Beyond the Night

Die letzte Nacht war hart. Der Schmerz fast unerträglich. Und sehr schwer in Worte zu fassen. 

Aber: der Kampf war wohl nicht umsonst. Denn so schlimm es auch war, es hat irgendetwas tief in mir drin hervorgebracht. Vielleicht eine Art Reserve-Energie, die geschlafen hat bis sie auch wirklich dringendst benötigt wird. Diese Energie hat sich zu Motivation transformiert. Motivation die mich antreibt nicht länger auf diesem Weg weiterzugehen. Diesem Weg, der in den letzten Monaten daraus bestand kampflos Stück für Stück unterzugehen. 

Habe ich also heute gelernt? Nein, habe ich nicht. Damit bin ich nicht zufrieden, kann aber damit leben, und das ist auch schon mal was. Ich werde morgen in die Uni fahren und diese dämliche Klausur schreiben. Ich werde nicht bestehen, darauf war ich aber ohnehin eingestellt. Ich sehe es vielmehr als ein weiterer Kampf gegen die Angst, in diesem Fall speziell die Angst das Haus zu verlassen und unter Menschen zu sein. Und wenn ich das morgen schaffe ohne danach einfach nur sterben zu wollen, sehe ich es als Erfolg an. 

Was also habe ich heute gemacht? Schließlich habe ich behauptet Motivation gefunden zu haben. Ich habe angefangen mich wieder zu strukturieren. Ich habe Ziele formuliert, mit kleineren Unterpunkten wie diese Ziele erreicht werden können. Es sind keine „konkreten“ Ziele. Sondern allgemeine, mit dem großen Ziel einen guten und gesunden Alltag für mich zu schaffen. 

Ich plane wieder jeden Tag. Zuerst ein paar allgemeine Dinge, dann versuche ich für jeden Tag einen groben Ernährungsplan aufzustellen (auf den ich mich aber gerade jetzt am Anfang nicht komplett verkrampft versteifen will, denn dazu stecke ich im Moment zu sehr in der Essstörung – ich brauche kleine Schritte, ein von heute auf morgen gibt es nicht) und am Schluss gibt es für den Anfang 3-4 Punkte, Dinge die ich erledigen/schaffen will, die dann am Ende des Tages abgehakt werden können. Damit sind nicht nur richtige Aufgaben gemeint, sondern auch bewusst schöne Dinge erleben, einfach auch Dinge die ich sowieso schon mache. Es geht darum alles bewusster wahrzunehmen, nicht den ganzen Tag wir eine leblose Hülle vor mich hinzuvegetieren. 

Außerdem habe ich ein Test-Bullet Journal angefangen. Ich denke dass das etwas für mich ist, und nicht nur zu mehr Struktur verhelfen kann, sondern auch als „Skill“ bzw. sinnvolle Ablenkung sehr gut verwendet werden kann. Vorerst bleibt es aber bei einem Test, etwa einen Monat lang. Denn wenn ich mich sofort da reinstürze könnte es schief gehen. Ich möchte es zwanglos und locker angehen, denn schließlich besteht ja trotz allem die Möglichkeit dass es nicht so klappt, und dann besteht weniger Gefahr dass ich mich dafür selbst fertig mache bzw. verurteile. 

Das war heute ein sehr großer Schritt für mich. Mal wieder. Und es war auch bei weitem nicht leicht. Aber es hinterlässt ein positives Gefühl. Und es zeigt mir, die letzten Klinikaufenthalte waren nicht umsonst. Ich habe eine Menge über mich gelernt, und versuche jetzt das wieder anzuwenden. Und auch Erkenntnisse und Rückmeldungen von damals nicht weiter wegzuschieben. Essstörung, Depression, PTBS usw. anzuerkennen, nicht zu verleugnen. 

Ich habe bis September Zeit wieder ein bisschen auf die Beine zu kommen. Das sollte zu schaffen sein.

Das alles ist nur ein kleiner Anfang. Es geht mir damit ein wenig besser, aber dieser eine Tag löst ganz bestimmt nicht all meine Probleme in Luft auf. Ich bin trotzdem noch von Angst zerfressen. Ich muss trotzdem noch mit Tränen kämpfen. Ich kann meinen Körper trotzdem nicht ansehen oder an ihn denken ohne mich zu hassen. Und von den Dingen die mir die Vergangenheit ruiniert hat will ich gar nicht erst anfangen (dass sich das nicht mehr ändern wird, dass weiß ich und habe mehr oder weniger gelernt mit diesen Einschränkungen zu leben (Stichwort Beziehung, Familie etc.) auch wenn es sehr schmerzhaft ist darüber nachzudenken sobald es meine Eltern betrifft, keine Enkel etc. Ich glaube damit werde ich wohl nie ganz fertig werden, aber dann ist es halt so). Oh, irgendwie habe ich doch noch damit angefangen, naja egal, mein Blog/Tagebuch – meine Texte/Inhalte/Themen.  Ich bin immer noch eine Katastrophe im Sozialleben, immer noch die schlechteste Freundin die man haben kann, aber auch daran kann ich arbeiten. Kleine Schritte eben. Und die 2 Freundinnen die ich habe, die werden geduldig auf mich warten, und nehmen mich auch im Moment so wie ich bin. Eigentlich sind sie ein Geschenk das ich nicht verdient habe.

Und um das ganze Geschwafel jetzt zu beenden, denn es ist schon wieder nach Mitternacht und ich muss um 6 aufstehen, noch eine unnötige Nebeninformation: meine Haare sind jetzt gute 6-7 cm kürzer. Das ist bitter, denn meine Haare wachsen in der Geschwindigkeit einer, ähm, kriechbehinderten (gehbehindert kann man da ja nicht sagen) Schnecke, aber sie sehen endlich wieder gesund aus, und das ist auch was wert 🙂

Btw: Der Titel von diesem Eintrag ist der Name von einem Lied, dass ich vor Jahren mal gefunden hae. Ist eigentlich kein „richtiges“ Lied, sondern ein Lied dass ich gehört habe als es in einer Sci-Fi Serie, die mein Vater immer anschaut, vorkam. Es geht dabei eigentlich um Frieden nach dem Tod, vom Ende allen Schmerzes und Leids. Es ist eine schöne Szene und das Lied ist auch sehr schön. Irgendwie kam es mir heute in den Sinn und hat daher so seinen Platz im heutigen Tagebucheintrag bekommen.

Durchhalten

Zwanzig nach eins. Alles ist dunkel. Nur das leuchten des Handys sticht in meinen Augen. Schlaflos trotz Müdigkeit. Zu viele Gedanken. Zu viel Angst. 

Am Dienstag ist die Mathe Klausur. Ich habe nichts gemacht. Habe jeden Gedanken daran weggeschoben. War deswegen wütend auf mich selbst, aber dennoch so machtlos. Morgen wird den ganzen Tag gelernt. Es wird nichts bringen. Dass mich diese Klausur so gnadenlos stresst obwohl es mir praktisch ja egal sein könnte macht mich fertig. Denn so oder so ist es „versagen“.  

Morgen. Ähm nein, ist ja schon heute, steht außerdem noch Friseur an. Seit der OP sind meine Haare nur noch kaputt und nichts was ich mache hilft. Das gleiche Problem mit der Haut. Der krasse Unterschied zwischen“OP-Seite“ und normaler Seite ist sogar meiner Mutter schon aufgefallen. Das alles ist für mein Selbstwertgefühl nicht wirklich förderlich. Irgendwo in mir drin sehne ich mich nach einer starken Veränderung. Haare ab, andere Farbe, irgendwas. Aber dann auch wieder lieber nicht. 

Hauptinhalt meines Lebens ist nur noch Angst. So stark ausgeprägt war es noch nie. Ich verlasse das Haus eigentlich gar nicht mehr. Autofahren ist ne Katastrophe. Soziale Kontakte machen Angst. Die Zukunft macht Angst. Und diese Ängste haben fatale Auswirkungen. Ich bin gelähmt. Morgen muss ich den Vertrag abschicken. Habe ich bisher nicht geschafft, weil Angst. Angst dass was schiefgehen könnte. Ich bin nur noch müde, fühle mich komplett gerädert. Die Angst stresst. Die Anspannung teilweise unerträglich. Ich mache eigentlich den ganzen Tag nichts mehr. Bin depressiv. Die kleinsten Dinge fallen schwer. Duschen, anziehen, Haare machen, alles unglaublich schwer, an manchen Tagen auch zu schwer. Das ist unglaublich peinlich und erniedrigend, aber nun mal die harte Realität. Ich weine nicht mehr. Ich weigere mich. Fast stündlich kämpfe ich mit den Tränen die sich in meine Augen drängen. Oft völlig ohne erkennbaren Grund. Aber ich lasse es nicht zu. Ich habe es nicht verdient zu weinen. 

Abnehmen läuft auch nicht. Ich habe es eine Woche lang geschafft. „Gesund“ wollte ich es haben. Dann nicht mehr. Ich schwanke zwischen Extremen. Entweder ich zwinge mich konkret nichts zu essen und Kalorien zu zählen, und dann führt essen unweigerlich zum erbrechen. Wenn ich das bewusst zu verhindern versuche, falle ich ins andere Extrem. Ein dazwischen gibt es nicht mehr. Selbsthass bestimmt neben der Angst alles. Ein Grund mehr zuhause zu bleiben. Unsichtbar zu sein. Ich bekomme täglich von meiner Mutter Kommentare bezüglich meiner Ernährung, Sport und meinem Gewicht. Sie meint es nicht böse, das weiß ich, aber es verschlimmert alles nur. Aber die Wahrheit kann ich ihr ja auch nicht sagen. Also ertrage ich. 

Ich habe häufig Panikattacken. Meist verstecke ich mich dann in meinem Zimmer. Versuche die Geräusche die ich dann von mir gebe (denn dann kann ich nicht mehr richtig atmen und keuche und hyperventiliere) so gering wie möglich zu halten oder irgendwie im Kissen oder in der Matratze oder was auch immer grade in erreichbarer Nähe ist zu ersticken (hilft beim Atemproblem übrigens auch nicht wirklich -.-) 

Möchte so oft einfach sterben. Und dann zerreißt es mich wieder innerlich, denn es ist unmöglich. Sich das unmögliche zu wünschen ist sehr sehr schmerzhaft. 

Bin komplett allein mit allem. Heute morgen bin ich aufgewacht und war so traurig. Ich hatte geträumt wie ich mit jemandem gesprochen habe. Über alles. Die reine Wahrheit. Ich kann mich nicht erinnern wer es war. Aber ich glaube das ist auch gar nicht der Punkt. Der Punkt ist dass es ein Traum war und bleibt. Und diese Erkenntnis tut weh. Macht traurig. Und bestärkt nur noch das Gefühl allein dazustehen. Allein zu kämpfen. Diese für alle anderen unsichtbare Schlacht auszutragen. 

Ich sehe/höre wie andere Hilfe haben. Therapie, Klinik, Freunde und Familie etc. Und ich bin neidisch. Nicht auf die Hilfe an sich, sondern eher darauf dass sie „sich zeigen“ können. Ich existiere nur einfach vor mich hin. Angepasst. Bin nie wirklich „ich“. Da erinnere ich mich wieder daran, wie Frau Körpertherapeutin mich in der Klinik mal ganz ernst fragte ob ich je darüber nachgedacht hätte Schauspielerin zu werden, denn das beherrsche ich ja wirklich. Erst fand ich den Gedanke ja sehr lustig, denn mal ehrlich ich und Schauspielerin?! (Weil ich es ja soll sehr liebe beobachtet/angeschaut zu werden). Aber sie hatte recht. Ich wäre vermutlich wirklich gut darin, denn was anderes mache ich ja nicht. Ich bin immer nur in einer Hülle, einer Maske die ich mir nach Bedarf zurecht modelliere. Sofern ich nicht allein bin. Ich glaube nicht dass ich jemals wieder in der Lage sein werde in Gegenwart einer anderen Person einfach nur „ich“ zu sein. Eigentlich bin ich eine wandelnde Lüge. Erbärmlich. 

 Jetzt ist es gleich 2 Uhr morgens. Ich habe versucht sämtliche Gedanken die mir grade kamen einfach runterzuschreiben( vermutlich ist der Text voll mit Fehlern und ergibt gar keinen Sinn, aber egal). Um vielleicht besser schlafen zu können. Nicht wieder so etwas träumen zu müssen. Jetzt ist da nur noch Leere. Ich bin noch müder als zuvor, meine Augen brennen. Ich frage mich ob ich jetzt dann schlafen kann, oder ob mich die Angst wieder einholen wird, mit Gedanken an morgen, übermorgen, mein Leben, die Zukunft. Ich hoffe nicht. Ich brauche ne Pause. Erholsamer Schlaf ist kostbar geworden. Und wird bitter benötigt.

Edit: ich war noch bis nach vier wach, habe gegen Tränen gekämpft die einfach nicht aufhören wollten aus meinen Augen zu störmen. Jetzt bin ich aufgestanden, todmüde, nicht im geringsten ausgeruht, meine Augen tun weh und alles ist nur zum kotzen. 

13. März 2017

Ich bin so wütend auf mich selbst. Ich sollte glücklich sein. Mich freuen. Aber ich schaff es nicht. Erst gestern abend wieder in Tränen ausgebrochen. Verzweiflung. Trauer. Selbsthass.

Jetzt da das Ausbildungsproblem vom Tisch ist wird es Zeit ein anderes Thema mit 100% anzugehen. Abnehmen. Ich ertrage mich so nicht mehr. Jeder Blick in den Spiegel ein einziger Schmerz. Jedes mal wenn ich mich umziehe ist der Hass auf diesen Körper überwältigend. Ich fasse es nicht wie ich mich so gehen lassen konnte. Essen wurde zum einzigen Kompensationsmechanismus. So geht das nicht weiter. Bis September möchte ich 20 Kilo verlieren. Klar, klingt utopisch, ist es vermutlich auch. Aber ich muss es versuchen. Mit allen Mitteln. Mal ganz davon abgesehen dass mein jetziges Gewicht auch rein gesundheitlich betrachtet eine Katastrophe ist.

Ich bin durchgehen müde. Egal wie viel ich schlafe. Meine Stimmung ist auch ziemlich im Keller. Ist das diese depressive Grundstimmung, von der mir gesagt wurde dass ich die wohl immer haben werde? Vermutlich. Ganz toll.

Heute abend kommen meine Eltern zurück. Es war ganz schön das Haus mal wieder für mich allein zu haben. Beim weinen nicht ständig Angst haben zu müssen entdeckt zu werden. Aber es war auch ziemlich einsam. Und anstrengend alles allein zu machen. (Dass beide Hundedamen im Moment läufig sind macht es auch nicht wirklich leichter…)

Ich habe die letzten 2 Tage sogar zwei kurze „Gespräche“ mit Freundinnen über whatsapp geführt. Das ist äußerst selten geworden…Also wenigstens etwas positives.

Nachdem ich vorhin ein komplettes Körper-Pflege-Programm durvhgeführt habe, in der Hoffnung mich danach besser zu fühlen (hat nicht geklappt), bin ich nun erledigt. Werde erst mal schlafen gehen. Ist echt ätzend wenn man nichts geschissen bekommt….Danach muss ich nochmal ordentlich aufräumen damit alles top aussieht wenn meine Eltern gegen 10 zurückkommen. Wenigstens muss ich sie nicht vom Flughafen abholen. Das übernimmt meine Tante. (Autofahren ist auch so ein Thema. Ich hasse es. Ich habe Angst einen Fehler zu machen. Und oft schon Tage davor Panikattacken. Bin dann ein reines Nervenbündel. Ich weiß z.B schon dass ich am Samstag wieder fahren muss. Und das runiniert mir jetzt die ganze Woche. Gestern und vorgestern deswegen auch schon eine Panikattacke gehabt. Und geheult.  Obwohl ich rein objektiv betrachtet fahren kann. Aber ich schaffe es nicht diese Angst unter Kontrolle zu kriegen…)

Überraschungen. Schritt für Schritt weiter. :)

Und (ich war zu dumm einen wirklich passenden Titel zu finden) was ich am wichtigsten finde: endlich mal wieder ein positiver Eintrag in diesem Tagebuch/Blog! 🙂

Heute war ein sehr sehr turbulenter Tag. Und ich bin ein sehr schlechter Mensch -.-

Ich bin nach wenigen Stunden unruhigem Schlaf aufgewacht. Mit dem Gefühl jeden Moment die Kontrolle über alles zu verlieren. Ich war verbittert. Verzweifelt. Traurig. Meine Eltern wollten unbedingt da hin. Und ich wurde nach und nach immer ekliger. Dummer Streit. Und schließlich doch das Haus verlassen. Im Auto musste ich tatsächlich heftig gegen die Tränen in meinen Augen ankämpfen. Das Gefühl mir gleich eine Schule anzusehen, die mir eine Ausbildung zum Wunschberuf ermöglichen könnte, und gleichzeitig zu wissen dass es nicht klappen würde war unerträglich schmerzhaft. 

Und dann war ich da. Und es sah alles noch viel besser aus als ich mir ausgemalt hatte. Tolle Räumlichkeiten, sehr freundliche Lehrer, usw. Die Sekretärin hat gesehen dass ich eine Bewerbung dabei hatte, und tja, da kam ich dann irgendwie nicht mehr raus. Und zack, auf ein mal saß ich bei der Schulleiterin im Büro zum Gespräch. Ich war so nervös. Ich glaub ich hab geredet wie ein kompletter Vollidiot. Ich war überrumpelt, so etwas hätte ich nicht erwartet. 

Und dann das unerwartete: ich habe den Platz bekommen. Ich habe einen Ausbildungsvertrag mitbekommen, und ich habe 4 Wochen Zeit ihn zurückzuschicken. So lange bleibt der Platz für mich reserviert. 

Danach hat die stellvertretende Schulleiterin noch einen kurzen Vortrag über die Ausbildung gehalten. Sie unterrichtet Labor und „Rechnen“. Sehr interessant. Das war der Zeitpunkt an dem ich sämtlichen mir verblieben Mut zusammengekratzt habe. Nachdem sie fertig war ging ich auf die zu und sprach das verhasste Problem an. (Wir üben nämlich an uns gegenseitig, verstecken wäre da niemals möglich gewesen.) sie meinte das sei überhaupt kein Problem, reagierte sehr verständnisvoll, auch als ich erzählte dass ich eben genau deswegen schon mal eine sehr enttäuschende Abfuhr bekommen hatte. Sie meinte das ist kein Problem und es würde so oder so eine Lösung gefunden werden, und dass sie das in all den Jahren in denen sie unterrichtet auch schon öfters hatte und es versteht. 

Bildlich gesprochen: ich bin sehr überrascht dass der riesige Felsbrocken der mir in dem Moment vom Herzen gefallen ist kein größeres Erdbeben ausgelöst hat. 

Wir haben uns dann noch den Rest der Räumlichkeiten angesehen. Im Labor und in der Lehrpraxis waren auch Schüler die erklärt und gezeigt haben (einer hat meinem Cholesterinwert gemessen um zu demonstrieren wie es funktioniert). Es war unglaublich spannend und alle haben sich echt bemüht, auch die Lehrer sind immer irgendwo gewesen und haben einen angesprochen, man könnte Fragen stellen, es war toll. 

Ich kann gar nicht in Worte fassen wie überrascht mich das alles hat. Ich war so in diesem negativen Strudel gefangen, ich habe keinen noch so kleinen Lichtschimmer mehr sehen können. Und doch ist er zu mir gekommen.  

Und zwar hauptsächlich durch meine Eltern. Ich habe diese Menschen eigentlich gar nicht verdient. Sie sind pures Gold wert. Und ich werde mein Verhalten von heute wieder gut machen. Und zwar sowas von. Die beiden fliegen morgen mit Freunden nach Prag, und wenn sie wiederkommen beginnt Mission „mach es mehr als wieder gut und danke ihnen in jeder erdenklichen Weise“. Und ich freue mich darauf.

Und die Zusammenfassung am Ende dieses Tages: wider Erwarten habe ich tatsächlich bekommen was ich mir so sehr gewünscht habe: Einen Ausbildungsplatz an dieser Schule. Und im September starte ich dann in dieses neue Kapitel meines Lebens. In die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Und ich kann es kaum erwarten! 🙂 und ich werde mein allerbestes geben. 

08. März 2016

Heute war kein guter Tag. Morgen ist der Tag der offenen Tür an der Schule, an der ich mich bewerben wollte. Man bemerke die Vergangenheitsform. Denn nachdem mir klar geworden ist, dass das nichts werden kann, habe ich den Gedanken ja verworfen. Aber meine Mutzer weigert sich das zu akzeptieren. Heute war sie dermaßen angepasst, dass sie die Bewerbung einfach selbst fertig geschrieben hat. Und morgen wird sie mich wahrscheinlich da hin zwingen. Überlege mich zu weigern. Scheiß auf den Streit. Ich kann und werde das nicht machen. Ich will mir den Schmerz, die Demütigung ersparen. Mal ganz zu schweigen davon dass die Schule einiges kosten würde. Das wäre totale Geldverschwendung. 

Habe wieder vermehrt Panikattacken. Die rauben mir den Atem und zehren an meinen eh schon stark eingeschränkten Kräften. Täglich mit heftigem Todeswunsch zu kämpfen. Ich bin total am Ende. Starre den ganzen Tag nur vor mich hin. Nehme nicht wirklich was wahr. In den Momenten, in denen mir alles zu viel wird fliehe ich in mein Zimmer. Liege auf dem Boden. Bewegungslos. Lautlos. Verstummt. Gefesselt von all den Gefühlen. All dem Schmerz.

 Ich vergrabe mich immer weiter. Keine sozialen Kontakte mehr. Kaum noch Gespräche mit meinen Eltern. Und gleichzeitig vermisse ich J. so sehr, dass es weh tut. Dass ich davon Alpträume bekomme. Und mich noch mehr hasse. 

Die Hoffnungslosigkeit frisst mich auf. So sehr ohne Perspektive war ich glaub ich noch nie. 

Ich habe nicht mal mehr SV-Druck. Im Gegenteil. Ich blicke auf meinen Körper und ein grenzenloser Hass durchflutet mich. Nicht nur auf das fegte, hässliche etwas an sich, sondern auf jede einzelne Narbe die mich fürs Leben zeichnet. Der Selbsthass ist oft so überwältigend, dass ich das Gefühl habe mich jedenMoment  übergeben zu müssen. 

Ich habe keinen Plan. Keine Ideen mehr. Weiß nicht was ich mache. Was ich tun soll. 

Habe so eine riesen Angst vor morgen. Vor der Auseinandersetzung mit den Eltern. Vor den Vorwürfen, der Wut, der Enttäuschung die auf mich zukommen werden. 

Ich bezweifle dass ich heute Nacht schlafen werde. Ich bin erschöpft, todmüde, aber mein Kopf wird mir keine Ruhe lassen. Es wird eine dieser Nächte, die mir inzwischen vertraut sind. Schlaflos in Bett liegen. Weinen. Allein.

05. März 2017

Alles geht den Bach runter. Mit dem Plan mich für meine Wunschausbildung zu bewerben hatte ich ein paar Tage wieder Hoffnung. Aber dann hab ich der harten Realität ins Auge geblickt. Das kann nichts werden. Ich habe bereits mit 14 Jahren begonnen mir das zu verbauen. Ich verabscheue mich. Was ich aus meinem Leben gemacht habe. Dass ich „krank“ geworden bin. Ich hasse mich.

Keinerlei Hoffnung mehr auf ne Zukunft. Nur noch exisiteren. Jeden Tag aufs neue beginnt der Kampf diesen irgendwie zu überstehen. Ablenkung Ablenkung Ablenkung. Tränen zurückdrängen. Nichts dummes anstellen. Mir den Schmerz und die tiefe Verzweiflung nicht anmerken lassen.

Und jetzt muss ich mich noch um die Sache mit dem Job kümmern. Was anderes suchen. Bewerbung umschreiben. Alles zu viel.

Ich schlafe wieder extrem viel. Und wenn ich mich aus dem Bett zwinge bin ich trotzdem völlig erschöpft.

Meine Tabletten gehen bald aus. Ich werd mir keine neuen mehr holen. Zum Glück haben meine Eltern das bisher nicht so ganz überissen. Hab aber Angst vor dem Gespräch wenn es irgendwann rauskommt.

Soziale Kontakte habe ich kaum bis gar nicht mehr. Es gibt Momente in denen ich das vermisse, in denen es sogar unglaublich weh tut J. verloren zu haben. Aber auch diese Momente werden seltener. Ich merke wie ich immer mehr abstumpfe, mich tief in mir drin verkrieche. Ich frage mich ob ich jemals wieder ganz herauskommen werde….

Ständig diese Kopfschmerzen…ist nicht hilfreich wenn man nur noch überlebt indem man sich ablenkt (Bücher, Serien etc. gehen da nicht wirklich…)

In ca. 6 Wochen werde ich 23. Deprimierend. Versagt auf ganzer Linie. Bereits mit 17 hatte ich versucht zu gehen. Wie sehr ich mir wünsche damals nicht überlebt zu haben. Aber jetzt bin ich hier. Und habe diese Option nicht. Zumindest noch nicht. Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja in den nächsten Monaten den letzten Rest Egoismus zusammenzukratzen…irgendwie bezweifle ich es. Ich werde einfach weiter vor mich hin leiden, innerlich immer mehr absterben.