14. Juli 2017

Ich sitze in der S-Bahn. Klammere mich fast panisch ana Handy. Gar nicht so einfach zu tippen wenn man so verkrampft ist. Meine Anspannung kracht bald durch die Decke. Ich habe Angst. Richtig heftige Angst. Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr in dieser großen Stadt. Und ich will auch nicht. Aber da ich ab September wieder 5 Tage die Woche dorthin muss kann ich auch gleich schon damit anfangen mich wieder daran zu gewöhnen. Wie hab ich das all die Jahre einigermaßen problemlos hinbekommen? Wenigstens hab ich die Gewissheit nicht von diesem Bahnhof aus zu fahren. Denn den hasse ich. Zu viele potentielle Gefahren die meine ohnehin existente Angst verfünffachen.

Ich freue mich K. mal wieder „so richtig“ zu treffen, mich mit ihr unterhalten zu können. Aber das macht das alles nicht leichter. Es ist lediglich der Grund mich zwingen zu können. Und irgendwie… ich habe die Hoffnung mich vielleicht überwinden zu können ihr auch nur einen ganz kleinen, winzigen Teil der Wahrheit anvertrauen zu können. Ich weiß dass ich ihr Vertrauen kann, aber ich weiß nicht inwiefern ich mich zwingen kann mal wieder was von dem ganzen scheiß aussprechen zu können. Das konnte ich ja noch nie gut, aber es ist schon sehr sehr lange her dass ich es auch überhaupt mal versucht hätte. 1,5 Jahre schätze ich mal. Mindestens.  Vielleicht hilft ein bisschen Alkohol mir ja auch ein bisschen. Denn wenn ich mich schon zu dieser ganzen Altion überwinde, werd ich es mir zumindest mit ein zwei Cocktails erleichtern.

Ich habe vorhin mit ziemlich großer Überraschung festgestellt, dass ich tatsächlich wieder in eine alte Hose passe. Ich meine klar, die Waage zeigt mir inzwischen über 10 Kilo weniger an, aber man sieht es nicht. Oder sehe nur ich es nicht? Ich hätte diese Hose vermutlich nie in Erwägung gezogen, wenn ich die anderen 2 Alternativen gefunden hätte… Keine Ahnung. Eigentlich ändert es eh nichts. Es ändert nichts daran dass ich nach wie vor fett bin und es ändert nichts daran dass noch weitere 20 Kilo runter müssen. Mindestens… oh man, wie soll ich nachher auch nur einen Bissen runterbringen? Ich hätte das mit essen gehen nicht bejahen sollen…. naja muss ja irgendwie klappen. Aber essen in der Öffentlichkeit? Absolut nicht meine Stärke…. schon gar nicht mit der angstbedingten Übelkeit…obwohl gute Übung für morgen. Essen gehen mit Familie. Das war Mamas brilliante Idee. Oma auf andere Gedanken bringen – ok. Aber musste es gleich essen gehen sein? Was besonderes bestellen hätte doch auch schon gereicht. Und vor allem in einem Restaurant in dem man Gefahr läuft auch noch von Leuten gesehen zu werden die einen kennen? Ne, da bevorzuge ich definitiv die Anonymität in der großen Stadt…

Es ist wirklich extrem nervend wie lange es dauert diesen simplen Text zu schreiben. Nicht nur das erschwerte tippen durch die Anspannung, auch meine Konzentration lässt enorm zu wünschen übrig…. vielleicht verständlich, wenn man bedenkt dass ich vorletzte Nacht überhaupt nicht, und letzte Nacht nur 5 Stunden geschlafen habe. Der Schlafmangel der letzten Zeit macht sich bemerkbar. Meine Augen sind gerötet, und ich bin blasser als sonst schon. Aber es ist wenigstens niemandem aufgefallen. Aber ich bin müde… ich würde so gerne schlafen, aber wer weiß wann ich heute nachhause bzw. ins Bett komme. Und morgen heißt es wieder vergleichsweise früh aufstehen. Und übermorgen dass noch früher. Und in die Kirche. Wegen Opa. Da komm ich also nicht drum rum, obwohl ich wirklich absolut nicht die geringste Lust verspüre eine Kirche zu betreten und so zu tun als würde ich das alles „gutheißen“. Mit fällt kein besseres Wort dafür ein… aber ich habe mit dem ganzen Kram einfach nichts am Hut. Und ich habe Angst vor dem Grab. Ich war seit der Beerdigung nur ein mal, und das auch eher unfreiwillig. Es macht es einfach zu real….ok, schnell die Musik lauter und an was anderes denken. Sonst fange ich wirklich noch an in aller Öffentlichkeit zu heulen….

Edit: und kaum ausm Zug raus weiß ich wieder warum ich es so hasse in dieser Stadt mit diesen vielen Menschen rumzulaufen. Zum Beispiel wegen diesen Jungen Kerlen die in Gruppen rumlaufen und random „I like you whore“ alle paar Meter brüllen….

17. Juni 2017

Endlich im Bett. Eingewickelt in die Decke. Seit über einer Stunde bin ich wieder „im warmem“, aber mein Körper weigert sich mit frieren und zittern aufzuhören. Ich bin erschöpft, müde. Will nur noch die Augen zumachen und ins Nichts fallen. Mein Kopf will nicht aufhören weh zu tun. Hätte vielleicht doch noch ne Tablette nehmen sollen. Naja, muss ich halt damit klar kommen.

Grillen war sehr anstrengend. Zum Glück musste ich nicht viel reden, nur an den passenden Stellen mal lachen und zwischendurch antworten usw. Es gab einen kurzen sehr unangenehmen Moment, als meine Großcousine mich fragte ob ich diese Klopf-Methode aus der Therapie kennen würde. Unangenehm berührt habe ich ja gesagt (was ja auch stimmt). Sie ist dann kurz noch näher darauf eingegangen weil sie meinem Großcousin ein Buch darüber schenken will (zum rauchen aufhören xD ). Es ging ja gar nicht um mich, aber wenn ich auf Therapie etc. angesprochen werde fühle ich mich immer so unwohl…Das gehört zu den Themen die ich in der Regel um jeden Preis wegschiebe, und schon gar nicht will ich darüber reden. So tun als wäre nie etwas gewesen, alles soll normal und „gut“ sein. Auch dass sie explizit Trauma-Therapie erwähnte hat mich für einen kurzen Moment ziemlich aus der Fassung gebracht (innerlich). Ich weiß bis heute nicht was genau bzw. wie viel sie von Mama weiß und es treibt mich in den Wahnsinn….Ich war so froh als meine Mutter meinte wir würden gehen. Endlich. Es war nicht besonders ereignisreich. Aber mir war es trotzdem noch zu viel. Zu viel soziale Interaktion. Zu viel Konzentration auf die Maske, ohne Rückzugsmöglichkeit. (Vom Essen ganz zu schweigen)  (Und am Ende meinten alle auch noch dass wir sowas eigentlich öfter machen sollten….ähm, nein, lieber nicht.) Mir fehlt im Moment wirklich die Kraft für solche Sachen. Die brauche ich für andere Dinge. Atmen zum Beispiel. 

Jetzt will ich nur noch schlafen. Und das bitte bitte bitte bevor meine Gedanken wieder so richtig loslegen können. 

„Spontan“ kann ich nicht.

Vor knapp einer Stunde rief meine Großtante an. Ob wir heute Abend nicht spontan zum grillen rüberkommen wollen. Und zack, der Stress-Schalter wurde umgelegt. Anziehen schminken. Begleitet von den Gedanken : Was kann ich essen? Wie viel muss ich essen um nicht unhöflich zu wirken? Wer wird sonst noch da sein? Nur Familie? Wird meine Großcousine da sein? (Superlieb, aber Psychologin was mich in ihrer Gegenwart zutiefst nervös und unsicher sein lässt.) Werde ich viel reden müssen? Hoffentlich fragt mich niemand irgendwas. Hoffentlich kann ich bald wieder nachhause. Ich hasse es. Ich habe praktisch keine Zeit mich auf das vorzubereiten. Ich kann spontan einfach nicht.  Mal ganz davon abgesehen wie scheiße ich heute wieder aussehe. Fett, hässlich, meine Wimpern wollten wie immer nicht so wie ich, die Haut vom heulen eine Katastrophe, usw. Als ob der Tag nicht ohne all das schon scheiße genug gewesen wäre…Jetzt auch noch sowas wie soziale Interaktionen. Und normal wirken. Lächeln. Ich will mich doch einfach nur in meinem Zimmer verkriechen…. Schnell noch 1-2 Zigaretten zur Beruhigung und Haare föhnen. Ich bin gestresst, ich habe Angst und meine Anspannung geht durch die Decke. Und auf Wiedersehen Kalorienziel, das ich heute sogar super eingehalten hätte….

Edit: Gerade ist meine Großcousine rübergekommen. Salat holen oder so. Sie ist also da :/ (ich fühle mich vermutlich auch hauptsächlich so unwohl in ihrer Nähe, weil meine Mutter immer mit ihr über mich geredet hat…Danke dafür…)

15. Juni 2017

Seit einer knappen Stunde sitze ich hier im Bett. Schlafen klappt gar nicht. Selbst schuld, wenn ich halt zu dumm bin rechtzeitig an die Tabletten zu denken.

Ich sitze hier, höre dem Regen zu. Es beruhigt. Das Gewitter fängt an, baut sich langsam auf. Wenigstens der Himmel kann alles rauslassen. 

Der Tag – ein komplettes Chaos. Ich fühle alles, ich fühle nichts. Ich bin unruhig wenn ich sitze, erschöpft wenn ich aufstehe um etwas zu tun. Ich bin wütend/traurig/verzweifelt, ich bin leer. Ich will schreien, ich will für immer verstummen. Alles ist im Wechsel, nie lange genug da um sich daran zu gewöhnen, um damit fertig zu werden. Die Zeit rennt und vergeht quälend langsam. 

Der Streit in der Familie ist mal wieder eskaliert. Wie erwartet – beim Thema Testament. War doch klar. Ich will davon nichts mehr hören. Von meiner Tante will ich nichts mehr wissen. Wie kann man nur so sein? Ich bin das alles so leid. Warum sind manche Menschen nur auf Streit aus? Warum kann man nicht zufrieden sein mit dem was man hat? Warum stellen manche Menschen so viel unwichtiges über Familie und Harmonie? Sie hat ihren Vater verloren und hat nichts besseres zu tun als ihrer Mutter Vorwürfe und ihr das Leben noch schwerer zu machen. Aber das sieht sie wohl nicht so. In ihrer Welt existieren nur sie, ihre Tochter, ihr Enkel, und (wenn er Glück hat) ihr Mann. Alle anderen sind ja nur scheiße zu ihr und böse und müssen bekämpft werden. Ach soll sie doch. Oma hat es glaube ich auch schon aufgegeben auf Besserung zu hoffen. Trotzdem ist das Thema jetzt wahrscheinlich wieder jeden Tag da. Und ich muss es mir anhören, ob ich will oder nicht. Das ist doch zum kotzen.

Die Waage teilte mir heute Morgen nach Tagen derVermeidung überraschenderweise mit dass ich abgenommen habe. Konnte ich mich wenigstens darüber freuen? Nein, konnte ich nicht. Denn ein Blick in den Spiegel bestätigt mir: immer noch um Welten zu fett, immer noch hässlich. Und natürlich hat Fetti heute entgegen dem Plan wieder viel zu viel gefressen. Ekelhaft und verachtenswert. Für jeden Bissen sollte ich eigentlich geschlagen werden. Und das wäre noch das Mindeste von dem was ich eigentlich verdient hätte…

Das Thema Uni schweige ich solange tot, bis sie von selbst drauf kommen. Vielleicht vergessen sie es ja auch, ist ja genug los im Moment. Mir bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten und zu hoffen.

Was habe ich heute erreicht? Tja, die größte Leistung war wohl aufstehen und duschen. Sonst rein gar nichts. Wie immer, die Dauer-Versagerin.

Ich habe Magenschmerzen. Wie oft in letzter Zeit. Nicht gerade förderlich auf der Suche nach Schlaf. Die Musik ist zu leise um die Gedanken zu übertönen. Eigentlich auch wie immer. Die Gedanken zu wirr um sie aufschreiben zu können. Ich habe kaum Konzentration für irgendwas übrig. Wie lange sitze ich jetzt schon hier und schreibe diese wenigen Zeilen? Ich weiß es nicht. Der Regen hat aufgehört, auch dieser beruhigende Effekt wurde mir genommen. Kein Gewitter mehr. Durch das Fenster kommt nur Dunkelheit, Stille und abgekühlte Luft. Und gleich liege ich wieder hier, wie jede Nacht, beschäftigt mit der Frage wie es weitergehen soll. Woher ich noch Kraft nehmen soll. Für einen weiteren Tag, eine weitere Woche, einen weiteren Monat. Und wie jede Nacht werde ich keine Antwort finden. Das einzige was klar ist: Ich werde da sein, und muss es überleben. Muss funktionieren. Weitermachen. 

Und hoffentlich bald schlafen. Im Moment bin ich leer, da sind keine Tränen mit denen ich mich herumschlagen muss. Ich verbuche das mal als Pluspunkt. Aber ich brauche Schlaf. Morgen, ach nein, mittlerweile ja schon heute, beginnt der Krieg mit mir selbst bzw. meinem Inneren wie jeden Tag aufs Neue. Weitere Schlachten die zu bewältigen sind. Und dafür sollte ich wohl wenigstens ein bisschen ausgeruht sein. 

14. Juni 2017

Ich sitze im Garten auf der Terasse. In meinen Ohren dröhnt die Musik mit maximaler Lautstärke, aber immer noch nicht laut genug um die Gedanken zu übertönen. Nichts will heute helfen. Serien, YouTube, lesen, ich finde keine Ablenkung. Gerade die Küche aufgeräumt, ich hätte noch so viele andere Dinge zu tun, aber ich finde weder Energie noch Motivation dafür. Möchte durchgehend weinen, aber tagsüber darf ich das nicht. Bereits eine „große“ und eine „kleine“ Panikattacke hinter mir heute. Es ist so erschöpfend. Anspannung auf höchstem Level, ohne Aussicht auf Erleichterung. 

Ich habe noch genauf anderthalb Stunden Zeit den Kurs zu bestätigen. Ich schaffe es nicht. Beim Gedanken daran bekomme ich ein Ziehen im Magen, meine Finger fangen an zu zittern und mein ohnehin komplett verspannter Körper krampft sich noch mehr zusammen. Also werde ich es lassen. Ich wähle zwischen zwei Übeln, und ich wähle das (hoffentlich) kleinere. Und hasse mich dafür so sehr, dass ich große Kraft aufbringen muss mich nicht sofort zu schlagen. 

Ich bin so müde. Ich habe so schlecht geschlafen, ich hätte es auch ganz sein lassen können. Dementsprechend fühlen sich meine Augen und mein Kopf. In meiner linken Schläfe pocht ein Schmerz als hätte ich mir etwas sehr schweres dagegen geschlagen.  

Ich versage. Jeden Tag wieder. In allem und ohne Ausnahme. In ca. einem Monat muss ich zu meiner Hausärztin. Sie muss bestätigen dass ich aus medizinischer Sicht die Ausbildung machen kann. Ich muss anfangen mich darauf vorzubereiten. Auf die Fragen die kommen werden. Ich wurde seit einer Ewigkeit nicht mehr ernsthaft gefragt wie es mir geht. Ich muss vollkommen überzeugend sein (und das ist bei dieser Frau alles andere als leicht). Ich hoffe sie fragt nicht näher nach, auch wegen Tabletten und so. Ich bezweifle dass sie begeistert ist wenn sie hört dass ich nichts mehr nehme. Ich bin so froh wenn ich das auch hinter mir habe. Aber bis dahin muss noch viel Zeit vergehen. Die ich vollkommen unbeschadet überstehen muss. 

Bis zum 24. Juni muss ich ein Geburtstagsgeschenk für K. finden. Stress-Level 1000. Ich kann sowas einfach nicht. Ich bin nicht kreativ und nichts. Und bei allem habe ich Angst dass es ihr nicht gefallen könnte. Ich schenke Menschen gerne etwas, gebe auch gerne mal etwas mehr Geld aus, freue mich darüber wenn sie sich freuen, aber ich muss zu 100% wissen, sonst ist es ne Katastrophe. Wieder etwas worin ich scheiße bin. Aber naja, gibt ja auch nichts wo ich das nicht wäre.

Heute Nacht will ich schlafen. Tief und nach Möglichkeit traumlos. Heute Abend kann ich auch was dafür nehmen. Morgen früh sind meine Eltern wieder da und ich muss nicht aufstehen, also ist alles drin. Aber vorher muss ich noch viel schaffen. Mit den Hunden raus, nach dem gemeinsamen Abendessen mit Oma besagtes Essen auch drinbehalten, und im Bestfall noch Bad aufräumen und meinen Kleiderschrank ausmisten (falls ich das nicht schaffe darf ich mir von Mama wieder fein was anhören von wegen ich hab dich vor 5 Tagen drum gebeten dass du das in der Zeit machst usw. , und sie hat ja Recht, gerade den Schrank schiebe ich schon seit Ewigkeiten vor mir her….)

Auf die Waage trau ich mich schon seit ner Woche nicht mehr. Ich denke die gestiegene Zahl würde ich im Moment nicht verkraften. Die nächsten Tage muss ich mal schauen dass ich wieder unter 500 kcal bleibe, und Sport machen egal ob das Bein noch weh tut. Ist schon eine Schande wie ich aussehe. 

Meine Cousine stand heute völlig unerwartet mitsamt Kind vor der Tür. Bin froh dass Oma mit ihr zu sich rüber gegangen ist. Ich habe weder die Kraft noch die Nerven für derartigen sozialen Kontakt. Außerdem bin ich wütend auf sie. Sie meldet sich nie bei uns, und nicht mal zu Opas Beerdigung ist sie gekommen weil sie „niemanden fürs Kind gefunden hat“ (Ausrede, ihrem eigenen Vater traut sie nicht zu mal 2 Stunden auf nen 3 Jährigen aufzupassen und der Familie von ihrem Mann war alles andere wichtiger, aber auf hoch christlich machen immer inklusive Bibel-Sprüchen und allem ne -.- und bei Oma hat sie sich erst gemeldet nachdem meine Mutter meiner Tante das beim großen Streit vorgeworfen hat als sie behauptet hat wir würden sie alle nicht mögen. Sorry aber ich habe kein Verständnis dafür. 

Außerdem reden sie vielleicht über Opa. Und ich hasse es. Ich komm damit nicht klar, will die Geschichte nicht zum 100. Mal neu aufrollen. Es ist schwer genug zu ertragen wenn Oma von ihm redet. Ich will nicht darüber nachdenken, will den Schmerz nicht fühlen müssen. 

Ich sollte jetzt meinen fetten Arsch hochbekommen und was tun. Aber ich finde keinerlei Energie in mir. Aber ich muss. Irgendwie. Funktionieren. Das Wort das meinen Lebensinhalt, meinen Lebenszweck beschreibt. 

Gerade rauscht „We Won’t Stop Dreaming“ in meine Ohren. Das Lied könnte nicht weniger passen. Ich habe schon vor sehr langer Zeit aufgehört wirklich zu träumen. 

Edit: haha dachte ich könnte noch versuchen mich mit meinem Bullet-Journal abzulenken. Aber nein, ich kann weder richtig schreiben noch zeichnen weil meine Hände zu stark zittern. Ganz toll…

22. Mai 2017

Mir geht es nicht gut. Und wenn man es genauer betrachtet befinde ich mich immer noch in einer Abwärtsspirale. Komme nicht raus. Fühle mich hilflos. Schwach. Versage. Immer.

Abnehmen läuft. Sehr langsam, (zu langsam für meinen Geschmack), aber wenigstens trete ich nicht immer noch auf der Stelle. Ich habe Kontrolle. Keine FA oder ähnliches. Aber trotzdem ist essen furchtbar geworden. Ich hasse jeden Bissen. Und fühle mich danach schlecht. Obwohl ich mit einem durchschnittlichen Maximum von 900 kcal eigentlich gut im Rahmen liege. Die meiste Zeit liege ich ja eher drunter. Ich bin immer noch unbeschreiblich fett.

Das wurde mir heute wieder richtig ins Gesicht geklatscht. Klamotten kaufen mit Mama und Oma. Es war eine Katastrophe wie ich davor bereits befürchtet hatte. Auf dem Heimweg im Auto nur noch mit den Tränen gekämpft. Da hat auch die neue Michael Kors Tasche nicht mehr getröstet.  Habe jetzt 2 alte Kleider ausm Kleiderschrank gewühlt die noch so einigermaßen passen. Denn am Samstag heiratet mein Großcousin. Und ich bin jetzt schon am verzweifeln. Fast einen ganzen Tag lang einen auf „ist das Leben nicht super“ machen. Und dann deren ganze Freunde. Kenne nur wenige und die sind garantiert nicht meine Wahl wenn ich entscheiden müsste mit wem ich Zeit verbringen würde. Null meine Wellenlänge und eher die Sorte die immer über andere lästert. Ich weiß jetzt schon dass ich jede Sekunde dieses Tages hassen werde. Früher in der Therapie meinte Frau Thera immer ich müsste lernen mich solchen Situationen zu entziehen die mich stressen oder mir nicht gut tun. Tja, hab ich in all den Jahren immer noch nicht gelernt.  Dazu kommt dass ich meinen Cardigan zuhause liegen gelassen hatte. Die Blicke waren….naja, sagen wir sehr unangenehm. Ich finde es ja immer wieder interessant dass vor allem die jungen Leute starren und reden. Man könnte meinen die wären aufgeklärter oder so. Aber die sind immer die schlimmsten.

Ich war die ganzen letzten Tage schon mies drauf, aber nach heute ist es nochmal schlimmer. Das Schlimme ist dass ich nichts tun kann. Ich kann mich nicht selbst bestrafen, ich kann nicht Frustfressen. Ich habe keine Möglichkeit zu kompensieren. Und das führt leider dazu dass ich immer wieder (wenn alles wieder einen Höhepunkt erreicht) alles an meinem Umfeld auslasse. Das ist unfair und danach hasse ich mich noch mehr, aber ich kann es nicht abstellen.

Heute sollte ich eigentlich noch Sport machen. Aber durch das einkaufen und den Frust bin ich mental wie körperlich komplett erschöpft. Würde am liebsten jetzt schon ins Bett aber dann macht Oma sich Sorgen und das will ich nicht. Also noch irgendwie Zeit totschlagen. Ist nur schwer weil ich so schlecht drauf bin dass nichts mich irgendwie ablenkt. Eigentlich nervt mich nur alles…

09. Mai 2017

Alltag ist in den letzten Wochen zuhause eingekehrt. Aber nichts ist mehr wie zuvor. Oma ist jetzt sehr oft bei uns. Am Wochenende gibt es gemeinsames Frühstück und Mittagessen, unter der Woche Kaffeetrinken, Abendessen, und nochmal spätabends zusammensitzen. Ich lasse keine Sekunde davon aus. Ich bereue nicht früher die Wichtigkeit von diesen Dingen erkannt zu haben. Ich habe noch stärkere Verlustängste als früher….Der ganze Papierkram, und jetzt das Aussortieren von seinen Sachen….das ist sehr schmerzhaft. Ich habe ein paar T-Shirts und seinen Vereins-Trainingsanzug bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Sachen anzuhaben. Ein Stück von ihm bei mir zu haben. Er hat 2 so Sammelalben für mich geführt. Mit Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern. Als Oma mir die gegeben hat….es hat so unglaublich weh getan. Ich konnte nur noch heulen. Ich weiß noch wie ich meiner Mutter gesagt habe dass ich das nicht will, dass ich ihn wiederhaben will. Mittlerweile kann ich es zumindest ansehen. Aber er fehlt. Wenn wir bei Oma am Tisch sitzen, ist der Platz rechts von mir leer. Seit ich mich erinnern kann saß er immer da neben mir. Und jetzt nicht mehr. Oft habe ich immer noch das Gefühl dass er gleich wiederkommt. Wenn Oma abends bei uns ist und ich sehe beim rauchen drüben in ihrem Wohnzimmer Licht brennen, fühlt es sich einen Moment so an als wäre er dort. Bis mir wieder einfällt dass er nie wieder dort in seinem Sessel sitzen wird…Er fehlt mir so sehr. Aber nichts davon dringt mehr durch meine Maske. Ich bin die glückliche Tochter um die sich niemand Sorgen zu machen braucht. Die haben auch so schon genug um die Ohren da brauchen sie nicht auch noch mich die rumheult.

Ich schaffe es seit ca. einer Woche mich nicht mehr in den Schlaf weinen zu müssen. Das ist wenigstens etwas. Und auch sonst hab ich alles im Griff. Wortwörtlich. Es hat vielleicht 2 Tage gedauert nachdem ich beschlossen habe das Abnehmen an erste Priorität zu setzen. 2 Tage bevor ich komplett zurückgefallen bin in die alten Verhaltensmuster. Alles wird gewogen, alles wird schriftlich festgehalten. Viel Bewegung, 6 Tage die Woche täglich ein kleines Sportprogramm. Es fällt mir nicht im gerinstens schwer. Kontrolle und hungern hat das Trost-Essen als Kompensation komplett ersetzt.  Und auch sonst wird alles geplant. Das Witzige ist dass meine Eltern das früher komplett gehasst haben wenn ich Kalorien Fett etc. gezählt und dokumentiert habe. Jetzt findet meine Mutter es gut und hilft mir sogar beim abwiegen. Find ich gut, das macht es mir sehr viel leichter. Nichts davon heimlich machen zu müssen ist sehr entspannt. Klar, ne fette hässliche Tochter zu haben ist scheiße. Früher war ich wenigstens nur hässlich.  Hoffentlich muss sie sich in ein paar Monaten nicht mehr für mich schämen….

Wenn ich mich nicht gerade bewege oder mein Essen abwiege, läuft ständig irgendetwas. Ablenkung ist wichtig. Ruhe und Stille kann ich nicht ertragen. Alles, bloß nicht mit mir und meinen Gedanken allein sein.

Mittlerweile bin ich was „rausgehen“ betrifft wohl in der schlimmsten Phase meines Lebens angekommen. Ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus wenn es nicht unbedint sein muss. Mit den Hunden rausgehen ist die pure Folter. Die Bewegung an sich finde ich super, aber dass ich dafür das Haus verlassen muss, von Menschen gesehen werden könnte, das ist reinste Qual. Menschliche Interaktion außerhalb meiner Familie? Findet fast gar nicht mehr statt. Vielleicht beim Französisch-Treffen alle paar Wochen, bei ner minimalen Whatsapp Unterhaltung ein Mal die Woche, oder gezwungenermaßen wenn irgendwas beim Verein ist. Ansonsten nichts. Und mich überfordert das schon im Moment. Vor allem direkt, also wenn mich Menschen sehen können. Das ist wahnsinnig anstrengend. Ich kriege jetzt schon Panik wenn ich daran denke dass ich im Juni mindestens 1 Mal die Woche in die Uni muss. Angst.Angst.Angst.

Es gibt kaum noch Momente in denen ich mich „gut“ fühle. Oder wenigstens ok. Eigentlich ist alles nur grau, kalt und leer. Ich existiere von einem Tag zum nächsten. Schlafe so lange wie möglich damit der Tag schneller vorbei ist. Wenn ich objektiv und ehrlich zu mir selbst bin (das fällt verdammt schwer) muss ich zugeben dass ich stark depressiv bin. Sterben will ich nicht mehr. Der Tod ist mein Feind geworden. Er bringt nichts als Schmerz für die die zurückbleiben. Aber das ist auch schon alles….

Ich muss das bis September irgendwie wieder auf die Reihe kriegen. Funktionieren und Listen und Vorsätze abarbeiten ist schön und gut, aber Depression, Angst und Panik sind keine guten Begleiter für den Start der Ausbildung. Das muss besser werden. Leider habe ich keine Ahnung wie ich das anstellen soll….

01. April 2017

Ich wollte diesen Monat positiv angehen. Auch wenn er nichts positives für mich bereithält. Geburtstag, neues Semester,alles andere als Gründe sich zu freuen. 

Aber jetzt weiß ich schon, dass das mit dem positiv bereits gescheitert ist. 

Denn wenn dir was zu essen gebracht wird und im selben Moment gefragt wird warum dein Arsch so groß und fett geworden ist, und dann darauf rumgeritten wird dass du Sport machen musst, dann bricht sämtlicher Wille positiv zu denken und zu fühlen zusammen. 

Sobald sie weg war nur noch geheult. Es tut so versammt weh sowas ständig zu hören. Eigentlich täglich. Was das betrifft hat meine Familie aus den letzten Jahren absolut nichts gelernt. 

Also ungesund abnehmen. Kotzen ist nicht drin, das könnte in den Blutwerten bemerkt werden. Also hungern. Und jetzt gehe ich für den Rest des Nachmittags aufs Laufband. Mir egal ob mein Körper danach komplett im Arsch ist. 

Wenn sowas ständig von der eigenen Familie kommt, kann man erst recht nicht mehr unter Menschen gehen. Es ist zu peinlich. Die Demütigung ist zu groß. 

Das schlimmste an allem ist, dass ich niemandem die Schuld geben kann außer mir selbst. 

Den Vertrag hab ich gestern abgeschickt. Die Angst etwas falsch gemacht zu haben, dass es doch nicht klappt, hat mich fast die ganze Nacht nicht schlafen lassen. 

Leben ist so verdammt anstrengend. Warum kann ich nicht einfach aufhören zu existieren?

Beyond the Night

Die letzte Nacht war hart. Der Schmerz fast unerträglich. Und sehr schwer in Worte zu fassen. 

Aber: der Kampf war wohl nicht umsonst. Denn so schlimm es auch war, es hat irgendetwas tief in mir drin hervorgebracht. Vielleicht eine Art Reserve-Energie, die geschlafen hat bis sie auch wirklich dringendst benötigt wird. Diese Energie hat sich zu Motivation transformiert. Motivation die mich antreibt nicht länger auf diesem Weg weiterzugehen. Diesem Weg, der in den letzten Monaten daraus bestand kampflos Stück für Stück unterzugehen. 

Habe ich also heute gelernt? Nein, habe ich nicht. Damit bin ich nicht zufrieden, kann aber damit leben, und das ist auch schon mal was. Ich werde morgen in die Uni fahren und diese dämliche Klausur schreiben. Ich werde nicht bestehen, darauf war ich aber ohnehin eingestellt. Ich sehe es vielmehr als ein weiterer Kampf gegen die Angst, in diesem Fall speziell die Angst das Haus zu verlassen und unter Menschen zu sein. Und wenn ich das morgen schaffe ohne danach einfach nur sterben zu wollen, sehe ich es als Erfolg an. 

Was also habe ich heute gemacht? Schließlich habe ich behauptet Motivation gefunden zu haben. Ich habe angefangen mich wieder zu strukturieren. Ich habe Ziele formuliert, mit kleineren Unterpunkten wie diese Ziele erreicht werden können. Es sind keine „konkreten“ Ziele. Sondern allgemeine, mit dem großen Ziel einen guten und gesunden Alltag für mich zu schaffen. 

Ich plane wieder jeden Tag. Zuerst ein paar allgemeine Dinge, dann versuche ich für jeden Tag einen groben Ernährungsplan aufzustellen (auf den ich mich aber gerade jetzt am Anfang nicht komplett verkrampft versteifen will, denn dazu stecke ich im Moment zu sehr in der Essstörung – ich brauche kleine Schritte, ein von heute auf morgen gibt es nicht) und am Schluss gibt es für den Anfang 3-4 Punkte, Dinge die ich erledigen/schaffen will, die dann am Ende des Tages abgehakt werden können. Damit sind nicht nur richtige Aufgaben gemeint, sondern auch bewusst schöne Dinge erleben, einfach auch Dinge die ich sowieso schon mache. Es geht darum alles bewusster wahrzunehmen, nicht den ganzen Tag wir eine leblose Hülle vor mich hinzuvegetieren. 

Außerdem habe ich ein Test-Bullet Journal angefangen. Ich denke dass das etwas für mich ist, und nicht nur zu mehr Struktur verhelfen kann, sondern auch als „Skill“ bzw. sinnvolle Ablenkung sehr gut verwendet werden kann. Vorerst bleibt es aber bei einem Test, etwa einen Monat lang. Denn wenn ich mich sofort da reinstürze könnte es schief gehen. Ich möchte es zwanglos und locker angehen, denn schließlich besteht ja trotz allem die Möglichkeit dass es nicht so klappt, und dann besteht weniger Gefahr dass ich mich dafür selbst fertig mache bzw. verurteile. 

Das war heute ein sehr großer Schritt für mich. Mal wieder. Und es war auch bei weitem nicht leicht. Aber es hinterlässt ein positives Gefühl. Und es zeigt mir, die letzten Klinikaufenthalte waren nicht umsonst. Ich habe eine Menge über mich gelernt, und versuche jetzt das wieder anzuwenden. Und auch Erkenntnisse und Rückmeldungen von damals nicht weiter wegzuschieben. Essstörung, Depression, PTBS usw. anzuerkennen, nicht zu verleugnen. 

Ich habe bis September Zeit wieder ein bisschen auf die Beine zu kommen. Das sollte zu schaffen sein.

Das alles ist nur ein kleiner Anfang. Es geht mir damit ein wenig besser, aber dieser eine Tag löst ganz bestimmt nicht all meine Probleme in Luft auf. Ich bin trotzdem noch von Angst zerfressen. Ich muss trotzdem noch mit Tränen kämpfen. Ich kann meinen Körper trotzdem nicht ansehen oder an ihn denken ohne mich zu hassen. Und von den Dingen die mir die Vergangenheit ruiniert hat will ich gar nicht erst anfangen (dass sich das nicht mehr ändern wird, dass weiß ich und habe mehr oder weniger gelernt mit diesen Einschränkungen zu leben (Stichwort Beziehung, Familie etc.) auch wenn es sehr schmerzhaft ist darüber nachzudenken sobald es meine Eltern betrifft, keine Enkel etc. Ich glaube damit werde ich wohl nie ganz fertig werden, aber dann ist es halt so). Oh, irgendwie habe ich doch noch damit angefangen, naja egal, mein Blog/Tagebuch – meine Texte/Inhalte/Themen.  Ich bin immer noch eine Katastrophe im Sozialleben, immer noch die schlechteste Freundin die man haben kann, aber auch daran kann ich arbeiten. Kleine Schritte eben. Und die 2 Freundinnen die ich habe, die werden geduldig auf mich warten, und nehmen mich auch im Moment so wie ich bin. Eigentlich sind sie ein Geschenk das ich nicht verdient habe.

Und um das ganze Geschwafel jetzt zu beenden, denn es ist schon wieder nach Mitternacht und ich muss um 6 aufstehen, noch eine unnötige Nebeninformation: meine Haare sind jetzt gute 6-7 cm kürzer. Das ist bitter, denn meine Haare wachsen in der Geschwindigkeit einer, ähm, kriechbehinderten (gehbehindert kann man da ja nicht sagen) Schnecke, aber sie sehen endlich wieder gesund aus, und das ist auch was wert 🙂

Btw: Der Titel von diesem Eintrag ist der Name von einem Lied, dass ich vor Jahren mal gefunden hae. Ist eigentlich kein „richtiges“ Lied, sondern ein Lied dass ich gehört habe als es in einer Sci-Fi Serie, die mein Vater immer anschaut, vorkam. Es geht dabei eigentlich um Frieden nach dem Tod, vom Ende allen Schmerzes und Leids. Es ist eine schöne Szene und das Lied ist auch sehr schön. Irgendwie kam es mir heute in den Sinn und hat daher so seinen Platz im heutigen Tagebucheintrag bekommen.

Durchhalten

Zwanzig nach eins. Alles ist dunkel. Nur das leuchten des Handys sticht in meinen Augen. Schlaflos trotz Müdigkeit. Zu viele Gedanken. Zu viel Angst. 

Am Dienstag ist die Mathe Klausur. Ich habe nichts gemacht. Habe jeden Gedanken daran weggeschoben. War deswegen wütend auf mich selbst, aber dennoch so machtlos. Morgen wird den ganzen Tag gelernt. Es wird nichts bringen. Dass mich diese Klausur so gnadenlos stresst obwohl es mir praktisch ja egal sein könnte macht mich fertig. Denn so oder so ist es „versagen“.  

Morgen. Ähm nein, ist ja schon heute, steht außerdem noch Friseur an. Seit der OP sind meine Haare nur noch kaputt und nichts was ich mache hilft. Das gleiche Problem mit der Haut. Der krasse Unterschied zwischen“OP-Seite“ und normaler Seite ist sogar meiner Mutter schon aufgefallen. Das alles ist für mein Selbstwertgefühl nicht wirklich förderlich. Irgendwo in mir drin sehne ich mich nach einer starken Veränderung. Haare ab, andere Farbe, irgendwas. Aber dann auch wieder lieber nicht. 

Hauptinhalt meines Lebens ist nur noch Angst. So stark ausgeprägt war es noch nie. Ich verlasse das Haus eigentlich gar nicht mehr. Autofahren ist ne Katastrophe. Soziale Kontakte machen Angst. Die Zukunft macht Angst. Und diese Ängste haben fatale Auswirkungen. Ich bin gelähmt. Morgen muss ich den Vertrag abschicken. Habe ich bisher nicht geschafft, weil Angst. Angst dass was schiefgehen könnte. Ich bin nur noch müde, fühle mich komplett gerädert. Die Angst stresst. Die Anspannung teilweise unerträglich. Ich mache eigentlich den ganzen Tag nichts mehr. Bin depressiv. Die kleinsten Dinge fallen schwer. Duschen, anziehen, Haare machen, alles unglaublich schwer, an manchen Tagen auch zu schwer. Das ist unglaublich peinlich und erniedrigend, aber nun mal die harte Realität. Ich weine nicht mehr. Ich weigere mich. Fast stündlich kämpfe ich mit den Tränen die sich in meine Augen drängen. Oft völlig ohne erkennbaren Grund. Aber ich lasse es nicht zu. Ich habe es nicht verdient zu weinen. 

Abnehmen läuft auch nicht. Ich habe es eine Woche lang geschafft. „Gesund“ wollte ich es haben. Dann nicht mehr. Ich schwanke zwischen Extremen. Entweder ich zwinge mich konkret nichts zu essen und Kalorien zu zählen, und dann führt essen unweigerlich zum erbrechen. Wenn ich das bewusst zu verhindern versuche, falle ich ins andere Extrem. Ein dazwischen gibt es nicht mehr. Selbsthass bestimmt neben der Angst alles. Ein Grund mehr zuhause zu bleiben. Unsichtbar zu sein. Ich bekomme täglich von meiner Mutter Kommentare bezüglich meiner Ernährung, Sport und meinem Gewicht. Sie meint es nicht böse, das weiß ich, aber es verschlimmert alles nur. Aber die Wahrheit kann ich ihr ja auch nicht sagen. Also ertrage ich. 

Ich habe häufig Panikattacken. Meist verstecke ich mich dann in meinem Zimmer. Versuche die Geräusche die ich dann von mir gebe (denn dann kann ich nicht mehr richtig atmen und keuche und hyperventiliere) so gering wie möglich zu halten oder irgendwie im Kissen oder in der Matratze oder was auch immer grade in erreichbarer Nähe ist zu ersticken (hilft beim Atemproblem übrigens auch nicht wirklich -.-) 

Möchte so oft einfach sterben. Und dann zerreißt es mich wieder innerlich, denn es ist unmöglich. Sich das unmögliche zu wünschen ist sehr sehr schmerzhaft. 

Bin komplett allein mit allem. Heute morgen bin ich aufgewacht und war so traurig. Ich hatte geträumt wie ich mit jemandem gesprochen habe. Über alles. Die reine Wahrheit. Ich kann mich nicht erinnern wer es war. Aber ich glaube das ist auch gar nicht der Punkt. Der Punkt ist dass es ein Traum war und bleibt. Und diese Erkenntnis tut weh. Macht traurig. Und bestärkt nur noch das Gefühl allein dazustehen. Allein zu kämpfen. Diese für alle anderen unsichtbare Schlacht auszutragen. 

Ich sehe/höre wie andere Hilfe haben. Therapie, Klinik, Freunde und Familie etc. Und ich bin neidisch. Nicht auf die Hilfe an sich, sondern eher darauf dass sie „sich zeigen“ können. Ich existiere nur einfach vor mich hin. Angepasst. Bin nie wirklich „ich“. Da erinnere ich mich wieder daran, wie Frau Körpertherapeutin mich in der Klinik mal ganz ernst fragte ob ich je darüber nachgedacht hätte Schauspielerin zu werden, denn das beherrsche ich ja wirklich. Erst fand ich den Gedanke ja sehr lustig, denn mal ehrlich ich und Schauspielerin?! (Weil ich es ja soll sehr liebe beobachtet/angeschaut zu werden). Aber sie hatte recht. Ich wäre vermutlich wirklich gut darin, denn was anderes mache ich ja nicht. Ich bin immer nur in einer Hülle, einer Maske die ich mir nach Bedarf zurecht modelliere. Sofern ich nicht allein bin. Ich glaube nicht dass ich jemals wieder in der Lage sein werde in Gegenwart einer anderen Person einfach nur „ich“ zu sein. Eigentlich bin ich eine wandelnde Lüge. Erbärmlich. 

 Jetzt ist es gleich 2 Uhr morgens. Ich habe versucht sämtliche Gedanken die mir grade kamen einfach runterzuschreiben( vermutlich ist der Text voll mit Fehlern und ergibt gar keinen Sinn, aber egal). Um vielleicht besser schlafen zu können. Nicht wieder so etwas träumen zu müssen. Jetzt ist da nur noch Leere. Ich bin noch müder als zuvor, meine Augen brennen. Ich frage mich ob ich jetzt dann schlafen kann, oder ob mich die Angst wieder einholen wird, mit Gedanken an morgen, übermorgen, mein Leben, die Zukunft. Ich hoffe nicht. Ich brauche ne Pause. Erholsamer Schlaf ist kostbar geworden. Und wird bitter benötigt.

Edit: ich war noch bis nach vier wach, habe gegen Tränen gekämpft die einfach nicht aufhören wollten aus meinen Augen zu störmen. Jetzt bin ich aufgestanden, todmüde, nicht im geringsten ausgeruht, meine Augen tun weh und alles ist nur zum kotzen.