Es ist einfach nur zum heulen.

Gestern war Opas Beerdigung. Es war grausam. Es war traurig. Und es war schön. Es hätte ihm gefallen. Seine Jagdhornbläser habe viele Lieder für ihn gespielt. Das war sein Leben. 30 Jahre lang. Es gab viele schöne Worte über ihn. Alle haben gesagt wie besonders diese Beerdiung war. Und es waren so viele Leute da. Klar, alle haben ihn gemocht, aber mit so vielen Leuten hatte glaube ich dann doch keiner von uns gerechnet. Ich habe mich auf dem Friedhof an meine Rose für ihn geklammert als wäre es das einzige was mich zusmmenhalten kann. Und ich denke nicht dass es an der Kälte lag dass ich nicht nur gezittert habe, sondern dass es mich am ganzen Körper schier geschüttelt hat. Ich glaube das war zu viel Emotion…

Und ich glaube er war da. Als die Bläser gespielt haben, es war als wäre er vorne beim Altar bei ihnen gestanden. Und als alles auf dem Friedhof standen kam erst richtig großer Graupel. Kleine Eiskristalle die auf der Rose in meinen Händen und in meinen Haaren gelandet ist. Und dann auf einmal, ganz plötzlich kam die Sonne und hat uns angeschienen und gewärmt. Und es hat sich wirklich so angefühlt als ob er das war.  Meine beste Freundin war auch da. Und als sie mich umarmt hat sagte sie „Siehst du jetzt lässt er die Sonne wieder scheinen“. Allein dass sie da war, das hat mir so viel bedeutet. Aber diese Worte, diese Bestätigung meiner Gedanken, das war Balsam, Salbe und Trost für meine Seele. So viele schöne Blumen schmücken sein Grab. Ich habe es nicht über mich gebracht wie die restliche Familie noch Erde reinzuwerfen, aber ich glaube das versteht er. Auch das Kaffeetrinken im Anschluss hätte ihm bestimmt gefallen. Alle haben sich gut unterhalten. Und jeder sagte zu uns wie geschockt sie über die Nachricht waren. Das alles so plötzlich kam. Aber sie werden ihn alle in guter Erinnerung behalten, das weiß ich und das ist mir wichtig.  Ich glaube ich werde immer an ihn denken wenn mich die Strahlen der Sonne treffen und wärmen. Das ist er.

Alles in allem wäre es trotz der Tragik, dem Schmerz und der Trauer ein schöner Tag, ein schöner Abschied gewesen. Wenn nicht meine Tante gewesen wäre. Was die sich geleistet hat….Wir können es alle noch gar nicht richtig glauben dass das wirklich passiert ist. Sie hat die Tage vorher schon rumgezickt und gejammert wegen ihrem Ex-Mann. Von dem sie seit 20 Jahre geschieden ist. Dass sie ihn auf der Beerdigung nicht sehen will und wenn sie ihn aufm Freidhof sieht würde sie ihn rausschmeißen. Wir haben ihr gesagt dass sie das nicht machen kann. Dass sie Oma und uns alle nicht so blamieren kann. Seit Jahren ist sie glücklich wieder verheiratet, man könnte meinen man könnte es mit dem Hass gut sein lassen. Aber nein, sie hat es tatsächlich getan. In der Kirche. Hat sie ihn aus einer der Bänke (vor den Augen aller anderen) rausgeholt und weggeschickt. Wie kann man so wenig Anstand haben? Er hatte nie ein Problem mit meinen Großeltern, auch nach der Scheidung nicht. Und überhaupt, wie kommt sie auf die Idee sie hätte zu entscheiden wer kommen darf und wer nicht?! Und auch später konnte sie es nicht gut sein lassen und hat alle mit ihrem Hass und ihren „Rechtfertigungen“ genervt. Und keiner hat ihr Verständnis entgegengebracht. Also ist sie recht früh gegangen. Wir haben versucht es vor Oma geheimzuhalten, aber gegen Abend kam es dann doch raus….Klar, keiner von uns weiß was genau in der Ehe alles vorgefallen ist, es waren sicherlich beide nicht unschuldig. Aber das rechtfertigt nichts. Schon gar nicht nach 20 Jahren. Mal zu Verdeutlichung: Mamas zweiter Bruder wird für mich immer ein Monster bleiben für das was er mir angetan hat. Aber ich habe kein Wort darüber verloren dass er in der Todesanzeige erwähnt wird obwohl meine Mutter sich dafür mehr oder weniger sogar entschuldigt hat. Und ich hätte mit Sicherheit auch kein Wort darüber verloren wenn er gestern da gewesen wäre, denn es war sein Vater und es wäre sein gutes Recht gewesen. Und ohne jetzt egoistisch oder selbstbezogen klingen zu wollen, was zwischen uns vorgefallen ist war mit Sicherheit schlimmer als die „schlechte“ Ehe meiner Tante.

Aber was sie heute gebracht hat, das kann und werde ich ihr nicht verzeihen. Hat sie doch tatsächlich die Nerven zu Oma zu fahren, rumzuschreien, zu versuchen sich als Opfer darzustellen, nur Vorwürfe zu machen. Meine Oma hat ihr als letztes nur noch gesagt: „Sich so aufzuführen wo der Papa noch nicht mal richtig begraben ist. Schäm dich, schäm dich in Grund und Bode“ (es ist irgendwie verdammt schwer dass alles aus dem bayrischen ins Hochdeutsche zu übersetzen). Daraufhin ist sie gegangen. Meine Oma tut mir so unendlich leid. Was sie alles mitmachen muss. Sie sieht auf einmal so alt aus. So zerbrechlich dass es mir die Tränen in die Augen treibt. Ich hasse meine Tante dafür dass sie alles nur noch schlimmer machen muss. Wie kann ein Mensch so sein? Keiner von uns hätte das erwartet….

Ich bin so unruhig. Innerlich aufgwühlt. Weiß nichts mit mir anzufangen. Werde jetzt wohl mal aufräumen und Bad putzen, dann hat meine Mutter schon mal einen Stresspunkt weniger…..

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Ein Gedanke zu “Es ist einfach nur zum heulen.

  1. Lass dir Zeit! Das ist alles okay so, die Empfindungen ganz normal und du und dein ganzes Umfeld sollen und dürfen jetzt Verständnis haben.
    Nichts tut so weh wie der Verlust. Zum Glück aber tut es nicht für immer so weh.

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