22. Mai 2017

Mir geht es nicht gut. Und wenn man es genauer betrachtet befinde ich mich immer noch in einer Abwärtsspirale. Komme nicht raus. Fühle mich hilflos. Schwach. Versage. Immer.

Abnehmen läuft. Sehr langsam, (zu langsam für meinen Geschmack), aber wenigstens trete ich nicht immer noch auf der Stelle. Ich habe Kontrolle. Keine FA oder ähnliches. Aber trotzdem ist essen furchtbar geworden. Ich hasse jeden Bissen. Und fühle mich danach schlecht. Obwohl ich mit einem durchschnittlichen Maximum von 900 kcal eigentlich gut im Rahmen liege. Die meiste Zeit liege ich ja eher drunter. Ich bin immer noch unbeschreiblich fett.

Das wurde mir heute wieder richtig ins Gesicht geklatscht. Klamotten kaufen mit Mama und Oma. Es war eine Katastrophe wie ich davor bereits befürchtet hatte. Auf dem Heimweg im Auto nur noch mit den Tränen gekämpft. Da hat auch die neue Michael Kors Tasche nicht mehr getröstet.  Habe jetzt 2 alte Kleider ausm Kleiderschrank gewühlt die noch so einigermaßen passen. Denn am Samstag heiratet mein Großcousin. Und ich bin jetzt schon am verzweifeln. Fast einen ganzen Tag lang einen auf „ist das Leben nicht super“ machen. Und dann deren ganze Freunde. Kenne nur wenige und die sind garantiert nicht meine Wahl wenn ich entscheiden müsste mit wem ich Zeit verbringen würde. Null meine Wellenlänge und eher die Sorte die immer über andere lästert. Ich weiß jetzt schon dass ich jede Sekunde dieses Tages hassen werde. Früher in der Therapie meinte Frau Thera immer ich müsste lernen mich solchen Situationen zu entziehen die mich stressen oder mir nicht gut tun. Tja, hab ich in all den Jahren immer noch nicht gelernt.  Dazu kommt dass ich meinen Cardigan zuhause liegen gelassen hatte. Die Blicke waren….naja, sagen wir sehr unangenehm. Ich finde es ja immer wieder interessant dass vor allem die jungen Leute starren und reden. Man könnte meinen die wären aufgeklärter oder so. Aber die sind immer die schlimmsten.

Ich war die ganzen letzten Tage schon mies drauf, aber nach heute ist es nochmal schlimmer. Das Schlimme ist dass ich nichts tun kann. Ich kann mich nicht selbst bestrafen, ich kann nicht Frustfressen. Ich habe keine Möglichkeit zu kompensieren. Und das führt leider dazu dass ich immer wieder (wenn alles wieder einen Höhepunkt erreicht) alles an meinem Umfeld auslasse. Das ist unfair und danach hasse ich mich noch mehr, aber ich kann es nicht abstellen.

Heute sollte ich eigentlich noch Sport machen. Aber durch das einkaufen und den Frust bin ich mental wie körperlich komplett erschöpft. Würde am liebsten jetzt schon ins Bett aber dann macht Oma sich Sorgen und das will ich nicht. Also noch irgendwie Zeit totschlagen. Ist nur schwer weil ich so schlecht drauf bin dass nichts mich irgendwie ablenkt. Eigentlich nervt mich nur alles…

09. Mai 2017

Alltag ist in den letzten Wochen zuhause eingekehrt. Aber nichts ist mehr wie zuvor. Oma ist jetzt sehr oft bei uns. Am Wochenende gibt es gemeinsames Frühstück und Mittagessen, unter der Woche Kaffeetrinken, Abendessen, und nochmal spätabends zusammensitzen. Ich lasse keine Sekunde davon aus. Ich bereue nicht früher die Wichtigkeit von diesen Dingen erkannt zu haben. Ich habe noch stärkere Verlustängste als früher….Der ganze Papierkram, und jetzt das Aussortieren von seinen Sachen….das ist sehr schmerzhaft. Ich habe ein paar T-Shirts und seinen Vereins-Trainingsanzug bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Sachen anzuhaben. Ein Stück von ihm bei mir zu haben. Er hat 2 so Sammelalben für mich geführt. Mit Euro-Münzen aus den verschiedenen Ländern. Als Oma mir die gegeben hat….es hat so unglaublich weh getan. Ich konnte nur noch heulen. Ich weiß noch wie ich meiner Mutter gesagt habe dass ich das nicht will, dass ich ihn wiederhaben will. Mittlerweile kann ich es zumindest ansehen. Aber er fehlt. Wenn wir bei Oma am Tisch sitzen, ist der Platz rechts von mir leer. Seit ich mich erinnern kann saß er immer da neben mir. Und jetzt nicht mehr. Oft habe ich immer noch das Gefühl dass er gleich wiederkommt. Wenn Oma abends bei uns ist und ich sehe beim rauchen drüben in ihrem Wohnzimmer Licht brennen, fühlt es sich einen Moment so an als wäre er dort. Bis mir wieder einfällt dass er nie wieder dort in seinem Sessel sitzen wird…Er fehlt mir so sehr. Aber nichts davon dringt mehr durch meine Maske. Ich bin die glückliche Tochter um die sich niemand Sorgen zu machen braucht. Die haben auch so schon genug um die Ohren da brauchen sie nicht auch noch mich die rumheult.

Ich schaffe es seit ca. einer Woche mich nicht mehr in den Schlaf weinen zu müssen. Das ist wenigstens etwas. Und auch sonst hab ich alles im Griff. Wortwörtlich. Es hat vielleicht 2 Tage gedauert nachdem ich beschlossen habe das Abnehmen an erste Priorität zu setzen. 2 Tage bevor ich komplett zurückgefallen bin in die alten Verhaltensmuster. Alles wird gewogen, alles wird schriftlich festgehalten. Viel Bewegung, 6 Tage die Woche täglich ein kleines Sportprogramm. Es fällt mir nicht im gerinstens schwer. Kontrolle und hungern hat das Trost-Essen als Kompensation komplett ersetzt.  Und auch sonst wird alles geplant. Das Witzige ist dass meine Eltern das früher komplett gehasst haben wenn ich Kalorien Fett etc. gezählt und dokumentiert habe. Jetzt findet meine Mutter es gut und hilft mir sogar beim abwiegen. Find ich gut, das macht es mir sehr viel leichter. Nichts davon heimlich machen zu müssen ist sehr entspannt. Klar, ne fette hässliche Tochter zu haben ist scheiße. Früher war ich wenigstens nur hässlich.  Hoffentlich muss sie sich in ein paar Monaten nicht mehr für mich schämen….

Wenn ich mich nicht gerade bewege oder mein Essen abwiege, läuft ständig irgendetwas. Ablenkung ist wichtig. Ruhe und Stille kann ich nicht ertragen. Alles, bloß nicht mit mir und meinen Gedanken allein sein.

Mittlerweile bin ich was „rausgehen“ betrifft wohl in der schlimmsten Phase meines Lebens angekommen. Ich gehe gar nicht mehr aus dem Haus wenn es nicht unbedint sein muss. Mit den Hunden rausgehen ist die pure Folter. Die Bewegung an sich finde ich super, aber dass ich dafür das Haus verlassen muss, von Menschen gesehen werden könnte, das ist reinste Qual. Menschliche Interaktion außerhalb meiner Familie? Findet fast gar nicht mehr statt. Vielleicht beim Französisch-Treffen alle paar Wochen, bei ner minimalen Whatsapp Unterhaltung ein Mal die Woche, oder gezwungenermaßen wenn irgendwas beim Verein ist. Ansonsten nichts. Und mich überfordert das schon im Moment. Vor allem direkt, also wenn mich Menschen sehen können. Das ist wahnsinnig anstrengend. Ich kriege jetzt schon Panik wenn ich daran denke dass ich im Juni mindestens 1 Mal die Woche in die Uni muss. Angst.Angst.Angst.

Es gibt kaum noch Momente in denen ich mich „gut“ fühle. Oder wenigstens ok. Eigentlich ist alles nur grau, kalt und leer. Ich existiere von einem Tag zum nächsten. Schlafe so lange wie möglich damit der Tag schneller vorbei ist. Wenn ich objektiv und ehrlich zu mir selbst bin (das fällt verdammt schwer) muss ich zugeben dass ich stark depressiv bin. Sterben will ich nicht mehr. Der Tod ist mein Feind geworden. Er bringt nichts als Schmerz für die die zurückbleiben. Aber das ist auch schon alles….

Ich muss das bis September irgendwie wieder auf die Reihe kriegen. Funktionieren und Listen und Vorsätze abarbeiten ist schön und gut, aber Depression, Angst und Panik sind keine guten Begleiter für den Start der Ausbildung. Das muss besser werden. Leider habe ich keine Ahnung wie ich das anstellen soll….