Sterben ist…

In der letzten Zeit, wandern meine Gedanken immer wieder zurück zu diesem Tag, als ich in meinem Badezimmer saß und die Tabletten schluckte.

So viele denken, dass es aus reinem Egoismus geschieht, dass man überreagiert und impulsiv, ohne genau nachzudenken handelt. Und das man im Moment des weggleitens doch sicher alles bereut. Und vor allem anderen: wie feige es doch sei.(Jedenfalls habe ich bisher diese Erfahrungen mit Menschen gemacht.

Aber was sie auch alles zu diesem Thema sagten…
Bei mir war es anders.

Ich habe sehr wohl nachgedacht. Und ich hatte auch Angst. Nicht vor dem Tod, sondern dem sterben an sich. (Ich war damals naiv und dumm genug wirklich zu denken dass ich sterbe. Nun ja, nobody’s perfect.)

Aber ich habe gelernt. Der körperliche Prozess des Sterbens, egal auf welche Weise, könnte niemals den seelischen Schmerz dabei übertreffen. Es ist ein Schmerz, den man nicht in Worte fassen kann. In keine Worte die diese Welt kennt jedenfalls. Es tut weh. Der Gedanke, wen du zurücklässt verbrennt dich von innen. Du fühlst ihren Schmerz. Du spürst einen Hass auf dich, weil du das tust, aber du bereust nicht. Denn es geht nicht. Du kannst nicht länger kämpfen, du hast es versucht. Es ist kein Egoismus, das wäre es nur dann, wenn man kampflos aufgibt. Hast du gekämpft? Wenn man die Frage für sich ehrlich mit ja beantworten kann, dann ist es keine egoistische Tat.
Doch selbst dieses Wissen wird dich nicht davon abhalten dich ein letztes mal zu verurteilen. Zu hassen. (Etwas das ein wirklich egoistischer Mensch niemals tun würde!)

Du weißt du hast verloren. Du gehst diesen letzten Schritt in dem Wissen was du tust. Du weißt es ganz genau. Du hast darüber nachgedacht. Und du fühlst den Schmerz. Diesen schrecklichen Schmerz den du nicht beschreiben kannst. Die eigene Wut über deine Schwäche treibt ihn noch mehr an. Kein Schrei, keine Träne, da gibt es nichts was diesen Schmerz ertragbarer macht.

Und dann kommt der Moment, in dem du merkst wie dein Bewusstsein dir entgleitet. In meinem Fall hatte ich damals nochmal die Frage zu klären, ob ich nicht doch noch um Hilfe rufe. Ich tat es nicht. Ich wollte loslassen, es war zu viel.

Es ist keine leichtfertige, impulsive Überreaktion, es ist verdammt hart.

Und feige? Wie kann man so einen Kampf nur als feige bezeichnen. Es wäre, als würde man einem verwundeten Soldaten sagen, es wäre feige nicht einfach verletzt weiterzukämpfen. Tut man das? Nein, man hat Verständnis. Wieso nicht auch hier? Es ist ein Kampf, es ist eine Schlacht die man schlägt. Es sind sogar viele davon. Angefangen bei jedem einzelnen Tag, bis hin zur großen letzten, bei der man weder Gewinn noch Niederlage benennen kann. Das kann nur jeder einzelne für sich tun. Und manchmal verliert man. Ist man deswegen schlechter,gemeiner, feiger und schwächer und so ganz anders? Nein, ganz bestimmt nicht.

Also, was genau ist sterben jetzt? Ich denke, Sterben ist leicht, aber auch schwer. So wie atmen. Es ist so leicht, und trotzdem gibt es Zeiten, da ist es schwerer als alle Gewichte dieser Welt.

PS: das ist allein meine Erfahrung und meine Gedanken dazu. Ich weiß nicht wie es bei anderen war. Ich schreibe das für mich, um mich selbst noch intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen.