wie viele Panikattacken die nächste Zeit und insbesondere der morgige Tag für mich bereithält. Ja, das wird alles super.

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Ich fühle mich so unglaublich allein. Ich habe niemanden. Niemanden der mir helfen kann. Niemanden der mich sehen darf. Immer bin ich die starke, normale, gesunde, fröhliche. Keiner weiß wer ich wirklich bin. Ich blicke in die Vergangenheit, es ist traurig was aus dem lächelnden Grundschulkind von damals geworden ist. Eine einsame, kaputte 23-Jährige, ohne Freunde, verletzt, unnahbar, verbittert, schwach. Ja, es ist sogar verdammt traurig.

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26. Juli 2017

Ich glaube ich stehe unter Schock. Alles fühlt sich unwirklich an. Atmen fällt schwer. Nebel vor meinen Augen, meine Hände zittern beinahe unkontrollierbar.

Meine Eltern sind nicht da. Meine Mutter hat heute einen Brief von ihrem Bruder bekommen. In der Anahme dass ich ihn, wie die andere Korrespondenz mit ihren Geschwistern auch, würde lesen dürfen habe ich ihn gelesen. Und ich kann nicht mehr. Sie wissen es. Sie hat ihnen das privateste, intimste Geheimnis meines Lebens verraten. Wie vielen hat sie noch davon erzählt? Ich kann nicht mehr. Wie konnte sie mir das antun? Ich bin so unendlich verletzt. Enttäuscht. Wütend. Bin nicht in der Lage das auch nur ansatzweise zu verarbeiten. Ich will sie nie wieder ansehen müssen. Nie wieder mit ihr reden. Wie soll ich heute, wenn sie nach Hause kommen und dann mit Oma auf ihren Namenstag anstoßen, auch nur halbwegs eine gute Miene hinbekommen?

Ich will schreien, ich will bluten, will den Schmerz rauslassen, will vergessen und verschwinden. Mir fehlen die Worte. Ich hätte nicht erwartet, dass es mir tatsächlich noch schlechter gehen könnte als jemals zuvor. Ich habe mich getäuscht. Genauso wie ich mich in meinen Eltern getäuscht habe. Ich wurde verraten. Verletzt. Gedemütigt. Nie wieder werde ich ihnen irgendetwas von mir preisgeben. Im Moment hasse ich sie. Alle. Jeden Menschen auf dieser Welt. Man kann Menschen nicht vertrauen. Das wusste ich. Aber das? Übertrifft alles bisher da gewesene. Meine Anspannung explodiert gerade. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich spüre meinen Puls in meinen Ohren. Jeder Atemzug ist ein Kampf. Sie haben es nicht verdient, dass ich für sie lebe. Dass ich für sie kämpfe. Nur noch Oma ist da. Also weitermachen – für sie. Alle anderen können mich mal. Ich hab genug. Es ist alles nur zum kotzen. Kotzen? Eine gute Idee. Könnte bisschen Druck wegnehmen…aber es ist vermutlich nie genug Erlösung. Kann es die überhaupt noch geben?

20. Juli 2017

Alles pendelt sich ein, findet seinen Rhythmus. Es ist nichts gutes daran, aber das erwarte ich auch nicht mehr. Nachts schlafe ich gar nicht mehr, vormittags lege ich mich dann noch für 2-4 Stunden hin, und das ist auch eher „nur mal kurz ausruhen und Augen zu machen“.  Ausreichend ist es schon lange nicht mehr. „Richtigen“ Schlaf hatte ich jetzt wann das letzte Mal? Ich weiß es gar nicht mehr. Dementsprechend fühle ich mich. Meine Augen tun weh, sind oft rot und extrem empfindlich. Manchmal sind sie so erschöpft dass ich kaum noch lesen kann, ich muss gefühlt dreifach so häufig blinzeln wie normal, und auch das tut weh. Ich bin schwach, mein Rücken tut weh weil ich ihn kaum noch entspannen kann. Aber das alles ist ok…ich kann damit leben.

Ich bin leer. Da sind keine Emotionen mehr die mir das Leben noch schwerer machen. Da ist einfach nur ein großes Nichts. Das macht alles ein bisschen einfacher.

Ich bin eigentlich nur noch in meinem Zimmer. Nur zum Abendessen oder wenn meine Oma da ist oder zum Gassi gehen verlasse ich es (vom rauchen gehen mal abgesehen, aber da hab ich zum Glück nie Gesellschaft). Es tut so gut. Keine Maske den ganzen Tag lang. Einfach nur allein vor sich hin existieren. Vergraben in Büchern und Geschichten. Weg von allem, weg von der Welt, weg von mir selbst. Ich schwebe hier in einer Art Blase, abgeschirmt und taub. Emotionslos, kalt, alles ist ein bisschen unwirklich. Und trotzdem ist alles noch zu viel. Zu viel Leben, zu viel Ich. Zu viel existieren. Aber ich befinde mich da in einer Einbahnstraße, es gibt keinen Ausweg, und ein zurück gibt es schon gar nicht. Natürlich gäbe es immer die Möglichkeit zu sterben. Es wäre so leicht. Aber diese Türe hab ich für mich verschlossen. Ich weigere mich meiner Familie diesen Schmerz zuzufügen. Ich werde weiterleben, bis sie weg sind. Dann darf ich auch gehen. Bis dahin mache ich weiter. Egal zu welchem Preis.

In meinem Bullet Journal habe ich für jeden Tag eine To-Do-Liste. Und bei jedem Tag befindet sich das Wort „überleben“. 

14. Juli 2017

Ich sitze in der S-Bahn. Klammere mich fast panisch ana Handy. Gar nicht so einfach zu tippen wenn man so verkrampft ist. Meine Anspannung kracht bald durch die Decke. Ich habe Angst. Richtig heftige Angst. Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in dieser großen Stadt. Und ich will auch nicht. Aber da ich ab September wieder 5 Tage die Woche dorthin muss kann ich auch gleich schon damit anfangen mich wieder daran zu gewöhnen. Wie hab ich das all die Jahre einigermaßen problemlos hinbekommen? Wenigstens hab ich die Gewissheit nicht von diesem Bahnhof aus zu fahren. Denn den hasse ich. Zu viele potentielle Gefahren die meine ohnehin existente Angst verfünffachen.

Ich freue mich K. mal wieder „so richtig“ zu treffen, mich mit ihr unterhalten zu können. Aber das macht das alles nicht leichter. Es ist lediglich der Grund mich zwingen zu können. Und irgendwie… ich habe die Hoffnung mich vielleicht überwinden zu können ihr auch nur einen ganz kleinen, winzigen Teil der Wahrheit anvertrauen zu können. Ich weiß dass ich ihr Vertrauen kann, aber ich weiß nicht inwiefern ich mich zwingen kann mal wieder was von dem ganzen scheiß aussprechen zu können. Das konnte ich ja noch nie gut, aber es ist schon sehr sehr lange her dass ich es auch überhaupt mal versucht hätte. 1,5 Jahre schätze ich mal. Mindestens.  Vielleicht hilft ein bisschen Alkohol mir ja auch ein bisschen. Denn wenn ich mich schon zu dieser ganzen Altion überwinde, werd ich es mir zumindest mit ein zwei Cocktails erleichtern.

Ich habe vorhin mit ziemlich großer Überraschung festgestellt, dass ich tatsächlich wieder in eine alte Hose passe. Ich meine klar, die Waage zeigt mir inzwischen über 10 Kilo weniger an, aber man sieht es nicht. Oder sehe nur ich es nicht? Ich hätte diese Hose vermutlich nie in Erwägung gezogen, wenn ich die anderen 2 Alternativen gefunden hätte… Keine Ahnung. Eigentlich ändert es eh nichts. Es ändert nichts daran dass ich nach wie vor fett bin und es ändert nichts daran dass noch weitere 20 Kilo runter müssen. Mindestens… oh man, wie soll ich nachher auch nur einen Bissen runterbringen? Ich hätte das mit essen gehen nicht bejahen sollen…. naja muss ja irgendwie klappen. Aber essen in der Öffentlichkeit? Absolut nicht meine Stärke…. schon gar nicht mit der angstbedingten Übelkeit…obwohl gute Übung für morgen. Essen gehen mit Familie. Das war Mamas brilliante Idee. Oma auf andere Gedanken bringen – ok. Aber musste es gleich essen gehen sein? Was besonderes bestellen hätte doch auch schon gereicht. Und vor allem in einem Restaurant in dem man Gefahr läuft auch noch von Leuten gesehen zu werden die einen kennen? Ne, da bevorzuge ich definitiv die Anonymität in der großen Stadt…

Es ist wirklich extrem nervend wie lange es dauert diesen simplen Text zu schreiben. Nicht nur das erschwerte tippen durch die Anspannung, auch meine Konzentration lässt enorm zu wünschen übrig…. vielleicht verständlich, wenn man bedenkt dass ich vorletzte Nacht überhaupt nicht, und letzte Nacht nur 5 Stunden geschlafen habe. Der Schlafmangel der letzten Zeit macht sich bemerkbar. Meine Augen sind gerötet, und ich bin blasser als sonst schon. Aber es ist wenigstens niemandem aufgefallen. Aber ich bin müde… ich würde so gerne schlafen, aber wer weiß wann ich heute nachhause bzw. ins Bett komme. Und morgen heißt es wieder vergleichsweise früh aufstehen. Und übermorgen dass noch früher. Und in die Kirche. Wegen Opa. Da komm ich also nicht drum rum, obwohl ich wirklich absolut nicht die geringste Lust verspüre eine Kirche zu betreten und so zu tun als würde ich das alles „gutheißen“. Mit fällt kein besseres Wort dafür ein… aber ich habe mit dem ganzen Kram einfach nichts am Hut. Und ich habe Angst vor dem Grab. Ich war seit der Beerdigung nur ein mal, und das auch eher unfreiwillig. Es macht es einfach zu real….ok, schnell die Musik lauter und an was anderes denken. Sonst fange ich wirklich noch an in aller Öffentlichkeit zu heulen….

Edit: und kaum ausm Zug raus weiß ich wieder warum ich es so hasse in dieser Stadt mit diesen vielen Menschen rumzulaufen. Zum Beispiel wegen diesen Jungen Kerlen die in Gruppen rumlaufen und random „I like you whore“ alle paar Meter brüllen….

12. Juli 2017

Ich liege in meinem Zimmer auf dem Sofa, lausche dem Regen der mit wundervoller, beruhigender Wirkung auf das Dachfenster trommelt. Durch das offene Fenster kommt klare, kühle Luft mit diesem typischen Geruch von Regen. Es könnte alles schön sein, wäre da nicht ich. Ich mit den Dämonen in meinem Kopf, überfüllt von negativen Gedanken und Gefühlen. 

Ich hatte heute schon eine kleine bzw. kurze, aber für unsere Verhältnisse heftige Auseinandersetzung mit Mama. Da ich zwar früh aufwache aber meistens noch Stunden im Bett liege, frühstücke ich ja dementsprechend spät. Und was macht sie als erstes als sie gegen halb drei von der Arbeit kommt? Meckern weil mein Geschirr noch rumstand. Ja entschuldigung, das räum ich halt erst weg nachdem ich fertig bin, und nicht schon während ich noch meinen Kaffee trinke. In solchen Momenten kocht die Wut in mir so hoch. Und danach? Da hasse ich mich dann noch mehr. Es ist unfair von mir. Sie kann nicht wissen wie schlimm ich mich fühle. Wie schwer mir alles so schon fällt, ohne ihre Vorwürfe solch „simplere“ Sachen betreffend. Es ist nicht richtig von mir sie dann anzufauchen und kalt zu behandeln. Heute war die Sehnsucht nach Bestrafung wieder enorm hoch. Aber geht ja nicht. Erst lag ich auf meinem Bett, leer und ausgelaugt. Dann hat mich etwas gepackt, dass ich schon von früher von mir kenne. Totaler Rückzug. Alles was noch von mir unten im Wohnzimmer lag gepackt, mein Zimmer aufgeräumt. Und da bin ich nun, die ganze Zeit. Nur zum essen oder rauchen gehe ich runter. Diese Überwindung die es kostet auch nur daran zu denken diesen Raum zu verlassen. Ja, das kenne ich von früher, aber so heftig kam es schon lange nicht mehr vor. Mal sehen ob es ihnen überhaupt auffallen wird. Ich vermute (und hoffe) eher nicht. 

Am Freitag treffe ich mich mit K. Erst in der Stadt und abends ins Kino. Ich will absolut nicht, allein der Gedanke daran löst absolute Panik in mir aus. Aber ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht ihr schon wieder nen Korb zu geben. Ich weiß dass sie sowas traurig macht. Also werde ich es irgendwie hinter mich bringen…

Ich darf da jetzt nicht weiter drüber nachdenken. Eigentlich darf ich gar nicht denken. Sonst endet das am Ende wieder mit Tränen, und das geht nicht solange ich meinen Eltern nochmal begegnen könnte. Vielleicht „gönne“ ich mir das heute vorm einschlafen. Vielleicht verschafft es eine kurze Erleichterung, ein bisschen mehr Ruhe in mir. Obwohl ich das ja eher bezweifle, denn das ist eher selten der Fall…

7. Juli 2017

Alles ist eine ewige Katastrophe. Wie eine lange Straße auf der ich gezwungen bin zu laufen. Eine schreckliche Straße, in tiefste Dunkelheit gehüllt, und mit Alpträumen und Monstern zu beiden Seiten. Und diese Straße hat kein Ende.

Die Sache mit dem Testament spitzt sich zu. Mir hätte klar sein müssen dass er seinen Titel als größtes Arschloch verteidigen würde und sofort auf seinen Pflichtteil besteht, aber vermutlich wollte ich es verdrängen. Dadurch ist alles wieder allgegenwärtig. Flashbacks die mich innerlich so zerreißen, dass ich mich danach oft wundere wieso mein Körper noch ganz ist. Dissoziationen die mich komplett aus dem hier und jetzt reißen. Und in mir ein tobender, nicht zu bändigender Hass. Auf die Leute, die mich damals gezwungen haben es meinen Eltern zu sagen. Die schamlos meine Schwäche und ihre Machtposition ausgenutzt haben, als ich am Boden lag, eingesperrt war und nur da raus wollte, und zu schwach war um diesen hohen Preis dafür nicht zu zahlen. Obwohl dass nicht ganz stimmt, ich wollte ja nicht, aber klein, in die Ecke gedrängt und ohne jede Hilfe, ich konnte ohnehin nur verlieren. Und damit wurde die Mauer zwischen mir und meinen Eltern errichtet. Ich bezweilfe dass die je wieder weggehen wird. Und die spüre ich jetzt deutlicher denn je.

Der Schmerz frisst mich auf. Ich schlage mir die Nächte um die Ohren, versuche mich in Büchern und Spielen zu verlieren bis mein Körper nicht mehr kann und ich erschöpft in einen fürchterlichen Schlaf falle. Dabei bräuchte ich den Schlaf dringend zur Erholung. Meine Maske sitzt in der Regel recht gut, aber von Zeit zu Zeit bekommt sie Risse. Meist kämpfe ich dann damit, versuche meine wahren Gefühle mit dem Anschein schlechter Laune zu verstecken. Ich bin zu dem Schluss gekommen dass es so am einfachsten auszusitzen ist. Bis ich die Maske wieder „repariert“ bekommen habe. Lieber ein bisschen rummaulen als ihnen die Wahrheit zu offenbaren.

Und ich bin ja auch wütend. Das ist ja nicht mal gelogen.  Auf die Welt in der wir leben, auf meine Familie, und am allermeisten auf mich selbst. Verstärkt wird das vermutlich im Moment dadurch, dass wir uns wieder mal an dem Zeitpunkt im Monat befinden, in dem mein Körper und ich uns hoffnungslos bekriegen. Naja, zumindest noch schlimmer als sonst jedenfalls. Ich finde keine Worte, die meinen Selbsthass adequat beschreiben könnten.

In nicht mal mehr einer Stunde kommt A. Wir haben uns seit der Beerdigung nicht mehr gesehen. Ich würde mir einen netten Abend mit einer Freundin vielleicht sogar wünschen, aber ich sehe darin nur Anstrengung. Eigentlich würde ich mich viel lieber wieder in meinem Zimmer verkriechen und verzweifelt versuchen in einem Buch zu entkommen…..mir und dem Rest der Welt.

Edit: In dem Moment, in dem ich mit schreiben fertig war, kamen meine Eltern nachhause. Die waren aufm Sommerfest von Mamas Schule. Und meinen dann noch seelenruhig wir können noch ne Runde mit den Hunden gehen. Ich wurde so so wütend. Sie weiß dass ich Besuch bekomme, sie weiß dass ich so früh nicht mit den Hunden gehen möchte. Aber nein, spielt ja keine Rolle. Und dann rummeckern wegen meiner schlechten Laune. Und ich bin noch wütender. Mitgegangen. Völlig sinnlos weil wir eh scnell wieder umkehren mussten. Dafür hab ich das Haus verlassen und wurde von vielen Leuten gesehen. Und ich hätte jedes Mal losheulen können. Aber klar, Töchterchen funktioniert. Das ist alles was sie sehen. Das ist alles worüber sie sich Gedanken machen. Jedes Mal wenn meine Mutter sich wieder beschwert dass ich nur lese oder spiele oder sonst was, möchts ich sie anschreien. Ihr die Alternativen aufzählen und sie fragen ob ihr das lieber wäre. Aber ich schweige nur. Am Ende.